Origami: Rentier.

Der zweite Advent ist schon vorüber, deswegen ein neues Weihnachts-Origami. Das Rentier! Diesmal sogar mit Anleitung in Farbe. Auch diesmal einmal auf’s Bild klicken, um die große Anleitung sehen zu können.

1. Einmal diagonal falten.

2. Die unteren Ecken des Dreickecks nach oben falten.

3. Die Kanten aus der Mitte auf die äußeren Kanten falten.

4. Wie in der Grafik nach innen falten.

5. Die innere Falte auffalten und das längere Stück nach innen falten.

6. Linke und rechte Ecke an die Faltkante aus 3. falten.

7. Das gerade gefaltete minimal versetzt wieder zurückfalten.

8. Wie in der Grafik zur Seite falten. Dafür gibt es keine Faltlinie.

9. Die obere Ecke nach innen falten.

10. Umdrehen.

11. Gesicht malen oder aufkleben.

Fertig!

Im Magazin ist es übrigens als wirklich schwer gekennzeichnet. Ich glaube nicht, dass die Kinder auf Arbeit, selbst die großen (sechs Jahre), das allein und ohne Hilfe falten könnten, weswegen wir andere Rentiere basteln werden.

Ich fand’s trotzdem sehr niedlich und wollte es einfach mal zeigen.

(Anleitung aus Piccolo, einem japanischen Magazin für Erzieher.)

Und so lief’s dann.

Gestern war der JLPT. Bekannterweise hatte ich mich für den N1, den schwersten der Tests, angemeldet. Der wurde gestern, ganz in der Nähe, in einer Universität geschrieben. Dafür waren gleich fünf Gebäude des Komplexes, wahrscheinlich eines pro Teststufe, belegt.

Es war sehr eigenartig, auch weil man einmal die Realität* der Länderverteilung bei den Ausländern in Japan gesehen hat: In meinem Raum waren 100 Teilnehmer, davon fünf, die westlich aussahen. Der Rest kam aus anderen asiatischen Ländern, und so kann man sich das auch im Alltag vorstellen.

* Natürlich nur die Realität derer, die den JLPT bestreiten.

Also an den richtigen Platz setzen, alles runter vom Tisch außer Test-Schein, Bleistift, Radiergummi und Armbanduhr, Handy aus, alles fünf Mal überprüfen und auf die Sekunde genau mit allen Teilen anfangen.

Nun hatte ich erwähnt, dass man 2 000 Kanji, 10 000 Vokabeln und mysteriöse Grammatik kennen muss, mitsamt des Leseverständnis-Teils erstreckt sich das aber nur über 70 Fragen. 70 Fragen, davon wahrscheinlich über die Hälfte zu Dingen, die ich nicht gelernt hatte, zielsicher wie ich bin. Bei so einem kleinen Exzerpt aus dem ganzen Lernvolumen ist das aber sicher auch kein Wunder. Leseverständnis und Hörverständnis liefen dafür sehr gut, wie vorher gedacht, nach den neuen Regeln brauche ich aber in jedem Bereich 70%…

Das heißt: Im Sommer noch mal versuchen, bis dann lernen. Nicht mehr so, als würde ich mein Hirn in den Selbstmord treiben wollen, sondern nach der Arbeit, regelmäßig. So weit der Vorsatz. Im Februar kommen die Ergebnisse, dann kann ich genau sagen, wie sehr ich versagt habe.

Dafür hat mein Mann mich abgeholt, war ganz besonders lieb, und ich habe eine neue Bommelmütze. Hätte also schlimmer laufen können.

Yokohama China Town.

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Letzte Woche Mittwochs war irgendein Feiertag. Mein Mann musste dennoch arbeiten, aber um elf Uhr bekam ich einen Anruf – er sei schon fertig, was wir unternehmen würden. Erstmal Zusammentreffen in Shinagawa und dann konspiratives Pläneschmieden. Von unserem Zuhause aus braucht man bis Yokohama fast eine Stunde, und Bahnfahren schlaucht vor allem wenn es kälter wird*, weswegen wir weite Bahnfahrten vermeiden. Von Shinagawa aus braucht man bis Yokohama aber weniger als 17 Minuten, und so setzten wir uns in eine Bahn in Richtung Yokohama Sakuragichō, um die China Town (中華街) zu besuchen.

* In den Bahnen ist es warm, so dass man seine Jacke ausziehen müsste. Es ist aber auch eng, weswegen man es lieber sein lässt. Und so schlafe ich derzeit jeden Tag auf dem Weg nach Hause ein, es ist einfach zu kuschelig.

Eigentlich sehen wir von Yokohama auch nie mehr als diesen kleinen Bereich, was eigentlich recht schade ist.

China Town war natürlich gerammelt voll, an einem Feiertag, auch mit chinesischen Touristen. Außerdem campieren dort Horden von Maronen-Verkäufern vor großen Schildern, auf denen gewarnt wird, man solle von den Verkäufern keine Probiermaronen annehmen, sonst habe man sie so lang an der Backe, bis man etwas kauft.

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Wir waren aber eh nur für die Nikuman da, eine Abart der echt chinesischen Baozi – oder auch “Hefeknödel mit Fleisch drin”. Ayato behauptete einen unglaublich guten Laden zu kennen, der sich dann aber leider als doch nicht ganz so toll herausstellte, obwohl generell alles besser schmeckt, wenn man es dort isst. Zuhause ist der ganze Zauber verflogen und man fühlt sich, als würde man etwas aus dem Conbini essen.

Schön war es trotzdem, am nahen Hafen haben wir uns vom Trubel erholt und festgestellt, wie viel weiter Yokohama als Tokyo ist. Die Straßen wirken im Vergleich breiter und die öffentlichen Grünflächen größer. Vielleicht lag’s auch einfach am grandiosen Wetter.

Das ist nun leider vorbei, heute haben wir 10°C mit eiskaltem Wind und Nieselregen. Wir konsumieren fleißig Vitamin C und nehmen warme Bäder (unsere Gas-Rechnung, oh Schreck!) um fit zu bleiben bis Weihnachten. Dann können wir endlich umfallen.

Kurz eingeschoben: Japanische Kinder.

Wir waren gestern mit unseren Kindern im Park. Dort hielten sich auch Vorschulkinder eines anderen Kindergartens auf. Nach einiger Zeit kam eines der Mädchen des anderen Kindergartens, von ihren Freunden beobachtet, auf meinen Mitarbeiter und mich zu.

Mädchen: Warum sprecht ihr Englisch?

Ich (lachend): Weil wir Ausländer sind. Nein, wir sind von einem internationalen Kindergarten.

Mädchen: Ach so.

Sprach’s und rannte zurück.

Wir waren schwer beeindruckt, normalerweise sprechen uns nicht einmal die japanischen Erzieherinnen anderer Einrichtungen an, wahrscheinlich, weil sie angst haben, dass sie Englisch sprechen müssten. Ein mutiges kleines Mädchen also. Mich hat es auf jeden Fall sehr gefreut, dass sie sich getraut hat uns anzusprechen und ehrliches Interesse hatte. =)