Das neue Jahr hat begonnen, ich hoffe ihr habt Silvester unbeschadet überstanden!
Wir sind so langweilig wie ein Großteil der Japaner und haben an Silvester (大晦日 Ômisoka) gar nichts gemacht, außer die obligatorischen 年越しそば (Toshikoshi-Soba; Neujahrs-Soba) zu essen. Es gibt verschiedene Theorien, warum man Soba isst. Die, die ich kenne, besagt, dass die langen Nudeln ein langes Leben bescheren sollen.
An お正月 (Oshôgatsu; Neujahr) hatten wir ein volles Programm.
Los ging es morgens um sieben, als im Hause der Schwiegereltern おせち料理 (Osechi-Ryôri; Neujahrsgerichte) aufgetischt wurden.
Aus Rücksicht auf mich wurde ein 和洋 (Wa-Yô; Japanisch-Westliches) Essen bestellt. Die symbolisch wichtigen Gerichte waren natürlich trotzdem dabei.
伊達巻き (Datemaki; fluffige Rollen aus Ei mit Fischpaste) sind für Erfolg, 黒豆 (Kuromame; schwarze Bohnen) für Gesundheit, 蒲鉾 (Kamaboko; weiß-pinke feste Rollen aus Fischpaste) sind generell festlich, 数の子 (Kazu no ko; Heringsrogen) für viele Kinder, 鯛 (Tai; Meerbrasse) für generelles Glück.
Außerdem gibt es jedes Jahr お雑煮 (Ozôni), eine Suppe mit 餅 (Mochi; klebriger Reiskuchen). Allerdings mag die Familie meines Mannes keine Mochi in der Suppe, weswegen sie getrennt serviert werden. Ozôni ist von Ort zu Ort unterschiedlich, in unserem ist Hühnchen, Grünzeug und 鳴戸巻き (Naruto-Maki; Fischpaste mit Kringeln).
Nach diesem sehr reichhaltigen Essen machten wir uns auf den langen Weg zu einem Tempel in unserer Nähe. Für 初詣 (Hatsumôde; den ersten Schreinbesuch im neuen Jahr) ist es absolut unerheblich, ob man zu einem shintoistischen Schrein oder einem buddhistischen Tempel geht. Es gibt natürlich Orte, die beliebter sind als andere, aber wir gehen einfach immer zum selben Tempel.
Nach unseren Bitten an das Universum mit der obligatorischen Geldspende*, ließen wir uns unsere Zukunft mit おみくじ (Omikuji) vorhersagen. Dabei schüttelt man eine Box mit nummerierten Stäbchen und lässt dann eines der Stäbchen durch ein Loch herausschauen. Sein Schicksal holt man sich dann aus einer Schublade, auf der dieselbe Nummer steht.
Leider war meine Vorhersage nicht so super toll, weswegen ich sie im Tempel angebunden habe, dann kann sie mir nicht folgen. Man darf leider nicht einfach so lange machen, bis man eine gute Vorhersage bekommt. 😉
* In Schreinen und Tempeln sind es eigentlich immer entweder 105 oder 150 Yen, das kann man selbst entscheiden.
Damit endete der traditionelle Teil unseres Tages und wir stürzten uns in den Konsum – zu Neujahr beginnt nämlich auch der große Schlussverkauf. Einige Kaufhäuser starten zwar erst am 2. Januar, aber Solamachi am Skytree hatte auf.
Ich fand nichts, aber mein Mann erbeutete ein Hemd und eine neue Hose.
Den Rest des Tages verbrachten wir vor dem Fernseher bei den Schwiegergroßeltern. Eine unglaublich langweilige Veranstaltung, aber alle kommen zusammen und man isst. Neujahr ist eigentlich nichts außer Daueressen. 😉
So viel zu den Vorsätzen um den Bauchansatz**…
** Scherz.