Ein Hoch auf japanischen Rock und Pop: Das Tsuta Rock Festival

Seit letzter Woche ist der Frühling ganz offiziell da. Das bedeutet natürlich: Die Festival-Saison ist eröffnet. Auch dieses Jahr werde ich auf keines der großen Festivals fahren – entweder ist das Line Up nicht spannend genug, oder ich in in der Zeit nicht in Japan – aber zum Glück mangelt es in Japan nicht an Auswahl.

Ich hatte bereits vor Monaten ein Ticket für den letzten Tag des Tsuta Rock Festivals (ツタロックフェス) gekauft. Das Festival findet an drei Tagen in einigen der Messehallen in Makuhari in der Präfektur Chiba statt.

Das Messegelände wird oft für Musik-Events genutzt: Jeden Sommer findet dort das Summer Sonic Festival statt, und ich war erst im Dezember für ein Konzert dort. Akustisch sind die Hallen zwar nicht ideal, aber wer bei einem Festival auf fantastische Soundqualität hofft, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

Mehr: Musik, Sonne und Meeresbrise: Das Summer Sonic-Festival in Chiba

Das Tsuta Rock verfügt über lediglich zwei Bühnen, die unterschiedlich groß sind. Die Bands sind so zeitversetzt abgestimmt, dass man theoretisch jede Band sehen könnte, aber letztendlich verbrachte ich die meiste Zeit bei der Hauptbühne.

Falls sich jetzt jemand fragen sollte, wo bei diesem Artikel der Mehrwert für den Leser bleibt: Der Mehrwert liegt diesmal bei mir. Ich war eine von drei offenbar nicht-japanischen Besucherinnen. Japanischer Rock ist offenbar nicht so beliebt, wie er es verdient hätte. Dagegen möchte ich etwas tun!

Hier deswegen eine kurze Vorstellung aller Bands, die ich gesehen habe.

Chilli Beans.

Chilli Beans. sind eine dreiköpfige Band, die sich in einer Talentschmiede gebildet hat. Die drei Frauen spielen eine Mischung aus Pop und Rock und haben 2023 das Endlied für den populären Anime One Piece beigesteuert. Ich habe nur das Ende ihres Sets mitbekommen, und für mich ist es eine Band, die ich zuhause eher nicht hören würde – wenn sie live spielen bin ich aber gern wieder dabei.

Setlist
1. 105☻ 2. tragedy 3. rose 4. neck 5. See C Love 6. doll 7. star flower 8. that’s all i can do 9. just try it 10. ひまわり (Himawari) 11. pain

Tele

Wer den Blog und vor allem Instagram verfolgt, kennt Tele schon. Glaubt bloß nicht, dass mich das von irgendetwas abhält. Tele verbindet lyrische Texte mit Pop-Musik und findet in den dunklen Ecken des Daseins einen absoluten Trotz und Überlebenswillen. Live ist er ein reines Energiebündel, dem ich ewig zugucken könnte.

Setlist
1. 残像の愛し方 (Zanzō no Aishikata) 2. ロックスター (Rock Star) 3. 金星 (Kinsei) 4. あいでいて (Aideite) 5. ブルーシフト (Blue Shift) 6. バースデイ (Birthday) 7. 花瓶 (Kabin) 8. 硝子の線 (Garasu no Sen)

yama

yama entstammt der Cover-Song-Szene auf YouTube, wo sie durch ihre fantastische Stimme aus der Masse stach. Viele ihrer Lieder funktionieren hervorragend als Hintergrundmusik für Tokyo. Als echtes Produkt des Internets verbirgt sie ihre Identität hinter einer blauen Perücke und einer Maske – auch auf der Bühne. Ihre Pop-Songs klingen dort genauso gut, wie direkt von der CD.

Setlist
1. Remember 2. midnight 3. a.m. 3:21 4. 新星 (Shinsei) 5. 春を告げる (Haru o tsugeru) 6. 麻痺 (Mahi) 7. イノセント (Innocent) 8. BURN 9. 蛹 (Sanagi)

Chevon

Die dreiköpfige Band Chevon erinnert mich ein wenig an Bands wie The Darkness. Soll heißen: Die Gitarren kreischen und der genderqueere Sänger kann verdammt hohe Noten singen. Chevon war wahrscheinlich die Band, deren Merch ich auf dem Festival am meisten gesehen habe und die Menge war auch absolut in den Bann der Band gezogen

Setlist
1. さよならになりました。(Sayonara ni narimashita.) 2. 春の亡霊 (Haru no Bōrei) 3. サクラループ (Sakura Loop) 4. 銃電中 (Jūdenchū) 5. ノックブーツ (Knock Boots) 6. Banquet 7. 冥冥 (Meimei)  8. FLASH BACK!!!!!!!! 9. ダンス・デカダンス (Dance Decadence)

羊文学 – Hitsujibungaku

Die zweiköpfige Band besteht aus eine Gitarristin und einer Bassistin, die jeweils auch singen. Live wurden sie von einer Schlagzeugerin unterstützt. Für mich fühlen sich ihre Lieder immer ein wenig melancholisch an, mit genug Platz, um Emotionen richtig sacken zu lassen. Hitsujibungaku haben unter anderem das zweite Ending Thema für die zweite Staffel des Anime Jujutsu Kaisen produziert.

Setlist
1. Feel 2. ランナー (Runner) 3. いとおしい日々 (Itōshii Hibi) 4. GO!!! 5. 声 (Koe) 6. 砂漠のきみへ (Sabaku no kimi e) 7. more than words 8. Dogs

レトロリロン – Retroriron

Retroriron besteht bereits seit fünf Jahren, befindet sich aber erst seit etwa einem Jahr bei einem großen Musiklabel. Seitdem werden sie mir auch immer wieder in den Algoritmus gespült. Mich persönlich holt die Musik zwar nicht ab, aber sie stört mich auch nicht. Geschmäcker sind eben verschieden.

Setlist
1. ラストハンチ (Last Hunch) 2. リコンティニュー (Recontinue) 3. DND 4. アンバランスブレンド (Unbalance Blend) 5. UNITY

People 1

Eigentlich wäre ich bereits nach Chevon nach Hause gegangen, aber ich wollte unbedingt noch People 1 sehen. Es hat sich gelohnt. Die drei Herren waren die letzte Band auf der Hauptbühne und haben es entsprechend krachen lassen. Für mich ist People 1 Musik für geschundene Seelen, die trotzig einen Ausweg aus der Trostlosigkeit suchen – und manchmal auch finden.

Setlist
1. アイワナビーフリー (I wanna be free) 2. DOGLAND 3. フロップニク (Flopnik) 4. 銃の部品 (Jū no Buhin) 5. 紫陽花 (Ajisai) 6. 鈴々 (Rinrin) 7. わかってないよ (Wakattenaiyo) – WurtS Cover 8. エッジワース・カイパーベルト (Edgeworth-Kuiper belt)

Besondere Erwähnung: WurtS

Eigentlich sollte WurtS auch auf dem Tsuta Rock auftreten, war dann aber gesundheitsbedingt verhindert. WurtS ist eines dieser Soloprojekte, bei denen eine Person alle Fäden in der Hand hält. Auch hier handelt es sich um einen maskierten Künstler – WurtS versteckt sich hinter einem riesigen Basecap, aus dem Löcher für die Augen geschnitten wurden. Sieht verschärft aus, aber der Musik tut es keinen Abbruch. Ich hoffe, dass ich bald Gelegenheit habe, ihn live zu sehen.


Obwohl ich den ganzen Tag allein unterwegs war, habe ich mich auf dem Festival prächtig unterhalten gefühlt. Klar, mit jemandem zusammen wäre es sicher noch schön gewesen, aber daran, dass sich nächstes Mal jemand dafür findet, arbeite ich ja. 😉

Veröffentlicht in: Musik

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