Mein Baby ist tot!

Vorgestern Abend fing mein Mac ploetzlich an, nicht mehr ordentlich hochzufahren, eine Neuinstallation wollte er auch nicht, und auch saemtliche Versuche der Wiederbelebung durch den Kundenservice blieben ohne Erfolg. Kurz: Es hat die Festplatte erwischt. Ich weiss nicht wie, ich weiss nicht warum, aber ich weiss, dass der Laptop des Goettergatten mich vor eine voellig neue Herausforderung in Sachen Geduldsprobe stellt.

Zum Glueck habe ich damals, vor etwas ueber einem Jahr, als ich mein MacBook gekauft habe, in weiser Voraussicht ein wenig mehr Geld ausgegeben, damit er zwei Jahre lang, und auch im Ausland versichert ist. Heute kam der nette Mann von Kuroneko Yamato und holte meinen Mac (und das schon vorher nur noch teilweise funktionierende Netzteil) ab. Ein neues Netzteil habe ich schon, der Mac kommt hoffentlich innerhalb einer Woche repariert wieder.

Mein Lieblingszitat vom Kundenservice:

Ich: Ach ja, und das Ladekabel funktioniert auch nur, wenn ich ein bisschen daran rumwackle und es dann im richtigen Winkel knicke.

Kundenservice: Oh wow.

Ich: Alles war super, und ploetzlich faehrt er nicht mehr hoch, es gab auch gar keine Anzeichen dafuer, dass da was kaputt ist.

Kundenservice: Oh wow.

Ich: Ich habe auch schon versucht ihn im abgesicherten Modus zu starten, aber der faehrt auch nicht mehr hoch.

Kundenservice: Oh wow (lacht).

Ich bin also nur eingeschraenkt online unterwegs, ueber mein Handy (Flatrate, yay!), aber ich werde es mir nicht zumuten, laengere Texte darauf zu tippen. Also dann, bis naechste Woche! Ich werde in der Zwischenzeit sicher schrecklich produktiv sein, so ohne Internet.

Trockeneis.

Wenn man bei einem großen Supermarkt in meiner Nähe Eis kauft, wird man gefragt, ob man Trockeneis mitnehmen will. Dann bekommt man eine Metallmarke, mit der man sich aus einem Automaten Trockeneis abzapfen kann.

Ich möchte natürlich nicht andeuten, dass ich das Trockeneis eigentlich nicht gebraucht hätte, aber hey, es ist kostenlos! Wer könnte da ablehnen?

Nachdem ich also das Eis nach Hause geschleppt hatte, war nur noch diese Tüte mit dem Trockeneis übrig, und ich erinnerte mich: Irgendwas passiert doch, wenn man da Wasser draufschüttet… Tada, Bühnennebel in meinem Spülbecken!

Strahlung.

Ich dachte mir, ich schreibe mal einen Eintrag darüber, wie sich die Strahlung, die aus dem Atomkraftwerk in Fukushima ausgetreten ist, auf unsere Nahrungswahl auswirkt. Ich selbst habe da, um ehrlich zu sein, wenig Ahnung, aber das gleicht mein Mann mit langen Listen aus.

Diese Liste hängt an unserem Kühlschrank, was man nicht sieht, sind die ganzen Lebensmittel, die wir nicht kaufen (weil mein Mann sie nicht mag). Dafür ist aber die Liste der Präfekturen, aus denen wir nicht kaufen, umso ersichtlicher.

Japan besteht aus 47 Präfekturen, die in verschiedene Landesbereiche sortiert werden. Wir leben in Kanto, in der Präfektur Chiba. Fukushima liegt in Tohoku, der Region nördlich von uns. Viele Lebensmittel, vor allem Gemüse, die wir hier im Supermarkt finden, kommt aus der Region. Die 15 Präfekturen, aus denen wir nichts kaufen wollen, liegen auch zum Großteil in der Umgebung. Was heißt das für mich? Ich kann viele Sachen nicht günstig, in der richtigen Menge, oder überhaupt kaufen, weil es bei uns z.B. Salat nur aus Nagano gibt. Da kann ich in drei verschiedene Supermärkte hetzen, in der Hoffnung, unverseuchten Salat zu finden – absolut erfolglos. Kartoffeln kommen oft aus Shizuoka oder Chiba, in welchem Fall ich mir dann überlegen kann, welche Präfektur ich bevorzuge (Shizuoka). Inzwischen bin ich dazu übergegangen, bevorzugt Sachen aus Präfekturen zu kaufen, deren Namen ich nicht lesen kann, das heißt nämlich meist, dass sie ziemlich weit entfernt sind.

Obst gibt es zum Glück oft auch aus Amerika, Neuseeland oder Thailand, wo dann natürlich auch die Frage ist, unter welchen Umständen es nach Japan geschippert wurde…

Oh, und Fisch gibt es gar nicht bei uns, denn es ist ja bekannt, dass viel radioaktiv verseuchtes Wasser im Meer gelandet ist. Für mich ist das kein großer Verlust, keinen Fisch essen zu können, aber mein Mann jammert manchmal. Milch trinken wir auch kaum, weil sich Strahlung dort wohl besonders gut absetzt, gleiches gilt für Spinat.

Das Wasser für Nudeln und ähnliche, sich mit Wasser vollsaugende, Lebensmittel, nehmen wir aus der Flasche, nicht aus dem Wasserhahn, auch wenn derzeit gesagt wird, dass das Trinkwasser sicher wäre.

Somit langt die Thematik natürlich in den Alltag, auch wenn man kaum Nachrichten liest. Mir persönlich tun die Bauern und Fischer aus der Region leid, die nun auf ihren Lebensmitteln sitzen bleiben, oder sie zu Spottpreisen verscherbeln müssen. Ich selbst kaufe aber, wie vorher beschrieben, auch nichts aus der Region.

Der nette Herr von der NHK.

Gestern Abend klingelte es nach dem Essen plötzlich an unserer Tür. Ein älterer Mann stand vor unserer Tür, und fragte, ob wir fernsehen würden.

Göttergatte: Nein, wir schauen nicht fern, der steht hier nur rum.

Herr NHK: Da müssen Sie trotzdem Empfangsgebühren zahlen.

Göttergatte: Aber wir gucken doch gar nicht.

Herr NHK: Aber Sie haben dort einen Fernseher stehen. Da müssen Sie einen Vertrag mit uns abschließen.

Göttergatte: Wie teuer ist das denn pro Monat?

Herr NHK: 1 345 Yen.

Göttergatte: Das ist ja ziemlich teuer.

Herr NHK: Naja, aber wenn Sie einen Fernseher haben…

Göttergatte: Was ist, wenn wir den Fernseher wegschmeißen?

Herr NHK: Nein, nein, also das will ich auch nicht.

Göttergatte: Ach doch, ich denke, wir schmeißen den Fernseher weg.

Herr NHK: …

Göttergatte: Vielen Dank, einen schönen Abend!

Ihr merkt, es gibt da eine große Parallele zur deutschen GEZ. Die NHK ist der japanische öffentliche Rundfunk, finanziert durch Gebühren. Ähnlich wie in Deutschland muss sich dafür jeder anmelden, der einen Fernseher bereithält, und jeden Monat Geld bezahlen. Anders als in Deutschland erstreckt sich das aber nicht auf PCs und Handys, was uns die Sache sehr erleichtert. Den Fernseher werden wir hier stehen lassen, für den Fall, dass wir ihn mal brauchen sollten, oder ich mir eine Wii kaufe, aber ihn einfach verleugnen.

Die Gebühreneintreiber der NHK werden übrigens kein bisschen besser behandelt als die Mitarbeiter der GEZ. Der Mann tat mir wirklich sehr leid, man hat ihm angemerkt, dass er öfter abgewiesen wird. Viele der “Besuchten” verweisen wohl darauf, dass sie keinen Vertrag unterschrieben haben, und dass man gerne die Polizei rufen könnte, um die Forderungen durchzusetzen. Auch in Japan arbeiten GEZ und Polizei nicht miteinander, weswegen die NHK letztendlich machtlos ist.

Meinen Mann fand ich trotzdem ziemlich cool.♥