Unsere Neujahrsreise.

Aus arbeitstechnischen Gründen wissen wir derzeit nicht, wann wir nach Januar wieder gemeinsam Urlaub nehmen können werden. Deswegen haben wir den Plan von “Neujahr zuhause unterm Kotatsu” umgestoßen und fahren doch in den Urlaub. 🙂

Die ursprüngliche Überlegung war Taiwan, aber das war wegen des Neujahrszuschlags* und des billigen Yen mit fast 100,000Yen (ca. 700€) pro Person zu teuer für uns. Also musste etwas inländisches her, es gibt schließlich noch immer viele Präfekturen in denen ich noch nicht war.

* Fast jeder hat vom 28. Dezember bis zum 5. Januar frei.

Wir haben uns für Kōbe (神戸) entschieden. Während es auch Angebote für Reisen mit dem Shinkansen gab, haben wir etwas mehr Geld ausgegeben um via Haneda zu fliegen. Außerdem zahlen wir etwas mehr um in einem schöneren Hotel zu übernachten. Nach unserer Neujahrsreise letztes Jahr nach Korea möchten wir einfach auf Nummer sicher gehen, dass es wirklich toll wird. Außerdem feiern wir am 4. Januar auch das fünfjährige Bestehen unserer Beziehung. 😀

Kôbe sieht von dem, was wir bisher recherchiert haben, total schön aus, mit europäischen Häusern (北野異人館, Kitano Ijinkan), niedlichen Läden und Restaurants in alten Bankgebäuden. Außerdem gibt es einen Hafen und von den Bergen in der Umgebung eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt bei Nacht. Perfekt für romantische Tage.**

** Wir sind Ich bin so romantisch wie trocken Brot.

Außerdem werden wir wahrscheinlich Kobe-Rind essen, obwohl ich da um ehrlich zu sein gar nicht so scharf drauf bin. 😉

Origami-Weihnachtsbaum.

20131206_122246Diesen Weihnachtsbaum haben wir letztens gebastelt. Recht simpel, beim vierten Schritt mussten wir aber mithelfen. Der Trick ist nur das obere Papier zu falten und das untere herausploppen* zu lassen.

* Ich bin ein Magier mit Worten.

Wir haben die Bäume mit runden Aufklebern aus dem Bürobedarf beklebt, das sieht niedlich aus ohne viel Arbeit zu machen. Irgendwo hat man diese Teile schließlich immer herumfliegen. 🙂

Weihnachtsdekoration ist nämlich immer ganz süß, das Problem ist nur, dass wir im Dezember nur drei Wochen Unterricht haben und ich nicht schon im November anfangen möchte zu basteln. Die Sachen hängen also nur kurz herum, nach Neujahr sind sie schließlich nicht mehr aktuell…

Line. Whatsapp auf Japanisch. Nur besser.

Weil zwar noch immer Dinge passieren, aber ich noch immer nicht über sie schreiben möchte, ein kleiner Eintrag zu einer App, die mir die Fernbeziehung um einiges leichter gemacht hätte: LINE.

Line ist ein Instant-Messaging Dienst fürs Smartphone (Android und iPhone), der einiges einfacher macht. E-Mails, worüber die Nachrichten von Handy zu Handy hier sonst funktionieren, sind nämlich nervig, wenn man eine Unterhaltung führt. Dort steht jede Nachricht für sich allein, so dass man sich durch ewige Mails klicken muss, wenn man nach etwas sucht. An sich ist Line das japanische Whatsapp, nur besser. Sage ich einfach mal so. 😉

IMG_1291Mit Line kann man auch ohne Handy-Nummern auszutauschen miteinander quatschen, Fotos versenden oder wie mit Skype anrufen. Leute, die man im Telefonbuch hat und die ihre Nummer mit ihrem Line verbunden haben, werden automatisch hinzugefügt.

Das beste (und gleichzeitig kindischste) an Line sind aber die ganzen Stempel/Sticker! 😀 Das sind Bildchen, wie das unten links im Screenshot, die man statt Emoticons durch die Gegend schicken kann. Recht viele kann man kostenlos bekommen*, oder man blättert Geld hin. Und ja, das habe ich gemacht. Ich bereue nichts! Jetzt habe ich nämlich 靴下にゃんこ (Kutsushita Nyanko; Sockenkätzchen)-Sticker 😀

* Leider unterscheidet sich das Angebot zwischen den Ländern stark 🙁

Line wurde nach dem Unglück im Frühjahr 2011 eingeführt. Damals waren die Handy-Netze oft nicht erreichbar, die Leute hatten aber noch Internet. Also brachte die koreanische Firma NAVER die App nach Japan und seitdem ist sie ein riesiger Erfolg. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich die letzte reguläre E-Mail mit meinem Handy geschrieben habe…

Demnächst dann spannendere Dinge, aber wir sind noch immer in den Vorbereitungen für unsere Weihnachtsfeier und ich hoffe, dass die Kinder nicht alle morgen vor Lampenfieber alles vergessen. Bis dann!

Unverschämtheit.

In vielen japanischen Bahnen gibt es 優先席 (Yûsenseki; Vorzugssitzplatz?). Diese sind für ältere Mitbürger, Schwangere oder Leute mit körperlichen Einschränkungen gedacht. Also für Leute, die wirklich ein größeres Bedürfnis nach einem Sitzplatz haben als der Rest. Für gewöhnlich wird das auch sehr gut eingehalten. Entweder man setzt sich gar nicht erst auf einen solchen Platz (in fast jedem Abteil gibt es mindestens sechs) oder man bewegt seinen Hintern wenn jemand, der den Sitzplatz offensichtlich dringender braucht, vor einem erscheint. Ein ganz simples System.

Anmerkung: Nach all den Kommentaren fühle ich mich gezwungen anzumerken, dass das System scheinbar nicht immer funktioniert und die Plätze oft nicht abgegeben werden. Ich persönlich habe das noch nicht so sehr gemerkt, aber ich benötige die Sitze weder selbst noch sitze ich für gewöhnlich auf ihnen.

Auf meinem Weg nach Hause habe ich ungelogen das erste Mal gesehen, dass es damit Probleme gab. Zwei Jugendliche, und hier fangen meine Vorurteile an, in Schlabberklamotten, die zweieinhalb Sitze von drei Vorzugssitzen einnahmen, weil sie offensichtlich nicht gerade sitzen konnten. Daraufhin beschwerte sich eine ältere Frau auf dem dritten Sitz, dass sie nur sehr wenig Sitzfläche habe.

Das Gespräch lief dann auf folgendes hinaus:

Ältere Frau: Warum sitzt ihr hier überhaupt? Ihr seid jung.

Jugendliche: Warum sitzen Sie denn hier?

Ältere Frau: Ich habe Bein!*

Jugendliche: Sie (die andere Jugendliche) hat Bauch, deswegen kann sie nicht richtig sitzen.

Ältere Frau: Aber schau mal, du nimmst so viel Platz ein!

Jugendliche: Wenn Sie ein Problem haben, können Sie ja im Green Car fahren!

Ältere Frau: Du Göre, das machst du nur zum Spaß und ich habe wirklich Probleme mit dem Laufen!

Usw. usf.

* Das war auch das erste Mal, dass ich jemanden das sagen gehört habe. Sie sagte “私は足です”, was “Ich bin Bein” heißt, aber wahrscheinlich analog zum deutschen “Ich habe Bein” ist.

Das ist für mich erwähnenswert, weil es ziemlich selten vorkommt, dass sich hier jemand in der Öffentlichkeit streitet. Außerdem sind hier ältere Leute eigentlich noch besser angesehen als in Deutschland, ich habe hier noch nie Teenager mit ihnen streiten gesehen. Natürlich sind Teenager hier sonst auch nicht viel besser als in Deutschland und durchaus nervig, aber sowas…

Und an solchen Einträgen merkt ihr, in was für einer Blase ich hier lebe. 😉 Da sind rotzige Teenager noch etwas, worüber man sich aufregen kann.