Kurz eingeschoben: Das Toast-Mysterium.

IMG_0633Wenn man in Japan Toast kauft, stehen auf allen Verpackungen große Zahlen.

4, 5, 6, 8, 10? Das steht jeweils für die Anzahl der Toastscheiben. Aber die Verpackungen sind doch alle gleich groß? Ja, aber die gleichgroßen Laibe wurden in verschieden dicke Scheiben geschnitten. “8 Scheiben” ist so dick, wie ich Toastbrot aus Deutschland kenne, “4 Scheiben” hingegen so unglaublich dick, dass ich damit gar nichts anzufangen wüsste. Manchmal kaufe ich aus Versehen die falsche Sorte und muss mich dann durch superdicke Scheiben kämpfen…

Habt ihr wieder was gelernt. 😀

Was ich seit Fukushima esse.

Anmerkung: Dieser Eintrag ist keine Empfehlung. Ich wurde lediglich in einem anderen Eintrag gefragt, wie ich das mit dem Essen machen würde, und dachte, dass ich darauf etwas ausführlicher antworten möchte.

Nach dem schweren Beben am 11. März 2011 war recht schnell klar, dass es außer der durch die Beben und Tsunamis verursachten Schäden noch andere Probleme geben würde – bis heute ist die Situation im 福島第一原子力発電所 (Fukushima Dai-ichi Genshiryoku Hatsudensho; Kernkraftwerk Fukushima Dai-Ichi) nicht im Griff.

IMG_0632Die Strahlung ist ausgetreten, das Gebiet verseucht, nur dummerweise ist 東北 (Tôhoku; die Präfekturen Aomori, Iwate, Miyagi, Akita und Fukushima selbst) eigentlich die Speisekammers des Ostens. Das meiste Gemüse, das hier in 関東 (Kantô; Präfekturen Tokyo, Chiba, Saitama, Kanagawa, Ibaraki, Gunma, Tochigi*) im Supermarkt liegt, kam aus Tohoku. Viel Obst auch. Bei Fisch kann man eh nicht kontrollieren, wo der durchgeschwommen ist.

* Kleiner Fakt: Allein in Kanto lebt ein Drittel der japanischen Bevölkerung.

“Kam”, weil sich zumindest in meinem heimischen Supermarkt über die Jahre einiges geändert hat. Vieles kommt jetzt aus der Umgebung, ob das an der geänderte Nachfrage liegt, oder an meinem Supermarkt, weiß ich auch nicht. Wenn an etwas groß Fukushima dran steht, mache ich einen Bogen darum, aber um ehrlich zu sein weiß ich nicht, wann das das letzte Mal nötig war.

Was sich in Japan nämlich wirklich gut macht – in so gut wie jedem Supermarkt steht dran, woher die Lebensmittel kommen. So kann man Sachen aus bestimmten Regionen ganz einfach vermeiden.

IMG_0631Bei Fleisch gibt es so gut wie immer die Möglichkeit günstiger aus dem Ausland (Nord- und Südamerika) zu kaufen, aber letztendlich ist japanisches Fleisch leckerer. Bei einigen Fleischsorten steht drauf, dass die Ware stichprobenweise auf erhöhte Strahlungswerte untersucht wurde, aber der genaue Herkunftsort wird nicht immer genannt. Reis kaufen wir aus 北海道 (Hokkaidô). Fisch kaufe ich sowieso nie, weswegen der Fischgrill, der in jeder Herdeinheit in Japan standardmäßig dabei ist, noch wie neu ist. Ich mag Fisch einfach nicht.

Ich weiß nicht, ob ich das alles so entspannt sehen würde, wenn wir Kinder hätten, aber im Moment mache ich mir da ehrlich nicht so den Kopf drum. Das ist natürlich total naiv und blauäugig, aber wie mir ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz in Berlin-Karlshorst*** erzählte:

“Wenn Sie im Berliner Umland Pilze sammeln, sind die auch strahlenbelastet.”

*** Das ist so eine Geschichte, die ich damals hätte aufschreiben müssen. Ich wurde nach meiner standesamtlichen Hochzeit im März 2011 nämlich tatsächlich im Bundesamt für Strahlenschutz auf Strahlung untersucht. Super cool! 😀

Tokyo Café Tour: Omusubi Café.

IMGP2117In der Nähe der 銀座 (Ginza), befinden sich einige kleine Cafés, so auch das お結びカフェ (Omusubi Café).

Im Erdgeschoss des verglasten Gebäudes befindet sich eine Holzwerkstatt, in der Paare vor der Hochzeit zusammen Ornamente herstellen können, im ersten Obergeschoss findet man das Café. Auch hier ist alles aus Holz, und die Atmosphäre ist wirklich nett. お結び ist übrigens doppeldeutig: Einerseits hat es etwas mit “Menschen verbinden” zu tun, für die Liebe kauft man 縁結び (Enmusubi) Amulette. Andererseits ist es auch einfach ein anderer Name für おにぎり (Onigiri), Reisbällchen.

IMGP2107Die gibt es dann auch zu kaufen, und bei einigen Mittagssets sind sie dabei.

Der Laden ist auf Gerichte aus 福井県 (Fukui-ken; Präfektur Fukui) spezialisiert und bezieht auch viele Zutaten von dort. Während ich sonst überhaupt keine Ahnung von Reis habe, war der hier wirklich lecker. 😀

Mein Mann hatte 越前二八瓦そば (Echizen ni-hachi Kawara-Soba) mit einem Onigiri und 唐揚げ (Karaage; frittiertes Hühnchen) mit Soja-Sauce.

IMGP2111Ich hatte etwas mehr Hunger und bestellte ソースカツ丼 (Sauce Katsudon; Schweineschnitzel auf Reis mit Sauce und Salat). Der Salat und das Katsudon waren sehr lecker, nur mit der Suppe konnte ich absolut nichts anfangen – mein Mann meinte aber, dass sie sehr gut sei.

Insgesamt vielleicht nicht, was man sich in Deutschland unter einem Café vorstellen würde, ich bin mir nicht einmal sicher, dass es Süßkrams gab, aber absolut geeignet für ein leckeres und günstiges Mittagessen.

Zusammen haben wir 1,930 Yen (13,53€) bezahlt, was absolut akzeptabel ist. 🙂 Falls euch also mal auf der Ginza das Verlangen nach japanischem Essen und etwas Ruhe überkommen sollte…

東京都中央区銀座2丁目9−13 GINZA-2 2F
Tôkyô-to Chûo-ku Ginza 2-chôme 9-13 GINZA-2 2F

Japanisches Neujahr.

Das neue Jahr hat begonnen, ich hoffe ihr habt Silvester unbeschadet überstanden!

IMG_0491Wir sind so langweilig wie ein Großteil der Japaner und haben an Silvester (大晦日 Ômisoka) gar nichts gemacht, außer die obligatorischen 年越しそば (Toshikoshi-Soba; Neujahrs-Soba) zu essen. Es gibt verschiedene Theorien, warum man Soba isst. Die, die ich kenne, besagt, dass die langen Nudeln ein langes Leben bescheren sollen.

An お正月 (Oshôgatsu; Neujahr) hatten wir ein volles Programm.

osechiLos ging es morgens um sieben, als im Hause der Schwiegereltern おせち料理 (Osechi-Ryôri; Neujahrsgerichte) aufgetischt wurden.

Aus Rücksicht auf mich wurde ein 和洋 (Wa-Yô; Japanisch-Westliches) Essen bestellt. Die symbolisch wichtigen Gerichte waren natürlich trotzdem dabei.

伊達巻き (Datemaki; fluffige Rollen aus Ei mit Fischpaste) sind für Erfolg, 黒豆 (Kuromame; schwarze Bohnen) für Gesundheit, 蒲鉾 (Kamaboko; weiß-pinke feste Rollen aus Fischpaste) sind generell festlich, 数の子 (Kazu no ko; Heringsrogen) für viele Kinder, 鯛 (Tai; Meerbrasse) für generelles Glück.

IMG_0496Außerdem gibt es jedes Jahr お雑煮 (Ozôni), eine Suppe mit 餅 (Mochi; klebriger Reiskuchen). Allerdings mag die Familie meines Mannes keine Mochi in der Suppe, weswegen sie getrennt serviert werden. Ozôni ist von Ort zu Ort unterschiedlich, in unserem ist Hühnchen, Grünzeug und 鳴戸巻き (Naruto-Maki; Fischpaste mit Kringeln).

Nach diesem sehr reichhaltigen Essen machten wir uns auf den langen Weg zu einem Tempel in unserer Nähe. Für 初詣 (Hatsumôde; den ersten Schreinbesuch im neuen Jahr) ist es absolut unerheblich, ob man zu einem shintoistischen Schrein oder einem buddhistischen Tempel geht. Es gibt natürlich Orte, die beliebter sind als andere, aber wir gehen einfach immer zum selben Tempel.

IMG_0511Nach unseren Bitten an das Universum mit der obligatorischen Geldspende*, ließen wir uns unsere Zukunft mit おみくじ (Omikuji) vorhersagen. Dabei schüttelt man eine Box mit nummerierten Stäbchen und lässt dann eines der Stäbchen durch ein Loch herausschauen. Sein Schicksal holt man sich dann aus einer Schublade, auf der dieselbe Nummer steht.

Leider war meine Vorhersage nicht so super toll, weswegen ich sie im Tempel angebunden habe, dann kann sie mir nicht folgen. Man darf leider nicht einfach so lange machen, bis man eine gute Vorhersage bekommt. 😉

* In Schreinen und Tempeln sind es eigentlich immer entweder 105 oder 150 Yen, das kann man selbst entscheiden.

Damit endete der traditionelle Teil unseres Tages und wir stürzten uns in den Konsum – zu Neujahr beginnt nämlich auch der große Schlussverkauf. Einige Kaufhäuser starten zwar erst am 2. Januar, aber Solamachi am Skytree hatte auf.

Ich fand nichts, aber mein Mann erbeutete ein Hemd und eine neue Hose.

Den Rest des Tages verbrachten wir vor dem Fernseher bei den Schwiegergroßeltern. Eine unglaublich langweilige Veranstaltung, aber alle kommen zusammen und man isst. Neujahr ist eigentlich nichts außer Daueressen. 😉

So viel zu den Vorsätzen um den Bauchansatz**…

** Scherz.