25.

Seit gestern bin ich 25 Jahre alt.

Ich: Ich habe heute Geburtstag.

Kind auf Arbeit: Wie alt bist du?

Ich: 25.

Kind: 15?

Ich: 25.

Kind: Woah!

 

Ja, voll woah. 😉

Zur Feier des Tages kam mein Mann früher von der Arbeit und wir trafen uns dort, wo Träume wahr werden: Beim Tokyo Disney Sea! ♥

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Nun war ich davon ausgegangen, dass wir vielleicht essen gehen würden, es eventuell aber auch der einsamste Geburtstag meines Lebens werden würde – mein Mann arbeitet in letzter Zeit unglaublich viel und ist selten vor um zehn zuhause.

Im Disney Sea holte ich mir natürlich erst einmal meinen Geburtstags-Sticker ab, wenn schon denn schon. 😉

20141119_184326Wir hatten keine Lust großartig irgendwo anzustehen, und so fuhren wir mit lediglich zwei Attraktionen, Aquatopia und Raging Spirits, und bestaunten ansonsten die schöne Weihnachtsdekoration. Während bestimmte Elemente jedes Jahr dieselben sind, überlegen sich die Parkdesigner doch auch immer etwas Neues.

Da hier kaum ein Privathaushalt für Weihnachten dekoriert, sind die Lichter und die Weihnachtsmusik im Disney Resort für mich immer besonders schön. Wie zuhause.*

* Wäre Berlin nur halb so sauber wie Disney Land… und würden meine Eltern für Weihnachten dekorieren. 😉

20141119_201724Natürlich ist es eigentlich noch viel zu früh für Weihnachtsdekoration, aber den ganzen Aufwand für nur vier kurze Wochen zu betreiben, lohnt sich auch nicht. 😀 Mein Mann und ich überlegten, ob wir nicht einfach mal in der Nacht vor dem Start des Weihnachtsevents im Hotel direkt am Park übernachten und uns die Umbauarbeiten ansehen. Wären die Zimmer nicht so teuer…

Neben Weihnachtsdeko gibt es natürlich auch immer spezielles Essen, weil Japaner sich auf alles, wo 期間限定 (Kikan-Gentei; zeitlich begrenzt erhältlich) steht, stürzen. Ich mich auch, wenn ich die Pamphlete mit den Parkinformationen bekomme ist es immer das erste, wonach ich suche.

20141119_190843Dieses Jahr gibt es unter anderem Popocorn mit weißer Schokolade (und Salz), was einfach nur himmlisch gut schmeckt. Apropos Mampfen, wir waren auch zum ersten Mal im “Cape Cod Cook-Off”! Das ist das Restaurant in der kleinen amerikanischen Stadt im Disney Sea, und natürlich gibt es Burger.

Die waren nicht halb so schrecklich wie erwartet, auf jeden Fall besser als McDonald’s. Und während ich mich sonst immer ganz weit von Souvenirtassen fernhalte, konnte ich dieses Mal nicht widerstehen. Duffy, der Teddy, den man in Japan nur im Disney Sea bekommt, hat nämlich einen neuen Freund – einen italienischen Kater namens Gelatoni.

Die Mafia-Katze macht dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst.

Die Mafia-Katze macht dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst.

Wer sich überlegt hat, dass eine Katze eine wunderbare Ergänzung des Line-Ups wäre, bekommt dieses Jahr sicher einen fetten Bonus. Ich habe so viele Leute mit den großen Plüschtieren zu 3,900Yen (26,33€) herumlaufen sehen, die machen einen riesigen Reibach. Noch gibt es für die Katze nur einen Weihnachtsanzug, den man extra kaufen kann, aber ich wette, dass da noch mehr kommt.

Ich selbst habe Disney natürlich ein klitzekleines bisschen finanziell unterstützt – indem ich drei kleine Gelatonis mitnahm. Einen für mich, zwei für Freundinnen zu Weihnachten.

Zu meiner Verteidigung: Er ist ein grauer Kater mit einer blauen Mütze und einem Pinsel-Schwanz! Ihr habt doch hoffentlich nicht erwartet, dass ich da nein sagen könnte. 😉

Nach Drinks auf der S.S Columbia fuhren wir nach Hause, wo wir um halb 11 erschöpft aber glücklich ins Bett fielen.

Ich würde sagen, an meinem Geburtstag zu Disney Sea zu gehen sollte zu einer Tradition werden. 🙂 Wir haben’s immerhin schon zwei Jahre in Folge hinbekommen.

Tick, Tock, Tick, Tock – Mein Rhythmus ist im Eimer.

Normalerweise habe ich einen recht unverwüstlichen Schlafrhythmus. Wochentags geht es um zehn ins Bett und um fünf Uhr 50 wieder raus, am Wochenende schlafe ich höchstens mal bis um acht.

Scheinbar hat Deutschland diesen wunderbaren Rhythmus zerstört. Ich weiß nicht wie, letztes Jahr im Sommer war dem nämlich nicht so, aber auf jeden Fall muss das ganz schnell wieder rückgängig gemacht werden.

Am Samstag hatte ich um elf einen Termin, alle zwei Wochen rede ich für eine Stunde mit jemandem Englisch und werde dafür bezahlt. Dummerweise musste ich, als ich dann endlich erwachte und einen Blick auf den Wecker warf, feststellen, dass es schon elf Uhr 44 war. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal so lange geschlafen habe.

Um diesem Verfall meines Tagesrhythmuses etwas entgegenzusetzen, ging ich am Samstag Abend, nach meinem Geburtstagessen mit den Schwiegereltern, recht früh zu Bett – um am nächsten Morgen um neun aufzuwachen, und das auch nur, weil ich diesmal den Wecker gestellt hatte. Blöderweise entschied aber mein Körper, dass so ein kleines Nickerchen zwischen halb eins und drei total super wäre, was wiederum dazu führte, dass ich gestern Nacht absolut nicht schafen konnte.

Nun gibt es ja Leute, die generell ein wenig mehr Zeit zum Einschlafen brauchen – Ich gehöre nicht dazu. Wenn ich um zehn ins Bett gehe bin ich spätestens um zehn nach zehn im Tiefschlaf. Dass mir dieser rosarote, plüschige Komfort nicht mehr gewährt wird, macht mich betrübt. Also, vielleicht nicht betrübt, aber zumindest verdammt müde.

Dabei habe ich doch im Moment so viel, das überdacht und geplant werden will. Und eigentlich werde ich diese Woche auch 25. Ojee, ojee, ojee.

(Meine einzige Rettung: Kaffee und Zucker, Zucker und Kaffee.)

Claudia auf Notstrom.

Ich bin wieder da!

Deutschland war zwar wirklich sehr nett, aber da ich letztendlich keinen richtig freien Tag hatte und mein Körper sowieso etwas gegen’s Fliegen hat, bin ich arg erschöpft. Dann vergesse ich schonmal Freunden und Familie zu sagen, dass ich ohne Probleme in Japan angekommen bin…

Richtige Einträge starten wieder sobald ich nicht mehr auf dem Zahnfleisch gehe.

Und dann kommt ein großer Eintrag darüber, wie Deutschland so total subjektiv immer komischer wird. Außerdem: “Warum man sich die PIN für seine Kreditkarte merken sollte.” und “Natürlich streikt die Bahn wenn ich da bin, sonst würde ich mich auch gar nicht heimisch fühlen”.

Bis dahin!

Japan und ich.

Ursprünglich bin ich nach meinem Fach-Abi im Rahmen eines Working Holidays nach Tokyo gekommen. Ich weiß gar nicht mehr, was genau ich mir damals erhoffte, schließlich war ich davor noch nie in Japan gewesen.

Wahrscheinlich wollte ich hauptsächlich Klamotten kaufen und Japanisch lernen. Mir war tatsächlich aber schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass Japan kein rosanes perfektes Land ist. Wirklich. Selbst wenn man in Japan angekommen diesen Illusionen noch ein wenig nachhängt: Wenn man in Tokyo mal abends in der Bahn Leute beobachtet, sollte einem ein Licht aufgehen. Das Gesicht des gewöhnlichen Tokyoters ist nur animiert, wenn er spricht, als würde ganz plötzlich ein Mechanismus losgetreten werden, der die Mundwinkel nach oben zieht. Sobald Stille einkehrt werden die Fäden losgelassen und das Gesicht verwandelt sich wieder in die eiserne Maske der Erschöpfung. Oder es wird mit offenem Mund geschlafen.

Über dieses eine Jahr in Tokyo hat sich natürlich einiges geändert, nicht an Tokyo direkt, sondern an mir. Ich habe mich eingewöhnt. An meinem zweiten Tag in Japan habe ich über das Bahnsystem geschimpft, inzwischen sehe ich zwar immernoch, dass es viel zu teuer ist, aber verfahre mich wenigstens nicht mehr. Selbstverständlich war es nicht immer leicht allein in Japan zu leben, zumal ich anfangs wirklich wenig Japanisch verstand und in einem wirklich guten Monat 120,000Yen (860€) nach Hause gebracht habe, wovon die Hälfte für die Miete draufging. Letztendlich hätte ich nach dem Jahr nicht aktiv darauf hingearbeitet wieder nach Japan zu gehen.

Daran, dass ich zurückgekommen bin, ist mein Mann schuld.

Nun lebe ich schon etwas länger hier, und selbst während der zwei Jahre in Berlin zwischen meinem Working Holiday und meinem erneuten Umzug war ich nicht nur drei Mal im Lande, sondern habe auch via Internet und meinem Mann immer einen virtuellen Fuß im Land gehabt. Wenn ich Japan ganz schrecklich fände, würde ich das hier sicher nicht tun, auch nicht für meinen Mann.

Ich finde Japan auch nicht unlebbar, aber wenn man längere Zeit in einem Land lebt, fängt man an die Unzulänglichkeiten mehr zu sehen, während die ganzen positiven Seiten einem nicht mehr auffallen. Ich wette das ist bei jedem so. Egal wie sehr man irgendwo wohnen wollte, oder wie toll das am Anfang war, mit der Zeit zaubert einem die Stadt nicht mehr jeden Tag ein Lächeln aufs Gesicht. Purikura, Katzencafé, Maidcafé, Hostclub, frisches Sushi im Supermarkt, Maccha Latte bis zum Abwinken – irgendwann juckt es einen nicht mehr.

Wann ich Japan mal wieder richtig zu schätzen lerne? Wenn ich in Deutschland bin. Das klingt vielleicht gemein, aber ich merke erst im Ausland wie unglaublich komfortabel dieser kleine Inselstaat doch ist.

Japan hat tatsächlich viele gute Aspekte:

Es ist sehr sicher in Japan zu leben, vor allem wenn man bedenkt, dass Tokyo* 35 Millionen Einwohner hat. Fünfunddreißig Millionen. Das ist der Grund, warum mein Mann Berlin 都会田舎 (Tokai Inaka; in etwa “Stadtdorf”) nennt. Natürlich geschehen auch hier genügend Verbrechen, aber ich habe noch nie eines beobachtet oder bin Opfer geworden. Dabei bin ich auch schon nachts mit Minirock und angetrunken von Shinjuku nach Ogikubo, wo ich damals wohnte, gelaufen. Keine einzige blöde Anmache.** Wenn wir eine Einkaufstüte in der Bahn vergessen können wir davon ausgehen, dass sie nicht abhanden kommt. Mein Mann vergaß einmal sein Handy in 新潟県 (Niigata-ken, Präfektur Niigata) und bekam es nachgeschickt. Selbst wenn man ein Problem hätte, gäbe es noch immer die netten Herren Polizisten vom Koban.

* Inklusive der Städte, in die es nahtlos übergeht. Tokyo hört nicht plötzlich an der Stadtgrenze auf, es geht nahtlos über in die umliegenden Präfekturen, deren Bewohner oftmals in Tokyo arbeiten. Genau wie wir.

** Der Fairniss halber erwähne ich, dass Freundinnen von mir angegrabscht wurden. Super eklig und so etwas sollte jemandem nirgends passieren müssen.

Generell sind die alle so verdammt nett. Natürlich ist vieles nur Fassade und eigentlich haben auch Japaner manchmal gar keine Lust nett zu sein und würden einen viel lieber wie ein waschechter Berliner anraunzen – sie verkneifen es sich aber einfach. Als ich im März nach fünf Stunden Warten in der Immigrationsbehörde endlich dran kam, entschuldigte sich die Dame, die seit inzwischen zwei Stunden Überstunden schob, bei mir, dass ich so lange warten musste. Was wäre wohl in Berlin passiert? Jegliches Problem wird in einem süßlichen Dunst von “Es tut uns so leid, dass wir Ihnen Unannehmlichkeiten bereiten, wenn ich irgendetwas anderes für Sie tun kann, schrecken Sie nicht davor zurück es mir mitzuteilen” erstickt. Dafür ist die japanische Sprache übrigens super. 深くお詫びを申し上げます。Und natürlich ist das nicht ehrlich, aber letztendlich im Alltag angenehmer.

Dinge funktionieren auch einfach. Ich habe persönlich noch nie erlebt, dass der Aufzug in unserem Bahnhof nicht funktioniert hätte. Nicht ein einziges Mal. Er stinkt übrigens auch nicht nach Urin, denn dafür gibt es eine Toilette. Im Bahnhof. Keine Toilettenfrau, die einem für den Besuch 50ct abknöpfen möchte. Genau wie in jedem Einkaufszentrum – Toilette, aber keine Toilettenfrau. Wie das funktioniert? Ich weiß nicht, aber mysteriöserweise sind die Toiletten hier sauberer als in Deutschland.*** Und Mann, ist das nett.

*** Außer sie gehören zur Keisei-Gruppe. Dann beherbergen sie alte japanische Hocktoiletten und einen höllischen Gestank.

Und natürlich, wenn ich plötzlich irrsinning Lust drauf habe, kann ich zum Karaoke gehen und für 2,500Yen (18€) die Nacht durchsingen. Oder im Supermarkt Maccha Latte und 大福 (Daifuku) kaufen. Eben diese ganzen Dinge tun, die jetzt wenig aufregend sind, mir aber unendlich fehlen würden, wenn ich woanders leben würde.

Trotzdem ist Japan nicht mein Lieblingsland. Vielleicht, weil ich gar kein Lieblingsland habe. Vielleicht, weil mich manche Dinge in Japan auch richtig aufregen können. Das ewige Wegschauen, damit man bloß selbst nicht in Unanehmlichkeiten gerät. Der latente Sexismus im Land. Das Totschweigen von Problemen.

Es gibt Tage, in denen ich erst meine Haltung und Meinung aufzeigen möchte und mich dann doch dafür entscheide, die Hände überm Kopf zusammenzuschlagen. Weil Argumentieren manchmal einfach nichts bringt. 仕方ない。(Shikata nai (auch しょーがない Shô ga nai); Kann man nichts machen.) 8900km Entfernung bestehen manchmal einfach auch im Kopf.

Trotzdem, ich bleibe hier. Vielleicht nicht für immer, vielleicht nicht immer super glücklich, aber das ist ja normal. Japan und ich, wir finden uns glaube ich ganz okay.