Kagoshima, Tag 1: Ibusuki und Kagoshima City.

Am Freitag Morgen fuhren wir zum Flughafen Haneda, um von dort aus mit ANA nach Kagoshima (鹿児島) zu fliegen. Klappte auch alles wunderbar, zwischendurch vertrieben wir uns die Zeit mit Persönlichkeitstests und nach nur 105 Minuten landeten wir auch schon. Mit dem Shinkansen braucht man für die Strecke fast sieben Stunden.

Angekommen holten wir uns unser Mietauto ab und machten uns auf nach Ibusuki (指宿). Leider verdunkelte sich der Himmel immer weiter und die Strecke war auch viel länger, als wir dachten. Kagoshima ist Bergland und so fuhren wir über endlose Serpentinen, was meinen Wohlbefinden nicht ganz zuträglich war. Unser Ziel an dem Tag war es, Nagashi-Sōmen (流しそうめん) zu essen.

IMGP9046Dabei werden Sōmen in ein kreisförmiges Wasserbecken mit laufendem Quellwasser gegeben und man fischt sie mit den Stäbchen wieder raus. Das hat auf den Geschmack nicht unglaublich viel Einfluss, macht aber durchaus Spaß. Weil der Wasserfluss normalerweise gegen den Uhrzeigersinn geht und es Linkshändern schwer macht, wurde das extra für uns geändert. 🙂

IMGP9056Dazu bestellt haben wir Sushi und Misosuppe, letztere vor allem weil es dank des Wetters recht kühl war und Nagashi-Sômen eigentlich eine Sommerveranstaltung ist. Dank dessen war das Restaurant auch außer uns komplett leer.

Wir mussten natürlich hin, weil das Restaurant in der liebsten Essenssendung vorgestellt wurde. Außerdem war es recht günstig, für zwei Personen haben wir 2,100Yen (15,50€) bezahlt und waren pappsatt.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es Kindern viel Spaß macht, sofern sie denn Stäbchen verwenden können.

IMGP9114Wegen des Regens haben wir uns sämtliche Punkte mit schöner Aussicht gespart, und fuhren direkt weiter zum Kamafuta-Daimyōjin (釜蓋大明神), einem Schrein.

Der liegt direkt am Meer und am Strand, aber durch das bereits erwähnte bescheidene Wetter war es natürlich nicht ganz so schön. Trotzdem hatte es eine nette Atmosphäre. Hinter dem eigentlichen Schrein geht es einen Hügel hinauf und kann sich beim Anblick des Meeres entspannen.

Die Aussicht auf eine lange Fahrt zurück nach Kagoshima (Stadt) ließ uns recht früh aufbrechen, wir hatten einen Tisch reserviert. Kagoshima ist bekannt für sein 黒豚 (Kuro-buta; Schwarzes Schwein) und einige andere nicht-vegetarischen Dinge.

IMGP9136Es ging zum Restaurant 華蓮 (Karen), hoch gelobt und stark beworben. Leider war das Erlebnis etwas enttäuschend. Vom Nagashi-Sômen noch gut gesättigt, bestellten wir ein Menü für eine Person, was sich als ganz gut herausstellte. Für 6,000Yen (44,30€) bekamen wir drei Scheiben Schwein, drei Stück Hähnchen und zwei Scheiben Rind, dazu ein wenig Gemüse. Außerdem natürlich Nudeln und ein kleines Dessert. Insgesamt also nicht besonders viel, was uns aber viel weniger gestört hat, als etwas Anderes:

Es war nicht besonders. Dieses Fleisch wird dermaßen hochgehypet, dass wir eine Geschmacksexplosion erwarteten – doch nichts. Als wir nach dem Bezahlen im Aufzug standen, sagte mein Mann nur “Das war wohl nichts”.

Immerhin konnten wir uns im hoteleigenen Onsen entspannen. Der ist wirklich wunderschön, mit Blick auf den Sakurajima (桜島), einen aktiven Vulkan. Den konnten wir am ersten Abend zwar leider nicht sehen, aber trotzdem sind Onsen super.

Generell war das gesamte Hotel sehr gut. Sehr nette Leute, sehr sauber, sehr neu. Natürlich auch etwas teurer, aber wenn mal jemand in der Gegend sein sollte: Shiroyama Kankō Hotel (城山観光ホテル). Den Onsen kann man leider nicht nutzen, wenn man tätowiert ist.

Am nächsten Morgen ging es früh los um dem Massenansturm auf’s Frühstück zu entgehen. Aber davon nächstes Mal. 🙂

Die den Regen bringt.

Es passiert immer wieder: Wir fahren in den Urlaub, der Wetterbericht sagt Sonnenschein voraus, doch als wir ankommen verdichten sich plötzlich die Wolken und es fängt an zu regnen.

So war das auch zu unserer Hochzeitsreise nach 石垣島 (Ishigakijima). Vom Flugzeug aus sahen wir strahlenden Sonnenschein, als wir ausstiegen wurde es dunkel und wirklich in dem Moment, in dem wir im Mietauto saßen, fing es an zu schütten.

Laut meinem Mann liegt das an mir. Ich bin 雨女 (Ame-Onna; Regenfrau). Der Begriff bezeichnet ursprünglich ein Sagenwesen, das den Regen bringt. Heutzutage werden Frauen, die den Regen gleich einer kleinen Wolke über ihrem Kopf mit sich bringen, so genannt. Zur Ame-Onna gehört natürlich auch der 雨男 (Ame-Otoko; Regenmann).

Mein Mann bezeichnet sich selbst als 晴れ男 (Hare-Otoko; Sonnenscheinmann). Wenn die durch mich herbeigerufenen Wolken dann doch aufreißen liegt das natürlich nur an ihm 😉

In Kagoshima war das auch so, sobald wir ankamen fing es an zu regnen und wir konnten die schöne Natur gar nicht richtig bestaunen. Nach einer Nacht guten Schlafes seitens meines Mannes ging es dann aber am zweiten Tag schon viel sonniger weiter. Davon aber mehr im Verlauf dieser Woche. Oder nächster.

Ah, ‘Tschuldigung.

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Ich habe es gar nicht mehr geschrieben, aber nachdem wir den Taifun am Mittwoch trotz überschwemmter Straßen und generellem Chaos überlebt haben, sind wir jetzt in Kyûshû. Und dies ist ein Eintrag vom Handy, weswegen ich euch ein schönes Palmenfoto poste und dann nächste Woche mal einen Eintrag über 雨女 (ame-onna) schreibe. 😉

Kurztrip nach Tochigi.

Am Sonntag fuhren mein Mann und ich in die Präfektur Tochigi (栃木県), also “auf’s Land”. Das traf sich ganz gut, weil ich am Samstag Abend in Shibuya trinken war und nach den Menschenmassen ein wenig Abwechslung brauchte. Dringend.

Von Tokyo aus ging es mit dem Auto nach Mashiko (益子), um ein bisschen durch den Wald zu laufen und Tempel und Schreine zu besuchen.

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Wir stapften also fröhlich durchs Naturschutzgebiet, erst einmal zwanzig Minuten in die falsche Richtung auf der Suche nach dem Saimyō-Tempel (西明寺). Es war aber auch wirklich arg blöd ausgeschildert.

Umgeben von Bäumen und mit verschiedensten Vogelstimmen, die ich niemals einordnen könnte, war das aber gar nicht so schlimm. Wald ist doch ganz schön, wenn man nicht zwangsweise hingeschliffen wird.

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Der Tempel an sich war ganz schön, wir machten uns dann aber direkt zum nächsten Schrein auf: Tsuna-Schrein (綱神社). Komplett im Grünen, komplett alt, komplett wunderbar. Ich mag Schreine sowieso sehr gerne, und wenn keine anderen Menschen dort sind und man nur das Gezwitscher der Vögel und das Rauschen der Blätter hört, ist das noch besser.

Weil beide, Tempel und Schrein, auf Bergen und Hügeln liegen, muss man erst steile Treppen hinauf. Dummerweise sind die Stufen unglaublich klein, was die Angelegenheit ein wenig beschwerlich macht.

Nach einem kleinen Stopp in Mōka (真岡) um zu Mittag zu essen, fuhren wir noch nach Utsunomiya (宇都宮), um uns die Kannon (観音) dort anzusehen. Kannon ist die Göttin des Mitgefühls im Buddhismus.

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Zuerst ging es zum Ōya-Tempel (大谷寺), der in von der Natur geformten Tuff-Stein (großteils Vulkangestein) gebaut ist.

Für 300Yen kann man in den Tempel gehen, und sich dort die Ōya-Kannon (大谷観音) ansehen. Die ist laut Infotafel im Jahr 810 in die Felswand gemeißelt worden. Leider darf man sie nicht fotografieren, aber ich denke, dass sich die ganze Atmosphäre eh nicht mit der Kamera einfangen lassen würde. Unglaublich beeindruckend, diese 1200 Jahre alte Kannon. Nebenan sind noch Abbildungen Buddhas eingemeißelt, ich weiß aber nicht, wann genau diese entstanden.

Mit demselben Ticket kann man sich noch Funde von Ausgrabungen ansehen, unter anderem auch ein Skelett eines Menschen, der vor 11000 Jahren gelebt hat.

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Gleich nebenan findet sich die Friedens-Kannon (平和観音), die über 25 Meter groß ist.

Nach der Ōya-Kannon war es aber kaum noch großartig beeindruckend, schließlich ist die Friedens-Kannon in den fünfzigern… erbaut? gemeißelt? worden.

In den anliegenden Läden gibt es auch haufenweise Figuren aus Vulkangestein zu kaufen, wir haben uns damit aber nicht aufgehalten.

Inzwischen waren wir schon ziemlich fertig, und es ging zurück nach Tokyo. Zum Glück hat mein Mann kein Problem damit, wenn ich schlafe, während er fährt. Solang ich nicht schnarche. 😉