Trommeln bis der Arzt kommt.

Letzten Mittwoch war ich mit Japanize bei einem 和太鼓 (Wadaiko; Taiko)*-Konzert, bei dem man auch selbst trommeln konnte. Das ganze fand im 天空劇場 (Tenkû-Gekijô; Himmels-Theater) des 東京芸術センター (Tôkyô Geijutsu Center; Tokyo Art Center) in 北千住 (Kitasenju) statt und der Eintritt war frei.

* Das 和 (wa) vor 太鼓 (Taiko) spezifiziert nur, dass es sich um japanische Trommeln handelt.

1544311_860157664018921_6636406331433772735_n

Alle Fotos via Japanize

Getrommelt hat die 和太鼓グループ 彩 (Wadaikô Group Sai), aber vor dem Konzert durfte ersteinmal ausprobiert werden.

Nun bin ich natürlich komplett unrhythmisch und unmusikalisch und sowieso, ließ mich aber recht einfach überreden trotzdem auf der Bühne zu trommeln.

Es hat durchaus Spaß gemacht, aber zum Glück mache ich das nicht professionell. 😉 Die Taiko-Gruppe hat sich auch wirklich bemüht auch für die, die kaum Japanisch verstehen, alles zu erklären, was durchaus lustig war. Japanisches Schulenglisch halt. 😉

10671293_860141114020576_146320531311632360_nNach einer kurzen Pause begann dann das Konzert, und es war – interessant. Ich mag Taiko-Musik ganz gern, vor allem bei 夏祭り (Natsumatsuri; Sommerfesten) und 盆祭り (Bon-Matsuri; Bon-Festen), aber für mich ist es Event-Musik. Zuhause würde ich es mir wahrscheinlich nicht anhören. 😉 Als Konzert war es aber wirklich nett und eindrucksvoll. Ich könnte wahrscheinlich keine zehn Minuten trommeln ohne erschöpft umzufallen – das Konzert ging eine Stunde.

Letztendlich war es ganz nett es mal gesehen zu haben, ich habe nette Leute getroffen und hatte viel Spaß, aber ein großer Fan werde ich wahrscheinlich nicht. 🙂

 

Tokyo Café Tour: Aoyama Flower Market Tea House.

Letzte Woche verabredete ich mich mit einer Freundin an der 表参道 (Omotesandô) und beim Prüfen meiner “Cafés in die ich gehen will”-Liste fiel mir auf, dass eines ganz in der Nähe sein würde: Das Aoyama Flower Market Tea House.

Leider hatte ich meine Kamera vergessen. :(

Leider hatte ich meine Kamera vergessen. 🙁

青山フラワーマーケット (Aoyama Flower Market) ist ein Blumenladen, der landesweit, aber vor allem in Tokyo und Umgebung, Läden hat. Wir haben einen im Bahnhof, und ich kaufe immer mal kleine Sträuße für den Küchentisch. 🙂 Aoyama ist natürlich auch ein Stadtteil Tokyos, mit hübschen und teuren Geschäften, östlich von 原宿 (Harajuku) und 渋谷 (Shibuya).

20140930_163914Dort liegt der Laden dann auch, direkt am Bahnhof Omotesandô, im Stadtteil 南青山 (Minami-Aoyama; Süd-Aoyama). Beim Vorbeigehen sieht man nur den Blumenladen, hinter dem sich das Café befindet. Das Café ist natürlich mit unglaublich vielen Pflanzen dekoriert, derzeit mit Kürbissen und viel Orange – bald ist schließlich Halloween. 🙂 Es riecht natürlich auch unglaublich gut und sieht aus wie ein Garten, nur halt drinnen und ohne den gewöhnlichen Dreck, den man in einem Garten finden würde. Blumen Ja, Erde auf dem Boden Nein! 😉

Mein Smartphone macht keine schönen Fotos von Essen. :(

Mein Smartphone macht keine schönen Fotos von Essen. 🙁

Wenn es schon Tea House heißt, gibt es natürlich auch verschiedene Tees. Natürlich nicht halb so viele wie etwa bei Smith & Hsu in Taipei, aber doch genug um für jeden etwas dabei zu haben. Ich entschied mich für Nectar Royale, Früchtetee mit Apfel, Pfirsich, Ananas, Erdbeere, Rose und Hibiskus. Sehr süß, aber lecker. 🙂 Außerdem gibt es drei warme Speisen, einen Salat und verschiedene Desserts. Für mich gab es ナスのミートグラタン風オープンサンド (Nasu no Meat Gratin-fû Oven sando; überbackene Ofensandwiches mit Aubergine und Fleischsauce). Auch hier gab es nichts zu meckern, zumal es neben Salat auch Sauerkraut (!!!) auf den Teller geschafft hatte. Gutes Sauerkraut! Das rechtfertigt dann auch die etwas höheren Preise. 😉 20140930_170756

Das japanische Menü findet ihr hier. Da sich eh jeder Japantourist, der in Tokyo unterwegs ist, irgendwann in Harajuku und Shibuya wiederfindet, würde es sich für eine kleine Verschnaufpause anbieten – wenn man denn Japanisch lesen kann, denn es gibt kein englisches Menü. So kann man zwar bei den Fotos der Speisen sehen, was man bekommt, bei Tees ist das aber ein wenig schwieriger.

Der Laden ist wirklich wunderschön und wenn ich nächstes Mal wieder in der Ecke unterwegs bin nehme ich vielleicht meine richtige Kamera mit und mache noch einmal schöne Fotos. 🙂

Aoyama Flower Market TEA HOUSE 東京都港区南青山5-1-2 / Tokyo, Minato, Minami-Aoyama 5-1-2

Taipei, Tag 4: Ans Wasser.

Unser letzter Tag in Taipei begann mit strömendem Regen. Wir frühstückten im riesigen Starbucks in 西門 (Ximen) und beobachteten vom zweiten Stockwerk aus die vorbeilaufenden Menschen, als die Wolkendecke plötzlich aufbrach. Vielleicht würde man ja doch noch etwas unternehmen können.

IMGP1755In 台北車站 (Taipei Main Station) setzten wir uns in eine Bahn der roten Linie um bis zur Endstation zu fahren – nach 淡水 (Tamsui).

Nach etwa 35 Minuten Fahrtzeit, während derer ich unglaublich müde wurde, stiegen wir an der Endstation aus und fanden uns in einer kleinen Stadt wieder.

Tamsui liegt am gleichnamigen Fluss, kurz bevor dieser ins Ostchinesische Meer fließt.

Mit unter 150.000 Einwohnern ist die Stadt wirklich etwas verschlafener als Taipei, als Touristenort aber offensichtlich beliebt. Auf den Straßen waren recht viele Touristen unterwegs, auch viele Japaner, und überall wurden Waren angeboten. Eigenartigerweise auch viel Spielzeug.

IMGP1781Wir hatten natürlich auch ein Ziel, und zwar sollte es zum Fort Sant Domingo gehen. Warum da plötzlich ein europäisches Häuschen in Taiwan steht?

Weil Tamsui eine wirklich interessante Geschichte hat: 1629 bis 1641 war die Stadt von Spaniern besetzt, die Fort Sant Domingo erst aus Holz aufbauten. Das erwies sich jedoch als Fehler, als 1636 über die hohen Steuern erboste Einheimische das Fort zerstörten.

IMGP1784Daraufhin wurde es wiederaufgebaut, diesmal aus Stein.* Um auch jeden abzuschrecken wurden sechs Meter hohe Mauern gezogen. Nicht dass das den Spaniern groß geholfen hätte, 1642 wurden sie von den Niederländern vertrieben. Fort Santo Domingo wurde dem Erdboden gleich gemacht, die Niederländer setzten ihr eigenes Fort auf den Berg, bevor schließlich wieder die Chinesen an der Reihe waren und es von 1683 bis 1867 unter ihrer Kontrolle hatten.

* Ähnlichkeiten mit bekannten Geschichten für Kinder sind rein zufällig.

IMGP1792Später gelangte es in die Griffel der Engländer, die es erweiterten und Rot anmalten, und als Handelskonsulat verwendeten. Seit 1980 ist das Fort wieder in den Händen der Republik China**.

** Ganz wichtig: “Republik China” ist der offizielle Name für Taiwan und sollte nicht mit der “Volksrepublik China” zu verwechselt werden.

Heutzutage kann man es sich kostenlos anschauen, und auch wenn man erst einmal einen Hügel hochlatschen muss, lohnt es sich absolut. Von der Inneneinrichtung war ich nicht so fasziniert, aber die Gebäude von außen und die Lage sind einfach schön. Ich wäre trotzdem nicht gern britischer Konsul im heißen taiwanesischen Sommer ohne Klimaanlage gewesen. 😉

Katzen? Katzen!

Katzen? Katzen!

Auf unserem Weg zurück liefen wir am Flussufer entlang und genossen das schöne Wetter.

Da ich schon ziemlich hungrig war, setzten wir uns in ein Restaurant, dass uns dann einen kleinen Schock versetzte: Kein Gericht unter 890NT$ (ca. 23€), was für Taiwan wirklich viel ist, zumal wir nicht mehr so viel Bargeld hatten, und auf den angrenzenden Tischen standen winzige kleine Tellerchen mit winzigen kleinen Speisen.

Also begnügten wir uns mit Getränken, die wirkich gut waren, und setzten uns wieder in die Bahn in Richtung Taipei.

Ich hätte vorm Verfassen des Eintrages essen sollen...

Ich hätte vorm Verfassen des Eintrages essen sollen…

Unseren Bauch füllten wir bei 鼎泰豊 (Din Tai Fung)***, kauften noch Ananaskuchen als Mitbringsel für Mitarbeiter und fuhren zurück zum Hotel.

*** Man kann gar nicht überschätzen wie sehr mein Mann den Laden liebt.

Da unser Flug um 4:30 Morgens ging, wollten wir eigentlich noch etwas schlafen und legten uns um sechs Uhr abends ins Bett. Letztendlich schliefen wir um zehn, für zwei Stunden bevor der Wecker klingelte.

Kurz nach Mitternacht checkten wir aus und fuhren mit dem Taxi zum Flughafen. Die Straßen waren bis auf Taxen wie leergefegt und wir erreichten den Flughafen in Rekordzeit. Was uns aber nichts brachte, denn der Security Check im Flughafen 臺灣桃園國際機場 (Flughafen Taiwan Taoyuan, TPE) beginnt erst um halb drei Uhr morgens.

IMGP1840Zum Glück befindet sich ein Conbini im Gebäude, wo wir uns vor dem Abflug noch etwas stärken konnten. Mmmmhm, lecker lecker Fertigessen. 😉 Es war übrigens komplett essbar, wie alles, was wir in Taiwan bisher gegessen haben. Dazu muss ich aber auch zugeben, dass wir nicht unglaublich abenteuerlustig sind. 😉

Auf unserem Rückflug gab es auch Essen, dass wir aber aus dem Halbschlaf heraus ablehnten. Aus irgendeinem Grund war nur der Bereich des Flugzeuges, in dem wir saßen, unglaublich kalt, wer weiß, was da los war…

Und dann landeten wir in Tokyo Narita, zwar etwas erschöpft, aber das sind wir ja von unseren Reisen gewöhnt. 🙂

Taipei, Tag 3: Der Sturm kommt.

Unser Plan für Sonntag war ein sehr simpler: Wir wollten zum Taipei 101, dem fünfthöchsten Wolkenkratzer der Welt mit 508 Metern Höhe und 101 Stockwerken.

IMGP1688Als wir vor zwei Jahren in Taipei waren, musste man noch recht beschwerlich vom Bahnhof 市政府 (Taipei City Hall) zum Taipei 101 laufen. Im Herbst 2013 wurde die rote Bahnlinie von 中正記念堂 (Chiang Kai-Shek Memorial Hall) nach 象山 (Xiangshan; Elefantenberg) verlängert, und das Taipei 101 bekam seine eigene Bahnstation.

Uns erinnert das Gebäude vom Aussehen her ja immer ein wenig an eine dieser Schokoladenfontänen. 😉

Zwar war der Himmel wolkenverhangen, aber noch immer wirkte es nicht so richtig, als würde wirklich ein Taifun die Stadt treffen.

IMGP1672Einen kurzen Fußweg vom Taipei 101 entfernt befindet sich das 四四南村 (ich kann leider kein Chinesisch umschreiben, aber es bedeutet so etwas wie “Dorf 44 Süd”), das 1948 als erstes Militärdorf Taiwans erbaut wurde. Es beherbergte damals die Arbeiter der Rüstungsfabrik 四十四兵工場 und ihre Familien, wurde dann aber im Zuge der Stadtentwicklung verlassen.

IMGP1673Ich wäre aber auch weggezogen, unter anderem gab es in den Wohneinheiten kein fließend Wasser, keine Toiletten und für jeden Haushalt waren nur etwa 33qm vorgesehen. 1999 hat wohl ein Feuer einen Großteil des Dorfes zerstört, der Rest wurde aber erhalten und wird heute als Eltern-Kind-Zentrum und Bürgerzentrum genutzt. Außerdem gibt es dort ein sehr hübsches Café mit angeschlossenem Laden, in dem man taiwanesische Produkte wie Tee, Honig, getrocknetes Fleisch, Postkarten, Geschirr und  Dekorationsgegenstände kaufen kann.

Das Dorf an sich ist alt und heruntergekommen, wirkt aber durch die farbigen Türen und Fensterrahmen trotzdem total nett. 🙂 Auch hier ist der Eintritt kostenlos, und an manchen Tagen findet wohl auch ein Markt statt.

IMGP1704Um die Mittagszeit herum machten wir uns auf den Weg zum 鼎泰豊 (Din Tai Fung) im Untergeschoss des Taipei 101.

Dummerweise hatten alle anderen die selbe Idee, und so wurden uns 90 Minuten Wartezeit vorhergesagt. Gar kein Problem, dann tingelt man eben ein wenig durchs Kaufhaus.

Das hat übrigens vor allem in den oberen Etagen nur Luxusmarken und ist dort sehr schwach besucht, während sich in den Untergeschossen mit den bezahlbaren Dingen die Menschenmassen tummeln. Nachdem wir eine Runde gedreht hatten befanden sich nur noch zehn andere Gruppen vor uns, und kurze Zeit nachdem wir den Bestellzettel ausgefüllt hatten, waren wir schon an der Reihe. Das waren auf jeden Fall keine 90 Minuten. 😉

Während wir aßen sah ich, wie es plötzlich anfing zu regnen. Nicht zu stark, aber wir beschlossen dennoch zurück zum Hotel zu fahren und abzuwarten. Müde waren wir vom Essen sowieso. In 西門 (Ximen) liefen wir noch kurz zum MAC, einem Kosmetikladen, und setzten uns dann in ein Taxi, weil wir nicht im Regen zum Hotel laufen wollten. Taxen in Taipei sind einfach günstig.

Um ehrlich zu sein war ich nach zwei Tagen chinesischen Essens ziemlich davon gelangweilt. Wahrscheinlich lag es nur an unserer schlechten Auswahl von Speisen, aber mir fehlte das Gefühl etwas wirklich frisches zu essen.

Als Gegenmaßnahme stiegen wir in eIMGP1719in Taxi in Richtung Smith & Hsu, das mir von einer Freundin empfohlen worden war.

Inzwischen hatte sich der Regen in Platzregen verwandelt, den wir vom Fenster aus beobachten konnten.

Bevor man bei Smith & Hsu seinen Tee bestellt, bekommt man ein riesiges Tablett mit haufenweise kleinen Fläschchen, damit man sich durchschnuppern kann. Eine ziemlich nette Idee, zumal etwa 50 verschiedene Sorten angeboten werden.

IMGP1729Ich entschied mich für Chocolate Chip Mint Tea, mein Mann bestellte einen Eistee mit Früchten und beide nahmen wir noch Kuchen dazu.

Die Teekannen, Tassen und Becher, und den Tee selbst kann man übrigens im Laden auch kaufen. Fast hätte ich mich hinreißen lassen eine Teekanne zu kaufen, es war dann aber leider doch etwas zu teuer. 🙁

Der Laden ist sehr simpel gehalten und wirkt absolut nicht chinesisch, ist also sicher keine “total authentische chinesische Tee-Erfahrung”, aber so etwas hatten wir schon am Vortag erlebt und das moderne Taiwan mit seinen modernen Cafés mag ich auch sehr gern. 😉 Falls ihr mal in der Nähe seid, auf jeden Fall vorbeischauen!

IMGP1735Bei Tee lässt es sich natürlich auch wunderbar plaudern, als wir endlich fertig waren hatte der Regen etwas nachgelassen und wir liefen zum 台北車站 (Taipei Main Station) um dort zu Abend zu essen. Dummerweise sind die meisten Restaurants dort Japanisch. Wir fanden aber dennoch regionale Küche und aßen Nudeln und Teigtaschen. Diese kleinen, taiwanesischen Läden sind wirklich unglaublich günstig, für uns beide zahlten wir 140NT$ (ca. 3,60€).

IMGP1741Gestärkt wollten wir gerade den Heimweg antreten, als wir einen Blick nach draußen wagten: Stärkster Platzregen, in dem man selbst mit Schirm blitzschnell klatschnass werden würde.

In dem Mistwetter waren die Taxen natürlich auch rar, weswegen wir ziemlich warten mussten und selbst der kurze Weg von der Überdachung am Bahnhof zum Taxi bereitete mir nasse Socken.

Sobald wir im Hotel angelangt waren also sofort ausziehen, heiß duschen und ins Bett, wo wir irgendeinen superschlechten amerikanischen Film sahen.

Regen ist eben am besten, wenn man nicht draußen ist. 🙂