Eisen gegen Mandarine!

Ich will ja nicht angeben, aber wir haben gestern “Iron Man 3” geguckt. Vier Tage, bevor er in Deutschland überhaupt erscheint. Warum ist das ein Grund für einen Eintrag, obwohl es sich nicht um einen japanischen Film handelt?

20130428_205518Weil es eben kein japanischer Film ist. Ausländische Filme werden in Japan meist hauptsächlich untertitelt gezeigt, selbst wenn es eine Version mit japanischen Sprechern gibt.* Man sollte also meinen, dass nicht zu viel Zeit zwischen der Veröffentlichung z.B. in Amerika und der in Japan liegen sollte – falsch gedacht. “The Avengers” kam vier Monate nach der Veröffentlichung in den USA in die japanischen Kinos. Da war der Hype im westlichen Internet schon vorbei.

* Japanische Synchronfassungen sind schrecklich. Wenn man bedenkt, wie viel Animation die jedes Jahr vertonen könnte man meinen, dass die Qualität höher sei, aber es ist leider wirklich grausig.

Es gibt verschiedene Theorien warum das so ist, die wahrscheinlichste ist, dass die japanischen Verleihe erst einmal abwarten, wie sich ein Film woanders schlägt, bevor sie ihn letztendlich einkaufen. Vielleicht ist das der Grund, warum “Iron Man 3” nun fast zeitgleich mit dem Rest der Welt zu sehen ist – die Japaner wissen schon, dass sich damit Geld machen lässt, weil die beiden anderen Filme erfolgreich waren. Warum “Thor: The Dark World”, ein Superheldenfilm aus selbem Hause, aber schon wieder mit über vier Monaten Verspätung erscheinen wird ist mir ein Rätsel.

Vielleicht, weil sie können. Es gibt in Japan im Vergleich zu Deutschland nicht so viele Leute, die englische Filme ohne Untertitel sehen können. Sonst würde sich nämlich jeder einfach schon die DVD aus dem Ausland importieren oder zu weniger legalen Mitteln greifen, bevor der Film hier erscheint.

Ach ja, der Film war übrigens natürlich wirklich gut. Ein paar Dinge machen mir vor allem auf Hinsicht auf Fortsetzungen ein wenig Sorgen**, aber die Geschichte war spannend, die Gegner waren interessant und Tony wird mit jedem Film ein wenig menschlicher. Obwohl es eine 3D-Version gibt, habe ich im Film keine komplett offensichtlichen “Schaut her, wir haben 3D!”-Sequenzen gesehen, oder vielleicht war ich viel zu sehr in die Geschichte involviert, als dass es mir aufgefallen wäre.

** Ich werde nicht spoilern, aber ich denke jeder der den Film sieht wird sehen was ich meine.

“Goodbye Deutschland!” oder “Ich bin ein schrecklicher Mensch”

Wir haben zuhause keinen Fernseher, weswegen der Mann von der NHK uns immer wieder ungläubig anstarrt. Das heißt natürlich nicht, dass wir kein Fernsehen sehen. Wofür gibt es das Internet?

An deutschen Sendungen gucke ich Zapp, Die Story, Menschen hautnah und… Goodbye Deutschland! An letzterem habe ich ein beinahe morbides Interesse, auch wenn sich vor kurzem das Sendungskonzept scheinbar etwas geändert hat. Während normalerweise hauptsächlich Familien bei ihren ersten ersten Schritten im Ausland begleitet wurden, liegt der Fokus jetzt auf Familien, die schon länger im Ausland leben – das macht nicht mehr so viel Spaß. Erfolgreichen Menschen zuzusehen ist langweilig.

Goodbye Deutschland war für mich sonst immer perfekt: Wenn jemand auswandern wollte, könnte man ihm einfach zwei Folgen der Sendung vorspielen und sagen “So machst du das bitte nicht”. Ob das am “guten” Casting oder am Schnitt lag, weiß ich nicht, aber der stereotypische Auswanderer in der Sendung spricht kein Wort der Sprache des Landes in das er ziehen will, hat keine Ahnung von behördlichen Angelegenheiten, keinen Job und keine Ersparnisse. Das sind natürlich nicht die typischen Auswanderer, sondern die, die geeignet für’s Fernsehen sind, auf dass sich der Zuschauer überlegen fühlen kann. So schwer kann Auswandern gar nicht sein, wenn man es sich nicht selbst schwer macht.

Ist es auch nicht. Man sollte sich nur darüber klar sein, dass man wirklich in ein anderes Land zieht, in dem einiges anders ist, und das “anders” kein anderes Wort für “perfekt” ist. Kein reales Land ist ohne Probleme. In keinem realen Land stößt man nicht manchmal auf unerwartete Mauern, wenn eben nicht alles so einfach ist wie gedacht. Und: Nur weil man umzieht lösen sich nicht alle Probleme in Luft auf, denn die schleppt man mit.

In Japan habe ich viele getroffen, die herkamen mit hohen Erwartungen ans Land, und inzwischen total frustriert sind. Viele Leute, die in ihrem Heimatland nicht richtig reingepasst haben, die meinen, in Japan könnten sie endlich so sein, wie sie sind. Das klappt meist nicht, denn Japan ist nicht das Land der Freigeister. Die japanische Mentalität unterstützt dich auch nicht, wenn du unten bist – denn an allem wird die Schuld dir zugeschoben.

Trotzdem mag ich es, hier zu leben. Auch mit weniger Geld auf dem Konto als in Deutschland, weil hier zu leben teuer ist. Auch wenn jeden Tag auf Arbeit 18 Kinder um mich herum hüpfen und schreien. Auch wenn es natürlich manchmal noch Verständigungsprobleme habe. Vielleicht ist Japan nicht das perfekte Land für mich sondern, was weiß ich, Malaysia, aber zurück nach Deutschland will ich erstmal nicht. Heimweh habe ich auch nicht, denn ich weiß ja, dass in Deutschland alles gut läuft.

Ich weiß auch, dass hier in Japan alles gut läuft. Es geht uns gut, ich integriere mich, und die Tage, an denen ich mich über etwas ärgere, nehmen ab.

Bei Goodbye Deutschland wandern sie derweil wieder zurück.

Es ist mal wieder Zeit: Good Morning Everyone!

Schon eine ganze Weile waren wir nicht mehr im Kino. Am Samstag hatten wir aber etwas Zeit und Muße, und so sah mein Mann im Internet nach, was man sich angucken könnte. Zufälligerweise war ein neuer Film mit seinem Lieblingsschauspieler (大泉 洋, Ôizumi Yô) herausgekommen, also sprangen wir ins Car-Sharing-Auto, um uns nicht in die Bahn quetschen zu müssen, und fuhren los.

グッモーエビアン

(C)2012『グッモーエビアン!』製作委員会

グッモーエビアン Good Morning Everyone (2012) (Trailer)

Regisseur: Yamamoto Toru

Darsteller: Asô Kumiko, Ôizumi Yô, Miyoshi Ayaka

Die Mittelschülerin Hatsuki lebt zusammen mit ihrer Mutter, die früher Punkmusikerin war. Ihre Mutter erzieht Hatsuki nach dem Credo “Alles, was Spaß macht, ist gut”, und mischt sich nicht in Hatsukis leben ein – diese bewältigt den Alltag größtenteils allein, kauft ein, kocht und führt das Haushaltsbuch. Der Freund der Mutter, der Hatsuki wie seine eigene Tochter aufgezogen hat, Yagu, kommt nach eineinhalb Jahren Abwesenheit (“Welt-Tournee” um sich selbst zu finden) zurück in die Familie, und stellt alles auf den Kopf.

Persönliche Meinung: Wir mochten den Film sehr gerne, man kann viel lachen, ein bisschen weinen und mit einem guten Gefühl das Kino verlassen. Yagu war teils etwas überspielt und vor allem am Anfang anstrengend (zu viel Energie!), aber die Beziehung der Charaktere untereinander und die (für Japan) eher ungewöhnliche Familienkonstruktion war sehr glaubhaft. Ein Film für Zwischendurch, nichts Weltbewegendes, aber ganz sicher auch nicht schlecht. 🙂

Filmzeit: モテキ

Als wir am Samstag (mal wieder) alle Folgen der ersten Staffel Sherlock* aus der Videothek ausliehen, wurde uns gesagt, dass wir weniger bezahlen würden, wenn wir eine vierte DVD ausleihen würden. Also nahmen wir diesen Film mit.

©東宝

モテキ Moteki (2011) (Trailer)

Regisseur: Ône Hitoshi

Darsteller: Moriyama Mirai, Nagasawa Masami, Asô Kumiko, Naka Riisa

Fujimoto Fujiyo ist 31 Jahre alt, hat keine Karriere, keine Freundin und Probleme mit Menschen zu kommunizieren. Sein Twitter-Account hat über 34 000 Posts, die niemand liest. Als er bei einem Bewerbungsgespräch von der Ex-Freundin des Chefs erstochen wird, beginnt für ihn seine zweite モテ期 (Moteki; wenn man plötzlich fürs andere Geschlecht attraktiv wird). Er beginnt bei einer Popkultur-Nachrichtenseite zu arbeiten und trifft über Twitter Miyuki, in die er sich sofort verliebt. Doch leider ist nicht alles so einfach, denn Miyuki hat einen Freund, eine Freundin, die sich für Fujiyo interessiert, und dann ist Fujiyo eben noch immer ein ziemlicher Nerd, der im Umgang mit Frauen nicht geübt ist.

Persönliche Meinung: Während der Film am Anfang noch viel Spaß macht und mit ganz lustigen Ideen aufwartet (plötzliche Tanzeinlagen, Karaoke-Text für den Soundtrack), ist ab einem bestimmten Punkt ist das ganze Beziehungsmehreck überspannt. Fujiyo ist von Anfang an kein großer Sympathieträger, sondern schon jemand, bei dem es etwas wehtut zuzusehen, wie er in sämtliche Fettnäpfchen tritt. Nach bestimmten Plotpunkten wurde er uns aber dermaßen unsympathisch, dass mein Mann gar nicht mehr stillsitzen und sich den Film ansehen konnte. Generell waren die beiden Hauptcharaktere keine, denen man ein Happy End gönnen würde.

* Wir lieben Sherlock. Leider braucht mein Mann Untertitel, weswegen wir etwas spät dran sind.