Hokkaidō, Teil 3: Furano.

Nach der relativen Enttäuschung in Obihiro (帯広) machten wir uns recht früh auf nach Furano (富良野). Im Winter treffen sich dort die Wintersportler, im Sommer blüht der Lavender, im Mai regnet es – so erschien es mir zumindest. Wir haben einfach nie großes Glück mit dem Wetter.

In und um Furano befinden sich Sets von japanischen Fernsehserien, die ich zwar nicht gesehen habe, aber die von Fotos her sehr schön aussahen.

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Nummer eins auf unserer Liste war 北の国から (Kita no Kuni kara). Die Serie lief zwanzig Jahre lang im Fernsehen, und somit sind viele Drehplätze zu besuchen. Durch den Regen waren die Orte zwar nicht ganz so schön wie auf den Fotos, wir haben uns aber trotzdem alles angesehen. Für einige der Orte muss man Eintritt bezahlen, bei Sonnenwetter lohnt sich das sicher noch mehr 😉 Am schönsten fand ich das Steinhaus (石の家). Mein Mann wies natürlich die ganze Zeit darauf hin, wie unpraktisch so ein Haus wäre… Egal, sieht schön aus! Irgendwie will ich ja immernoch nach Hokkaidō ziehen, aber bitte in eine ideale Version, bei der ich kein Auto brauche, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Einen Führerschein habe ich nämlich nicht, und habe auch nicht vor in naher Zukunft die Prüfung abzulegen.

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Die zweite Serie, die wir nie gesehen hatten, aber zu deren Set wir fahren wollten, war 風のガーデン (Kaze no Garden, Windgarten). Dazu mussten wir zum Prince Hotel Shinfurano fahren, von wo ein Bus uns bis an den Drehort brachte. Nun ist am Windgarten natürlich vor allem der Garten interessant, und da es in Hokkaidô noch immer recht kalt war, wollte der noch nicht ganz so photogen sein. Dafür konnten wir im Wohngebäude zwei Damen mit Piano und Cello lauschen. Der Garten soll wohl von englischen Gärten inspiriert sein, und so sind auch die Schafe englische Rassetiere. Im Garten meines idealen Hauses in Hokkaidô gäbe es auch mindestens ein Schaf. Was ich damit genau machen würde, weiß ich nicht, aber Schafe finde ich an sich ziemlich super. Der Wingarten war leider auch ziemlich windig, so dass wir nach relativ kurzer Zeit wieder in den zum Hotel Shuttlebus stiegen.

IMGP0113Am Abend bekamen wir dann tatsächlich etwa Anständiges zwischen die Beißer: Omlett-Reis-Curry, wohl eine Spezialität Furanos. Das Restaurant war wirklich gut und kuschelig warm.

Mit vollem Magen und sehr müde ging es zurück zum Hotel um endlich mal wieder auszuschlafen. Hat natürlich nicht geklappt. Zuhause schlafen wir auf relativ dünnen Matratzen*, die plötzliche Weichheit der Hotelbetten hat uns mit diversen Gliederschmerzen vorzeitig aufwachen lassen. Als wir dann endlich wieder zuhause waren, kamen uns unsere Betten wie das Tor zum Himmel vor. Schlaf!

* Ob man die in Deutschland Futon nennen würde, weiß ich nicht. In Japan ist erstmal fast alles, worauf man schläft, und womit man sich zudeckt, ein Futon.

IMGP0122Am nächsten Morgen erwachten wir vor sechs Uhr. Großartig! Am Horizont war sogar Sonnenschein zu erkennen, von dem bekamen wir aber leider nur kurzfristig etwas mit. Auf dem Weg zum blauen Teich (青い池 ) kamen wir an mehreren Conbinis vorbei, und zum ersten Mal auf unserer Reise fiel uns ein, dass im Rahmen der Sendung おにぎりあたためますか (Onigiri Atatamemasu ka; eine Essenssendung) Poster in Conbinis in Dörfern Hokkaidōs aufgehangen wurden. Zwei haben wir sogar entdeckt und fotografiert. Die kindische Freude, etwas zu entdecken, was wir sonst nur im Fernsehen gesehen haben, hat uns den Tag sehr viel angenehmer gemacht.

IMGP0144Der blaue Teich ist… ein Teich, der blau ist. Also eigentlich ist er türkis, und keiner weiß so ganz, warum. Leider war auch dieser Tourismus-Punkt durch das schlechte Wetter nur eingeschränkt genießbar, denn das Wasser sah nicht so türkis wie versprochen aus. Natürlich war die Farbe anders als das normaler Gewässer, aber bei weitem nicht so sehr, wie es auf an Sonnentagen geschossenen Fotos aussah. Auf dem Foto habe ich mir die Freiheit genommen, die Farben ein wenig zu korrigieren, so sieht es aber scheinbar wirklich aus, wenn das Wetter nicht ganz so grau ist.

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Auf der Weiterfahrt machten wir Halt bei einem deutschen Restaurant namens Land Café, betrieben von einem deutsch-japanischen Ehepaar. Während der aus Norddeutschland stammende Mann Kartoffeln, Möhren und viel anderes biologisch anbaut, führt die Frau ein Restaurant mit deutscher Küche. Deutsche Restaurants in Japan sind meist so eine Sache: Oft sind alle am Essen beteiligten Leute Japaner, die teils zwar Zeit in Deutschland verbracht haben, aber eben nicht selbst Deutsch sind. Das macht die Läden oft etwas unauthentisch, von der Speisekarte und der Innenausstattung her. Im Land Café gibt es zwar auch Dinge aus Deutschland, aber absolut nicht aufdringlich und es passt auch in dieses kleine Häuschen inmitten der Felder und Wälder. Das Essen war auch richtig gut, Gemüsesuppe mit Maultaschen und Käsekuchen!

Um uns aufzuwärmen ging es zu einer heißen Quelle (温泉, Onsen) in Tokachi (十勝), die mit calcium- und natriumhaltigem Sulfur-Salzwasser aufwarten kann. Auf dem Weg dorthin konnten wir den Schnee in den Bergen bewundern, wann genau der schmilzt wissen wir nicht – eigentlich ist Mai doch schon recht spät, zumindest aus tokyoter Sicht. Heiße Quellen beleben den Geist und erwecken den Körper auch nach einer Nacht mit schlechtem Schlaf.

So gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Sapporo, der Präfekturhauptstadt…

Hokkaidô, Teil 2: Obihiro

Als wir uns von Otaru (小樽) nach Obihiro (帯広) aufmachten, schien noch die Sonne. Leider nur kurzzeitig, denn kurz darauf fing es an heftig zu schütten und wir hatten einen weiten Weg vor uns. Auf dem Weg beschlossen wir, bei einer Farm vorbeizuschauen, aber dort war wegen des Regens nicht allzu viel los. Mittagessen und frische Milch waren trotzdem zu bekommen. Hokkaidō ist berühmt für seine Milcherzeugnisse, und viel der Milch und Butter, die bei uns im Laden stehen, kommen aus Hokkaidō.

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In Hokkaidō gibt es viele alte, jetzt ungenutzte, Gleise. Durch die schiere Größe und dünne Besiedlung der Präfektur war es irgendwann nicht mehr finanziell vertretbar, Linien zu betreiben und so stehen an vielen Orten alte Bahnhofsgebäude, in einigen werden Touristeninformationen angeboten. Eine alte, damals von der Bahn genutzte, Bogenbrücke, die in (und früher sicher mal durch) den Nukabira-See (糠平湖) führt, wollten wir uns ansehen.

Also fuhren wir in die vom Navi angesagte Richtung, nur um von einem Tor an der Weiterfahrt gehindert zu werden: Auf dem Gelände gäbe es zu viele Autounfälle, und zu Fuß gehen sei auch nicht so super, weil in den Wäldern Bären lebten, die öfter mal Menschen angreifen würden. Wenn man unbedingt bis zur Brücke fahren wolle, dann doch bitte mit vorheriger Anmeldung. Also ging es wieder zurück nach Obihiro, kurz vorher sahen wir noch Rehe, die uns ganz gelassen anstarrten, nur um dann in den Birkenwäldern zu verschwinden.

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Zurück am Hotel knurrte uns plötzlich der Magen, wie er das manchmal so tut, doch auf der Suche nach Nahrung fanden wir nichts Passendes. Die kleinen Geschäfte waren bis auf den letzten Platz gefüllt, und eigentlich waren wir zu fertig, um nach einem Restaurant zu suchen.

In solchen Fällen gibt es zum Glück Conbinis, 24-Stunden-Läden, die anders als die Berliner Spätis oder Tankstellen vieles führen, was man so braucht: Getränke, Essen, Fertigessen, dass einem auf im Laden aufgewärmt wird, Zeitschriften, Kosmetik, Batterien und Geldautomaten. In großen Teilen Hokkaidôs wird man übrigens beim Kauf eines Onigiri gefragt, ob man dieses aufwärmen lassen möchte. Wir hatten keinen Bedarf, haben uns aber jedes Mal gefreut, denn wir sind Fans der Sendung おにぎりあたためますか (Onigiri Atatamemasu ka), die mit der Prämise startete zu erforschen, bis wohin in Hokkaidô man danach gefragt wird. Japanisches Fernsehen…

Insgesamt war Obihiro eine kleine Enttäuschung, es ist einfach kein großartiger Touristenort. Dafür war das Hotel aber gut, wir haben im Richmond Hotel Obihiro Ekimae genächtigt, und im Nachhinein wünschte ich, ich hätte in all unseren Reisezielen einfach bei derselben Kette gebucht. Aber hinterher weiß man ja immer alles besser.

Im nächsten Eintrag geht’s nach Furano (富良野)!

Hokkaidō, Teil 1: Tōyako und Otaru.

Am Dienstag ging es mit JAL (Japan Airlines) zum Flughafen Neu-Chitose (CTS) in Hokkaidō. Dort angekommen wurden wir vom Autoverleih zu unserem Leihwagen gebracht und siehe da – frohe Überraschung, wir waren heraufgestuft worden und durften mit einem Toyota Allion durch die Gegend fahren, während die nervige Vier-Mann-Truppe vor uns sich in ein kleines Winzautolein zwängen musste.

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Weil wir noch nicht direkt nach Otaru (小樽) fahren wollten, machten wir uns auf zum Tōya-See (洞爺湖), in dessen Umgebung der Film しあわせのパン (Shiawase no Pan) gedreht wurde. Dort konnten wir nicht nur den riesigen See bestaunen, sondern auch das Café, um das es im Film geht. Leider hatte es schon geschlossen.

Zwischendurch wandelte sich das Wetter und wurde sehr neblig, aber immerhin regnete es nicht – noch.

Als wir uns dann nämlich auf den Weg nach Otaru machten regnete es manchmal. Manchmal war es einfach nur so neblig, dass wir das Auto vor uns kaum ausmachen konnten. In Hokkaidō gibt es ein Schnellstraßennetz, komplett mit Maut, wie es in Japan üblich ist. Dort zahlt man entweder automatisch, mit einer im Auto installierten ETC-Karte, oder manuell, indem man an der Auffahrt ein Ticket zieht und bei der Abfahrt an einem Schalter Geld bezahlt. Wir hatten keine ETC-Karte im Leihwagen, mussten also immer umständlich zahlen – und bei der ersten Fahrt auf der Schnellstraße kam mir natürlich das Ticket abhanden, was bei der Abfahrt eine Suchaktion seitens der Maut-Arbeiter auslöste. Das ist uns dann aber nicht noch mal passiert…

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Nach stundenlanger Fahrt nach Otaru kamen wir dort abends um acht an, total fertig, und konnten nur noch essen und schlafen. Am nächsten Morgen ging es dafür früh los, um den Otaru-Kanal (小樽運河) zu sehen. Da Otaru eine Hafenstadt ist, war sie damals schon sehr aktiv im Handel, und viele der alten Lagerhallen am Kanal werden heute von Geschäften genutzt.

Ansonsten gab es für uns nur noch Tourismushafen zu sehen, dort wurde eine der Szenen von 探偵はBarにいる (Tantei ha Bar ni iru) gedreht. Hinein konnten wir leider nicht, dafür waren wir zu früh dran, aber es zog uns eh schon zu neuen Ufern – die leider viel regnerischer waren als Otaru.

Trivia: In Hokkaidō wird oftmals auch auf Russisch beschildert, denn der östlichste Zipfel Russlands ist nah.

Kamakura.

Am Dienstag war Feiertag und wir wollten mal wieder raus aus der Stadt. Mit der Bahn eineinhalb Stunden von unserem Zuhause entfernt liegt Kamakura.

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Kamakura könnte man als kleines Kyoto bezeichnen: Viele Tempel, viele Souvenir-Läden, viele Touristen.

Wir haben die Stadt mit dem Fahrrad erkundet, ausgeliehen gleich am Bahnhof, denn das Wetter war wunderschön und wir wollten nicht ständig in Bahnen und Bussen sitzen. Ohne Rad wären wir um einiges länger unterwegs gewesen, aber so war es ganz angenehm – auch wenn die ganze Stadt nur aus Hügeln zu bestehen scheint. Ansteigenden Hügeln, die nie absteigen.

Los ging es beim Tsurugaoka Hachimangū (鶴岡八幡宮), einem shintoistischen Schrein mit Omikuji-Automaten und vielen Tauben. Außerdem gesehen haben wir auch ein Eichhörnchen, dass ganz dreist Nüsse geklaut hat – aber dabei war es so fluffig…

Dort fand auch eine Hochzeit statt, vor all den Touristen. Uns wäre das gar nichts gewesen, da gefällt uns unser kleiner Tempel doch besser.

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Weiter ging es zum Zenibaraibenzaiten (銭洗弁財天), in dem man um monetäres Glück bitten kann, und Sasuke-Inari-Schrein (佐助稲荷神社), mit den charakteristischen roten Bögen (鳥居; Torii), zum Daibutsu (大仏), der großen Buddha-Statue.

Die ist zwar kleiner als andere und misst gerade einmal 13,35m, ist aber dennoch ein, wenn nicht das Wahrzeichen der Stadt. Demzufolge waren auch viele Touristen dort und mit dem Fahrrad gab es kaum noch Durchkommen. Die Statue hat schon mehrere Erdbeben überstanden, bei denen jeweils nur der Sockel beschädigt wurde. Inzwischen lagert sie wohl auf einem erdbebensicheren System, ist also wahrscheinlich beweglich. Am Rücken gibt es übrigens Klappen, die zur Belüftung geöffnet werden – man kann da nämlich unten rein. Das haben wir uns aber gespart, dafür war es viel zu voll.

In Kamakura waren übrigens auch recht viele Ausländer, und als wir an einer vorbeliefen gab es folgenden wunderbaren Dialog:

Mein Mann: Hast du gehört?

Ich: Was? Wer?

Mein Mann: Die Frau sprach total tolles Japanisch!

Ich: Warum sagst du das bei ihr nach drei Sekunden und bei mir werden Fehler rausgepickt?

Mein Mann: Weil du Japanerin bist.

Ich: …

Mein Mann: Nein, du bist halt ganz besonders!

Na dann.

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Bevor wir die Fahrräder wieder zurückgeben mussten, ging es noch zum Jōmyō-Tempel (浄妙寺), in dessen Garten wir uns ein wenig entspannen konnten. Dank der recht abseits gelegenen Lage ist es dort nicht allzu überfüllt – obwohl natürlich ein Feiertag an dem die Sonne scheint nicht der ideale Auslugstag ist, wenn man seine Ruhe haben möchte.

Ach, und wir haben die ersten Kirschblüten gesehen. Es ist inzwischen wieder Kirschblütenzeit, aber wir kommen einfach im täglichen Leben nicht an zu viele Orte mit vielen Kirschen. Schade eigentlich.

Uns hat der Ausflug auf jeden Fall ein wenig aufgeholfen, nachdem wir mit der Arbeit recht beschäftigt und nicht am Ende unserer Kräfte aber unserer Lust waren. Der Göttergatte ist jetzt auf einer anderen Baustelle und meine Klasse hat bald eine andere Zusammensetzung, denn das Anfang des neuen Schuljahres naht. Bis dahin!