Diesmal sind’s die Augen.

Seit letztem Dienstag hatte ich rote Augen. Das ist in sofern beachtlich, dass meine Augen widerstandsfähig sind und eigentlich nie rot werden.

Am Sonntag hatte ich dann genug, und auch ein wenig Sorge, und begab mich zum Augenarzt, der glücklicherweise am Sonntag Vormittag geöffnet hat. Dort wurden meine Augen mit Luft bepustet, meine Augenlider hochgeklappt (bäh) und festgestellt, dass es wahrscheinlich eine allergische Reaktion auf irgendetwas ist. Große Klasse.

Augentropfen habe ich natürlich auch bekommen, gleich drei verschiedene. Manchmal habe ich das Gefühl, dass in Japan mehr verschiedene Medizin ausgegeben wird als in Deutschland…

Auf jeden Fall jetzt jeden Tag vier Mal drei verschiedene Augentropfen, mit jeweils fünf-minütigem Abstand. So macht das doch Spaß!

(Und jetzt gehe ich zum Handy-Laden, in der Hoffnung, dass die mir mein Bluetooth reparieren können – das will seit gestern nämlich plötzlich gar nichts mehr.)

Nichts passiert. Nichts.

Die Reise ist bezahlt. Wir fliegen also nach Hokkaidô! Das ist das erste Mal seit letzten Sommer, dass wir ganz alleine irgendwo hinfahren. Na ob wir uns da nicht an die Gurgel gehen…

Ansonsten passiert hier nicht so viel.

Am Sonntag waren wir mit den Schwiegereltern am Fluss grillen. Ich muss zugeben, dass ich dem Fleisch nach japanischem* Geschmack, nämlich mit viel Fett, nicht viel abgewinnen kann. Wie man davon viel verspeisen kann ist mir ein absolutes Rätsel. Zum Glück hatten wir auch Salat dabei.

* das bezieht sich ausschließlich auf meine Bekannten und meine Familie.

Am Fußweg am Fluss entlang stehen auch viele Kirschbäume, die am Sonntag teils noch blühten. Die meisten Blütenblätter waren aber schon heruntergeweht worden. Teils sind große Flächen ganz weiß davon. Inzwischen blüht es sicher nicht mehr so schön, aber nächstes Jahr gibt’s ja wieder die Kirschblüte!

Aber vorher muss ich zu den Feuerwerken im Sommer! Bisher war ich noch nie bei einem. 2008 war ich grad erst in Japan angekommen, 2009 war ich vorher schon wieder in Deutschland. 2010 war ich zur Regenzeit zu Besuch und 2011 waren die meisten Feuerwerke wegen des Erdbebens im März gestrichen worden. Dieses Jahr dann, endlich!

 

Der Frühling ist da.

Wir waren heute (und am Dienstag auch) mit den Kindern beim 花見 (Hanami; wörtlich Blumengucken), denn die Kirschbäume blühen.

Mit einer sehr kurzen Blühzeit ist die Kirschblüte das Symbol für Vergänglichkeit – die Blütenblätter fallen herab und machen Platz für die neuen Blätter. Von März bis Mai werden viele Lebensmittel mit Kirschblütenthema versehen, so gibt es Kirschblütenpudding und KitKat mit Kirschblütengeschmack. Ich weiß übrigens nicht so ganz genau, wonach Kirschblüten schmecken, es scheint aber nicht einfach nur Kirschgeschmack zu sein.

Schön ist sie auf jeden Fall, die Kirschblütenzeit. 🙂

Hochzeitsfeier. Nicht meine.

Gestern gab es keinen Eintrag, weil ich vom Hochzeitsfeiern noch total fertig war. Am Sonntag waren wir zur Hochzeit eines Studienfreundes meines Mannes nach Gunma eingeladen.

Vorher ging es für mich zum Friseur, weil ich noch immer mit meinen Haaren selbst gar nichts anfangen kann, und mich dann lieber in die fähigen Hände von jemand anders begebe, bevor ich meine Haare aus Versehen anzünde. Dank dieser helfenden Hände tat mir aber den ganzen Tag die Kopfhaut weh, denn an der wurde kräftig gezogen. Irgendwann, wenn meine Haare mal wieder länger sind, geht das vielleicht auch einfacher.

Die Hochzeit fand in einem Hochzeitshaus statt, war also komplett durchgeplant und als Paket bezahlt. Zuerst ging es zur Zeremonie selbst, bei der ein ausländischer Pfarrer (aus Kanada oder Amerika, keine Ahnung) in einer nur für diesen Zweck benutzten Kathedrale eine Ansprache hielt (auf Japanisch), die beiden sich das Eheversprechen gegeben haben und zu Mann und Frau erklärt wurden. Etwas eigenartigerweise waren die Sängerinnen in Nonnenkutten gewandet, aber gut, Kitsch.

Dann wurden im Innenhof Blütenblätter geworfen und Fotos geschossen. Machen die Fotografen dann auch mit jeder Kamera, die sie gereicht bekommen, weswegen auf meiner Kamera auch einige Bilder gelandet sind. Als wir uns im Festsaal niedergelassen hatten, mussten wir aber noch einmal eine halbe Stunde warten – das Paar musste umgezogen werden, in traditionelle japanische Hochzeitskleidung. Generell hatten die wirklich viel zu tun, denn nach nur ein, zwei Reden, verschwanden sie erneut, um dann wieder in westlicher Kleidung zu erscheinen. Später musste auch noch die Torte angeschnitten, Fotos gemacht, Reden gehalten und vor allem gegessen werden.

Dass die Braut schon im vierten Monat schwanger ist, habe ich auch erst bei den Reden so richtig mitbekommen, vorher stand die Frage im Raum, warum die beiden so früh heiraten würden.* Vor allem der Bräutigam hatte viele Freunde eingeladen, die getanzt und Videos geschnitten hatten, und zwischendurch musste ich dann auch ein bisschen weinen.

* Nein, ich verstehe nicht, warum man in Japan, sobald die Freundin schwanger ist, heiraten muss.

Nach dem Essen ging es weiter zur Afterparty ohne Familie und viel Alkohol, und stark alkoholisierte Japaner sind schon… besonders. Beim Stimmungmachen kann ich da nicht so ganz mithalten, zumal ich auch kaum getrunken hatte. Aber auch betrunken bin ich keine Stimmungskanone… 😉

Um acht ging es dann wieder in Richtung Tokyo, erschöpft aber ganz glücklich. Es ist anstrengender Hochzeit zu haben, als zu einer eingeladen zu sein.