Neues in Sachen Kimono.

Ich hatte ja schon einmal darüber geschrieben, dass ich gern lernen würde, wie ein Kimono angezogen wird. Dafür gibt es Kurse, und letzten Freitag haben wir (meine Schwiegermutter und ich) uns einen angesehen.

Der läuft über eine größere Firma, und hat viele kleine Räumlichkeiten über die Gegend verteilt. Wir suchten uns also einen in der Nähe und landeten in Funabashi. Warum wir dort nicht lernen werden, kurz abgehandelt.

Der Raum, in dem gelehrt werden sollte, war eigentlich eine 1-Zimmer-Wohnung, ziemlich muffig und unordentlich. Wenn ich im Monat 9,000 Yen (= 87€) zahlen soll erwarte ich schon etwas anderes. Das Anziehen verlief so weit ganz gut, wenn auch teils etwas schief, aber die Lehrerin erklärte weniger, als ich gedacht hätte, und erzählte uns stattdessen, dass sie auch nicht immer ganz sicher ist, in ihrer Materie. Wenn mir jemand von sich selbst erzählt, dass er manchmal von seinen Schülern korrigiert wird, vertraue ich nicht allzu sehr in seine Fähigkeiten. Von meiner Lehrerin will ich nichts falsches erzählt bekommen.

Als wir fertig waren, wurden uns die Angebote näher gebracht, und erklärt, was da an Zusatzkosten auf einen zukommen könnte. Da blieb’s dann nicht bei 9,000 Yen (schweineteuer.), sondern es mussten natürlich noch viele Kleinteile her, und außerdem sollte man nach je einem halben Jahr ein Zertifikat ablegen – das dann beim ersten Mal 50,000 Yen, beim zweiten Mal doppelt so viel kosten sollte. Und am besten jetzt gleich unterschreiben und die Bankeinzugserlaubnis fertig machen – nein Danke.

Wir haben also abgesagt. Meine Schwiegermutter hat sich ein wenig umgehört, und herausbekommen, dass Kurse bei dieser bestimmten Firma nur immer teurer würden. Aber, es gibt in der Nähe in einem Kulturzentrum einen Kimono-Kurs für ca. 2,500 Yen (= 24€) im Monat. Das ist natürlich finanziell einfacher zu stemmen, und außerdem gibt es dort wohl auch viele junge Frauen, die am Kurs teilnehmen. Mal schauen, wie jung die sind, und dann, auf zum Freundefinden.

Heute Abend gehen wir auf jeden Fall mal zu der Infoveranstaltung und sehen dann weiter.

Adidas CP80S MTA.

Der Göttergatte ist ziemlich speziell in seinem Schuhgeschmack. Erstens trägt er (in seiner Freizeit) nur Adidasschuhe. Zweitens nur zwei verschiedene Modelle, Campus und Samba (bzw. die alten Universals). Sein Paar blauer Campus 2 ist inzwischen grau, dreckig und nicht mehr zu gebrauchen, weswegen wir die letzten Wochen sporadisch auf der Suche nach neuen Schuhen waren. Vorgestern fanden wir Schuhe, die ihm gefielen, und die es nur bei Mita Sneakers zu kaufen gab (gibt).

Mita Sneakers ist ein (1) Sneaker-Laden in Ueno (Tokyo), der aus irgendeinem Grund arg bekannt zu sein scheint und immer wieder Spezialversionen von Sneakern in Kollaboration mit bekannten Firmen herausbringt, die dann nur in diesem einen Laden (oder im Internet per Vorbestellung) zu haben sind. In Berlin gibt es wohl auch einen Adidas Concept-Store, der die Schuhe bekommt, was dann nicht mehr ganz so “Japan Exclusive” ist. Aber man kann ja nicht alles haben.

Der Verkauf der Adidas CP80S MTA begann am 1.10., also genau dem Tag, an dem wir die Schuhe zum ersten Mal sahen. Auf nach Ueno, Schuhe anprobieren, Schuhe kaufen, glücklich sein. Am liebsten hätte der Göttergatte noch die graue Version im Regal stehen, aber die gibt es nur bis zu einer Größe von 29 cm, das ist zu klein. Er braucht mindestens 29.5 cm, damit seine Riesenmonsterfüße sich wohl fühlen und frei atmen können, alles andere kommt Freiheitsberaubung gleich.

Aber egal, ein Paar Schuhe mehr muss reichen. Leider hat er jetzt eigentlich kein Paar Schuhe mehr, dass er einfach so anzieht. Wenn sie kaputt gehen, ist der Ersatz einfach zu schwer zu beschaffen. Demnächst suchen wir also ein absolut generisches Paar Sneaker, das dem Mann gefällt, man aber an jeder Straßenecke kaufen kann.

(Falls jemand Paralellen zu kleinen Kindern sieht, denen man, wenn ein Spielzeug kaputt geht, genau dasselbe noch mal kaufen muss, weil sie sonst weinen – mein Mann ist natürlich absolut gar nicht so. Niemals.)

Die finale Entscheidung.

Wir waren gestern beim Kimono-Verleih. Verleihe gibt es in sehr teuer und sehr günstig, wir waren bei einem günstigen, der von einer versicherungsähnlichen Gesellschaft betrieben wird. Während man normalerweise gern 150 000 Yen (1 360€) Ausleihgebühr für den Kimono der Braut zahlen muss, liegt der Betrag für uns bei ca. 40 000 Yen (360€). Ich habe keine Ahnung was bei einem teuren Verleih anders ist, ich habe mich auf jeden Fall nicht gefühlt, als würde ich minderwertigen Service oder eine sehr kleine Auswahl bekommen. Leider sind wir etwas spät dran mit dem Reservieren, deswegen war einiges schon weg, aber damit kann ich leben.

Ich hatte vor einigen Wochen schon einmal über die japanische Hochzeit und 打掛 (Uchikake)-Kimonos geschrieben, den Eintrag findet man hier. Nun ist das ja wunderschön und alles, aber als ich gelesen habe, dass man auch 引き振り袖 (Hikifurisode) tragen kann, war für mich eigentlich schon klar, dass es das werden würde.

Anders als beim Uchikake wird der farbige Kimono nicht wie ein Mantel über dem weißen Kimono getragen, sondern der Obi (quasi der Gürtel des Ganzen) wird über dem farbigen Kimono gebunden, wodurch, finde ich, ein schöneres Bild entsteht, da die ganze Chose in sich geschlossen ist.

Die ganze Chose besteht aus einem Untergewand, das am ehesten an Krankenhauskleidung erinnert, einem weißen Unterkimono mit verstärktem weißen Kragen (was ich auf dem Foto trage ist nur zum Anprobieren gedacht, sonst würde man nie fertig werden), dem farbigen Kimono und diversen Obi-Zutaten, von denen ich nicht die geringste Ahnung habe. Auch hier wurde fürs Anprobieren ein vorgefertigter Klettverschlussobi mit Ansteckschleife verwendet, da das Obifalten und -binden an sich den schwersten Teil des Ganzen darstellen dürfte. In Wirklichkeit hält übrigens nicht der Obi die Form des Kimonos, sondern zwei Stoffbänder, die darunter versteckt werden. Vom Gefühl her darf man sich das auch gern ein wenig wie Korsettschnüren vorstellen, weswegen ich vorm Festessen in ein normales Kleid wechseln werde.

Beim Verleih habe ich mir drei Kimonos aus dem Katalog ausgesucht, um sie anzuprobieren.. Ursprünglich wollte ich unbedingt einen roten Kimono ausleihen, weil das Glück symbolisiert, aber die Farbe gab es fast nur bei den Uchikake-Kimonos, und die zwei roten Hikifurisode-Kimonos verblassten (verbließen?) zwischen den anderen, weswegen ich mir zwei weiße Modelle und ein schwarzes aussuchte. Die Mitarbeiterin des Verleihs war übrigens absolut hilfreich und freundlich, und hat für jeden Kimono extra nachgeguckt, ob der für den fraglichen Zeitraum schon verliehen ist – auf ellenlangen, handgeschrieben Listen.

Den weißen Kimono, den man auf dem Foto sieht, finde ich übrigens unglaublich schön, mit den vielen bunten Blumen wirkt er recht jugendlich und fröhlich. Mein rechtes Pfötchen hät übrigens den Kimono fest, was man auf dem Foto sieht ist der Modus, in dem man sich tatsächlich bewegen kann. Lässt man den Stoff zu Boden sinken kann man als Laubfeger doublen, denn die Kimonos sind lang und nur zum schön aussehen gedacht. Für den Sommer sind sie auch nicht geeignet, denn trotz Klimaanlage war mir nach einiger Zeit sehr warm. Da muss man dann wohl durch, zum Glück findet die Zeremonie im Oktober statt.

Wenn der Kimono nicht angehoben wird, kann ich mich darin nicht einmal selbstständig umdrehen, ohne Angst um den Stoff zu haben. Der schwarze Kimono ist übrigens der, für den ich mich letztendlich entschieden habe, nicht zuletzt weil eine penetrante Stimme neben mir meinte “Ja klar, den schwarzen nehmen wir! Schau doch mal, der ist total toll!”. Der Göttergatte hatte sich um einiges schneller als ich festgelegt. Zwar werden auch die Mütter schwarze Kimonos (mit Muster) tragen, aber das ist nur am unteren Rand und daher vom Eindruck sehr anders.

Was man auf dem Foto vielleicht nicht ganz so gut sieht, ist der Hase in der unteren Mitte. Dieses Jahr ist das Jahr des Hasen. Das ist vielleicht einer der schlechteren Gründe, warum ich mich letztendlich wirklich für diesen Kimono entschieden habe, ein anderer wäre auch noch, dass er auf Fotos wirklich gut aussieht. Denn was bleibt letztendlich übrig, außer Erinnerungen, die eh immer ungenauer werden? Fotos! Viele Fotos!

Yukata für Faule und für Fleißige.

Da wir ja noch immer Sommer haben (auch wenn es morgens recht angenehm kühl ist), dachte ich mir, dass ich einfach weiter über traditionelle japanische Bekleidung spreche.

Ich finde es übrigens sehr schön, dass in Japan auch Kleidung, die es seit anno dazumal gibt, noch getragen wird. Vielleicht nicht jeden Tag, sondern nur zu bestimmten Anlässen, aber immerhin oft genug, als dass jedes Jahr viele der großen Modelabels ihre eigenen Yukata herausbringen. Das ist mal mehr und mal weniger erschwinglich, aber wenn man wirklich nicht zu viel Geld ausgeben will bekommt man ein Set meist schon ab 26€.

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Zum Yukata gehört immer auch der Obi, um das ganze Konstrukt zusammen zu halten. Eigentlich ist ein Obi einfach ein breiteres Stoffband, meist 3,6 m lang, das kunstvoll um den Oberkörper gewickelt wird. Wer sich das mal anschauen will, kann gern auf der Seite Yukatalism gucken, die ist zwar leider auf Japanisch dafür aber mit Animationen. Auf Videos sieht man meist nicht genau, was die Person da überhaupt veranstaltet, da sind Animationen sehr viel einfacher zu handhaben.

Als der Göttergatte und ich letztes Jahr in Hakone waren, gab es im Hotel Yukatas kostenlos auszuleihen, plus Obi. Die waren zwar etwas sehr schmal, weswegen die Schleife auf dem Bild nicht ganz eindrucksvoll ist, aber nach 45 Minuten und vor der Feststellung, dass es im Hotel einen Service gibt, der einem das bindet, hatten wir es endlich geschafft. (Falls jemand meckern will, dass der Yukata nicht gefaltet ist: Er war einfach zu kurz.)

Die Enttäuschung kam dann, als wir zum Essen gingen und alle anderen ihren Yukata einfach irgendwie gebunden hatten, weil die meisten Japaner das einfach nicht mehr können – dabei ist es wirklich nicht schwer. Damit die Japaner aber nicht völlig frustriert verzweifeln, verkaufen die meisten Läden vorgebundene Obi. So einer ist auch an meinem neuen Yukata befestigt.

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Dabei ist der Obi quasi ein Stoffschlauch mit Elastikband, und die Schleife wird einfach eingehakt. Geht natürlich viel schneller, sieht aber meiner Meinung nach nicht so schön aus, zumal mir die blöde Schleife im Gedrängel hin- und herrutschte. Entweder muss ich also lernen, die Schleife ordentlich zu befestigen (da gibt es sicher auch eine Möglichkeit), oder ich muss mir normale Obis anschaffen, und das brav selbst binden.

Man sieht übrigens auch öfter alte Damen im Kimono herumlaufen, und wenn ich einfach davon ausgehe, dass die sich selbst anziehen – nicht schlecht! Meinen Kimono-Kurs werden wir aber wohl verschieben müssen.