Ich spiele jetzt Tennis.

Wer mich noch aus Schulzeiten kennt, weiß, dass ich die Königin der Turnbeutelvergesser war. Sport und ich waren einfach nie die besten Freunde. Ich war schlecht, und deswegen hatte ich null Spaß daran. Es waren einfach eine oder zwei Stunden im Stundenplan, die irgendwie herumgebracht werden mussten, am liebsten auf der Bank.

Nun ist die Schulzeit natürlich schon etwas länger her (sieben Jahre!), und inzwischen arbeite ich bei einem Sportartikelhersteller. Die großen internen Meetings sind an sich wie eine riesige Gehirnwäsche – zweieinhalb Stunden Präsentationen über und Werbung für unsere Produkte. Sport hat die Kraft, Leben zu verändern. Sport macht dich besser. Gesundheitspropaganda vom Feinsten und ich springe natürlich total drauf an. Propaganda die einen dazu bringt sich gesünder zu verhalten ist aber vielleicht auch gar nicht so super schädlich. 😉

Die erste Überlegung war, Laufen zu gehen. Laufen kann ich schon, man braucht eigentlich nur Schuhe, und vor allem ist man weit weg von jeglichen Ballsportarten. Bälle, hatte ich in Erinnerung, sind mein Erzfeind. Mein Mann hingegen war während der Schulzeit zweitbester im Schultennis in unserer Präfektur. Lange Rede kurzer Sinn, ihr habt sicher die Überschrift gelesen: Wir spielen jetzt Tennis.

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Die große Überraschung: Ich bin nicht komplett schlecht und es macht mir sogar Spaß. Wegen der Vorgeschichte meines Mannes müssen wir nicht einmal unglaublich viel neu kaufen, Schläger und Bälle sind schon da, die alten Klamotten von meinem Mann auch.

In der Nähe des Flusses gibt es eine Wand, gegen die man spielen kann*. Außerdem hat unsere Stadt so einige Angebote an günstigen Tennisplätzen. Das einzige, was uns etwas zu schaffen macht, ist die Hitze. Am Sonntag hatten wir bis zu 32°C, wir können also nur entweder früh morgens oder abends spielen ohne gekocht zu werden.

* Sie ist dazu gedacht. Die Bäume dahinter sind übrigens Kirschbäume.

Demnächst kaufe ich mir dann auch einen eigenen Turnbeutel, den ich dann sogar freiwillig mit mir herumtragen werde. Vorbei die Zeiten des Turnbeutelvergessens. 🙂

Zu viele Erdbeben.

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Erdbebenkarte des dritten Bebens, gestern.

Montags, kurz vor halb drei in Roppongi. Ich sitze im Büro meines Chefs, wir reden über den Besuch eines Kollegen aus dem Ausland, als das Gebäude plötzlich anfängt zu schwingen. Dann beginnt es zu rütteln. Der Erdbebenalarm der Handies ist lautstark losgegangen, der des Gebäudes auch.

Magnitüde 5,5 in Saitama, nördlich von Tokyo. Die Fahrstühle sind erst nach einer Stunde wieder alle betriebsbereit.

Samstags, morgens um eins. Ein riesiger Knall lässt mich aus dem Schlaf hochschrecken. Alles wackelt.

Magnitüde 4,8 in Ibaraki, nördlich von Tokyo.

Am selben Tag, abends zehn vor halb neun. Wir sind in einem Sportgeschäft, als mein Handy einen Alarm ausgibt. Eine Minute später fängt es an zu wackeln. Die an der Decke fixierten Schilder schwingen bedrohlich. Auch dieses Erdbeben ist länger als die gewöhnliche Kost, die wir in Tokyo so bekommen.

Magnitüde 8,5 auf einer japanischen Insel im pazifischen Ozean. Dieses Mal hat es beinahe das gesamte Land erschüttert – das passiert nur unglaublich selten, nicht einmal das große Beben vom 11. März 2011 hatte solch eine Reichweite. Dafür war es natürlich viel zerstörerischer.

Nebenbei ist der Vulkan in Hakone noch immer am Köcheln und auch unten in Kagoshima ist es alles andere als ruhig. Die japanische Erde ist im Moment etwas zu aktiv. Wir machen uns natürlich Sorgen, ob diese vielen großen Erdbeben innerhalb kurzer Zeit nicht ein noch viel größeres provozieren könnte. Ich bin der Meinung, wenn es kommen muss, dann lieber früher als später, dann haben wir es wenigstens hinter uns.

Ein Glück, dass wir vor kurzem unseren Notfallrucksack nochmal überprüft haben.

(Ich möchte hinzufügen, dass es bei Erdbeben absolut nichts bringt in Panik zu verfallen. Wir sind hier alle gut vorbereitet und wissen was im Ernstfall zu tun ist. Das alltägliche Treiben kann nicht angehalten werden, weil vielleicht in der Zukunft etwas geschehen wird.)

In Kawagoe.

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Nach unserem Besuch bei Glico fiel uns auf, wie nah Kawagoe (川越), seit Ewigkeiten als Wochenendsausflugsziel angepeilt, plötzlich war. Kawagoes größte Attraktion ist sicher das Klein-Edo Kawagoe (小江戸川越), eine Ansammlung von Straßen, deren Gebäude unter Denkmalschutz stehen.

Und was für Gebäude! Über 30 alte Lagerhäuser (蔵), vor über hundert Jahren statt aus Holz aus Ziegeln, Stein oder Lehm gebaut, um Wertgegenstände gegen Feuer zu schützen, stehen dort noch. Sie sind um einiges massiver als ihre Gegenstücke aus Holz und zeigen, dass hier mal reiche Menschen gelebt haben – Arme bauen keine Häuser für ihr Eigentum.

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Heutzutage befinden sich in den Häusern Teeläden, Restaurants und Souvenirläden. Was mich sehr fasziniert hat war, wie tief diese ganzen Gebäude sind. Die Läden sind alle viel größer, als man von außen erwarten würde, mit Durchgängen in Hinterhöfe. Vor allem an einem Teeladen roch es unglaublich gut, weil dort Tee geröstet wurde. Leider kann man kaum einmal stehen bleiben, dafür sind die Bürgersteige zu schmal und die Touristen zu vielzählig.

Wenn man mal von der Hauptstraße abschweift, merkt man, wie alt diese Stadt eigentlich auch abseits des Denkmalschutzes noch ist: Kleine Gassen mit großen Häusern, ein Tempel mit anschließendem Kindergarten, noch ein Tempel. Schön ist es, und entspannt. In den Seitenstraßen gibt es kleine Cafés und Läden, die zum Verweilen einladen.

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Für uns ist Kawagoe eine ziemliche Strecke, mit dem Auto dauert es über eine Stunde von uns, wenn der Verkehr nicht stockt. Allein für Kawagoe lohnt sich der Weg in meinen Augen nicht, dafür ist es zu überfüllt. In Verbindung mit einem anderen Ausflugsziel wie der Glico-Fabrik war es aber perfekt. 🙂

Filmzeit: Die hereinrennende Frau und der losrennende Mann.

Während der 江戸時代 (Edô-jidai; Edozeit) war es für Frauen so gut wie unmöglich sich scheiden zu lassen. Egal wie unnütz oder gewalttätig der Mann war – er musste der Scheidung zustimmen, wenn er widersprach fand sie nicht statt.

Doch es gab ein Schlupfloch: 駆込み (Kakekomi; Stürmen/Rennen). Wenn man es schaffte, eine seiner Habhaftigkeiten in einen von zwei bestimmten Tempeln zu befördern, wurde man dort aufgenommen – für Kost und Logie musste man aber selbst aufkommen. Dann wurde der Trennungsgrund erfragt, und die Eltern herbeigerufen um mit ihrer Tochter zu sprechen. Wenn sie sich trotzdem trennen wollte, wurde der Ehemann zum Tempel bestellt. Widersprach er der Trennung und wollte sich die Frau noch immer trennen, hatte sie die Möglichkeit für zwei Jahre im Tempel zu leben. In vollkommener Abgeschiedenheit von der Außenwelt, ohne Männer, Alkohol, Fisch oder Fleisch – wie im Kloster. Wenn sie sich nach diesen zwei Jahren noch immer trennen wollte, gab es endlich das 離縁状 (Rienjô; Trennungsschreiben), egal ob ihr Mann zustimmte oder nicht.

Man bin ich froh im 21. Jahrhundert zu leben…

Wer Japanisch versteht und das noch einmal animiert sehen will, klicke hier.

 

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©松竹

駆込み女と駆出し男 Kakekomi Onna to Kakedashi Otoko (2015) (Trailer)

 

Regisseur: Harada Masato

Darsteller: Toda Erika, Ôizumi Yô, Mitsushima Hikari

Jogo läuft von zuhause weg, weil ihr Mann sie betrügt und misshandelt. Auf ihrem Weg zum 東慶寺 (Tôkei-ji, Tokei-Tempel) trifft sie auf Ogin, die auch vor ihrem Mann flieht. Nachdem sie es in den Tempel geschafft haben, kommen sie vorerst in einem Gasthaus unter. Dort treffen sie auf Shinjiro, der angehender Arzt ist, aber lieber Bücher schreiben würde. Sie freunden sich an, doch da die Männer der Scheidung nicht zustimmen, gehen Ogin und Jogo ins Kloster. Als Ogins Gesundheit plötzlich abnimmt, beginnt Shinjiro sich um die Frauen im abgelegenen Tempel zu kümmern. Doch die Ehemänner haben nicht vor, ihre Frauen einfach aufzugeben, und dann will die Regierung den Tempel auch noch schließen…

Persönliche Meinung: Ich wollte diesen Film mögen. Eine Geschichte über Frauen, die ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen und sich gegenseitig unterstützen? Hervorragend! Leider hat der Film drei große Schwächen: Die genutzte Sprache ist so alt, schwer verständlich und schnell, dass mein Mann oft nicht wusste, was los ist. Wir erinnern uns: Mein Mann ist Japaner. Das Tempo des Films insgesamt ist zwar wirklich mitreißend, aber es lässt einem auch keine Zeit um darüber nachzudenken, was die wohl gerade gemeint haben. Dann beruht der Film auf einer Sammlung von Kurzgeschichten, die alle in diesen einen Film gequetscht wurden. Es hätte dem Film gut getan sich auf die Hauptcharaktere zu konzentrieren, stattdessen trifft man ständig auf Charaktere, die man nicht einordnen kann. Außerdem wird der Film als Komödie vermarktet, dafür gibt es aber erstaunlich wenige Lacher. Es gibt viele Stellen, an denen man merkt “Oh, hier wollten sie das Publikum zum Lachen bringen”. Es klappt einfach nicht. Ich hätte den Film als Drama lieber gemocht.

Die Thematik an sich ist dafür sehr interessant, der Film ist gut gemacht und die Schauspieler sind toll. Es ist einer dieser Filme, die so gut sein könnten. 🙁