Der Winter kommt.

Ich bin mal wieder erkältet. War ja klar, da wird es am Wochenende mal etwas kalt, um die 16°C, und ich fange mir sofort eine Erkältung ein.

Auf Arbeit ist im Moment auch viel los, morgen ist unsere Halloween-Party, für die ich noch einiges vorbereiten muss. Wenn ich nach Hause komme bin ich also total fertig, und kann nicht mehr viel machen. Deswegen hier erstmal eine kleine Pause.

Was vielleicht einige Leute freut, die etwas mehr über meine Arbeit wissen: Dieses Jahr werden die Vertragsverhandlungen von unserem britischen Head Teacher übernommen, und der hatte mir letzten Monat gesagt, dass man es bestimmt gedeichselt bekommt, mich im Kindergarten näher bei mir zuhause einzusetzen. Die Schule, in der ich derzeit unterrichte, ist von allen Kindergärten der Kette am weitesten von mir entfernt, obwohl es einen in fünf Minuten Laufentfernung gibt…

Wir hören demnächst wieder voneinander!

Comic Essay: Hundert Probleme.

Während in Deutschland vor allem Manga bekannt sind, gibt es in Japan auch noch andere gezeichnete Werke. Ganz besonders mag ich Comic Essays (コミックエッセイ). Das sind persönliche Geschichten, in Comic-Form. Meist sind die einzelnen Kapitel sehr kurz und leicht zu lesen, ich würde sie deswegen für jeden empfehlen, der anfangen möchte auf Japanisch zu lesen und sich von Romanen etwas eingeschüchtert fühlt.

Zu den bekanntesten gehört 日本人の知らない日本語 (Nihonjin no shiranai Nihongo; Japanisch, das Japaner nicht kennen), über eine Japanischlehrerin und ihre Schüler. Dieser Comic wurde auch fürs Fernsehen adaptiert, teilweise kann man das auf YouTube sehen. 🙂 Auf der Seite des Verlags kann man sich Auszüge ansehen.

Ein anderer Comic aus der Ecke ist ダーリンは外国人 (Darling ha Gaikokujin; Mein Schatz ist Ausländer), in dem die Autorin über ihr Leben mit ihrem Amerikanischen Ehemann erzählt. Auch dieser Comic wurde adaptiert, sogar für’s Kino.

Nachdem ich am Montag nach ハーフ Hafu aus dem Kinosaal kam, sah ich einen Comic Essay namens ニッポン存在ハーフな私の切実で笑える100のモンダイ (Nippon-sonzai Hāfu no watashi no setsujitsu de waraeru 100 no mondai; 100 Probleme, über die man ernsthaft lachen kann, die ich als in Japan lebende Halbjapanerin habe) im angeschlossenen Laden und habe ihn mitgenommen.

hon-mangaGeschrieben wurde das Buch von Sandra Häfelin, Tochter eines Deutschen und einer Japanerin, aufgewachsen in Deutschland und später nach Japan übergesiedelt.

Im Buch beleuchtet sie die Probleme, die sie als Halbjapanerin hat, und zeigt, dass nicht alle Halbjapaner schön, extrovertiert und zweisprachig sind. Die kurzen Geschichten sind wirklich lustig und interessant und nach jeder gibt es eine kleine Kolumne, in der Sandra noch einmal tiefer auf die Thematiken eingeht und teils auch Japan und Deutschland einander gegenüberstellt. Es geht aber nicht nur um Halbdeutsche, sondern es kommen auch viele gemischte Japaner mit anderen Wurzeln vor.

Auch hier gibt es auf der Seite des Verlags Leseproben.

Weil ich natürlich immer alles auf mich beziehen muss, sind mir so einige Parallelen aufgefallen. Genau wie Sandra im Buch werde ich bei Trinkveranstaltungen mit Japanern immer gefragt, ob ich kein Bier trinken möchte (nein!). Außerdem ist “Kannst du Nattō essen?” (nein!!!) eigentlich immer unter den ersten drei Fragen, die mir gestellt werden. 😉

Auf Amazon Japan ist übrigens die einzige Bewertung (ein Stern) folgende: “Die Autorin schreibt zwar über sich, dass sie ein Ausländer-Gesicht hat, aber für mich sieht sie nur aus wie eine Japanerin. Vielleicht sieht sie mehr wie Halbjapanerin aus, wenn man sie wirklich sieht?” Aha. Ich liebe solche hilfreichen Amazon-Kommentare ja.

Von der Arbeitswelt meines Mannes.

(Dieser Beitrag ist nicht für alle in Japan arbeitenden gültig, sondern bezieht sich nur auf die Erfahrungen meines Mannes.)

Mein Mann hasst seine Arbeit. Jedes Mal, wenn wieder etwas schief läuft, wenn er sich wieder unglaubliche Überstunden gefallen lassen muss, wenn einfach nicht genug Leute da sind für die ganze Arbeit, fragt er mich, ob wir nicht einfach nach Deutschland ziehen könnten.

Bei ihm ist das immer eine Welle: Wenn ein neues Projekt beginnt ist erstmal alles gut, er kommt früh nach Hause und hat sogar das ganze Wochenende frei. Das läuft so lang gut, bis es nicht mehr gut läuft. Dann arbeitet er plötzlich von einem Tag auf den anderen 14 Stunden am Tag und kommt abends total geschafft nach Hause oder übernachtet gleich in einem Hotel. Wochenenden gibt es dann entweder gar nicht mehr, oder er hat nur einen Tag in der Woche frei.

An normales Familienleben ist dann eigentlich nicht mehr zu denken. Wir versuchen natürlich so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen, aber letztendlich sind diese Tage und Wochen einsam. Es ist wie damals, als ich keine Arbeit hatte, und den ganzen Tag nur damit verbracht habe, auf ihn zu warten.

Derzeit heißt es, dass wir vielleicht doch nicht nach Kagoshima fahren können, weil es auf der Baustelle zu langsam voran geht. Das heißt, dass mein Mann seit Neujahr keinen Urlaub mehr hatte. Klar, mal hier einen Tag frei und mal dort, aber keinen, in dem man sich wirklich erholen könnte. Die Reise nach Kagoshima wäre eigentlich sein Sommerurlaub. Sommerurlaub im Oktober, oder vielleicht auch gar nicht. Dann wird getrickst, so getan als hätte er Urlaub gemacht und die gearbeiteten Tage als Überstunden abgerechnet, damit es bloß keinen Stress von der Gewerkschaft gibt.

Selbst bei mir auf Arbeit wird mit den Japanern ganz anders umgesprungen als mit den Ausländern. Wenn wir freinehmen wollen oder müssen, gibt es damit meist kein Problem. Wahrscheinlich auch, weil Nicht-Japaner im Notfall auch einfach freimachen würden. Wenn die japanischen Mitarbeiter freinehmen wollen, ist das nur selten möglich, obwohl natürlich auch sie einen Urlaubsanspruch haben.

Das geht mir, gelinde gesagt, komplett auf den Zeiger. Ich hoffe natürlich, dass es vor allem bei meinem Mann besser wird, er will jetzt aber vorsorglich Deutsch lernen. Das wäre auch nicht ganz schlecht wenn wir in Japan bleiben, schließlich möchten wir irgendwann ein Kind haben, das zweisprachig erzogen werden soll. Aber ohne mehr Freizeit für meinen Mann wird das erstmal auch nichts mit einem Kind und so befinden wir uns derzeit in einem Schwebezustand. Warten wir, dass sich etwas ändert? Siedeln wir über? Eigentlich habe ich keine Lust auf Deutschland… Also doch mal über die Gründung der Republik Teutschland nachdenken.

Filmzeit: Halblinge.

Am Montag war ich im Kino um eine Dokumentation zu sehen. Während ich ein großer Fan von Dokumentationen bin, sehe ich sie meist eher zuhause, aber für diesen Film hat sich die weite Fahrt nach Shibuya gelohnt. Die ganze Thematik ist natürlich für mich hochinteressant, aber zum Glück war der Saal nicht nur mit Ausländern und Halb-Japanern gefüllt, die es wirklich persönlich angeht. Die müssen schließlich nicht mehr bekehrt werden. 😀

(Falls sich jemand denken sollte “Du bist doch aber ganz deutsch!”: Jaja, und mein Mann ist ganz japanisch. Preisfrage: Was werden unsere Kinder? ;))

 

OIS

©ユナイテッドピープル

ハーフ Hafu (2013) (Trailer)

 

Regisseur: Nishikura Megumi

Der Film folgt vier Einzelpersonen und einer Familie (im Foto) mit gemischten Wurzeln und zeigt, welche Bedeutung diese Wurzeln für sie haben und vor welche Herausforderungen sie gestellt werden. Gezeigt werden Sophia, die in Australien geboren ist und als Erwachsene zum ersten Mal nach Japan zieht, David, der in Japan Spenden für einen Kindergarten in Ghana, dem Heimatland seiner Mutter, sammelt, Ed, der als Sohn eines Venezolaner und einer Japanerin in Kansai ein Netzwerk für gemischte Familien aufbaut, Fusae, der erst mit 15 Jahren verraten wurde, dass sie halb-koreanisch ist und die Familie Ôi mit ihren zwei halb-mexikanischen Kindern.

Persönliche Meinung: Ich bin fest davon ausgegangen, dass ich mir die Augen ausheulen würde, weil der Trailer irgendwie in die Richtung ging, aber es gab viele Stellen, an denen der ganze Saal gelacht hat und ich brauchte meine Taschentücher gar nicht. Der Film hat natürlich eine starke Aussage, die meisten Beteiligten sowie auch die Regisseurin sind Halb-Japaner und möchten Japanern näherbringen, dass “anders sein” nicht mit “schlecht sein” gleichzusetzen ist. Weniger “nur ein halber Japaner” und mehr “Japaner mit noch etwas mehr” eben. Für mich persönlich ist das natürlich auch eine wünschenswerte Message, und ich würde mich komplett dafür einsetzen, den Film allen Mittel- und/oder Oberschülern im Unterricht zu zeigen. Er ist für Japan wichtig. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen und man wird sich langsam aber sicher mit der immer weiter wachsenden kulturell vielfältigen Bevölkerung auseinandersetzen müssen, vor allem in Tokyo.

Nach der Vorstellung kam auch die Regisseurin kurz vorbei um Fragen zu beantworten, was mich sehr gefreut hat.

Der Film läuft noch bis zum 18. Oktober im Uplink in Shibuya. Im deutschsprachigen Raum läuft der Film am 13. Oktober im Alternativkino in Zürich und am 24. Oktober im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin. Seht ihn euch an! Los, los, Tickets vorbestellen!

Eine DVD ist angekündigt und kann dann sicher über die offizielle Seite bezogen werden. Dort findet man auch weitere Informationen zu Vorführungen.