FAQ über meine deutsch-japanische Beziehung.

Diese Woche schrieb Shaoshi in Shanghai einen schönen Eintrag über ihre chinesisch-deutsche Partnerschaft. Für viele ist es nicht alltäglich, dass man mit jemandem zusammen, verlobt oder verheiratet sein kann, der aus einem ganz anderen kulturellen Umfeld kommt. Also werden immer wieder die gleichen Fragen gestellt.

Vor knapp eineinhalb Jahren schrieb ich darüber, warum ihr dringend einen Japaner heiraten solltet. Dieses Mal ein kleines FAQ über unsere interkulturelle Beziehung. 🙂

1. Warum denn ein Japaner? Stehst du auf Asiaten?

Ich muss zugeben, dass ich es ziemlich belustigend finde, wenn Leute davon ausgehen, dass ich einen ausgeprägten Asiaten-Fetisch haben muss, um mich in einen Japaner zu verlieben. Viele Menschen sind attraktiv, das hat nicht nur etwas mit dem Äußeren, sondern auch mit der Ausstrahlung zu tun. Bei meinem Mann wusste ich gleich, dass ich all meine Schutzschilde herunterfahren und so sein kann, wie ich bin. Er hätte meinetwegen auch Deutscher, Amerikaner, Pakistani oder Somalier sein können. Als wir uns kennenlernten war ich aber in Japan, für mein Working Holiday. In Japan gibt es viele Japaner. Deswegen ist mein Mann Japaner. 🙂

Oft höre ich im gleichen Atemzug auch “Normalerweise ist es ja umgekehrt”. Es gibt viele deutsche Frauen mit japanischen Partnern. Wirklich.

2. Welche Sprache sprecht ihr zuhause?

Japanisch. Anfangs war es super praktisch, dass mein Mann kein Deutsch sprach, weil ich dadurch sehr viel Japanisch lernte. Inzwischen mache ich mir doch so einige Gedanken, eventuelle Kinder würde ich nämlich schon gern zweisprachig erziehen. Mein Mann versteht inzwischen ganz einfache Worte und Sätze auf Deutsch (“Es ist kalt.” “Ich bin müde.”, etc.), aber idealerweise sollte das noch besser werden. Nur leider bin ich keine gute Lehrerin, und er ist auch nicht der ideale Schüler. Wir müssen uns aber dringend wieder ransetzen.

Manchmal werde ich gefragt, ob ich mich auf Japanisch eigentlich streiten kann. Was für eine komische Frage, natürlich kann ich das. Sonst würde ich ja automatisch verlieren, und das ginge nun gar nicht. 😉

3. Hatten eure Eltern kein Problem mit eurer Heirat?

Die kurze Antwort: Nein.

Die lange Antwort: Sowohl meine Eltern als auch meine Schwiegereltern sind fremden Kulturen gegenüber sehr aufgeschlossen. Für meine Eltern ist das Wichtigste, dass ich glücklich bin. Ganz im Ernst, ich kann verstehen, dass sie es schöner fänden, wenn wir näher an Deutschland wohnen würden. Wenn sie aber aufgrund seiner Nationalität etwas gegen meinen Mann hätten, würde ich einige Kindheitserinnerungen (z.B. Teilnahme an der Demo gegen die NPD-Zentrale in Köpenick) stark anzweifeln. Meine Schwiegereltern waren sowieso schon immer der Meinung, dass mein Mann mit einer japanischen Frau nicht klarkommen würde – sagen sie zumindest mir gegenüber.

Ich weiß, dass es Familien gibt, in denen das nicht so reibungslos abläuft. Wir hatten Glück. 🙂

4. Aber japanische Männer zeigen einem doch gar nicht, dass sie einen lieben. 🙁 🙁

Ich weiß nicht, warum sich das so penetrant hält. Vielleicht habe ich meinen Mann auch nur gut trainiert? Es vergeht kein Tag, an dem er mir nicht sagt, dass er mich liebt, und dass ich ihm wichtig bin. Mein Mann überrascht mich oft mit Blumen oder anderen kleinen Dingen, er entführt mich in schöne Restaurants, und mir mangelt es in Sachen Liebesbekenntnisse an nichts. Natürlich streiten wir auch manchmal (siehe 2.), aber dass das der Liebe Abbruch tut, denkt hier hoffentlich niemand.

5. Bist du nur für deinen Mann nach Japan gezogen? Zieht ihr irgendwann nach Deutschland?

Auch hier gibt es wieder eine kürzere und eine längere Antwort. Erst einmal die kurze: Ja, und vielleicht.

Die längere sieht so aus: Ich spreche Japanisch, mein Mann kein Deutsch. Mein Mann hat einen japanischen Uniabschluss, ich habe gar keinen. Für mich ist es in Japan sehr einfach, Arbeit zu finden, die nicht komplett unterbezahlt ist. Wahrscheinlich würde ich auch in Deutschland wieder irgendetwas finden, aber unser Lebensstandard wäre ein ganz anderer. Komplett ausschließen will ich es trotzdem nicht. Wir werden sicher nicht in den nächsten fünf Jahren nach Deutschland ziehen, aber vielleicht, irgendwann. So schrecklich finde ich Deutschland nämlich durchaus nicht. 😉

Insgesamt finde ich es sehr schade, dass viele Leute von mir ihre Vorurteile bestätigt bekommen wollen. Manchmal wirken sie fast beleidigt, wenn ich ihnen den Gefallen nicht tue. Auch bei Leuten, die durchaus Japan und China auseinanderhalten können, gelten Japaner oft als sozial unterentwickelte Nerds, die den ganzen Tag Mangas lesen und ansonsten in ihrer geringen Freizeit, sind ja alles Workaholics, Wale schlachten. Mein Mann hat Freunde, isst keinen Wal, macht kaum Überstunden, und die drei Manga, die wir haben, gehören mir. 😉

Seid ihr in einer interkulturellen Beziehung? Wenn ja, was werdet ihr oft gefragt? Und habt ihr noch weitere Fragen über meine Beziehung? 🙂

Projekt Haus: Schlafzimmer.

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Ups, sehr gelbstichig, das Foto.

Wenn wir heute nach Hause kommen, werden wir eine neue Eingangstür haben. Wir hoffen, dass wir mit der neuen Tür besser schlafen werden, denn unser Schlafzimmer ist von all unseren Zimmern am nächsten am Eingang.

Das Schlafzimmer war früher ein japanischer Raum, mit Tatami-Matten und sehr niedrigen Fenstern. Wir haben das eine große Fenster hochsetzen lassen, die anderen beiden fielen wegen Anbauten sowieso weg. Weil der Raum sehr kalt ist, haben wir uns entschieden, ihn mit Teppich auszulegen. Es ist einfach auch netter, wenn man nach dem Aufstehen nicht direkt die kalten Dielen unter den Fußsohlen hat. 🙂

Unsere Betten sind, wie auch in der alten Wohnung, getrennt. Das mag auf Leute, die nicht in Japan wohnen, etwas befremdlich wirken, aber hey – immerhin schlafen wir im gleichen Zimmer. 😉 Derzeit schlafen wir natürlich nicht nur mit einer, sondern mit drei Decken. In Japan ist das normal, eben weil die Dämmung in den Häusern so schäbig ist.

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Ansonsten haben wir zwei ziemlich gewaltige Wandschränke. Ich scherze immer, dass Harry Potter dort wohnen könnte. 😉 In dem schmaleren Schrank befinden sich meine Klamotten und im großen ist alles, was auf Bügeln hängt. Die Kleidung meines Mannes ist im Ikea-Malm-Regal.

Dass der Eingang zur Wohnung der Schwiegereltern sich an unserem Kopfende befindet ist zugegebenermaßen nicht ganz ideal. Auch sind zwei Wandschränke direkt über uns, was uns bei manischem Schrankaufreißen am Morgen durchaus aus dem Schlaf reißen kann. Letzten Samstag um sechs zum Beispiel. Aber nun ja, es ist Familie, da kann man nicht wirklich sauer bleiben.

Ich mag unser neues Schlafzimmer sehr gern. Es ist viel größer als unser altes, und wir haben nicht so viel Krams darin herumstehen. Statt unser Schlafzimmer auch als Abstellkammer zu verwenden, haben wir jetzt nämlich … eine Abstellkammer. 😉 Sehr praktisch, das.

Der Vorteil davon, in Japan zu leben.

Immer wieder schreibe ich darüber, dass das Leben in Japan nach Jahren oft nicht mehr besonders ist. Matcha Latte und Sushi lassen mich nicht wirklich in Begeisterungsstürme ausbrechen, auch wenn ich sie gerne konsumiere. Klar, ist das ein wenig schade, aber wenn man etwas immer haben kann…

Richtig gut wird diese “in Japan leben”-Chose eigentlich erst, wenn man Interesse an Dingen hat, die aus Japan kommen. Das musste ich vor allem bei meinem neu aufgeflammten Interesse an Studio Ghibli feststellen.

wasserspielzeug

Spielzeug für die Badewanne

Zwar ist Studio Ghibli auch im Ausland sehr beliebt, und DVDs sind in Deutschland viel günstiger, aber mit wie viel Ghibli ich mich hier wie einfach eindecken kann, steht in keinem Vergleich. In jeder Videothek gibt es die gesammelten Werke von Ghibli, in meiner sogar die Dokumentation 夢と狂気の王国 (The Kingdom of Dreams and Madness) (Amazon.de Link), zum Ausleihen. Während man in Deutschland über das Internet vereinzeltes Ghibli-Merchandise zu überteuerten Preisen kaufen kann, bin ich einfach an der Quelle und kann in einem ganzen Laden nur mit Ghibli-Zeug einkaufen. Im Fernsehen laufen immer wieder Ghibli-Filme (übrigens immer bei 日本テレビ Nippon Terebi), und selten bekommt man auch mal Dokumentationen* zu Gesicht.

* 終わらない人 宮崎駿 (Hayao Miyazaki – Der Mann der nicht aufhört) könnt ihr euch hier ansehen. Nur auf Japanisch, und die Stimme der Erzählerin ist nervig, aber gut.

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Während es die Artbooks zu den verschiedenen Filmen auch in anderen Sprachen als Japanisch zu kaufen gibt, hat die internationale Fangemeindet mit anderen Druckerzeugnissen nicht so viel Glück. Seit von Studio Ghibli kaum noch etwas zu hören ist, haben verschiedene Leute Bücher veröffentlicht, die Einblick in die Arbeit im Studio gewähren. Zuhause habe ich von den neueren Büchern nur 吾輩はガイジンである (Wagahai ha Gaijin de aru; Ich bin Ausländer) von Steve Alpert, dem Mann, der Ghibli in die Welt hinaustrug. Ansonsten in meinem Besitz: 風の帰る場所 (Der Ort, an den der Wind zurückkehrt) und 続・風の帰る場所 (Der Ort, an den der Wind zurückkehrt (Fortsetzung)), zwei Bücher mit langen Interviews mit Hayao Miyazaki , 宮崎駿の雑想ノート (Miyazaki Hayaos Notizbuch der ziellosen Gedanken) mit Zeichnungen und Kurzgeschichten, die Miyazaki in den späten 80ern veröffentlichte, und ジブリの立体建造物展 ( Ghiblis dreidimensionale Gebäude-Ausstellung), das begleitende Buch zur gleichnamigen Ausstellung.

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Apropos Ausstellungen: Wie oft könnt ihr euch in Deutschland Ghibli im Museum ansehen?

Hier ist eigentlich immer etwas. Allein in den letzten Monaten war ich bei einer allgemeinen Ghibli-Ausstellungim Ghibli-Museum und in der Layout-Ausstellung. Wenn ich Glück habe, werden wir uns auch die oben erwähnte Gebäude-Ausstellung Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres ansehen.

Klar, solche Vorteile genießt jeder, der im Ursprungsland einer Sache ist und die Ursprungssprache versteht. Dass ich in Japan lebe, hilft mir weder in Sachen Sherlock* noch in Sachen Doctor Who. Die größte Auswahl an hübschen skandinavischen Dingen gibt es noch immer in Skandinavien.

* Wir haben die vierte Staffel zuhause, aber noch nicht gesehen. Keine Spoiler!

Aber manchmal habe ich Glück. 😉

Worüber würdet ihr euch am meisten freuen, wenn ihr in Japan leben würdet?
Oder, falls ihr in Japan lebt: Worüber freut ihr euch in Japan am meisten?

Blinddarm und Dämonen raus?

krankenhausAm Freitag Morgen war es das mit dieser Errungenschaft des Homo Sapiens, dem “aufrecht gehen”. Nun bin ich wahrlich kein Neuling in Sachen Magenschmerzen und Blinddarmentzündung, meldete mich also für den Tag krank und lief zu meiner Ärztin. Eigentlich war der Plan, dass ich mir einfach Medikamente abhole und den Rest des Tages auf der Couch verbringe, doch Pustekuchen: Ich wurde ins Krankenhaus überwiesen.

Dort angekommen, musste ich feststellen, dass es auch die gesamte Ü-60-Bevölkerung unseres Städtchens an diesem schönen Tag dorthin verschlagen hatte. Entsprechend lange durfte ich warten, und dank Schlafmangels konnte ich mir nicht einmal mit einem Buch die Zeit vertreiben. Mir fielen einfach ständig die Augen zu.

Nach einem Gespräch mit der Ärztin wurde ein CT gemacht (Welch Überraschung, mein Blinddarm war entzündet.), dann ging es zurück zur Ärztin, die mich an die nächste Station überwies. Dort wurde mir gesagt, dass ich mir durchaus mal überlegen könnte, ob ich meinen Blinddarm nicht rausnehmen lassen wolle. Ganz ehrlich: Es ist in den letzten Jahren durchaus besser geworden, und scheinbar hat der Blinddarm durchaus einen Zweck, also bleibt der drin. Dann bekam ich noch einen Tropf angehangen.

Sechs Stunden nachdem ich mich auf den Weg gemacht hatte und fast 15,000 Yen (ca. 120€) ärmer, hier darf man nämlich 30% seiner Kosten selbst tragen, war ich wieder zuhause. Dieser ganze Stress war wirklich schlimmer als die Schmerzen.

Am Abend kam meine Schwiegermutter mit Bohnen vorbei. 🙂 Der 3.2. ist 節分 (Setsubun), der Frühlingsanfang des alten japanischen Kalenders. Früher war Setsubun der Beginn des neuen Jahres, deswegen ist er auch nah am chinesischen Neujahr. Was macht man an Neujahr? Dämonen vertreiben. In Deutschland und China passiert das mit Feuerwerk. Japanische Dämonen haben offensichtlich ein Problem mit Bohnen. 😉 Wir warfen also brav Bohnen und kauften, übrigens so gar nicht traditionell, Setsubun-Süßigkeiten.

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Ich hoffe ihr hattet ein schönes Wochenende! 🙂