Virenpanik!

Dass es keine neuen Einträge gab, lag hauptsächlich daran, dass nicht viel passiert ist. Alles wiederholt sich nur, so bin ich zum Beispiel mal wieder krank.

Diesmal aber weder Nase, noch Ohren, noch Handgelenke noch Magen, nein, es hat den Hals erwischt. Es ist also Husten angesagt.

Höchstattraktives Foto der Autorin ;)

Höchstattraktives Foto der Autorin 😉

Um meine Viren nicht über alle Kinder auf Arbeit zu verteilen (obwohl das eigentlich nur fair wäre, weil ich die Erkältung mit Sicherheit von einem von den Monstern habe) unterrichte ich derzeit mit Maske. Die schränkt mein Blickfeld zwar etwas ein, aber bisher bin ich noch über kein Kind gestolpert.

Solch hübsche Gesichtsmasken sind übrigens durchgehend in Mode, von Herbst bis nach der Heuschnupfensaison. Die für heute habe ich einfach von der Arbeit gemopst (war ja auch für die Arbeit), ansonsten gibt es Masken auch überall zu kaufen. Überall.

Wenn wir ein Kind haben, das trotz Durchfall und Erbrechen in den Kindergarten gebracht wurde, tragen wir Masken, in der Hoffnung, dass wir uns dadurch etwas vor Krankheiten schützen können. Wenn ich alle paar Minuten heftig Husten muss, trage ich eine Maske, damit ich mir nich ständig die Hände vor den Mund halten und eben diese Hände dann jedes Mal waschen muss.

Mir wurde nahgelegt, trotzdem mal einen Arzt aufzusuchen. 6,500Yen ärmer, fünf Medikamente und lustige Diagnoseverfahren “reicher”, weiß ich jetzt, dass ich eine Erkältung habe. Überraschung!

Zum Glück habe ich nur noch vier Tage zu arbeiten, und dann gibt’s Weihnachtsferien, in denen ich mich auskurieren kann, bevor wir ins eiskalte Seoul aufbrechen.

Es wackelt schon wieder.

Ich rede Erdbeben gern herunter. Wirklich, die meisten Erdbeben bekomme ich nicht einmal mit.

Wie ihr vielleicht schon in Radio, Fernsehen und sonstwo mitbekommen habt, gab es heute um kurz nach fünf (Ortszeit) ein etwas stärkeres Beben. Das war recht beeindruckend, weil ich grade beim Koreanischunterricht in einem Café mit freischwingenden Lampen war, und die natürlich durch die Gegend schwangen, als gäbe es kein Morgen. Die Stärke war auch gar nicht so schrecklich, sondern die Länge. Solang es noch andauert kann es nämlich auch noch stärker werden. Super Aussichten!

Während in Deutschland von Magnitude 7.3 im Epizentrum die Rede ist, ist es in Japan (auf dem Land) aber höchstens ein “震度 (Shindo, Bebengrad) 5 (schwach)”-Beben gewesen. Japan nutzt die JMA-Skala (JMA steht für Japan Meteorological Agency), die in zehn Grade von 1 bis 7 unterteilt ist. Auf Wikipedia gibt es zu den Stufen eine gute Zusammenfassung.

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Eine typische Erdbebenkarte sieht dann übrigens so aus wie oben. Das Kreuz markiert das Epizentrum, und von dort aus abgestuft wird für einzelne Gebiete der Shindo angezeigt. Für die meisten Leute ist Shindo einfacher verständlich als Magnituden, zumal man auf der Karte auch direkt sieht, wo das Erdbeben wie stark angekommen ist.

Bei uns* war es Shindo 4 (hängende Lampen wackeln, Geschirr geräuscht, manchmal merkt man es auch im Auto). Zusammen mit dem Beben heute Morgen um halb sechs (Shindo 2), das meinen Mann und mich aufgeweckt hat, ist das nicht ganz so schön. Im Café haben meine Lehrerin und ich uns auch schon aufs Flüchten vorbereitet (alles in die Taschen und Jacken an), aber irgendwann hörte es auf zu rütteln.

* Im Osten Tokyos und in Chiba

Auf dem Weg nach Hause fuhren die Bahnen mit stark verringerter Geschwindigkeit, ich weiß nicht genau warum, kann mir aber vorstellen, dass auch eine Bahn schneller vor durchs Beben auf die Gleise gelangte Hindernisse abbremsen kann, wenn sie nur 20km/h fährt. Natürlich lief bei einigen Linien gar nichts mehr, weil erst einmal eine Sicherheitsüberprüfung stattfand, zum Glück habe ich es aber mit nur 30 Minuten Verspätung nach Hause geschafft.

Ich hoffe, dass es das jetzt erstmal war, ein großes Beben bei Temperaturen um die Null Grad möchte ich mir nämlich nicht ausmalen.

Was ist eigentlich ein Conbini?

Alle die schon mal in Japan waren oder dort leben, mal kurz weghören, es folgt eine Erklärung für alle, die mit Japan nicht so viel am Hut haben, aber meinen Blog lesen. 😉

Während in Deutschland nach den Ladenöffnungszeiten oder am Sonntag höchstens noch Tankstellen oder Spätis offen haben, gibt es in Japan (und vielen anderen Ländern) Conbinis (jap. コンビニ). Das Wort leitet sich vom englischen “Convenience Store” ab und bezeichnet einen Laden, der verschiedenste Dinge, die man auf die Schnelle mal brauchen könnte, verkauft, aber jeweils nur eine kleine Auswahl anbietet. Conbini impliziert in Japan auch, dass der Laden 24 Stunden am Tag geöffnet ist.

Ein 7Eleven in der Nähe.

Ein 7Eleven in der Nähe.

Er ist also gewissermaßen der Retter in der Not.

Wenn ich Geld abheben oder überweisen möchte, kann ich das im Conbini machen*. Wenn ich spät abends dringend noch Chips oder Alkohol brauche, gibt es die im Conbini. Der Conbini ist mir auch behilflich, wenn meine Strumpfhose oder mein Make-Up nachts um vier aufgegeben hat**. Wenn die Inspiration mich gepackt hat, ich aber weder Papier und Stift zur Hand habe, kann ich beides im Conbini kaufen. Oder einfach, wenn ich Zeit totschlagen muss bis zur nächsten Bahn – dann kann ich dort Zeitschriften lesen***.

Einige Rechnungen kann ich auch direkt im Conbini bezahlen, Tickets für’s Disney Land oder Konzerte kann man auch erwerben. Ein kleines Allround-Talent.

* Das hängt natürlich von der Bank, bei der man ist, ab.

** Herzlich willkommen bei “Situationen in die ich nie komme”.

*** Im Laden Zeitschriften zu lesen findet keiner schlimm. In größeren Läden liegen auch Leseexemplare aus, damit zumindest nur ein Magazin zerfleddert wird.

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Mozzarella-Tomaten-Spaghetti und Käsekuchen!

Am meisten nutze ich aber etwas ganz anderes: Bento! Natürlich nicht so süß wie im verlinkten Beitrag, aber in der Mikrowelle aufwärmbar und nicht komplett ungenießbar. Auf Wunsch wird es einem auch direkt im Conbini aufgewärmt und man bekommt Besteck, aber die meisten Läden haben keine Ecke, in der man dann letztendlich essen könnte.

Wenn mein Mann und ich nicht zusammen essen kaufe ich mir meist einfach etwas im Conbini, missachte, dass das nicht ganz so gesund ist und schlinge es in mich hinein, sobald ich zuhause angekommen bin.

Alles in allem: Conbinis sind super, ihr in Deutschland solltet sie euch mal anschaffen.

Ein Jahr später.

Vor etwas über einem Jahr ist mein Schwiegeropa gestorben. Über die Beerdigung schrieb ich damals schon.

Am Samstag war die 一回忌 (Ichikaiki, wird wohl auch 一周忌 (Isshûki) genannt) für ihn. Übersetzt heißt beides einfach “erster Todestag”, aber natürlich war es nicht nur das. Wir fuhren hinaus in den (buddhistischen*) Tempel, von dem wir schon den geistlichen Teil der Bestattung übernehmen lassen hatten. Bei unserer Ankunft regnete es ziemlich stark und der ganze Tempel war unglaublich kalt.

* Bei Japanern kann man einer einfachen Faustregel folgen: Alles was mit Leben (heiraten, Kinder segnen lassen, etc.) zu tun hat, wird in einem shintoistischen Schrein abgehalten, wenn jemand stirbt kümmert sich ein buddhistischer Tempel um alles.

Kurz nach unserer Ankunft wurden wir in den Hauptraum des Tempels geführt, wo ein Mönch Kontakt mit dem Totenreich aufnahm und wir für den Großvater beteten. Das war an sich recht unspektakulär, zumal der Ablauf des Betens (vor der Verwandtschaft verbeugen, vor dem Mönch verbeugen, hinsetzen und einmal die Hände zusammen und beten, dann drei Mal Asche mit den Fingern in Richtung Kopf führen und wieder ablegen, noch mal beten, aufstehen und vorm Mönch verbeugen, vor der Verwandtschaft verbeugen, setzen) genau wie bei der Beerdigung war.

Gekommen waren nur Onkel und Tante meines Mannes, meine Schwiegereltern, mein Mann und ich. Ich hätte gar nicht mitfahren müssen, aber warum nicht?

Nachdem wir uns wieder aufgewärmt hatten ging es weiter zum Familiengrab, das etwas vom Tempel entfernt liegt. Beim Tempel hatten wir zwei 卒塔婆 (Sotôba) bekommen. Das sind lange Holzbretter (wirklich mannshoch), auf dem der Name des Verstorbenen, der Name dessen, der das Sotôba bekommen hat (in unserem Fall der Name meines Schwiegervaters und seines großen Bruders) und das Jahr, in dem das Sotôba “ausgegeben” wurde, vermerkt ist. Die beiden entsprechenden Sotôba vom letzten Jahr wurden gegen die neuen gewechselt, während natürlich die der Leute, dir nur bei der Beerdigung anwesend waren, am Platz verblieben. Neue Blumen bekam er auch ans Grab gestellt, und letztendlich nahmen wir alle nacheinander Räucherstäbchen, beteten und legten sie an einem dafür vorgesehenen Platz ab.

Der ganze Ablauf nahm nicht einmal eine Stunde in Anspruch, auch wenn es sich viel länger anfühlte.

Übernächstes Jahr wird die ganze Zeremonie nochmal anstehen, aber meine Schwiegereltern haben sich wohl dafür entschlossen, dass es dann auch gut ist.