Kirschblüte im Oktober.

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Am Dienstag war Feiertag. Tag der Kultur (文化の日 Bunka no Hi), glaube ich. Wahrscheinlich werde ich mir nie diese ganzen verdammten Feiertage merken, aber das macht zum Glück niemandem etwas aus.

Auf jeden Fall lief ich mit meiner Freundin Julia, ihres Zeichens Freundin aus Schultagen, die mein Hochzeitskleid genäht hat, und sich derzeit für einen Urlaub in Tokyo befindend, von ihrer Unterkunft in Sendagaya zum nahen Shinjuku-Gyoen (新宿御苑). Am Eingangstor hing ein Schild, auf dem gekennzeichnet war, welche Pflanzen sich denn derzeit in der Blüte befinden. Sehr überrascht waren wir, als tatsächlich 桜 (Sakura; die japanische Kirschblüte) dort auftauchte.

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Tatsächlich assoziiert man diese nämlich ausschließlich mit dem Frühling – jedes Jahr machen wir uns auf den Weg zur Hanami (花見), dem Blumengucken. Dieses Jahr waren wir dafür sogar im selben Park! Für Japan ist der Frühling eine Zeit der Veränderung. Das Schuljahr endet Ende März und beginnt Anfang April, neue Arbeitsstellen werden angetreten, man zieht um. Die Kirschblüte als Zeichen des ewigen Wandels passt da wunderbar hinein.
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Auf Nachfrage hat die Dame am Ticketschalter uns die drei Kirschbäume, die derzeit blühen, auf einer Karte eingezeichnet. Und tatsächlich: Auf einer Wiese stand der erste Baum, einzeln aber von Leuten mit Kameras umringt. 😉 Er sah ein wenig aus, wie aus der Zeit gefallen. Die Bäume standen meist noch nicht einmal in voller Blüte, auf den Bildern könnt ihr auch Knospen sehen.

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Die drei Bäume waren übrigens alle unterschiedliche Kirschbaumarten, ich erinnere mich aber leider nur an die Namen der letzten beiden: 十月桜 (Jūgatsu-Zakura; wörtl. Oktober-Kirsche) und 子福桜 (Kobuku-Zakura; wörtl. Kinderglück(?)-Kirsche).

Tatsächlich schwankten auch die Japaner zwischen fasziniert und verwirrt.

Kleiner Junge mit argwönischem Blick: Papa! Warum blühen die Kirschbäume obwohl es nicht Frühling ist?!

Sehr gut erkannt, kleines japanisches Kind!

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Ich habe mich auf jeden Fall sehr gefreut auch in der kälteren Jahreszeit noch eine kleine Erinnerung an den Frühling zu sehen. 🙂 Die japanische Kirschblüte ist eben nicht nur eine Art Baum, es gibt die verschiedensten Kirschblüten, und manche blühen eben erst, wenn es kälter wird. Wer im Januar und Februar Kirschblühten sehen möchte, muss übrigens nach Okinawa oder gleich Taiwan. 😉

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Ins Grüne: Raus nach Tachikawa.

IMG_4034 (2) (Copy)Der Herbst hat Einzug gehalten. Zwischen sonnige, warme Tage drängeln sich immer mehr dunkle kalte. An einigen Tagen wehte uns schon ein eisiger Nordwind um die Ohren, das Laub wechselt langsam die Farben.

Am Freitag war ich mit einem unserer drei IT-Teams in Tachikawa (立川), welches zwar noch Teil von Tokyo ist, aber nicht zu den 23 Bezirken gehört.* Nach etwa einer Stunde Fahrt standen wir vorm Shōwa-Gedächtnispark (昭和記念公園), einem ehemaligen Militärstützpunkt der Amerikaner. Teile des Geländes werden von den japanischen Selbstverteidigungsstreitkräften verwendet, der Rest wurde als staatlicher Park anlässlich des 50. Jahrestags der Krönung des Kaisers eröffnet.

* Irgendwann muss ich einen Eintrag über die ganzen Begrifflichkeiten in und um Tokyo schreiben.

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Der Park ist für tokyoter Verhältnisse riesig und bietet vor allem für Kinder einiges. 🙂 Die vielen verschiedenen Spielplätze dürften jedes noch so aktive Kind in Richtung Erschöpfung begleiten. 😉 Außerdem kann man im Park Boot- und Fahrradfahren, es gibt Sportanlagen, einen japanischen Gärten, zwei große Felder mit Kosmeen, Bonsai-Bäume, und viel viel mehr. Man kann in dem Park sicher seinen ganzen Tag verbringen.

Dafür kostet er auch Eintritt: 410Yen (etwa 3€) für jeden Erwachsenen. Wir haben noch einmal 410Yen mehr bezahlt, weil wir Fahrräder ausgeliehen haben. Der Park hat einen 11km langen Radweg, separat von den Fußwegen, mit vielen Fahrradabstellplätzen, falls man sich etwas abseits ansehen möchte.

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Ich, normalerweise jeden Wochentag achteinhalb Stunden im 45. Stockwerk mit Blick über die Stadt an den Schreibtisch gekettet, kann mir wenig Besseres vorstellen als am Freitag Nachmittag durch einen großen Park zu radeln. Den Wind im Gesicht, die Sonne langsam untergehend. Das goldene Licht bricht durchs Laub, und man möchte die Zeit anhalten.

Menschen brauchen Natur. Wäre dem nicht so, würde keiner Parks anlegen und mit großem Aufwand instandhalten. Die deutsche Schrebergartenkultur überlebt nur, weil viele Leute sich scheinbar wenig besseres vorstellen können als all ihre Wochenenden auf den Knien beim Unkrautrupfen zu verbringen. 😉

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In der großen Stadt vergisst man das manchmal. Nicht, weil man sich nicht wenigstens in der Mittagspause oder am Wochenende ins Grüne setzen könnte, sondern weil es immer so viel anderes zu tun gibt. Der Park ist auch morgen noch da, irgendein anderes Event in der Metropole vielleicht nicht.

Ich nehme mir nach diesem Parkbesuch natürlich vor, wieder öfter auch Gärten zu besuchen. Ob das so klappt, oder ob sich wieder etwas dazwischenzwängt weiß ich noch nicht. Ich habe noch nicht einmal raus, wie man bei Vollzeit überhaupt etwas schafft. 😉

Ein CT am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.

IMG_4066 (2) (Copy)Seit Mittwoch Morgen habe ich Kopfschmerzen. Ich wache mit Kopfschmerzen auf, arbeite mit Kopfschmerzen, gehe mit Kopfschmerzen schlafen. Es sind keine besonders schrecklichen Kopfschmerzen – als Migränepatient hat man da vielleicht auch eine etwas andere Perspektive – aber wenn mir vier Tage lang der Kopf wehtut, mache ich mir Sorgen.

Also ging ich heute Morgen nach dem Frühstück zum 脳神経外科 (Nôshinkeigeka; Neurochirurgen), der erst seine Checkliste durchging (Wie lange schlafen Sie? Wie ist ihre Sehstärke? Haben Sie Taubheitsgefühle in Händen und Füßen?) und mich dann zum CT schickte. Für solch eine Arztpraxis lohnt es sich natürlich einenen Computertomographen direkt da zu haben, aber angesichts der Kosten, die so ein Gerät verursacht, war ich trotzdem etwas überrascht. Aber mit den 7,000Yen (52,70€), die mich der Besuch gekostet hat, habe ich wahrscheinlich mitfinanziert…

Auf jeden Fall: Der Scan ergab keine Auffälligkeiten, ich bin wahrscheinlich einfach zu viel vor Bildschirmen, was mit meinen Hang zu Migränen und chronischen Verspannungen im Rücken- und Nackenbereich, nicht gerade ideal ist. Ich gelobe natürlich Besserung, es wird also auch weiterhin weniger Beiträge geben, als ihr es eventuell gewohnt seid. Auf Facebook poste ich aber etwa jeden Tag etwas Kleines. 🙂

Das Foto oben ist übrigens tatsächlich von meinem Schädel. Wirkt vielleicht etwas verzerrt, aber ich habe den Bildschirm meines Arztes schräg abfotografiert. Bin aber auch so nicht besonders symmetrisch. 😉

Im Japanurlaub ins Internet.

Ich bin ein klein wenig internetabhängig. Den ganzen Tag über hüpfe ich von Tumblr zu Facebook zu Instagram. Ich versuche dem etwas Einhalt zu gebieten, indem ich weniger Leuten folge, dann wird es schneller langweilig. Für mich ist echt ein Punkt gekommen, an dem ich aktiv versuche das Handy nicht in die Hand zu nehmen.

Im Urlaub macht sich ein Smartphone allerdings hervorragend – wenn es denn Internet hat. Tokyo ist eine große Stadt, wenn man sich nicht auskennt und nach etwas in der fünften Seitenstraße sucht kann man sich leicht verlaufen. Wenn man nicht genau weiß mit welcher Bahn man bis wo fahren muss, hilft das Internet auch weiter. Oder, wenn es echt Verständigungsprobleme gibt. Google Translate, to the rescue!

Vielleicht möchte man auch einfach Fotos direkt mit Freunden und Familie teilen, ohne erst nach WiFi suchen zu müssen. Oder man ist in einer Gruppe unterwegs, möchte aber nicht ständig zusammenhocken. Natürlich ging das alles früher auch irgendwie, aber damals wurden auch ohne Betäubung Zähne gezogen. 😉

Was hat man also für Möglichkeiten um auch im Land der aufgehenden Sonne mit dem Internet verbunden zu sein?

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SIM-Karten (SIMカード SIM Card)

An den Flughäfen und in den großen Elektronikmärkten gibt es SIM-Karten, die man einfach in sein Handy schiebt und schwupps ist man im Internet. Es gibt sie mit verschiedenen Datenvolumen und Gültikeitszeiträumen, z.B. die “OCN mobile ONE Prepaid SIM for VISITOR”, die für zwei Wochen mit 100MB pro Tag 3,780Yen (28,26€) kostet. Wem das pro Tag zu wenig ist, kann die “Japan Travel SIM powered by IIJmio” ohne tägliches Limit, sondern mit einem Gesamtvolumen von 2GB für 4,049Yen (30,27€) kaufen.

Pro: Nur ein Gerät. Man muss nur daran denken, das Handy aufzuladen. Am Ende des Urlaubs muss man nichts zurückgeben, die SIM-Karte kann entsorgt werden.

Kontra: Unter seiner deutschen Nummer kann man nicht angerufen werden, und es funktioniert nur, wenn euer Handy keine SIM-Sperre hat. Zu zweit kann man eine SIM-Karte natürlich nicht verwenden.

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Mobiles WiFi (モバイルルーター Mobile Router, ポケットWiFi Pocket Wifi)

An den Flughäfen kann man sich auch mobile WiFi-Geräte ausleihen. Die haben meist ein höheres Datenvolumen, und man kann mehrere Geräte mit ihnen verbinden. Wenn man zu zweit reist, lohnt es sich vielleicht eher einen Router zu leihen: Für 7,145Yen (53,56€) bekommt man für zwei Wochen einen Router mit unbegrenztem Datenvolumen und LTE-Geschwindigkeit bis 10GB.

Pro: Man kann noch immer auf seine normale Nummer angerufen werden. Außerdem können bei einigen Geräten bis zu 10 Leute gleichzeitig das WiFi verwenden. Wenn man also am PC oder mit seinem Tablet etwas machen möchte, geht das auch.

Kontra: Das Gerät muss aufgeladen werden, man kann es verlieren und man muss es am Ende der Reise wieder zurückgeben.

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Miet-Smartphone (レンタルスマートフォン Rental Smartphone)

Ihr habt zuhause kein Smartphone, fändet es aber für die Reise super praktisch? Man kann sich Smartphones leihen. Emobile bietet für 1,296Yen (9,71€) pro Tag ein Gerät an, dass man sich am Flughafen seiner Wahl abholen kann.

Pro: Wenn man kein Smartphone hat sicher ganz interessant. Über Tethering kann man andere an seinem Internet teilhaben lassen.

Kontra: Mit 18,144Yen (ca. 136€) super teuer. Auch hier muss man vor dem Rückflug das Handy natürlich zurückgeben.

Man kann sicher auch nur freie WiFi-Netze verwenden, aber die sind nicht so zahlreich, wie man es normalerweise erwarten würde. Oder man schaltet halt einfach mal ab, kauft sich eine Stadtkarte und macht ganz Oldschool Urlaub. Ist heutzutage mit diesem ganzen elektronischen Klimmbimm eh viel zu durchgeplant. 😉