Zwar arbeite ich bei dem japanischen Ableger einer deutschen Firma, aber mein direkter Arbeitsbereich erstreckt sich seit über einem Jahr über Japan und Korea. Schon länger hatte ich mit meiner Chefin, die in Korea sitzt, geplant, dem Land einen Besuch abzustatten. Ende Januar hat es endlich geklappt. Natürlich in der kältesten Winterwoche des Jahres, man gönnt sich ja sonst nichts.
Nun müsst ihr bedenken, dass ich nicht zum Spaß in Seoul war. Es war eine Geschäftsreise. Im Klartext bedeutet das, dass ich einen halben Tag Zeit hatte, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Den Rest der Zeit verbrachte ich zwischen Hotel, Büro und diversen Restaurants.

Möglicherweise werde ich im Sommer noch einmal beruflich nach Korea fliegen. Wenn sich dann ein reiner Touri-Tag einrichten lassen würde, wäre das natürlich hervorragend. Und vor allem nicht so kalt.
Tokyos Winter sind sehr mild. Tagsüber haben wir nur äußerst selten Minustemperaturen. Seouls bekommt im Winter den Wind aus Sibirien direkt ab. Während meines Aufenthalts waren es tagsüber nie über 0°C.
Nachdem ich es innerhalb von rekordverdächtigen 15 Minuten aus dem Flughafen Gimpo nach draußen geschafft hatte, brachte ich schnell mein Gepäck ins Hotel und machte mich an meinen sehr ambitionierten Tagesplan.


Das erste Ziel: Seosulla-gil (서순라길). Ehemals lebten hier die Wächter des Jongmyo-Schreins, dem ältesten Schrein des Konfuzianismus. Heute beherbergen die engen Gassen hippe Cafés und Restaurants. Generell lohnt es sich in Seoul absolut, Zeit in Cafés zu verbringen! An jeder Ecke gibt es süße Läden, in denen man sich aufwärmen und verschnaufen kann.


Apropos süße Cafés: Der nächste Punkt auf meiner Reise war das Koriko Café (Instagram) im Westen der Stadt. Koriko ist natürlich der Name der Stadt, in die die kleine Hexe Kiki aus dem japanischen Anime “Kikis kleiner Lieferservice” zieht.





Würde das Café in Tokyo stehen, wäre es wahrscheinlich komplett überrannt. Es bietet nicht nur wirklich niedliche Speisen und Getränke an, sondern beherbergt auch einen kleinen Ghibli-Laden mit Korea-exklusiven Produkten. Ich habe Jiji-Kekse in einer einem Radio nachempfundenen Schachtel als Souvenir mitgenommen.
Eigentlich wollte ich als nächstes zu dem Schreibwarenladen Point of View (Webseite) in Seongsu (성수) gehen, wurde aber auf meinem Weg vom Bahnhof dorthin von einem Adidas-Laden abgelenkt und vergaß es in meiner Freude über ein Oberteil mit Seoul-exklusivem Druck. Auch in Japan gibt es stadtspezifische T-Shirts, aber die Motive in Seoul sind einfach besser. Später habe ich in einem anderen Laden noch ein langärmliges Oberteil mit Katzen-Druck gekauft, das ich meinem Mann dann am nächsten Tag als Mitbringsel besorgen musste.




Die Einkaufsstraße von Seongsu ist ziemlich trendy, ein wenig wie Harajuku in Tokyo. Insgesamt ist Seoul Tokyo ziemlich ähnlich, hat aber mehr Ecken und Kanten. An einigen Stellen erinnerte es mich ein wenig an Berlin.
Nachdem ich mit der Bahn nach Myeongdong (명동), dem absoluten Touristen-Bezirk von Seoul, gefahren war, stellte ich fest, dass ich keinen Schreibwarenladen besucht hatte. Inzwischen ging aber langsam die Sonne unter und die Temperaturen fielen rasant ab. Ich kaufte also lediglich noch schnell das oben erwähnte Katzen-Oberteil und ein wenig Kosmetik und suchte mir dann bibbernd ein Taxi, das mich zurück ins Hotel bringen sollte.



Ich war seit vor sechs Uhr morgens unterwegs, um neun Uhr abends endlich komplett erschöpft im Hotel, und dann kam der wichtigste Teil des Tages: Ich hatte meinem Sohn Lego versprochen. Also sammelte ich sämtliche Energie, bat an der Rezeption darum, mir ein Taxi zu rufen und ließ mich zum nahegelegenen Einkaufszentrum COEX fahren. Das Einkaufszentrum ist riesig und an einigen Ecken wirklich schön gemacht, aber ich hatte nur noch Energie für den Lego-Laden und Kentucky Fried Chicken zum Abendessen. Geschäftsreisen sind sehr glamurös.


Wie bereits erwähnt, verbrachte ich den Rest meiner Zeit in Seoul hauptsächlich im Büro. Deswegen hier nur eine kleine Auflistung des unglaublich leckeren koreanischen Essens:
Galbi-Tang (갈비탕) ist Suppe mit Rinderrippen. Unglaublich gut, um den Körper aufzuwärmen.

Am selben Abend gab es koreanisches Barbecue. In Japan gibt es Yakiniku (焼肉), aber das Fleisch dort ist viel dünner und in Streifen geschnitten. In Korea wird ein großes Stück Fleisch erst gebraten und danach mit einer Schere kleingeschnitten. Es tut mir fürs Yakiniku sehr leid, aber koreanisches Barbecue ist der eindeutige Gewinner.


Auf dem Weg zurück zum Hotel lief ich die Haupstraße von Gangnam (강남), bekannt aus “Oppan Gangnam Style” hinunter.


Am zweiten Tag gab es zum Mittagessen Sandwiches, weil wir keine Zeit hatten, um das Büro zu verlassen. Abends kaufte ich Yangnyeom Chicken (양념치킨), frittiertes Hühnchen in einer süß-scharfen Sauce und aß es im Hotel, während ich mir auf Netflix “K-Pop Demon Hunters” reinzog. Laut meinen koreanischen Mitarbeiterinnen war das auch die authentische Art, Yangnyeom Chicken zu essen.
Das Mittagessen an meinem letzten Tag in Seoul war wieder üppig. Es gab Samgyetang (삼계탕), koreanische Hühnersuppe. Dabei wird ein junges Huhn mit Reis und verschiedenen gesunden und kraftspendenden Lebensmitteln (Knoblauch, Ginsgeng, usw.) gefüllt und in einer Suppe serviert. Sein Mittagessen muss man sich also selbst auseinanderbasteln.

Abends nahmen mich einige Mitarbeiterinnen mit in ein kleines Restaurant in Seongsu, das verschiedene koreanische Gerichte modern interpretiert. Zwar dauerte es ewig, bis das Essen da war, aber dafür war es wirklich lecker. Ich weiß nicht mehr, was ich genau gegessen habe, aber alles hat geschmeckt.



Und das war’s schon.
Am Samstagmorgen kam ich um 6:20 Uhr am Flughafen Gimpo an und brauchte über zwei Stunden, um an meinem Gate zu sein. Der Flughafen ist einfach komplett überlastet. Während ich anstand, um mich für die Sicherheitskontrolle anstellen zu dürfen, sah ich zwei eher unbekannte K-Pop Bands, TEMPEST und Nowz. Deren Fans belagerten sie mit Kameras und stellten die Fotos dann auf Twitter, weswegen ich sie identifizieren konnte. Auf der japanischen Seite, TEMPEST waren im gleichen Flugzeug wie ich, wurde das Fotografieren von Mitarbeitern des Flughafens zumindest bei am Gepäckband unterbunden.


Für mich war die Reise zwar wirklich interessant, aber auch sehr anstrengend. Ich hoffe, dass ich nächstes Mal ein wenig mehr Freizeit haben werde.
Zwei kleine Tipps, falls ihr nach Seoul fliegen solltet: Besorgt euch auf jeden Fall eine T-Money Card, um mit der Bahn und dem Bus zu fahren. Sie werden an Bahnhöfen und in Convenience Stores verkauft. Einige Busse nehmen kein Bargeld mehr an.
Außerdem empfiehlt es sich, die Naver Map App herunterzuladen. Google Maps zeigt zwar Bahnen und Busse an, aber keine Laufwege. Es geht natürlich trotzdem, aber komfortabel war es nicht.

Soviel Engergie um gleich am ersten Tag noch das Geschenk für Herrn Sohnemann einzukaufen. Ehrenmedaillenverdächtig! Sehr schöner Bericht!
gerne möchte ich mal Danke sagen, für Deine schönen, interessanten Berichte und Fotos mit Erklärungen. Wünsche Die weiterhin viel Erfolg im Berufsleben und viele schöne Erlebnisse. Mit freundlichen Grüßen Roswitha