Die Tokyoter Winter sind warm. Ein bis zwei Schneetage pro Jahr sind das höchste der Gefühle, die Temperaturen sinken nur kurzzeig unter Null.
Warum friere ich dann den ganzen Winter wie Espenlaub?!

Wohnen im Pappkarton
Japanische Häuser kühlen unglaublich schnell aus. Die Außenwände sind für gewöhnlich nur 15 cm dünn, in richtig alten Häusern oft noch viel dünner.
Die Wärmedämmung der meisten deutschen Häuser allein ist bereits dicker. Die übliche Wanddicke in Deutschland beträgt 36,5 cm (ohne Putz).
Viele japanische Häuser, unseres auch, sind Holzhäuser in Holzrahmenbauweise. In Japan herrscht hohe Luftfeuchtigkeit, wenn kein Luftstrom gewährleistet ist, vermodern die Häuser. Während deutsche Mietverträge das Lüften regeln, sind unsere Häuser einfach nicht so dicht. Außerdem tragen die Wände kein Gewicht, können deswegen dünner und leichter sein. Leichtere Häuser halten Erdbeben eher stand.
Lieber ein bisschen wärmer anziehen, als unterm eigenen Haus begraben werden.
Deutsche Zentralheizung vs. Inselheizen in Japan
In Deutschland wird für gewöhnlich das gesamte Gebäude beheizt. Durch rumorende Leitungen gelangt die Wärme in jede Ecke und sorgt für kuschelige Wärme.
Wir haben keine Heizung. Stattdessen hängen bei uns Klimaanlagen an der Wand, aber auch nicht in jedem Raum. Alle Klimaanlagen ständig laufen zu lassen, können wir uns auch nicht leisten, wir schaffen uns also warme Inseln im kalten Haus.
Wir beheizen nur unser Wohn- und Esszimmer jeden Tag, die restlichen Räume werden nur nach Bedarf angeheizt.

Im alten Japan spielte sich das Leben im Winter an der Feuerstelle ab. Später wurde der Kotatsu (炬燵) erfunden, ein beheizter Tisch, über den eine Decke ausgebreitet wird. Bei uns zuhause haben derzeit nur die Katzen einen speziellen Katzen-Kotatsu. Der erlaubt es uns, die Klimaanlage auszuschalten, wenn wir nicht zuhause sind. (Kurzer Hinweis: Im Sommer ist die Klimaanlage natürlich an, sonst könnte es gefährlich werden.)
Im eisigen Rest der Wohnung gibt es einige kleine Wärmeinseln, die wir uns über die Jahre angeschafft haben. Am allerwichtigsten: Die beheizte Klobrille.
Wenn ihr im Winter nachts aufsteht und benommen aufs Klo wankt, könnt ihr euch gerne vom eisigen Kuss der Toilette ins Hier und Jetzt katapultieren lassen – ich schlummere lieber ein wenig weiter auf meiner wunderbar warmen Toilette. Pro Monat kostet das durchschnittlich etwa 360 ¥ (etwa 2 €), aber das ist mir mein Hintern wert.
Unser Badezimmer ist auch nicht mit einer Klimaanlage ausgestattet. Als unser Sohn klein war, wickelten wir ihn auf der Waschmaschine. Um dieses Erlebnis für ihn angenehmer zu gestalten, kauften wir einen Wärmestrahler. Zum Wickeln brauchen wir den nun schon seit einigen Jahren nicht mehr, aber nach dem Duschen möchte ich ihn nicht mehr missen.
Im Schlafzimmer haben wir zwar eine Klimaanlage, aber auch hier würden die Kosten explodieren. Außerdem sorgen Klimaanlagen für trockene Luft, was während der Erkältungssaison wenig hilfreich ist. Um trotzdem abends nicht in kalte Betten steigen zu müssen, haben wir unter unseren Bettlaken Heizdecken. Dank ihnen fühle ich mich abends wie eine Scheibe Weißbrot im Toaster. 😉 Vorm Schlafen schalten wir sie aber wieder aus, sonst wird es wirklich zu heiß.
Einerseits fühlt sich der Winter kälter an als in Deutschland, weil unser Haus kälter ist. Ich friere in Japan auf jeden Fall mehr.
Andererseits wird es im tokyoter Winter aber auch nicht so schnell dunkel wie in Berlin und der Himmel ist blau. Wenn man tagsüber nach draußen geht, kann man auf jeden Fall genug Sonnenlicht erhaschen. 🙂

Aber da zwischen diesen beiden Punkten keine Kausalität herrscht, hätte ich um ehrlich zu sein schon lieber eine Zentralheizung. Und Wärmedämmung. Bitte? 😉
Beheizbare Klobrillen bzw. das ganze japanische Programm incl. Musik zum übertönen gewisser Geräusche halten auch in Deutschland Einzug. Die werden allerdings in Deutschland oft als japanische Toilette beworben. Vielleicht ist der Anteil beheizbarer Klobrillen ein neuer Indikator für den Zivilisationsfortschritt, die Indikatoren “schnelles, stabiles und vor allem flächenabdeckendes Internet” und “pünktliche öffentliche Verkehrsmittel” überspringt Deutschland einfach…
Seit das Kind geboren wurde, läuft die Klimaanlage in Wohn-/Esszimmer fast komplett durch. Nur für ein paar Stunden am Tag nicht. Ich bin so dankbar dafür! Während ich früher bei 13 Grad Innentemperatur frühstücken musste, darf ich das jetzt bei ca. 17 Grad!
Blöd nur, seit Covid bin ich im Homeoffice, und im Schlaf-/Arbeitszimmer gibt es keine Klimaanlage. Da frieren mir dann im Winter trotz Elektroheizer die Finger und Zehen ab. Aber wenigstens haben wir auch eine beheizte Klobrille. Auch wenn mein Mann gerne spart, dem ist sein Hintern auch wichtiger.
Ein Hoch auf Zentralheizungen!
Oh ja, ich erinnere mich gut an meinen einzigen japanischen Winter, nie habe ich so gefroren. Und in diesem Studentenwohnblock gab es leider damals noch keine geheizten Toilettenbrillen (aber zum Glück in meinem Praktikumsbetrieb). Ist aber auch schon 34 Jahre her .
Viele Grüße aus Hamburg!
Gundi
ich hatte tatsächlich mein eigenes Jahr in China den heißesten Sommer meines Lebens (drinnen in der Wohnung komplett ohne Klimaanlage und draußen sowieso).
und ebenfalls der Winter war einfach nur kalt in der Wohnung. Ich habe nie so gefroren in Deutschland drinnen.
Das war schon 2008/2009 und ich erinnere mich, wie ich mit Handschuhen und Mütze an meinem Laptop saß…