Das Wort zum Mittwoch: 逆輸入.

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Wie ihr vielleicht merkt, bin ich derzeit ziemlich in die Filme von Ghibli vernarrt. Ende Juli waren wir in der Roppongi Hills-Ausstellung, dann kaufte ich meinem Mann ein Schweinchen, nächsten Monat gehen wir zum Museum in Mitaka (三鷹)… Tatsächlich hatten wir aber keine einzige Ghibli-DVD zuhause.

Das Problem war, dass die DVDs in Japan unglaublich teuer sind. Unter 3,500¥ (ca. 31€) geht da selbst bei Amazon nichts – und wir wollten ja nicht nur einen Film kaufen. Was tut man also?

gyakuyunyuu

逆 (gyaku) bedeutet “umgekehrt”, “falschherum” und “rückwärts”; 輸入 (yunyū) ist “Import”. 逆輸入 (gyaku-yunyū) ist also “Rückwärtsimport” und bezeichnet, wenn man etwas, was aus dem eigenen Land stammt, aus einem anderen Land importiert. Also wenn man z.B. Ghibli-DVDs, ursprünglich aus Japan, beim deutschen Amazon kauft und nach Japan schicken lässt. 😉

Beim deutschen Amazon kostet eine DVD ca. 7,50€*, wir können also für den Preis einer japanischen DVD vier deutsche kaufen. Da ich noch einen 20€-Gutschein hatte, haben wir gleich sechs gekauft.

* Bei Sendungen ins nicht-europäische Ausland zahlt man keine Mehrwertsteuer.

ghibli

Ansonsten sieht man das Wort relativ häufig, wenn Leute Autos japanischer Hersteller, die nur im Ausland verkauft werden, nach Japan einführen. Oder wenn im Ausland bekannte und arbeitende japanische Schauspieler auch in Japan bekannter werden.

Habt ihr schon einmal etwas Deutsches aus dem Ausland bestellt? Und wenn ja warum?

Das Wort zum Mittwoch: 平和ボケ.

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Wenn ich in Berlin bin, muss ich viel von meinem Verhalten umstellen um nicht bestohlen zu werden. Wie viele Japaner leide ich an:

平和ボケ

平和ボケ (Heiwa-boke) ist, wenn man wegen all zu sicherer Rahmenbedingungen nicht mehr auf alles Acht gibt oder auch arg fahrlässig handelt. Das Wort besteht aus 平和 (Heiwa; Frieden) und dem Verb ボケる (bokeru; verschwimmen, senil werden).

Während man in vielen Orten wegen Taschendiebstahls und Trickbetrügern aufpassen muss, sind die folgenden Dinge in Japan komplett normal:

  • In einem Café das Handy oder die Tasche auf einen Tisch zu legen, um den Platz zu reservieren, während man bestellen geht.
  • Eine Tasche ohne Reißverschluss mit in eine volle Bahn nehmen.
  • Etwas in der Bahn vergessen und wiederbekommen.
  • Riesige Portmonees in die Hinterntasche der Hose stecken.*
  • Nicht besonders auf die Leute um einen herum achten.

* Bei Männern.

Und deswegen werden Japaner im Ausland bestohlen, was das Zeug hält. Weil wir alle verdammt ge-heiwa-boke-t sind. 😀 Ich muss in Deutschland immer etwas aufpassen. In letzter Zeit benutze ich aber auch keine Taschen ohne Reißverschluss mehr – ein Schritt in die richtige Richtung. 😉

Das Wort zum Mittwoch: 5連休.

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Japaner haben recht viele Feiertage. Dieses Jahr werden wir zum ersten Mal den 山の日 (Yama no Hi; Bergtag) feiern, und zwar morgen. 🙂 Den Freitag habe ich mir freigenommen. Am Montag ist dann das Büro geschlossen, weil viele Leute im August お盆 (Obon), das Totenfest, begehen. Aus gegebenem Anlass lautet das Wort zum Mittwoch deswegen:

lettering

5連休 (Go-Renkyû) besteht aus der Zahl fünf (go), dem Kanji 連 (ren, auch 連なる tsuranaru; in einer Reihe stehen, sich erstrecken) und dem Kanji 休 (kyû, auch 休み yasumi; Urlaub, Erholung). Es geht hier also um Urlaub, der sich über fünf zusammenhängende Tage erstreckt. 🙂

Dabei wird meist von Renkyû gesprochen, wenn irgendwo Tage drin sind, die man eh freigehabt hätte. Am gebräuchlisten ist sicher das lange Wochenende, wenn ein Feiertag auf Montag oder Freitag fällt. Das ist dann ein 3連休 (San-Renkyû).

Übrigens bot mein Chef mir an, dass ich doch gleich noch am Dienstag auch freinehmen könne, schließlich sei kaum jemand im Büro. Also: 6連休 (Roku-Renkyû)! 😀

Über Bücher: 夜は短し歩けよ乙女.

Während meines Working Holidays las ich mein erstes richtiges japanisches Buch – oder zumindest ein Buch auf Japanisch: Der kleine Prinz.

In Schneckengeschwindigkeit quälte ich mich durch das Buch. Besondere Probleme bereitete mir die Tatsache, dass es im Japanischen keine Leerzeichen zwischen Worten gibt. Allesistaneinandergeklatscht. Oft wusste ich einfach nicht, wo ein Wort aufhört und das nächste beginnt. Inzwischen habe ich das Problem zum Glück nur noch selten.

Später, zurück in Deutschland, bekam ich von meinem damaligen Freund – jetzt Mann – Bücher geschickt. Meist waren die für Kinder, was zwar sprachlich meinem Level entsprach, inhaltlich aber eher langweilig war.

Eines Tages sah ich einen neuen Anime, mit von meiner Lieblingsband gespielter Titelmusik und Charakterdesign eines meiner liebsten Illustratoren: Yojōhan Shinwa Taikei (四畳半神話大系). Das Buch dazu, geschrieben von Morimi Tomihiko (森見登美彦), wollte ich natürlich unbedingt haben. Also kaufte ich es online, stellte aber schnell fest, dass es über meinen Fähigkeiten lag.

Zur Unterstützung kaufte mein Mann das Buch auch, und wir lasen es über Skype zusammen. Seine Einschätzung: Das Buch ist auch für Japaner schwer zu lesen, weil der Autor bewusst komplizierte Worte und Lesungen verwendet. Irgendwann gaben wir auf, es machte einfach keinen Spaß.

Inzwischen habe ich recht viele Bücher auf Japanisch gelesen. Zwar geht es nicht so flüssig als würde ich auf Deutsch oder Englisch lesen, aber ich werde dennoch in die Geschichten hineingesogen und kann darin aufgehen. Spaß macht es auch.

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Als ich letztens im Buchladen stand, fiel mir der Aufsteller für Lesestoff für die Sommerferien auf. Darin auch Yoru ha mijikashi; aruke yo Otome (夜は短し歩けよ乙女) von Morimi. Nach über fünf Jahren mit japanischen Büchern dürfte man ja davon ausgehen können, dass das inzwischen lesbarer geworden ist.

Ist es auch, aber ich muss trotzdem viele Sätze mehrmals lesen um sie zu verstehen. Ich weiß zwar, was geschieht, merke aber auch, wie mir viele Nuancen verloren gehen. Wenn ich ein Verb wirklich gar nicht kenne, kann ich es mir aus dem Kontext herleiten – aber eben nicht genau.

Es geht übrigens um eine junge Maid, die in einer Nacht die verrücktesten Dinge erlebt, dicht gefolgt von einem Verehrer aus ihrer Universität**. Die Geschichte ist komplett verrückt, die Charaktere, die beide treffen, auch, aber das zu lesen ist leider einfach anstrengend. 🙁 Es ist also auf jeden Fall noch Luft nach oben.

** Stalker!

Was war das erste Buch, das ihr in einer eurer Fremdsprachen gelesen habt?