Basteln.

Ich bin kein großer Bastler. Ich würde sogar sagen, dass ich mit den Händen recht ungeschickt bin. Leider bin ich auch ein Mensch, der schnell aufgibt, wenn er etwas nicht kann, weswegen ich, nachdem ich festgestellt hatte, dass ich kein großer Bastler bin, nicht mehr viel gebastelt habe.

Leider bräuchte ich jetzt ein Bastelbuch in meinem Kopf, denn ich soll den Kindern Grob- und Feinmotorik näherbringen. Die Kinder sind zwischen zwei und drei Jahren alt, können also selbst noch nicht ganz so viel machen – aber doch mehr, als ständig Bilder auszumalen. Letzten Monat, als das Thema Halloween war, und nächsten Monat, wo das Thema Weihnachten sein wird, war das kein Problem, zu den Themen finden sich genug Dinge im Internet und in Fachzeitschriften, die wir auf Arbeit en masse haben.

Diesen Monat ist das Thema “Sport”. Was kann man da denn bitte basteln? Die meisten Ideen im Internet sind nicht umsetzbar, weil die Kinder zu klein und zu viele (jeden Tag ca. 13) sind, ich selbst bin nicht sonderlich sportaffin, ich habe keine Ahnung. Wenn irgendjemand etwas in der Hinterhand haben sollte – immer her damit.

Im Dezember wird aber alles besser. Origami-Weihnachtsmänner und Rentiere. Die Rentiere sind für die Kinder zu schwer, aber der Weihnachtsmann (der dank Augenbrauenmissplatzierung sauer aussieht) dürfte mit viel Hilfe zu schaffen sein. Origami-Weihnachtsbäume habe ich auch. Und tolle Weihnachtskartenideen, niedliche Rentiere, die aus wenigen Teilen zusammengesetzt werden können, alles da – nur nichts zum Thema Sport.

Egal, noch drei Wochen durchhalten und alles wird gut. Bis dahin, die Google-Ergebnisse für “Baseball Coloring Pages” sind noch nicht ausgeschöpft…

Gruselgeschichten.

Passend zu Halloween eine kleine, wahre Geschichte aus Japan.

Ein alleinlebender Mann bemerkte, wie Gegenstände plötzlich am falschen Platz lagen, wenn er nach Hause kam, oder Lebensmittel fehlten, bei denen er hätte schwören können, sie nie gegessen zu haben. Außerdem hörte er nachts immer wieder eigenartige Geräusche, die er sich nicht erklären konnte. Wenn er Wohnungstür und Fenster überprüfte, waren diese aber immer verschlossen.

Kurz bevor er komplett verrückt werden würde, kaufte er sich Überwachungskameras, um endlich herauszufinden, wer oder was verantwortlich war. Als er von der Arbeit nach Hause kam und sich das Überwachungsvideo ansah, sah er, wie eine Frau vollkommen selbstverständlich durch seine Wohnung lief, duschte, aß und den Tag verbrachte. Der Mann dachte erst, es würde sich um eine Einbrecherin handeln und rief die Polizei.

Diese konnte aber weder an den Fenstern, noch an der Tür Einbruchsspuren feststellen und begann, alle Verstecke im Haus abzusuchen. Als sie die oberste Schiebetür des Wandschranks öffneten, fanden sie eine 58-jährige Frau, die dort auf einer Matratze lebte – seit einem ganzen Jahr.

Weil japanische Wohnungen klein sind, haben sie meist Wandschränke eingebaut, die recht groß sind, damit man sein Hab und Gut verstauen kann. Wir haben einen großen Wandschrank im Schlafzimmer, zum Glück ist der aber so vollgestopft, dass da niemand noch Platz finden könnte. Bettgestelle haben wir auch nicht, die Wahrscheinlichkeit des Nachts von einem Monster verschlungen zu werden ist also gering. Ein Glück.

In der Bahn.

In Japan lebten im Jahr 2010 gut zwei Millionen Ausländer. Bei einer Einwohnerzahl von 128 Millionen sind das nur 1.5%, im Vergleich zu fast 9% in Deutschland. Laut Wikipedia sind die meisten in Japan lebenden Migranten in anderen asiatischen Ländern geboren, während die meisten europäischen Ausländer aus England kommen. Deutsche gibt es etwas weniger als sechstausend, meine Chance auf der Straße einen hier lebenden Deutschen zu treffen ist also eher gering.

Auf jeden Fall bin ich ein rarer Anblick, was ich in der Bahn auf dem Weg von oder zur Arbeit immer wieder merke. Leute, die mich anstarren als hätte ich was im Gesicht. Ja, da ist eine Nase, super, kann ich jetzt wieder schlafen ohne paranoid zu werden?

Ich bin nicht monströs groß (170 cm), ich habe dunkelbraune Haare, ich habe braune Augen, ich trage keine besonders aufregende Kleidung – gibt es nicht spannendere Mitfahrer? Was ist mit der Frau, die jeden Tag in einem unglaublich kurzen Kleid in die Bahn steigt? Oder mit der ganzen Armada von Frauen, die sich in der Bahn schminken? Die finde ich am spannendsten, vor allem beim Augen-Make-Up, wenn die Äuglein plötzlich mindestens 500% größer wirken.

Oder eigentlich muss man ja auch niemanden anstarren. Meinetwegen kann man kurz gucken, oder auch länger, aber zumindest damit aufhören, wenn ich zurückstarre. Nicht, dass ich denken würde, dass mir irgendjemand in der Bahn was Böses will (außer vielleicht bei einigen Opas, aber gegen die könnte ich mich zur Wehr setzen), aber am frühen Morgen oder wenn ich gerade vollkommen ohne Kraft nach fünf Stunden Kleinkinder bespaßen nach Hause fahre, will ich eigentlich nur meine Ruhe.

Wir sind hier schließlich nicht im Zoo.

Von wegen Teuro.

Oftmals sind Lebensmittel in Japan recht günstig. So kann ich mir zum Beispiel Gyuudon für 240Yen (=2,26€) kaufen. Insgesamt muss ich also für ein Essen, dass mich satt macht, nicht großartig Geld rauswerfen.

Außer, ich will Pizza essen. Wir haben immer wieder Flyer von Pizzalieferanten im Briefkasten, und die Preise schocken mich immer wieder. Eine normalgroße Pizza Margherita kostet 1,890Yen (fast 18€). In Deutschland würde man die  gleiche Pizza wahrscheinlich für ein Drittel des Preises oder sogar weniger erwerben können und dass die japanische Pizza besser schmeckt wage ich auch zu bezweifeln.

Aber werft uns nur weiter eure doofen Flyer in den Briefkasten, die landen alle im Müll – zusammen mit den total günstigen Angeboten für Eigentumswohnungen.