Die geheimnisvolle Box.

Unsere jetzige Wohnung ist recht neu, wir sind erst die zweiten Mieter. Die alte Wohnung war so alt wie ich und technisch auf einem dementsprechenden Stand. An neue Dinge gewöhne ich mich eher schnell, aber manches ist schon etwas eigenartig.

Wir haben jetzt zum Beispiel eine Alarmanlage mit unglaublich vielen Knöpfen und dreiundzwölfzig Modi, die ich hoffentlich nie durcheinanderbringen werde – falls wir einen Fehlalarm auslösen und die Leute von der Alarmanlagenfirma anrücken, ganz ohne dass ein Kettensägenmörder in der Nähe ist, müssen wir Strafe zahlen. Mein Mann hat aber große Angst vor allem, was mir potentiel gefährlich werden könnte, weswegen er darauf pocht, dass ich den Wunderkasten verwende.

Die Wunderbox

Die Wunderbox

Bisher ging das doch nicht, denn um den Modus zu ändern braucht man eine PIN. Das erzählt einem die Alarmanlagenbox auch ganz gerne viele viele Male, denn bekannterweise redet in Japan alles mit einem. Nur fand sich in unseren Unterlagen nirgendwo ein Hinweis auf diese Nummer.

Zum Samstagabend hatten wir uns jemanden von der Firma bestellt, der mir das Dings mal erklären sollte. Die Bedienungsanleitung hatte ich auf der Suche nach der PIN schon mal durchgeblättert, ganz fremd war mir die Bedienung also nicht, aber man musste es mir natürlich noch einmal groß und breit erklären. Klaro.

Auf jeden Fall habe ich jetzt die PIN, es ist eingetragen, wer angerufen werden soll wenn wilde Bären* in die Wohnung eindringen und einen Schlüssel zur Wohnung hat die Firma auch bekommen, falls ein Notfall eintrifft.

* Nicht dass plötzlich jemand Angst um unser leibliches Wohl hat: Bären laufen hier nicht einfach durch die Stadt.

Ich habe derweil mehr Angst, dass die Anlage einfach so losgeht, als dass hier jemand einbricht…

Monatsticket.

In Berlin gibt es tolle Monatskarten. Für alle Teilbereiche (AB und C) zahlt man höchstens 95€ im Monat und kann damit sämtliche Linien der BVG und S-Bahn verwenden. Ein Traum.

MonatskarteHier in Tokyo habe ich auch eine Monatskarte. Die gilt genau für die Strecke von unserem Zuhause bis zu meiner Arbeitsstelle. Auf meinem Arbeitsweg muss ich einmal von einer JR-Linie auf eine Keisei-Linie umsteigen, ich habe zum Umsteigen aber mehrere Möglichkeiten – mit meiner Monatskarte kann ich nur eine verwenden.

Bis zur Arbeit brauche ich ca. eine Stunde, für eine Strecke (Luftlinie) von etwas über 30km. Wie teuer ist meine Monatskarte? 28,770Yen (236€). Ja, für genau einen Monat. Zum Glück zahlen die meisten Arbeitgeber die Monatskarte, so auch meiner.

Je näher man übrigens an Tokyo kommt und je weniger verschiedene Bahngesellschaften man nutzt, umso günstiger wird die Monatskarte. Die Monatskarte von Ogikubo, wo ich 2008 bis 2009 gewohnt habe, bis Shinagawa, wo ich gearbeitet habe, kostete “nur” 8,890Yen (73€).

Einen Eintrag übers allgemeine Bahnfahren in Tokyo gibt es hier.

Frostbeule.

Eigentlich bin ich dieses Jahr 年女 (Toshi-Onna). Ich bin im Jahr der Schlange geboren, 2013 ist das Jahr der Schlange, ich sollte also vom Glück überhäuft werden. Irgendwie klappt das aber nicht so, wie ich es mir vorstelle: Ich bin seit Januar durchgängig mal mehr und mal minder erkältet, und nebenbei fange ich mir ständig irgendetwas Neues ein.

Letztens fingen meine Zehen an wehzutun und mein rechter kleiner Zeh wurde dick. Als ich den gestern meinem Mann präsentierte, begutatchtete er ihn kritisch und stellte eine Diagnose: Frostbeule! Frostbeulen waren mir bisher nur in der Umgangssprache als Bezeichnung für jemanden, dem immer kalt ist, bekannt. Nun habe ich also zwei, eine am kleinen und eine am großen Zeh, und mir bleibt nicht viel mehr als zu warten.

Seit Mittwoch ist auch meine Nase mal wieder zu. Es gibt zwei mögliche Ursachen: Entweder ich habe schon Heuschnupfen und die lieben Kleinen, die derzeit größtenteils mit Rotznasen durch die Gegend spazieren, haben mich angesteckt. Ich tippe auf Letzteres.

Eigentlich bestätigt mich das nur in der Annahme, dass ich dringend Urlaub brauche. Dann könnte ich mich auf unserem Sofa (die beste Anschaffung des Jahres!) einrollen, müsste nicht in die Kälte und hätte außerdem und vor allem keine Kinder in der näheren Umgebung. Traumhaft.

Bis dahin versuche ich mich mit Masken und Socken zu schützen. Mal schauen, mit was für Doktoren ich dieses Jahr noch Bekanntschaft machen darf.

Unliebsame Mitbewohner.

20130220_082419Am ersten Morgen in der neuen Wohnung ist uns etwas aufgefallen: Komische Geräusche. Geräusche, wie von Federvieh.

Heute Morgen hängte ich zum ersten Mal die Wäsche nach draußen zum Trocknen, schloss die Balkontür und plötzlich: Tauben! Wir haben verdammte Tauben auf unserem Balkon.

Plötzlich kamen noch weitere Tauben angeflogen und setzten sich auf einen (Elektronik?)-Kasten, den ich daraufhin kurz untersuchte. Baumaterial haben die angeschleppt! Warum? Weil die dort nisten!

Bisher haben sie mir noch keine Fäkalien auf die Wäsche angebracht, aber demnächst werden wir sie trotzdem rausschmeißen. Wer keine Miete zahlt wird vor die Tür gesetzt!