Unterschiede auf Arbeit.

Arbeit

Mein Mann arbeitet für eine typisch japanische Firma. Ich arbeite für eine Firma, deren Zentrale sich in Deutschland befindet. Firmen wie meine nennt man 外資系企業 (Gaishikei Kigyô), normale japanische Firmen sind 内資系企業 (Naishikei Kigyô), das Wort hört man aber kaum. 😉 In ausländischen Firmen läuft einiges anders, was zu einigen Missverständnissen zwischen mir und meinem Mann geführt hat – er wirft mir vor, ich hätte keinen “gesunden Menschenverstand”, ich erkläre ihm, dass es in internationalen Firmen einfach manchmal etwas anders läuft. Aber was genau eigentlich?

(Bitte bedenken, dass ich nur von genau meiner und der Firma meines Mannes reden kann.)

Zur Firma meines Mannes: Große japanische Baufirma, er ist in der Planungsabteilung. Noch bis Ende März fest angestellt, dann geht es in den öffentlichen Dienst. 🙂

Zu meiner Firma: Großer deutscher Sportartikelhersteller, ich bin seit fast einem Jahr als Zeitarbeiter in der IT.

Arbeitszeiten, Überstunden und Urlaub

Natürlich muss in jeder Firma gearbeitet werden, und wenn viel los ist, bleibt man manchmal länger oder kommt früher. Der Unterschied bei meinem Mann: Es wird erwartet, dass man mindestens 30 Minuten vor Dienstbeginn da ist. Nicht, dass einem die Zeit irgendwie angerechnet werden würde… Bei uns zählt jede zusätzlich gearbeitete Minute als geleistete Arbeitszeit. Anders als bei meinem Mann haben wir nicht nur auf dem Papier Gleitzeit – wer früher kommt, kann früher nach Hause gehen.

Mein Mann: Du kannst doch nicht einfach früher nach Hause gehen!!

Ich: Doch. War ja auch früher da.

Außerdem muss es in meiner Firma für jeden festangestelten Mitarbeiter möglich sein einmal im Jahr zwei Wochen freizunehmen und die Hälfte des Jahresurlaubs muss fest verplant werden. Bei meinem Mann mussten wir oft zittern, ob er wirklich im gewünschten Zeitraum freinehmen könnte und für gleich zwei Wochen wäre das nie etwas geworden.

Natürlich hat auch in Japan jeder das Recht auf Urlaub, auch Erziehungsurlaub, aber oft werden Gründe gefunden, warum das eigentlich gar nicht geht. Meinem Mann wurde mitgeteilt, dass Leute, die Erziehungsurlaub nehmen, nicht gern befördert werden… In meiner Firma können zumindest Frauen bis zum dritten Geburtstag des Kindes jederzeit in die Firma zurückkehren*. Das klingt vielleicht für deutsche Verhältnisse nicht nach viel, aber in Japan gilt Erziehungsurlaub im Allgemeinen nur bis zum ersten Geburtstag des Kindes (außer es gibt ernsthafte Gründe ihn verlängern zu müssen). Wer der Arbeit länger fern bleibt ist oft seinen Job los.

* Die Situation für Männer kenne ich leider nicht.

Zwischenmenschliches

Bei meinem Mann geht es sehr förmlich zu, selbst in firmeninternen E-Mails spricht man sich mit 様 (sama)* an und redet auch sonst mit Vorgesetzten grundsätzlich 敬語 (Keigo) – und zwar nicht nur です・ます (desu, masu), sondern knallhart. Das ist natürlich an sich absolut legitim, wir sind hier schließlich in Japan und Höflichkeitssprache ist wichtig. Da in meiner Firma aber auch viel Englisch gesprochen wird, geht es bei uns etwas entspannter zu. In E-Mails schreibe ich さん (san)* und Keigo, gesprochen wird mit desu und masu. Natürlich gilt aber auch das nur firmenintern.

Ansonsten gibt es in meiner Firma kaum starre Grenzen, und weil wir nicht ständig miteinander trinken gehen müssen**, unternehmen wir auch so nach der Arbeit manchmal etwas. Der Druck ist einfach sehr viel geringer. Das wirkt sich meines Erachtens durchaus auch auf die Produktivität aus: Wenn irgendetwas nicht funktioniert, traut man sich, das Problem anzusprechen. In japanischen Firmen wirkt das oft mehr wie das Herumtanzen um den heißen Brei.

Und noch etwas – von Team Building-Veranstaltungen hatte mein Mann noch nie etwas gehört und Familien-Tage gibt es bei ihm auch nicht. 😉

Ich: Wir machen am Freitag Team Building.

Er: Team Building?

Ich: Wir unternehmen als Team etwas zusammen.

Er: Am Freitag? Dann wird es aber sicher spät.

Ich: Nein, wir gehen mittags los.

Er: ???

* -san und -sama sind Namenssuffixe, wobei -san wie das deutsche “Herr”/”Frau” funktioniert. -sama ist noch einmal höflicher.

** Wenn bei meinem Mann trinken angesagt ist, ist das nicht wirklich freiwillig – dabei muss er oft selbst bezahlen.

Sprache

Internationale Firmen sind per Definition international, heißt, sie haben oft mit dem Ausland zu tun. Das Ausland spricht kein Japanisch. 😉 Unsere Firmensprache ist eigentlich Englisch, aber tatsächlich finden die meisten internen Meetings auf Japanisch statt. Japaner und Englisch ist oft leider so eine Sache…* Das heißt aber auch, dass man als zwei- oder mehrsprachiger Ausländer gute Chancen hat. Und wenn man qualifiziert ist, kann man auch ohne Japanisch bei uns arbeiten.

* Übrigens absolut kein Problem in meiner Abteilung, die meisten sind zweisprachig, ob sie im Ausland aufgewachsen sind oder für die Uni im Ausland waren. In anderen Abteilungen sieht es anders aus.

(Nachdem ich eine englische Unterhaltung auf Japanisch wiedergegeben habe)

Er: Aber so kannst du doch nicht mit deinen Mitarbeitern reden!

Ich: Die Unterhaltung war auf Englisch, da gibt’s keine Höflichkeitsformen. 😀

In einer rein japanischen Firma ohne große Verbindungen ins Ausland ist natürlich meist alles auf Japanisch.

Jobsicherheit

Wer bei einer japanischen Firma arbeitet hat den Job meist noch immer für immer sicher – auch wenn er kein wertvoller Mitarbeiter ist, wird er durchgeschleppt. Zum großen Boss reicht es dann natürlich nicht, aber immerhin sitzt man nicht auf der Straße.

Bei internationalen Firmen ist man schneller wieder draußen. Vor allem bei US-amerikanischen Firmen wird gesagt, dass man sich keinen Fehltritt erlauben darf. In meiner Firma ist das nicht ganz so angespannt, aber auf der faulen Haut zu liegen geht auch nicht.

 

Letztendlich ist für mich das arbeiten in einer internationalen Firma sehr viel entspannter. Der Umgang ist zwar förmlicher als in Deutschland, aber längst nicht so steif wie in einer typisch japanischen Firma. Nun hinkt der Bausektor in Japan was Work-Life-Balance usw. angeht durchaus hinterher, während meine Firma zwar vielleicht nicht zu 100% perfekt ist, aber sich doch wirklich bemüht. Es gibt sicher auch japanische Firmen, in denen es ganz entspannt zugeht, und ausländische, die die Hölle sind. 🙂

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?

Tokyo Café Tour: Artnia (Square Enix Café).

artnia titel

Als mein Mann und ich uns letztens in 新宿 (Shinjuku) wiederfanden, beschloss ich kurzerhand, dass ich dringend zum Square Enix Café Artnia müsste. Eigentlich wollte ich dort schon viel länger mal hin, auch weil ich als Jugendliche Final Fantasy geliebt habe. Tatsächlich habe ich vor einem oder zwei Jahren überlegt eine Konsole zu kaufen, nur um mal wieder Final Fantasy zocken zu können – angesichts unserer doch nicht ganz so vorhandenen Zeit und meines generellen Versagens wenn es um Videospiele geht, ist es vielleicht ganz gut, dass ich es habe sein lassen.

artnia

In Shinjuku, in der Nähe des Bahnhofs 東新宿 (Higashi-Shinjuku) steht das Café, das laut meinem Mann aussieht wie ein Backenzahn. Einmal drinnen, ist der Raum in Café und Merchandise Shop unterteilt, das Café hat etwa 20 Sitzplätze. Weil natürlich jeder am Feiertag Kaffee trinken möchte, mussten wir eine ganze Weile warten. Das läuft wie in japanischen Restaurants üblich indem man seinen Namen auf eine Liste schreibt. Werden Plätze frei, wird man aufgerufen. Während man wartet, kann man sich natürlich im Laden umsehen. 🙂 Leider gab es nicht ganz so viel von Serien, die ich selbst noch gespielt habe.

Im Café gibt es wirklich superniedliches Essen, ob nun Pfannkuchen mit Final Fantasy-Mustern oder ein Parfait mit einer Schokonachbildung von Clouds Schwert aus Final Fantasy VII. Während wir warteten fiel uns allerdings schon auf, warum die Tische nur so langsam frei wurden – die Leute warteten teils 30 Minuten auf ihr Essen. Ob da nur kurzzeitig jemand überfordert war oder ob das immer so ist, wissen wir natürlich nicht. Es hat uns aber davon abgehalten Essen zu bestellen.

cappucino

Ich nahm einen Cappucino mit Latte Art, mein Mann einen kalten Kaffee, und wir bekamen einen Pappuntersetzer zum Mitnehmen. Beides zusammen kostete 1,150Yen (ca. 9€), in etwa so viel wie Starbucks.

Ganz ehrlich, ich hatte mir mehr vom Café versprochen. Das Essen ist zwar Rezensionen zufolge nicht schlecht, aber eigentlich will ich nicht während des Wartens den Hungertod sterben. Vielleicht weiß ja jemand, ob es dort immer etwas gemächlicher abläuft? Oder haben wir einfach die falsche Zeit erwischt?

Wenn man nach Merchandise sucht, ist es sicher kein schlechter Anlaufpunkt, und das Essen ist wirklich süß gemacht. Also vielleicht sollte man hingehen, wenn man etwas mehr Zeit und wenig Hunger hat – oder auch einfach nicht an Feiertagen oder am Wochenende. 😉


アルトニア 東京都新宿区新宿6−27−30
Artnia Tokyo, Shinjuku-ku, Shinjuku 6-27-30

Kirsche oder Pflaume?

Beinahe die Hälfte des kalten Februars ist überstanden, und langsam regt sich auch in der Pflanzenwelt wieder einiges. Zum Beispiel fangen die Bäume an zu blühen – doch Vorsicht, nicht alles, was pink oder weiß blüht ist ein Kirschbaum! Das kann ein wenig peinlich sein, wenn ihr ganz enthusiastisch von Kirschbäumen schwärmt, während auf euren Urlaubsfotos eigentlich Pflaumenbäume zu sehen sind…

Damit ihr euch da nicht vertut oder irgendwelchen Irrtümern aufsitzt, hier ein kleiner, einfacher Guide zum Blütenbestimmen. 😀 (Keine Garantie für nichts!)

Was im Moment viel blüht, ist 梅 (Ume), die japanische Pflaume. Wenn es für die Kirschblüte eigentlich noch zu früh ist und ihr aber einen Baum in voller Pracht seht ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Pflaumenbaum. Die meisten Pflaumenarten blühen in Tokyo von Anfang Februar bis Ende März.

Pflaumenblüten sind weiß bis pink, und dank verschiedenster Züchtungen findet man auch bei den Blütenblättern große Unterschiede. Aber: Die Blütenblätter von Pflaumenblüten sind immer rund. Die Blüten selbst sind mit nur einem sehr kurzen Stiel mit dem Ast verbunden, es sieht also so aus als würden sie direkt aus dem Ast heraus blühen.

桜

Viel beliebter als die Pflaumenblüte ist 桜 (Sakura), die Kirschblüte. Sie gilt als Symbol der Vergänglichkeit, entsprechend kurzzeitig blühen sie auch nur. Wenn ein Baum komplett blüht, schnell hin, oder die Blütenblätter liegen schon auf dem Boden. 🙂 Für gewöhnlich blühen Kirschbäume von Ende März bis Anfang April. Es gibt extra Seiten, auf denen man sich die Vorhersage durchlesen kann.

Es gibt tatsächlich auch im Herbst und Winter blühende Kirschbäume, aber die sind besonders. Erwartet also nicht im Januar große Ansammlungen von blühenden Kirschbäumen zu sehen. 😉

Auch Kirschblüten sind weiß bis pink, und auch hier gibt es unzählige Variationen. Nur die Blütenblätter sind alle oval und wirken wie eingeschnitten. Wenn ihr euch die Anleitung zum Kirschblütenfalten mal anschaut, fällt euch das sicher auch sofort auf. Außerdem kleben die Blüten nicht so nah am Ast, das ist auch im Titelbild dieses Blogs sehr gut zu erkennen. 🙂

Wie schaut’s aus, ist der Frühling auch bei euch schon nah?

Hochzeitsgeld.

Mein Mann ist 27, und langsam aber sicher sind die meisten seiner Freunde aus der Uni unter der Haube. Dieses Jahr heiraten zwei. Manchmal ist das aber nicht ganz so sehr ein Grund sich zu freuen, auch dank der japanischen Regeln bezüglich Geldgeschenken.

Nehmen wir den Freund, der letztes Wochenende geheiratet hat. Der gehörte zwar zu der Freundesgruppe aus Unizeiten, verstand sich aber mit meinem Mann nicht so gut. Trotzdem musste mein Mann natürlich zur Hochzeit eingeladen werden, schließlich kann man nicht nur eine Person des Freundeskreises ausschließen. Und natürlich musste mein Mann die Einladung annehmen, es kann schließlich nicht nur eine Person aus dem Freundeskreis die Einladung ablehnen.

Japanische Hochzeiten bestehen aus mindestens drei Teilen:

結婚式 (Kekkonshiki; Hochzeitsfeier), der eigentlichen Zeremonie, ob westlich oder japanisch; 披露宴 (Hirôen; Empfang), mit Essen und Ansprachen; und der 二次会 (Nijikai; Afterparty), an der für gewöhnlich nur die Freunde teilnehmen.

Wenn man an Zeremonie und Empfang oder auch nur Empfang teilnimmt, wird es teuer. Anders als in Deutschland sind Geschenke unüblich und es kann nicht jeder nur geben soviel er kann – die Geldbeträge für das 祝儀 (Shûgi; Gratulationsgeschenk) sind festgelegt und das Brautpaar rechnet mit den Beträgen – schließlich muss man die Hochzeit irgenwie finanzieren.

Für Freunde in ihren Zwanzigern sind das 20,000 – 30,000 Yen und meist zahlt man die 30,000 (ca. 235€). 20,000 (ca. 156€) sind zwar auch akzeptabel, weil sie “ein Paar” sind, aber eigentlich gibt man keine geraden Zahlen. Wenn man die 30 überschreitet werden es plötzlich 30,000 bis 50,000Yen (ca. 390€). Wenn man als Paar kommt sind die Beträge pro Person etwas geringer, wenn man in den 20ern ist z.B. 50,000Yen, ein Rabatt von 5,000Yen pro Person. 😉

Wenn man dann an der Afterparty teilnimmt muss man auch dafür noch einmal einen festgelegten Betrag bezahlen.

Da entfleuchen einem schnell mal 40,000Yen (ca. 313€). Nicht unbedingt ein Betrag, den man für die Hochzeit eines Menschen bezahlen möchte, mit dem man nicht einmal wirklich ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Aber eine gute Miene zu machen ist in Japan eh Volkssport. 😉 Ich bin natürlich nicht hingegangen, auch die Frauen der anderen Freunde blieben zuhause – aber eher, weil sie sich um Kleinkinder kümmern mussten.

Die Hochzeit selbst war übrigens scheinbar wirklich gut, zumindest was das Essen und die Location angeht.

Der Bräutigam trank so viel, dass er keinen geraden Satz mehr herausbrachte. Die Braut war wohl wenig amüsiert und erklärte die Hochzeit zum schlimmsten Tag ihres Lebens. Ein guter Start ins Eheleben…

Hier eine Übersicht über die Geldbeträge:

Beziehung zum Brautpaar20er30er40er
Freunde, Bekannte20-30k30-50k30-50k
Cousin20-30k30-50k50-100k
Nichte, Neffe30-50k50-100k
Geschwister50k30-50k*50-100k
Vorgesetzter30-50k30-50küber 50k
Mitarbeiter20-30k30k30k
Untergebener20-30k20-30k30k
Geschäftspartner30k30k30-50k

k = Tausend, alles in Yen (Quelle)
* Ich weiß nicht, warum der Betrag hier plötzlich sinkt

Wie setzt ihr fest, wie viel ihr bei Hochzeiten gebt? Gebt ihr Geld oder Geschenke?