Projekt Haus: Auf der Baustelle.

Letzte Woche hatte man uns eingeladen, dieses Wochenende doch einmal die Baustelle zu besuchen. Meine Schwiegereltern waren schon einmal dort gewesen, mein Mann und ich aber noch nicht.

Als wir uns dem Haus näherten, bemerkten wir schon, dass wir uns wahrscheinlich bei den Nachbarn derzeit nicht allzu beliebt machen. Am Samstag Vormittag wurden eiskalt die Fensterrahmen abgeschlagen, und das in Japan, wo jeder doch seine Ruhe so schätzt. Da das Haus neben unserem aber super alt ist, werden die Besitzer es uns wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft heimzahlen.

Die Decken sind inzwischen abgehangen, die Türen sind draußen und die Fensterrahmen und an ihnen befestigten Schmuckverkleidungen* sind auch weg. Einige Wände sind schon draußen, für andere besteht bereits das Gerüst. Insgesamt sah es sehr viel besser aus, als ich erwartet hatte, aber inzwischen ist schließlich auch schon ein Viertel der Bauzeit vergangen.

* Es war wohl vor 30 Jahren sehr beliebt, es so aussehen zu lassen, als hätte man recht viele Stützpfeiler in der Wand.

baustelle

In unserem Schlafzimmer fehlt inzwischen ein wenig Boden, schließlich soll dort der neue Eingang fürs Obergeschoss entstehen. Dann wird noch die derzeit vorhandene Treppe herausgenommen, und wir erreichen eine komplette Trennung der Wohnbereiche. Das war uns allen sehr wichtig, und meinem Mann und mir so sehr, dass wir uns recht viel Fläche von unserem Schlafzimmer abknappsen lassen. 😉

Die zwei größten Veränderungen, der neue Eingang, ein zusätzliches Zimmer im Erdgeschoss und eine Dachterasse im Obergeschoss, sind noch kaum erkennbar. Wenn das sichtbar wird, werden wir wahrscheinlich noch etwas stärker beeindruckt sein. 🙂 Das nächste Mal geht es in drei Wochen wieder auf die Baustelle, mal schauen, was sich bis dahin getan hat.

Ab in den Winterschlaf.

Ich bin müde. Wenn ich morgens aufwache, würde ich mich am liebsten umdrehen und weiterschlafen – auch nach acht Stunden Schlaf. Nach dem Mittagessen werde ich dösig, schlage immer wieder vor, dass wir uns ja wirklich mal einen Mittagschlafsraum anschaffen könnten, und bin den Nachmittag über halb benommen.

Wenn das Internet näher an der Realität wäre, dürfte ich während der Arbeitszeit schlafen. Leider stimmt diese oft wiederholte Aussage nicht, zumindest nicht bei meiner Firma oder irgendeiner Firma, von der ich je gehört habe. Selbst wenn es eine Firma gibt, bei der man auf oder unter den Tischen schlafen darf – das ist dann auch nur deswegen so, weil die Arbeitszeiten nicht aussreichend Schlaf zulassen.

Eigentlich würde ich mich gern wie ein Eisbär in eine Höhle legen und die kalte Jahreszeit durchschlafen. Aufwachen würde ich zu meinem Geburtstag, zu Weihnachten, zu Neujahr (Fett anfressen und Sale?! Das kann ich mir doch nicht entgehen lassen!) und zum Valentinstag. Vielleicht auch mal zwischendurch, aber nur um mir von meinem Mann Kuscheleinheiten abzuholen. Dann würde ich wieder schlafen.

Im Frühjahr würde ich vollständig erwachen und mich an den warmen Sonnenstrahlen erfreuen. Und dann würde direkt meine Nase anfangen zu laufen und meine Augen würden tränen – schließlich habe ich Heuschnupfen. Also ist es vielleicht doch besser, wenn ich das mit dem Winterschlaf sein lasse. Schließlich ist Herbst eigentlich die schönste Jahreszeit in Japan. Herbstmode ist meine liebste Mode, meinen Geburtstag finde ich auch immer ganz nett, und diesen Herbst kommt eine liebe Freundin nach Tokyo.

Aber falls irgendjemand Tipps haben sollte, wie ich diese lähmende Müdigkeit los werde, immer her damit. 🙂

Projekt Haus: Kleinkram.

Letzten Samstag fuhren wir zum Büro unserer Umbaufirma, um über kleine Dinge zu sprechen. Das meiste Große steht schon fest: Wie der Grundriss nach dem Umbau aussehen wird, welche Küche und welches Bad wir haben werden. Einiges Kleines haben wir auch schon fertig besprochen: Wo kommen die Steckdosen und Lichtschalter hin? Wie werden unsere Wandschränke aufgeteilt?

Diesmal ging es um noch kleinere, an sich unwichtigere und damit auch langweiligere Sachen. Wir sollten uns entscheiden, wie die Fußbodenleisten aussehen sollen und welche Farbe die Fensterrahmen bekommen.

Einerseits nerven mich solche Treffen unglaublich, weil es einfach uninteressant ist. Andererseits erhoffe ich mir, dass wir über soetwas reden, weil wir uns auf der Zielgeraden befinden. Langsam habe ich nämlich keine Lust mehr auf Entscheidungen. 😉

Am 3. Oktober, also vor zwei Wochen, war Baubeginn. Auf der Baustelle waren meine Schwiegereltern zwar schon, mein Mann und ich aber noch nicht. Entsprechen werden wir uns das nächstes Wochenende mal anschauen. 😀 Ich hoffe meine Vorstellungskraft reicht aus, derzeit sieht es, zumindest von den Fotos her, schon ziemlich schräg aus. Ob sich da bei mir Enthusiasmus breitmachen wird, ist noch etwas unsicher.

Derweil überlegen wir, was wir eigentlich alles an Möbeln usw. kaufen werden und wie teuer der Spaß wird.

  • Betten – Derzeit schlafen wir auf Futons, also auf dem Boden. Das ist für uns nicht so rückenfreundlich, wir freuen uns also schon darauf endlich umzusteigen.
  • Klimaanlage – Wir werden voraussichtlich über Neujahr umziehen, ohne Klimaanlage verwandeln wir uns da in Eisklötze. Die, die ins Schlafzimmer kommt, nehmen wir aus unserer jetzigen Wohnung mit.
  • Kühlschrank – Unser jetziger Kühlschrank ist klein und alt. Wir bekamen ihn von einem Studienfreund meines Mannes, und langsam wäre ein neueres Exemplar angebracht. Nur dumm, wenn man dann im Elektronikfachhandel den (sehr sehr teuren) Hightech-Kühlschrank seiner Träume sieht.
  • Esstisch und Stühle – Damals bei Nitori, dem japanischen Ikea, gekauft, wurde der Tisch schon ziemlich in Mitleidenschaft gezogen und ist auch wirklich nur groß genug für zwei Leute. Die Sitzpolster der Stühle geben auch langsam den Geist auf.
  • Regal für Ofen, Reiskocher und Mülleimer – So Dinger für den Ofen und den Reiskocher sieht man ständig, aber was hübsches mit Fächern für Mülleimer? Schwer.
  • Teppiche – Wir haben nicht vor, den ganzen schönen Holzboden unter Teppich zu verstecken, aber unter dem Esstisch, unter der Couch und im Schlafzimmer wäre es schon schön.

Können wir bitte einmal im Lotto gewinnen? Natürlich sind eigentlich nur drei Punkte sofort wichtig, mit dem alten Kühlschrank könnten wir sicher noch eine Weile leben. Nur der Transport ins neue Haus ist irgendwie verschwenderisch, wenn wir den Kühlschrank eigentlich eh nicht behalten wollen. Mal schnell etwas über 2000€ für einen neuen Kühlschrank (ich sagte ja: Hightech-Kühlschrank meiner Träume) auszugeben würde uns aber auch empfindlich treffen.

Noch zweieinhalb Monate…

Restaurant: 権八 Gonpachi

Ich arbeite bei einer internationalen Firma. In der Natur ebendieser liegt, dass immer mal Besucher aus dem Ausland kommen, mit denen dann auch essen gegangen wird. Netterweise darf ich auch fast immer mitkommen. 🙂 Wenn jemand schon den weiten Weg nach Japan antritt, soll er hier natürlich eigentlich keine Pizza essen, sondern nach Möglichkeit Japanisch.

Wir haben natürlich auch ein Standardrestaurant, aber das ist erstens sehr fischlastig* und zweitens darf man dort rauchen. Außerdem waren wir dort nun schon öfters, auch mit dem Gast, den es dieses Mal nach Tokyo verschlagen hatte. Eine Alternative musste her.

* Ich breche bei Fisch noch immer nicht in überbordende Begeisterung aus.

Die war schnell gefunden, und zwar ging es in das Restaurant aus dem Film “Kill Bill”. Oder zumindest zu dem, von dem das Restaurant in “Kill Bill” inspiriert wurde.

gonpachi

Neben Quentin Tarantino haben auch Lady Gaga und der ehemalige U.S.-Präsident George W. Bush das  Gonpachi Nishi-Azabu (権八 西麻布) besucht. Und nun auch ich, obwohl mysteriöserweise niemand ein Foto von mir wollte. 😉

Das Restaurant ist komplett auf die vielen ausländischen Besucher eingestellt. Viele der Köche und Bedienungen sind nicht japanisch, und es gibt das Menü nicht nur auch auf Englisch sondern auch auf Koreanisch und Chinesisch. Statt Massen von Sushi gibt es hier  Kushi (串*), Dinge auf Spießen, das heißt hauptsächlich Hühnchen, Gemüse und Pilze. Aber auch wenn man darauf nicht steht, findet sich sicher etwas für jeden. Die Spezialität des Hauses sind übrigens Soba, japanische Buchweizennudeln. Vom Geschmack her war es ganz gut, wenn auch nicht unglaublich gut – aber wir sind da eh verwöhnt.

** Mal ein Kanji, das genau danach aussieht, was es bedeutet. 😉

Wir bestellten unglaublich viel, und es wurde auch recht viel getrunken, trotzdem kostete der Spaß pro Person nur etwa 8,000Yen (70€). Im Vergleich zu den Restaurants, in die wir auf Arbeit sonst gehen, war das gar nicht schlecht. Vor allem: Ein Nichtraucherrestaurant! In Tokyo! Als ich nach Hause kam, fiel meinem Mann direkt auf, dass ich mal nicht nach Rauch stank.

Für einen Abend ist das Gonpachi ist sicher nett, aber privat würde ich nicht noch einmal hingehen. Dafür ist es nicht außergewöhnlich genug. Außerdem: Gar keine Uma Thurman?! Wo gibt’s denn sowas?!