Nach ‘Murica!

Erst zum zweiten Mal ging es für mich letzten Sonntag nach Amerika zu Costco.

Costco ist eine amerikanische Großhandelskette mit derzeit etwa 20 Filialen in Japan. Um hineinzukommen muss man Mitglied sein, und eine Mitgliedschaft kostet*, aber wenn man mal drin ist – ein Traum für alle, die auf Vorrat kaufen. Oder auf Käse und Wurst stehen. 😉

* Meine Schwiegereltern haben zwei Mitgliedschaften, weswegen sie meinen Mann und mich mitnehmen konnten.

IMG_1861Käse in Japan ist nämlich so eine Sache, es gibt nur Mozzarella oder den Fabriktoastkäse. Für richtigen Gouda oder Emmentaler muss man normalerweise ziemlich tief in die Tasche greifen.

Hinein geht es über das Obergeschoss, bewaffnet mit einem Einkaufswagen, der mindestens doppelt so groß ist wie ein regulärer deutscher, und damit geschätzt zehn Mal so groß wie ein japanischer. 😉 Aber da muss ja auch einiges reinpassen. Wie z.B. dieser Basketballkorb im Bild rechts. Oder ein aufblasbarer Pool. Oder Messersets. Oder Golfschlägersets. Oder eine riesige Gartenmöbelgarnitur. Aber eigentlich natürlich: Vorratspackungen. Vorratspackungen, soweit das Auge reicht. Meine Schwiegereltern haben drei Packungen mit je 6 gigantischen Küchenrollen in den Einkaufswagen gehievt.

Wir haben übrigens einen Jahresvorrat an Zahnbürsten und Zahnpasta für weniger als ein Drittel des regulären Preises mitgenommen. Die Großpackungen sind es nämlich, was die meisten Leute zieht. Toilettenpapier braucht man immer, und wenn man es im Großpack viel günstiger bekommt – wunderbar. 🙂 Nur leider haben wir keinen großen Stauraum.

IMG_1863Im Erdgeschoss befindet sich das Herz von Costco: Das Essen! Ganze Brathähnchen! Riesige Pizzen! Popcorntüten so groß wie mein Oberkörper! 3,5kg Popcornmais! Ein Schlaraffenland. 😉

Die amerikanischen Produkte sind einfach oftmals viel günstiger als die japanischen: 2,63L Smoothie für unter 1,000yen (ca. 7,40€). Ein riesiges Glas Pesto weit unter dem japanischen Ladenpreis. Und selbst japanische Produkte, die sonst vergleichsweise kostspielig sind, gibt es bei Costco viel günstiger, wir haben 450g Butter und 1,2kg Müsli mitgenommen.

Letztendlich war der Einkauf einfach durch die Masse nicht ganz günstig, aber hat sich für uns gelohnt. Einige Dinge sind in Japan einfach unglaublich viel teurer als in Deutschland (Obst- und Milchprodukte), sich da diesen Luxus einfach mal leisten zu können ist durchaus nett. 🙂

Für mich ist es einfach auch super witzig, was es in Amerika alles an Tiefkühlkost und Süßigkeiten gibt. Ich bin dann doch etwas aufgedreht durch die Gänge gelaufen. 😀 Wer weiß, wie das erst in einem echten Wallmart im echten Amerika wäre. Demnächst dann in der BILD: “In Japan lebende Deutsche in Amerika vor Aufregung explodiert”.

Aber es gibt bestimmt auch Wischmopps im Vorteilspack.

Japan hat einen neuen Feiertag.

Japan ist ein Land mit vielen Feiertagen. Mit derzeit 15 liegt es sogar vor dem deutschen Spitzenreiter Bayern. Die meisten dieser Feiertage sind nicht religiösen Ursprungs und nur an wenigen wird etwas Spezifisches unternommen. Um ehrlich zu sein weiß ich oft nicht, warum ich denn nun frei habe – ich erfreue mich einfach am zusätzlichen Tag.

Feiertag heißt in Japan übrigens nicht, dass man irgendetwas nicht unternehmen könnte. Büros, Kindergärten und Schulen haben zwar geschlossen, aber Läden, Supermärkte, Einkaufszentren, usw. sind natürlich geöffnet – wie auch jeden Sonntag. Es sind aus meiner Erfahrung aber eh eher die Büroarbeiter, die übermäßig lange Wochen haben, unendliche Überstunden vor sich herschieben und jedes Jahr wochenlangen Resturlaub auflaufen lassen*. Vor allem für sie sind die Feiertage Verschnaufpausen – oder sie bekommen zumindest einen Feiertagszuschlag, wenn sie doch arbeiten müssen. Wenn sie Glück haben.

* “Japaner arbeiten eben gerne” ist eine faule Ausrede. Japanern wird oft eingetrichtert, dass alles zusammenfallen würde, wenn sie mal ein paar Tage nicht da sind. Da ist jeder, der sich eine Woche frei nimmt schon fast ein Verräter.

Auf jeden Fall haben wir einen neuen Feiertag! 山の日 (Yama no Hi; Bergtag). Ab nächstem Jahr wird er wohl am 11.8. begangen werden und passt damit hervorragend in den Zeitrahmen einer japanischen Tradition die aus unerfindlichen Gründen nicht ihre eigenen Feiertage hat: お盆 (Obon), das Totenfest.

Offiziell heißt es, dass man an diesem Tag Berge besteigen und ihnen danken soll. August, der achte Monat, weil 八 (hachi; acht) wie ein Berg aussieht. In Wirklichkeit hatte der August bisher einfach keinen Feiertag. Welch Glück, dass diese Schande endlich ausgemerzt wurde!

Der neue Bergtag ist übrigens nicht der einzige naturverbundene Feiertag Japans: Wir haben noch 春分の日 (Shunbun no Hi; Tag des Frühlingsanfangs), みどりの日 (Midori no Hi; Grüntag), 海の日 (Umi no Hi; Tag des Meeres) und 秋分の日 (Shûbun no Hi; Tag des Herbstanfangs). Zu Recht fragte sich ein Politiker in Opposition des neuen Feiertages, ob dann nicht bald auch Flusstag, Sonnentag, Erdtag, Waldtag, etc. eingeführt werden müssten.

Die Büroarbeiter würden es ihnen danken. 🙂

Katastrophenvorbereitung.

Japan hat es, was Naturkatastrophen angeht, nicht gut getroffen. Taifune, Erdbeben, Überschwemmungen, Vulkanausbrüche – da fragt man sich, warum sich hier jemals Menschen angesiedelt haben. 😉

In der letzten Woche wurde die Gefahrenstufe für den 箱根山 (Hakone-yama; Hakone-Berg) in 神奈川県 (Kanagawa-ken; Präfektur Kanagawa) westlich von Tokyo heraufgesetzt. Er ist einer von über 113 aktiven Vulkanen im Land. Japan ist eines der vulkanreichsten Länder der Erde. Unser neues Weltkulturerbe, der 富士山 (Fuji-san; Berg Fuji), ist auch einer. Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer. 😉

Wir sind natürlich auf alle Eventualitäten eingestellt, vor allem weil seit Jahren ein großes Beben in Tokyo vorhergesagt wird. Wir haben einen 災害用リュック (Saigai-yô Ryukku; Rucksack für Katastrophen*) mit allerlei praktischen Dingen, die wir im Fall einer Evakuierung brauchen könnten. Ich dachte, ich zeige euch mal was da alles drin ist. 🙂

* Es gibt auch die Bezeichnung 防災用リュック (Bôsai-yô Ryukku; Katastrophen-Präventions-Rucksack).

IMGP2492Im Uhrzeigersinn von oben links: Ein Stahlbecher, eine Taschenlampe, die man mit Schütteln aufladen kann, ein Seil, unsere Pässe, ein wenig Kleingeld, Klebeband, ein Marker, ein Taschenmesser, eine Trillerpfeife, Trockenshampoo, viele Reisgerichte, die man auch mit kaltem Wasser machen kann, gleich drei Beuteltoiletten, Müllsäcke, ein dank Chemie selbsterwärmender Beutel, eine Plastikplane, Feuchttücher, Wasser, ein Beutel um Wasser zu transportieren, eine Regenjacke, Frischhaltefolie, ein Wasserfilterstrohhalm, ein Buch zum Thema “Wie sterbe ich nicht im Freien”, ein Erste-Hilfe-Set (Desinfekionsflüssigkeit, Pflaster, Schmerzmittel, Q-Tips*), ein Dosenbrot, Tampons, ein Rescue Sheet um die Körpertemperatur zu halten, Wärmepads, Hausschuhe, ein handbetriebens Radio, eine Notfallkerze und gleich drei paar Handschuhe (zwei gewebte und eines aus Leder). Wir werden in naher Zukunft noch ein zweites Rescue Sheet und eine zweite Regenjacke kaufen.

* Japan liebt Q-Tips. Wirklich.

Wir haben außerdem Stadtpläne in denen die Wege eingezeichnet sind, die man im Falle eines Falles nehmen soll. Es kann schließlich gut sein, dass wir vom Büro nach Hause laufen müssen. 2011 ist mein Schwiegervater sechs Stunden vom Büro in Tokyo gelaufen, wir arbeiten noch ein ganzes Stück weiter weg.

Natürlich hoffen wir, dass wir von einem großen Erdbeben verschont bleiben, aber man sollte trotzdem vorbereitet sein. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert. 🙂

Würdet ihr euch einen solchen Rucksack anschaffen, wenn ihr in Japan leben würdet? Und haben wir vielleicht etwas vergessen?

Filmzeit: Wie ein Blitz von blauem Himmel.

晴天の霹靂 (Seiten no Hekireki): Ein Donnerschlag vom blauen Himmel; ein sehr unwahrscheinliches Ereignis.

(c)「青天の霹靂」製作委員会

青天の霹靂 Seiten no Hekireki (2014) (Trailer)

Regisseur: Gekidan Hitori

Darsteller: Ôizumi Yô, Shibasaki Kô, Gekidan Hitori

Haruo ist ein gescheiterter Trickmagier. Er lebt allein in einer winzigen und alten Wohnung und arbeitet in einer heruntergekommenen Bar mit Magieeinlagen, als er einen Anruf bekommt: Sein Vater, der ihn allein aufgezogen hat und mit dem er über 20 Jahre keinen Kontakt hatte, ist tot aufgefunden worden. Während eines verzweifelten Monologs trifft ihn plötzlich ein Donnerschlag und er wird 40 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Dort trifft er seinen Vater und seine Mutter, die er nie kennengelernt hatte. Sie arbeiten beide in einem Comedy-Schuppen mit wenigen Besuchern. Mit seinem Vater gründet er ein Magier-Duo und erwartet seine eigene Geburt. Doch plötzlich stürzt seine Mutter, und vielleicht wird sie seine Geburt nicht überleben…

Persönliche Meinung: Ich dachte, der Film sei Comedy, weswegen ich etwas überrascht war, als es ziemlich tragisch anfing und später ziemlich dramatisch wurde. Die Geschichte ist durchaus berührend, es geht darum, wie sehr das Wissen um die eigene Geschichte einen Menschen formen.

Nur leider war es scheinbar nötig, dass Ôizumi Yôs Charakter in seiner Magie-Persona einen auf Inder und Gekidan Hitoris Charakter einen auf Chinesen machen – komplett mit schlechten Akzenten. Klar, die 70er, aber ich habe das Gefühl, dass das in einem westlichen Film wenigstens einmal thematisiert werden würde. :/