Schon wieder?

Ich muss klingen wie eine Dauerkranke, aber nachdem ich am Dienstag (gestern) den obligatorischen Gesundheits-Check hatte (alles klärchen übrigens, auch wenn die nicht nach viel geguckt haben), fing zuhause plötzlich mein Magen an wehzutun.

Eine Erklärung hatte ich natürlich sofort zur Hand: Von morgens um sieben bis nachmittags um vier hatte ich nichts gegessen, mein Magen rebellierte sicher nur aufgrund der konzentrierten Nahrungszuvor. Nichts, was man nicht mit ein wenig Schlaf hinbekommen könnte. Den habe ich aber erst gefunden, als mein Mann endlich zuhause war und mich ausgiebig bemitleiden konnte.

Dann erwache ich aber heute und musse feststellen, dass die gemeinen Schmerzen noch immer da sind. Egal, ist ja nicht das erste Mal dass mein Verdauungssystem herumzickt, Tabletten gegen Darmentzündung habe ich noch, erstmal nehmen. Auf Arbeit mache ich allen Kindern klar, dass wir heute nicht wie üblich toben können, weil “Claudia’s tummy is ouch ouch”. Das Mittagessen verdrücke ich trotzdem, ohne Nahrung im System bin ich nicht nur unausstehlich, sondern es entsteht auch die Frage wie mein Körper sich gegen Gemeinheiten wehren soll, wenn er keine Kraft hat? Das Ergebnis sind verstärkte Schmerzen. Im Sitzen geht’s, herumlaufen tut weh, mich zu irgendeinem kleinen Händchen runterbeugen noch viel mehr. Nicht unerträglich, aber besorgniserregend.

Am Nachmittag werde ich von der Schwiegermutter zum Arzt gezerrt, der mir per Ultraschall mitteilt, dass ich zumindest keine Nierensteine habe. Ach? Na das freut mich aber. Er ist aber auch kein Spezialist für Angelegenheiten des Darms, und verweist mich auf entweder das Notfallkrankenhaus oder ein normales Krankenhaus am nächsten Morgen. So richtig notfallig fühle ich mich aber nicht. Es tut halt weh, aber ich kann laufen. Dass ich diesen Eintrag verfasse zeugt sicher auch davon, dass ich nicht auf dem Sterbebett liege.

Ein Anruf auf Arbeit ergibt, dass die Exkursion am nächsten Tag wahrscheinlich wortwörtlich ins Wasser fällt, ich also zum Arzt gehen sollte. Wenn es eine Blinddarmentzündung sein sollte, würde das nur noch schlimmer werden je länger ich warte, und wenn ich ab nächster Woche ausfalle haben wir auf Arbeit dank Personalmangels ein riesiges Problem.

Und so werde ich den morgigen Morgen im Krankenhaus verbringen, vielen Leuten sagen, dass ich Japanisch spreche, und hoffentlich herausfinden, was jetzt schon wieder los ist mit meinem Magen. Wäre die Frist nicht schon abgelaufen, würde ich ihn gern gegen ein fehlerfrei funktionierendes Produkt umtauschen.

Offene Türen auf Arbeit.

Am Freitag ist auf Arbeit der Tag, an dem die Eltern sich unseren Unterricht mal ganz aus der Nähe anschauen können. In meinem Fall kommen sie nach 13 Uhr hinein und nehmen ihre Kinder um zwei dann mit nach Hause.

Das große Problem: Meine Kinder sind zwei bis drei Jahre alt. Sobald die ihre Eltern sehen ist’s vorbei. Wie ich da zeigen soll, dass ich ihnen überhaupt etwas beigebracht habe, ist mir noch ein wenig schleierhaft. Die Kinder können für die drei Monate, die sie in meiner Klasse sind, schon recht viel, aber wenn sie nur nach Mama rufen, kann ich das nicht beweisen. Wir werden’s versuchen, und für die Zeit danach werde ich über die Woche eine kleine Bastelei vorbereiten, und mit Eltern und Kindern kleine Insekten basteln.

Insgesamt haben wir für die Nursery 16 Kinder und 23 Eltern in dieser einen Stunde, wie die alle in den Raum passen sollen, ist mir auch nicht ganz klar. Ojee… Zum Glück nur einmal im Jahr.

Vorsicht, Regelbruch!

Im Juni und Juli haben viel zu viele Leute Geburtstag, und einigen davon werde ich sogar etwas schenken. An ihrem Geburtstag.

Mein Mann hat übernächsten Samstag Geburtstag, aber sein Geburtstagsgeschenk (eine neue Brille von Ray Ban) schon bekommen und das Geburtstagsessen hinter sich. Für mich, die immer im glauben “Wenn du jemandem vorzeitig alles Gute zum Geburtstag wünschst passiert etwas Schreckliches!” erzogen wurde, ist das irgendwie absurd. Ich wusste vielleicht schon vorher was es zum Geburtstag, zu Weihnachten oder, als ich kleiner war, Ostern geben würde, aber bekommen habe ich es nie vorzeitig (soweit ich mich erinnere). Das ging auch gar nicht und es war meinen Eltern physisch und psychisch unmöglich ein Geschenk, dass wir vielleicht sogar zusammen augesucht hatten, auszuhändigen, denn es war schließlich ein Geburtstags-/Weinachts-/Ostergeschenk, und bis Geburtstag/Weihnachten/Ostern musste noch einige Zeit vergehen.

Deswegen ging ich auch absolut selbstverständlich davon aus, dass meine Schwiegereltern die neue Brille zwar aussuchen lassen und kaufen, aber dann direkt mit nach Hause nehmen und bis zum Geburtstag verstecken würden. Weit gefehlt. Die wurde ihm ausgehändigt! Einfach so! Na wenn da nicht bis zum Geburtstag etwas Schlimmes passiert, und wenn es dann passiert ist, weiß ich, wessen Schuld es ist. Mit den Geburtstags-/Weinachts-/Ostergeschenk-Regeln ist nicht zu spaßen.

(Eine Lektion in “Dinge, an die ich aus irgendwelchen, mir unbekannten, Gründen glaube”. Mein Mann glaubt übrigens, dass die Geister wütend werden, wenn man auf Kopfkissen tritt.)

Der Hut!

Ich habe einen kleinen Kopf. Das wird in Japan zwar als “schön” angesehen, ist aber nervig. Hüte sind hier normalerweise auf 58cm Kopfumfang ausgelegt, das sitzt dann aber so lose, dass ich meine Hand locker in die Spalte zwischen Kopf und Hut stecken kann. Sonnenbrillen sind generell zu groß, und passen auch nicht zu meiner meisten Kleidung.

Im Sommer habe ich aber das Problem, dass ich von der starken Sonne Augenschmerzen, und dann plötzlich schlechte Laune bekomme. Findet mein Mann nicht ganz so klasse. Also musste ein Hut her!

Bei welchen Hüten kann man selbst die Größe einstellen? Bei teuren Hüten! Wo gibt es teure Hüte? Bei CA4LA (gesprochen wie Kashira (頭); “Haupt” oder “Kopf”), dem wahrscheinlich poplulärsten Hutladen in Japan. Die meisten Produkte werden in Japan hergestellt, und neben meinem sehr simplen Hut (das ist er, da links) gibt es natürlich auch ausgefallerene Modelle.

Wir waren bei CA4LA im Shin-Marunouchi Building, und haben einen der günstigeren Hüte erstanden. Für fast 7,000Yen (70€). Ja, wir hätten auch leicht das dreifache ausgeben können. Es gab natürlich auch andere Hüte, die ich gern gehabt hätte, aber hauptsächlich soll er ja dazu dienen, die Sonne von meinen empfindlichen Äuglein abzuhalten, und so fiel die Wahl auf diesen, zumal er auch zu den meisten meiner Klamotten passt. Strike!

Heute hatte ich ihn auch gleich auf Arbeit auf, die japanischen Mitarbeiter fanden ihn total süß, mein amerikanischer Mitarbeiter sagte, ich sähe damit aus wie ein Privatdetektiv. Zum Spaß habe ich ihn meinen Kindern* aufgesetzt, und musste feststellen, dass er den meisten perfekt passte. Ich Schrumpfkopf.

* Immer wenn ich meine Kinder erwähne, meine ich die Kinder in meiner Klasse. Ich habe keine eigenen Kinder.