Deutschland? Schon?

Morgen geht es nach Deutschland. Neun Monate war ich nicht dort, habe selten Deutsch gesprochen, und generell in einer ganz anderen Welt, mit hübscheren Klamotten und kleineren Wohnungen, gelebt.

Morgen also. Der Flug ist schon längst gebucht, wir fliegen in der Business Class über München nach Berlin. Erstes Mal Business Class, erstes Mal Langstreckenflug mit meinem Mann. Bisher bedeutete Abflug vom Flughafen Narita immer Trennung und Tränen – meine im Flugzeug, wenn ich vom Fenster aus die Stadt sah, seine, wenn er nach Hause kam, in eine Wohnung ohne mich. Fernbeziehung ist am Anfang einer Trennungsphase am schlimmsten. Danach gewöhnt man sich dran, allein zu sein.

Aber, wir fliegen diesmal zusammen. Mein Mann liebt das Fliegen, er wollte als Kind Pilot werden, und eigentlich ist das noch immer sein Traum. Ich will im Flugzeug eigentlich nur schlafen und nach Möglichkeit nicht mitbekommen, dass wir uns viel zu schnell vorwärts bewegen. Wenn dieser gemeine Göttergatte mich dabei stören sollte gibt es Ärger.

Wir werden 15 Stunden unterwegs sein, und trotzdem, dank der Zeitzonen, am selben Tag um 20 Uhr in Berlin ankommen. Und dann geht’s rund:

Am Samstag fahre ich zu meiner Freundin Julia, um das Hochzeitskleid abzuholen, dass sie mir genäht hat. Am Sonntag ist dann die Hochzeit im Herzen Berlins (noch so eine Formulierung, die ich nicht mag), und danach Essen in der Nähe meines Elternhauses angesagt. Am Montag dann Erholung, ein bisschen Kultur, ein bisschen einkaufen (bei H&M in Japan gibt es keine Unterwäsche. Wer hat sich denn sowas ausgedacht?) und am Dienstag und Mittwoch sind der Mann und ich in Wien, und bekommen von meiner Freundin Olga die Stadt gezeigt. Gerüchten zufolge ist ein Tisch in einem Schnitzelrestaurant reserviert. Donnerstag wird der letzte Tag, den wir ganz frei genießen können, denn am Freitag geht es wieder zurück nach Japan.

Eine Woche Deutschland. Eigentlich viel zu wenig, aber mein Mann konnte sich nicht länger freinehmen, und ich kann es mir eigentlich auch nicht erlauben. Also müssen wir es machen, wie die ganzen anderen japanischen Touristen: Alles fotografieren und dann zuhause schauen, wo wir überhaupt waren. Das wird was.

In der Zeit gibt es keine Blogeinträge, außer ich finde Zeit und Lust. 😉

Hohe Schuhe im Regen.

Dass Japanerinnen hohe Schuhe lieben ist glaube ich allgemein bekannt. Vielleicht liegt’s an der teils doch geringen Körpergröße, oder man will die Beinchen strecken – ich weiß es nicht. Teils fängt das recht früh an, wenn ich mir Familien anschaue, haben oft die noch nicht einmal pubertierenden Töchter Schuhe mit Absätzen an. Das macht sich sicher total gut für den Rücken und die Füße. Egal.

Letzte Woche hat es hier Wechselwetter gegeben. Einen Tag Regen, einen Tag Sonne, dann wieder Regen. Das ist auf Arbeit ein wenig anstrengend, weil ich die Kinder eigentlich ganz gerne nach dem Mittagessen nach draußen scheuche. Egal.

Auf dem Bahnsteig sah ich an so einem Regentag eine Frau mit Regenstiefeln. Mit Regenstiefeln mit Absätzen. Ich weiß nicht, vielleicht bin ich zu praktisch, zu wenig modebewusst und zu deutsch aber — ist das nicht mordsgefährlich? Regenstiefel bieten ja oft um den Knöchel herum nicht so viel halt, wenn’s regnet ist der Boden auch mal rutschig, und dann auch noch mit Absätzen…

Richtig tolle Gummistiefel will ich mir aber auch noch kaufen, das lohnt sich hier richtig. Nichts mit kurzen Schauern, wenn’s regnet, dann regnet es. Den ganzen Tag.

“Sprechen Sie Japanisch?”

In letzter Zeit war ich öfter mal im Krankenhaus. Nichts Ernstes, ich möchte mich nur absichern. Am Anmeldeschalter.

Sie: Sind Sie zum ersten Mal hier? Sprechen Sie Japanisch?

Ich: Ja. Ja.

Ich bekomme einen Anmeldebogen.

Sie: Können Sie schreiben?

Ich: Ja.

Dann in der Orthopädie, wo ich wieder einen Zettel ausfüllen muss, diesmal mit Symptomen und Ähnlichem.

Sie: Können Sie das schreiben?

Ich: Ja.

Als ich endlich zum Arzt ins Behandlungszimmer komme:

Er: Packen Sie ihr Gepäck einfach in den Korb. Sprechen Sie Japanisch?

Ich: Ja.

Ich muss zum Röntgen. Diesmal fragt mich keiner, ob ich tatsächlich die Sprache des Landes, in dem ich lebe, spreche. Beim Nachgespräch mit dem Arzt läuft auch alles klar. Als Ausländerin bin ich einfach im Gedächtnis zu behalten. Dann wird noch mit einer anderen Schwester über den nächsten Termin geredet.

Sie: Sprechen Sie Japanisch?

Ich: Ja…

Ich weiß, dass es nicht viele Ausländer in Japan gibt, und noch weniger nicht-asiatische. Es gibt bestimmt auch viele, die gar kein Japanisch sprechen. Aber für mich ist es ein wenig frustrierend, wenn immer davon ausgegangen wird, dass ich nicht kommunizieren kann. Ich will Teil der japanischen Gesellschaft werden. Als Deutsche. Japanerin will ich nicht werden, das erfordert das Tragen von zu hohen Schuhen, aber ich will irgendwann als gleichwertiger Gesprächspartner, sofern es denn mein Vokabular zulässt, gesehen werden. Nicht als Möglichkeit Englisch zu reden.

Das versuchen dann nämlich auch viele, und bei vielen darf man in Japan davon ausgehen, dass mein Japanisch besser ist als deren Englisch. Die Schwieger-Großmutter glaubt mir auch noch nicht so ganz, dass ich Japanisch spreche. Was denken die ganzen Leute denn, wie ich hier durch die Weltgeschichte komme? Eine deutsche Parallelgesellschaft haben wir hier schließlich noch nicht.

Die Ärzte müssen aber (teilweise) im Studium noch immer Deutsch lernen. Beim Testen meiner Nervenreaktion war ein ganz witziger Arzt. So ein Test dauert ein wenig, da ist das praktisch. Woran er sich noch aus dem Deutschunterricht erinnert:

Er: Eins, zwei, drei. Prost. Das ist doch “Prost”, oder? Oh, und “Ich liebe dich.”

Ich: Dann haben Sie sich ja alles Wichtige gemerkt.

Er: Natürlich!

Vielleicht denken sie auch, dass alle Ausländer die gleichen Fremdsprachenkenntnisse haben wie sie selbst*…

* Es gibt natürlich Japaner, die unglaublich tolles Englisch sprechen. Oder auch Französisch. Oder sogar Deutsch! Aber im Durchschnitt würde ich sagen, dass hier weniger Leute eine Fremdsprache sprechen als in Deutschland.

Ich sollte mal ausprobieren, was passiert, wenn ich behaupte, ich würde die Sprache nicht sprechen. Panik wahrscheinlich.

Japanisch kochen: Grundzutaten. Außerdem: Gyûdon.

Ich bin, wie allgemein bekannt, ein sehr fauler Mensch. Ich koche nichts, was zu viel Zeit und Mühe kosten würde, und dafür ist japanische Küche perfekt. Wenn man sich nicht den Stress macht unendlich viele Nebengerichte zu kochen, kann man mit wenigen Grundzutaten ein leckeres* Essen zaubern. Die Grundzutaten gibt es inzwischen in jedem gut sortierten Asia-Laden.

* Das liegt natürlich am Esser, wie lecker er etwas findet.

Von links nach rechts: みりん (Mirin), süßer Reiswein mit geringerem Alkoholgehalt als Sake. Wir benutzen zuhause keinen richtigen Mirin sondern みりん風調味料, Speisewürze, die Mirin ähnelt.

料理酒 (Koch-Sake), japanischer Reiswein, der absolut scheußlich schmeckt. Ich weiß nicht, ob ihn das vom normalen Trinksake abhebt, ist aber auf jeden Fall günstiger.

しょうゆ (Sojasauce) sollte jedem bekannt sein. Beim Einkaufen muss eigentlich nur darauf geachtet werden, dass man nicht aus Versehen chinesische Sojasauce kauft, die schmeckt anders.

Außerdem, nicht auf dem Foto: だし (Dashi), Fischsud, den man normalerweise in Pulverform kaufen kann.

Und das war’s dann auch schon. Auf an den Herd!

牛丼 (Gyûdon) für 3-4 Personen

400ml Wasser

300g Rindfleisch (in dünne Scheiben geschnitten. Wirklich so dünn wie’s geht.)

1 Zwiebel

4 Esslöffel Sojasauce

3 Esslöffel Sake

3 Esslöffel Zucker

2 Teelöffel Dashi

(3-4 Portionen Reis)

① Dashi und die 400ml Wasser in einem Topf vermischen. Die in Streifen geschnittene Zwiebel ins Wasser geben, und warten, bis sie etwas weich geworden ist.

② Sojasauce, Sake und Zucker hinzugeben, das Rindfleisch in den Topf werfen, umrühren, Deckel drauf.

③ ca. 10 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen.

④ Reis portionsweise in Schüsseln geben, Topfinhalt oben drauf, fertig.

Das Essen der Götter! Das Gyûdon auf dem Foto ist gekauft, schmeckt trotzdem super. Man kann es mit einem rohen Ei essen, würde ich aber in Deutschland nicht unbedingt machen (Salmonellen?). Gyûdon eignet sich nicht so gut zum Einfrieren, weil es ewig dauert, bis das Fett sich mit dem Wasser usw.