Erdbeben-Alarm? Nein, Erdrutsche und Überschwemmung!

IMG_3464 (2)Am Mittwoch im Büro klingelte plötzlich ein Handy super laut. “Wer hat denn sein Handy nicht auf stumm?”, dachte ich mir, bis plötzlich ein wenig Aufregung herrschte, weil auch andere Handys anfingen zu klingeln.

緊急速報 (Kinkyû-sokuhô; Frühwarnungen) bekommen alle in Japan automatisch aufs Handy geschickt, allerdings nur auf Japanisch. Den Klingelton dazu kann man nicht abschalten, schließlich ist es ein Alarm. Warum uns nicht gleich auffiel, dass es eine Frühwarnung war, ist auch klar: Das System kennen wir in Tokyo eigentlich nur von Erdbeben, und da ist der Klingelton anders (ein wunderbares Whoop-Whoop-Whoop).

Aber diesmal ging es um etwas anderes: Erdrutschgefahr. In den letzten Wochen hat es exhorbitant viel geregnet, und gestern traf ein Taifun Tokyo. In der Nachricht stand, dass man sich bitte auf die Evakuierung vorbereiten sollte. Zum Glück ging es nur um andere Teile des Bezirks. Wir wurden trotzdem früher nach Hause geschickt.

IMG_3462Am Donnerstag Morgen um fünf wurden wir dann auch von dem Klang der großen Lautsprecher in unserer Umgebung geweckt. Und dann gingen unsere Handys los. Mehrmals.

Angefangen bei 避難準備 (Hinan-Junbi; Evakuierungs-Vorbereitung), über 避難勧告 (Hinan-Kankoku; Evakuierungs-Empfehlung) zu 避難指示 (Hinan-Shiji; Evakuierungs-Anweisung). Zum Glück nicht bei uns, sondern in anderen Teilen unserer Stadt*. Das ständige Klingeln der Handys war aber weiterführendem Schlaf nicht unbedingt zuträglich, wir blieben also wach.

* Ich wohne nicht direkt in Tokyo, sondern an einer direkt angrenzenden Stadt. Also eigentlich noch immer Tokyo, in Wirklichkeit aber schon eine andere Präfektur.

Von der Brücke über unseren Fluss aus sah ich dann auch das Ausmaß des Taifuns: Wo sonst Fußball- und Baseballfelder sind, stand das Wasser meterhoch. Ein Glück, dass wir Deiche haben… Ein anderer Fluss in unserer Nähe war auch ziemlich angeschwollen.

Dabei war der Taifun gar nicht so laut und der Regen gar nicht so stark – dummerweise hat es aber die letzten zwei Wochen fast durchgehend geregnet. In anderen Teilen des Landes sind die Überflutungen viel schlimmer. Die Deiche am 鬼怒川 (Kinugawa) in 栃木県 (Tochigi-ken; der Präfektur Tochigi) haben nicht gehalten, und die gesamte Region steht unter Wasser.

Sind eben nicht nur Erdbeben, die einem das Leben in Japan schwer machen. 🙁

Peinliche Geschichten ums Essen.

Es ist mitten in der Woche, in Tokyo ist es kalt und regnerisch. Wir könnten also alle ein wenig Aufheiterung vertragen, weswegen ich euch zwei Geschichten erzählen werde, bei denen ich mich zum Affen gemacht habe. 😀

Popo-Rettich

Während meines Working Holidays habe ich zuerst bei einem deutschen Restaurant gearbeitet. Das Restaurant gibt es heute nicht mehr, aber das ist um ehrlich zu sein auch nicht besonders traurig. Auf jeden Fall hatten wir jeden Tag ein anderes Mittagessen des Tages (日替わりランチ; Higawari Ranchi/Lunch), das wir am Morgen auswendig lernen mussten.

Ich weiß nicht mehr, was genau es gab, aber hier ist in etwa, was ich den Gästen erzählte:

日替わりランチはハンバーグとおしり大根 (Higawari Ranchi ha Hanbâgu to Oshiri Daikon)

Woraufhin die Leute mich komisch ansahen. Ich wiederholte die Ansage natürlich, mir war nicht klar, was ich falsch gemacht haben könnte. Bis mein Kollege meinte:

おろし (oroshi), nicht おしり (oshiri)!

Ich versank spontan im Boden. Während oroshi nämlich “gerieben” heißt, ist oshiri… der Hintern. Seit ich die Geschichte einmal meinem Mann erzählt habe, zieht er mich immer mal damit auf… Hmpf.

Kühle Nudeln

Vor viereinhalb Jahren heirateten mein Mann und ich, und im Sommer zogen wir zusammen in eine kleine Wohnung. Erst nach eineinhalb oder zwei Monaten hatte ich einen Job, davor war ich quasi ständig zuhause.

Vom Kochen hatte ich nicht so wirklich den Plan, als mein Mann sich zum Abendessen 冷やしうどん (Hiyashi Udon; gekühlte Udon-Nudeln) wünschte, ging ich brav Udon und つゆ (Tsuyu; Soße für japanische Nudeln) kaufen. Bevor mein Mann nach Hause kam, bereitete ich die Nudeln vor und stellte sie in den Kühlschrank. Sind ja schließlich gekühlte Nudeln, oder?

… Ehm, nein, so funktionieren kalte Nudelgerichte nicht, wie mir mein Mann ganz verblüfft erklärte. Ich musste ihm erst meinen Gedankengang erklären, bevor er verstand, was genau ich versucht hatte.

Bei kalten japanischen Nudelgerichten kocht man die Nudeln, wäscht sie dann mit kaltem Wasser und benutzt kalten Tsuyu. Meine Kühlschrankkreation war nicht wirklich essbar, aber mein Mann hatte etwas zu lachen. Immerhin etwas. 😉

Erzählt mir von euren Küchenkatastrophen oder peinlichen Wortverwechslungen! Dann fühle ich mich nicht so allein. 😀

Examen bestehen mit Hilfe der Götter.

Das ist die perfekte Gelegenheit für euch um über meine krepelige Handschrift zu lachen!

Das ist die perfekte Gelegenheit für euch um über meine krepelige Handschrift zu lachen!

Am Sonntag hatte mein Mann das 公務員試験 (Kômuin-shiken; Examen für den Eintritt in den Staatsdienst). Der Test ist der erste Schritt in der Bewerbung um eine Beamtenstelle, und ein wichtiger.

Um dem Erfolg ein wenig auf die Sprünge zu helfen, fuhren wir zum 神田明神 (Kanda-Myôjin; Kanda-Schrein). Japaner sind zwar laut Eigenangabe großteils Atheisten, so auch meine japanische Familie, aber vor allem der Shintoismus gehört eben auch zur Kultur. Überall überschneiden Kultur und Religion sich irgendwo, in Japan ganz besonders. Immerhin verlangen die Schreine keine Mitgliedsgebühr. 😉IMG_3398_editedMan geht also zum Schrein um z.B. für Erfolg, Liebe, Gesundheit oder eine problemfreie Schwangerschaft zu beten. Je nachdem welchen 神 (Kami) ein Schrein beherbergt, ist er mehr oder weniger gut für bestimmte Wünsche geeignet. Bei 八百万の神 (Yaoyarozu no Kami; 8.000.000 Kami*) findet sich sicher auch einer für genau das Problem, das man hat.

* 八百万 (Yaoyarozu bzw. Happyakuman) ist zwar wortwörtlich 8 Millionen, bedeutet aber “Myriaden” oder auch “verdammt viel”. 😉

Im Kanda-Myôjin sind drei Kami heimisch – 大己貴命 (Ônamuchi no Mikoto), 少彦名命 (Sukunabikona no Mikoto) und 平将門命 (Taira no Masakado no Mikoto). Keiner davon ist ausdrücklich für Wissen verantwortlich, aber mein Mann glaubt, dass es trotzdem funktioniert. 🙂

Ema sind nicht immer so künstlerisch wertvoll, aber 秋葉原 (Akihabara), das Mekka für Anime- und Mangafans, ist gleich in der Nähe.

Ema sind nicht immer so künstlerisch wertvoll, aber 秋葉原 (Akihabara), das Mekka für Anime- und Mangafans, ist gleich in der Nähe.

Wir haben also beide für das Bestehen des Examens gebetet und 絵馬 (Ema) geschrieben und aufgehängt. Ema sind Holztafeln, auf die man seinen Wunsch schreibt. Danach hängt man sie am Schrein auf. 🙂 Ich finde sie super spannend, weil man ein Bild davon bekommt, was andere sich so wünschen. Während Touristen oft irgendetwas von Weltfrieden schreiben, wünschen sich Japaner kleinere Dinge: “Dieses Jahr will ich meine Lieblingsband live sehen!”, “Ich möchte an dieser Uni aufgenommen werden!”, “Auf dass dieses Jahr besser wird als letztes”, etc. etc.

Mein Mann schrieb:

今年、公務員試験・建築士に合格できますように!! (Kotoshi, Kômuin-shiken ・ Kenchiku-shi ni Gôkaku dekimasu yô ni!!; Auf dass ich dieses Jahr den Kômuin-shiken und Kenchiku-shi bestehe!!)

Ich schrieb:

礼人が合格しますように (満点でもOK!) (Ayato ga Gôkaku shimasu yô ni (Manten demo OK!); Auf dass Ayato [seine Examen] besteht (Auch gerne mit voller Punktzahl!))

Soweit sieht es aus, als wäre es gut gelaufen, wenn nicht schieben wir es darauf, dass er kein KitKat gegessen hat. 😉

Japan vs. Kambodscha: “Gehen wir und setzen uns in ein Restaurant?”

IMG_3369Vor einigen Wochen ging eine E-Mail durch’s Büro: “Wir haben Tickets für das Fußballspiel Japan gegen Kambodscha, wer will, wer will, wer hat noch nicht?” Nachdem ich leider letztes Mal keine Karten für Rugby abbekommen hatte, sollte es zumindest Fußball sein. Nachdem ich die Tickets gewonnen hatte fand ich auch recht schnell jemanden, der mit mir hingehen würde: Masami, die Assistentin einer anderen Abteilung.

Masami ist wie ich recht neu und über eine 派遣会社 (Haken-gaisha; Zeitarbeitsfirma) angestellt – es gibt also immer recht viel zu quatschen. 🙂

Am Spieltag war das Wetter sich offensichtlich unschlüssig – Auf Nieselregen folgte Sonnenschein folgte Platzregen. Leider regnete es während großer Teile des Spiels und die freien Sitzplätze (also ohne Sitzplatzreservierung) im 埼玉スタジアム (Saitama Stadium) haben kein Dach… Kurz nachdem wir Plätze gefunden hatten überlegten wir ernsthaft einfach wieder zu gehen. Schlechtes Wetter, und der Spielausgang war eh schon klar.

Zum Gück wurden wir dann aber von unseren Plätzen vertrieben* und mussten uns weiter vom Spielfeld weg hinsetzen. Dafür waren wir aber auch näher an der Wand für das Dach der Leute mit den teureren Tickets und wurden immerhin nicht mehr nass.

* Es hatte sie wohl jemand reserviert, aber so unoffensichtlich, dass wir dachten sie wären frei. In Japan ist nichts mit “Weggegangen Platz vergagen”, wenn auf dem Sitz irgendetwas liegt ist der reserviert.

Das Spiel selbst – nun ja, Kambodscha ist auf Platz 180 der FIFA-Weltrangliste. Auch wenn Japan nicht gerade hervorragend spielt sind sie haushoch überlegen. Der Großteil des Spiels fand auf der Seite mit Kambodschas Tor statt. Spaß macht es trotzdem immer zuzusehen, weil die Atmosphäre im Stadion hervorragend ist. 🙂

Nächstes Mal werde ich trotzdem wahrscheinlich nur bei der Ticketverlosung mitmachen, wenn Japan gegen jemanden spielt, der eine Chance hat – China, Korea, die Vereinigten Arabischen Emirate. Oder auch Nordkorea, gegen die haben sie letzten Monat 2 zu 1 verloren. Diese Information hat bei einer anderen Kollegin übrigens Lachkrämpfe ausgelöst.

Wir sind so schwach, dass wir gegen Nordkorea verlieren?! Das kann ja was werden.

Dann vielleicht nächstes Mal doch lieber Rugby. Beim Baseball war ich auch noch nicht…