Chōshi: Der Vortag des Meeres.

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Am Montag war der Tag des Meeres, 海の日 Umi no Hi. Mein Mann und ich fuhren also am Sonntag ans Meer – man will sich ja nicht am Tag vor der Arbeit zu sehr verausgaben. Glücklicherweise hat Japan viel Meer, tatsächlich ist das ganze Land davon umgeben. Von 47 Präfekturen haben nur acht keine Anbindung ans Meer.

In Chiba, wo wir wohnen, ist man nie weit vom Meer entfernt. Wir wollten aber natürlich nicht irgendwo ans Meer, sondern hatten uns einen Ort ausgesucht: Chōshi (銚子).

Am frühen Morgen fuhren wir los, um kurz nach sieben Uhr am Strand von Byōbugaura (屏風ヶ浦) zu sein. Das Gestein dort wurde von den Wellen so sehr bearbeitet, dass es wie mit einem Messer ausgeschnitten wirkt. Jedes Jahr wurde das Gestein um bis zu einen Meter abgetragen, weswegen man in den sechziger Jahren beschloss, einen schützenden Wall zu bauen. Das funktioniert zwar ganz hervorragend, sieht aber nicht sonderlich schön aus.

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Am Strand sitzend aßen wir belegte Brote und schauten den Leuten zu. Noch waren kaum Besucher dort, aber am Strandhaus war man schon fleißig dabei, Schwimmringe und Schlauchboote aufzupusten. Als Kind und Jugendliche habe ich viele Sommertage am Strand verbracht, ob zuhause am Müggelsee oder bei meiner Großmutter in Halbe, und an Sommertagen kann ich mir noch immer wenig Besseres vorstellen, als Schwimmen zu gehen. Leider hatte ich keine Schwimmsachen dabei.

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In Chōshi wird viel Fisch gefangen, dementsprechend liegen dort viele Fischkutter. Um die Leute fischen zu sehen, waren wir wahrscheinlich am falschen Tag dort, oder bereits zu spät. Eine Gruppe älterer Herren sahen wir, die sich an ihrem Boot zu schaffen machten, aber das war wahrscheinlich mehr Spaß als Arbeit.

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Zehn Minuten vom Strand entfernt steht der Leuchtturm von Inubōsaki (犬吠埼灯台). Vor fast 150 Jahren wurde er, von einem Engländer entworfen, erbaut, und seitdem weist er der Booten und Schiffen den Weg.

Für 200 Yen pro Person kann man die 99 Stufen bis zur Aussichtsplattform hochlaufen – Ein Angebot, das wir natürlich nicht ausschlagen konnten.

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Wieder unten angekommen, sahen wir uns die alte Linse des Leuchtturms an, und saßen ein wenig am Strand. Am Tag des Meeres soll man schließlich das Meer wertschätzen. 🙂

Wir hatten noch ziemlich viel Zeit, bevor wir unseren letzten Programmpunkt begehen können würden, und machten deswegen einen kleinen Abstecher an einen alten Dorfbahnhof.

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Der Bahnhof Tokawa (外川駅) wirkt wie aus der Zeit gefallen. Keine Schranken, wie sie sonst in Bahnhöfen in den Städten Standard sind, nicht viel Verkehr, und ein Wartebereich. Das mag ich an den Dorfbahnhöfen sowieso am liebsten: Da dort nicht alle fünf Minuten eine Bahn hält, und die Zahl der Besucher überschaubar ist, leistet man sich einen Warteraum mit Bänken und Kissen.

Die Zeiten und Fahrkartenpreise sind auf großen Tafeln handschriftlich festgehalten. Ziemlich charmant, doch scheinbar fehlt der Bahngesellschaft in Chōshi tatsächlich das Geld, um die Bahnhöfe zu modernisieren.

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Zum Abschluss dieses sehr schönen Vormittags, und um noch einmal dem Meer zu danken, besuchten wir eine heiße Quelle. Neben mehreren Innenbädern hatte diese auch drei Außenbäder mit hervorragendem Ausblick aufs Meer. 🙂 Falls sich irgendjemand mal in Chōshi wiederfinden sollte: Das Taiyō no Sato (太陽の里) verfügt über ein hervorragendes Bad und einen schönen Pool, auch wenn wir letzteren nicht getestet haben.

Wir hatten auf jeden Fall einen wunderschönen Tag voller Sommerferien-Gefühl. 😀

Ein Abend in Yokohama.

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Wir drehen noch einmal die Zeit zurück, und zwar um etwa einen Monat. Da waren wir in den Klauen der Golden Week gefangen, und konnten uns draußen nicht wirklich bewegen, ohne gegen andere Menschen zu rempeln. Also entschlossen wir uns eines abends, nach Yokohama (横浜) zu fahren.

Vom Bahnhof Yokohama ging es einen schlecht ausgeschilderten Weg lang zur Anlegestelle des Sea Basses. Das ist ein Boot, das für 700Yen (5,60€) pro Person vom Bahnhof über verschiedene Stationen bis zum Yamashita-Park (山下公園) fährt.

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Dort hält es direkt neben der Hikawa Maru (氷川丸), ein ehemaliges Linien- und später Hospitalschiff. Heute kann man es besichtigen, worauf wir aber verzichtet haben – ich weiß auch gar nicht, ob das zeitlich noch möglich gewesen wäre.

Da wir noch keinen Hunger verspürten, liefen wir erst einmal zu dem Park mit dem wahrscheinlich beschreibensten Namen aller Zeiten: “Hügel, von dem aus man den Hafen sehen kann”-Park (港の見える丘公園 Minato no mieru oka Kōen). Ihr kennt einen Park mit einem noch beschreibenderen Namen? Schreibt’s mir in die Kommentare! 😀

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Vom Park aus kann man dann tatsächlich auch, oh Wunder, den Hafen sehen. Mit den ganzen Lichtern ist das abends sehr schön anzusehen, obwohl man tagsüber natürlich mehr vom Park selbst hat. Im Foto oben seht ihr auch, dass in den Park nautische Flaggen angebracht sind. Sie wünschen den Seefahrern einfach eine sichere Reise.

Über einen kleinen Umweg zur Einkaufsgegend Motomachi (元町) landeten wir schließlich in der Yokohama China Town.

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Was kann man zur China Town groß sagen? Sie ist voll, sie ist bunt, und sie bietet fantastisches Essen! Wir essen übrigens so gut wie immer im Hōtenkaku (鵬天閣), da gibt es zu humanen Preisen wirklich gutes chinesisches Essen. Auf Nachfrage wird bei einigen Gerichten auch das Fleisch rausgenommen. 🙂

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Mit viel größeren Bäuchen als auf der Hinfahrt, fuhren wir mit der Bahn wieder nach Hause. Leider ist von Chiba vieles nicht ganz so leicht zu erreichen, man muss also immer eine ziemliche Fahrtzeit einplanen. Aber die Zeit kann man dann für einen kurzen Verdauungsschlaf nutzen.

Generell kann ich es jedem empfehlen, abends nach Yokohama zu fahren. Die Stadt ist im Dunkeln noch schöner als sowieso, und jetzt, wo es langsam heiß wird, ist es abends auch viel erträglicher.

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Es gibt auf der Welt viele China Towns, aber habt ihr schon einmal eine andere [Land] Town besucht?

Kurz raus: Kamakura.

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Einen Tag vor dem Beginn der Feiertage fuhren wir zu fünft nach Kamakura (鎌倉), einem sehr beliebten Ausflugsziel in der Nähe von Tokyo und Yokohama. Dummerweise hatten außer uns noch viele andere Leute dieselbe fantastische Idee. Es war also recht voll, aber trotzdem schön.

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Unser erster Halt war am Tsurugaoka Hachimangū (鶴岡八幡宮), einem vergleichsweise großen Schrein. Ich persönlich mag ihn wirklich gern, obwohl es im Schrein selbst nicht viel zu sehen gibt – die Strecke bis dorthin ist einfach schön. Erst läuft man durch eine von Läden gesäumte Straße, dann auf dem Schreingelände noch ein wenig, dann die Treppe hoch… Für Lauffaule gibt es auch einen Bus, der ist aber meist hoffnungslos überfüllt und so weit ist es nun auch nicht.

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Auf dem Weg zum nächsten Ort, trafen wir auf zwei furchtlose Eichhörnchen. Das Hörnchen auf dem Foto sieht etwas anders aus, als was man aus Deutschland kennt, oder? 🙂 Wir bekamen eine richtige kleine Show geboten, bevor sie sich wieder in den Park verkrümelten.

Der Park gehört zum Schreingelände, genau wie auch ein Kindergarten. Dass an einem Schrein oder einem Tempel ein Kindergarten dran ist, ist übrigens gar nicht so selten.

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Weil wir noch zwei Tempel weiter östlich ansehen wollten, liefen wir etwa eineinhalb Kilometer an einer ziemlich befahrenen Straße mit recht schmalen Gehwegen entlang.

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Am Ende des langen Weges, am Jōmyō-Tempel (浄妙寺) angekommen, verschnauften wir im dortigen Teehaus mit japanischen Süßigkeiten und Matcha. 🙂

In nur kurzer Laufentfernung befindet sich der Hōkoku-Tempel (報国寺), der für seinen Bambuswald bekannt ist. Man muss zwar Eintritt bezahlen, aber ich finde, das Bambuswäldchen ist das wert.

bambuswald

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Da sich die nächsten Orte, die wir uns ansehen wollten, am anderen Zipfel der Stadt befinden, ging es erst einmal zurück zum Bahnhof. Auf dem Weg verspachtelte jeder von uns ein Eis, eine Praxis, die ich immer gutheißen kann. 😉

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Vom Bahnhof Kamakura aus fährt die Enoden (江ノ電), eine Art Straßenbahn. An dem Tag, an dem wir in Kamakura waren, war sie natürlich sehr voll, aber sie ist auch wirklich sehr praktisch, wenn man von Kamakura an den Strand oder gar auf die Insel Enoshima (江ノ島) fahren möchte. In Enoshima war ich seit inzwischen neun Jahren nicht mehr…

In der Bahn saß vor mir eine junge Frau mit einer Pentax-Kamera, die mit ihrem Freund über meine Pentax-Kamera tuschelte. Die Pentax-Community ist so klein, da fühlt man sich direkt verbunden. 😉 Außerdem sieht meine Kamera derzeit wirklich ziemlich spannend aus: Das Gehäuse der K-70 ist zwar schwarz, aber ich nutze noch immer das Standardobjektiv meiner weißen K-r. Es ist also eine schwarze Kamera mit weißem Objektiv und natürlich schwarzer Streulichtblende – ein Zebra quasi.

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Natürlich kann man nicht nach Kamakura fahren, ohne den großen Buddha (大仏 Daibutsu) zu sehen. 🙂 Der steht in der Nähe der Station Hase (長谷), obwohl, eigentlich sitzt er. Wie lange er schon dort sitzt, weiß keiner so genau, aber wahrscheinlich seit dem 13. Jahrhundert. Man kann ihn tatsächlich auch von innen besichtigen, wir haben aber darauf verzichtet.

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Wenn man vom sitzenden Buddha ein wenig läuft, ist man nach kurzer Zeit am Hase-Tempel (長谷寺). Dort mussten wir wieder Eintritt bezahlen, dafür ist die Tempelanlage aber auch recht groß, und einen schönen Ausblick aufs Meer hatten wir auch.

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Vom Meer ganz fasziniert, machten wir uns auf den Weg dorthin. Als wir in Kamakura waren, war es noch nicht so warm, aber im Sommer sind die Strände Gerüchten zufolge ziemlich voll. Wir hatten genug Platz, um die Beatles zu kopieren. 😉

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© Papa

Und das war unser Tag in Kamakura vor mehr als drei Wochen.

Im Jetzt kränkle ich wieder etwas vor mich hin, weswegen es derzeit mit den Blogeinträgen nicht so läuft, wie es soll. Habt Nachsicht und so. 😉

Nokogiriyama: In die Hölle gucken.

Gestern Morgen machten wir uns in aller Frühe auf den Weg zum Nokogiriyama (鋸山), dem Sägenberg. Er liegt in Chiba, an der Meeresbucht von Tokyo, und bietet einen fantastischen Ausblick. 🙂

Nach oben auf den Berg ging es mit dem Auto, mit dem kommt man fast bis zum Gipfel. Wir hatten um ehrlich zu sein einfach keine Lust, bis nach oben zu laufen. Wie das nach hinten losging, lest ihr weiter unten. 😀 Manchmal macht man sich mehr Arbeit, wenn man sie eigentlich vermeiden will.

Der Berg ist für verschiedene Dinge bekannt, unter anderem für den Blick in die Hölle (地獄のぞき). Der Aussichtspunkt für die Hölle befindet sich, wie viele der Sehenswürdigkeiten, auf dem Gelände des Nihon-Tempels (日本寺), für den man Eintritt bezahlt. Von der Aussichtsplattform, die ihr im Foto oben sehen könnt, guckt man gut 100 Meter in die Tiefe, was durchaus Angst bereitet, auch weil man weiß, dass man auf einer Klippe steht.

Die Berglandschaft sieht etwas speziell aus, weil früher die Steine von dort abgebaut und für den Bau verwendet wurden. Das Fundament des Schlosses von Tokyo besteht laut meinem Mann aus Steinen vom Nokogiriyama. Man hat also gerade Felswände, die viele Meter in die Höhe reichen, und durchaus befremdlich aussehen.

Wenn man viele Treppen nach unten steigt, erreicht man den großen Buddha (大仏 Daibutsu). Dieser hier wurde im 18. Jahrhundert von 27 Leuten drei Jahre lang aus dem Gestein gemeißelt. Er erreicht eine Höhe von etwa 31 Metern, und ist damit der größte Steinbuddha in Japan.

Er ist natürlich durchaus beeindruckend, aber ich finde den großen Buddha in Nara dann doch hübscher. 🙂 Hat eben jeder seine Vorlieben.

Nachdem wir den Steinbuddha gesichtet hatten, wollte mein Mann weiter nach unten, zu einem Teich. Zu diesem Zeitpunkt taten mir die Beine schon ziemlich weh, aber ich ließ mich dennoch breitschlagen. Der Teich ist schon fast am Fuß des Berges, weit entfernt von unserem Leihwagen. Dementsprechend mussten wir den ganzen Berg wieder hochkraxeln, also zumindest gefühlt eine Ewigkeit Treppen hochsteigen. Heute habe ich Muskelkater. 😉 Ich würde jedem empfehlen, einfach mit der Seilbahn hochzufahren und dann runterzulaufen. Das ist weniger anstrengend.

Auch wenn wir danach ziemlich fertig waren, der Nokogiriyama hat sich gelohnt. Mit sauberer, kühler Luft, Vogelgezwitscher und Bewegung fühlt man sich gleich besser. Heute ruhen wir uns einen Tag aus, bevor es wieder an die Arbeit geht. 🙂

Euch allen wünsche ich einen guten Montag!