Leckere Früchtchen.

Vorletzten Samstag waren mein Mann und ich in Nihonbashi und Ginza, was man in etwa mit dem berliner Ku’Damm vergleichen könnte.

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Nun lieben die Japaner Essen, vor allem wenn es besonders ist. Wir haben besonders gegessen, und zwar bei Sembikiya (千疋屋), einem Spezialitätenhändler für Früchte, den es seit 1834 gibt. Obst in Japan ist sowieso etwas teurer, weil vor allem Südfrüchte oft importiert werden müssen und Japan eine Insel ist.

Bei Sembikiya gibt es 20€-Marmelade und 100€-Melonen, es ist also wirklich ein Laden für Leute, deren Portmonee zu schwer ist. Dazu gehören wir eigentlich nicht, aber wir wollten etwas Tolles unternehmen, weil wir durch den ganzen Stress von Arbeit und ähnlichem nicht oft genug dazu kommen, zusammen etwas Besonderes zu machen.

Auf jeden Fall, dieses Afternoon Tea Set, das auf dem Bild zu sehen ist, hat ca. 22€ gekostet. Und ja, das war es total wert. Die einfach nur süßen Früchte, Banane und Wassermelone, waren noch nicht besonders von preislich normalem Obst zu unterscheiden, aber die säurehaltigeren Früchte, Kiwi, Orange, Ananas, etc., waren einfach nur himmlisch mild.

Auf dem zweiten Teller ist Sorbet, auch unglaublich lecker, und auf dem dritten sind Obstsandwiches. Insgesamt hätte ich danach noch einige Zeit lang weiteressen können, einfach weil es so gut geschmeckt hat, aber die Portion war schon ganz gut so.

Das kann man sich auf jeden Fall antun, und mir gern auch öfter!

I want to ride my bicycle, I want to ride my bike!

Ich komme aus Berlin, was man dank breiten Gehwegen, Fahrradwegen und der “Schließ dein Fahrrad an wo du willst”-Regelung sehr fahrradfreundlich ist. Nicht, dass ich in Berlin jemals Fahrrad gefahren wäre, aber gut.

Hier muss ich bis zum nächsten Supermarkt unzumutbare 15 Minuten laufen, weswegen ich Fahrrad fahre. Fahrrad fahren ist hier eigentlich für niemanden zumutbar.

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In Japan gibt es viele Straßen ohne Bürgersteige, weil sie einfach so schmal und so wenig befahren sind, dass man einfach auf der Straße laufen kann. Nicht so bei uns. Wir haben extraschmale Gehwege, auf denen höchstens zwei Leute nebeneinander laufen können – sofern nicht ein Strommast im Weg steht. Ich habe auch mehrere Schulen in meiner Nähe, und SchülerInnnen sehen es ja gar nicht ein, jemandem Platz zu machen.

Nach dem Gesetz müsste ich natürlich auf der Straße fahren, aber erstens ist mir mein Leben doch recht lieb und zweitens – wofür fahre ich denn Fahrrad, wenn nicht dafür, dass ich jederzeit von Straßen- auf Gehwegmodus umschalten kann? Mein Fahrrad kann alles!

Es heißt übrigens Captain Stag, nach der Herstellerfirma. Und es sieht nicht nur so klein aus, es ist es auch. Damit habe ich aber nicht mal die kleinsten Räder auf der Straße, es gibt noch winzigere Räder mit denen Leute kurze Strecken zurücklegen.

Wenn man diese Strecke zurückgelegt hat, würde man sein Fahrrad natürlich gern irgendwo unterbringen. Dafür gibt es große Fahrradabstellplätze, die aber ab acht Uhr morgens hoffnungslos überfüllt sind, falls sie kostenfrei sein sollten. Bei den anderen zahlt man pro Stunde oder alle zwei 100 Yen, und auch diese Stellplätze sind oft genug voll und nicht in ausreichender Verteilung vorhanden. Was man in Deutschland machen würde: nächstes Gestänge suchen, Fahrrad anschließen, glücklich sein. Geht nicht, denn das sieht ja nicht aus, finden die Stadtvorsteher. Das hindert natürlich niemanden daran, sein Fahrrad vor Läden abzustellen, aber wenn man nicht aufpasst, ist das Fahrrad einfach weg. Von der Stadt eingesackt, kann man es sich für einen recht hohen Betrag abholen.

Letztens dachte ich, dass auch mir das passiert wäre. Alle (kostenden) Stellplätze waren belegt, also stellte ich mein kleines Fahrrädchen direkt daneben ab, in der festen Überzeugung, dass es niemanden stören würde. Auf dem Rückweg vom Einkauf war es plötzlich weg. Nach einer kleinen Panikattacke fand ich es im Fahrradständer wieder – die älteren Herren, die über die Fahrradordnung wachen, hatten wohl einfach keine Lust, den ganzen Papierkram auszufüllen, und haben mein Rad stattdessen umsortiert.

Glück gehabt.

Japanisches Sommerfest – 夏祭.

Letzte Woche Sonntag sind mein Mann und ich zu einem 夏祭 (Natsumatsuri, Sommerfest) gegangen. Obwohl ich mehrmals im Sommer in Japan war, war ich vorher noch nie auf einem Fest gewesen, irgendwie hatte es sich nie ergeben.

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Ich habe also meinen Yukata angelegt, und bin auf meinen Geta neben meinem Mann hergetrippelt.

Leider war es sehr voll, so dass wir viele Sachen nicht gemacht haben, aber generell gibt es vor allem viel Essen. Yakisoba, TakoyakiKakigoori und weitere Leckerheiten, versammelt auf engstem Raum. Leider auf engstem Raum mit vielen anderen Menschen. Ich bin seit kurzem ein großer Fan von Goldfischen, und auf jedem Sommerfest gibt es Goldfischfangen. Mit einem speziellen Käscher stochert man so lange im Wasser herum, bis die Fische freiwillig kommen, und man sie geschickt in eine Schüssel befördern kann.

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Ich hätte das gern ausprobiert, aber wie gesagt war auf dem Fest so viel Betrieb, dass ich auch dazu nicht gekommen bin. Keine Ahnung, wo ich den Fisch reingesetzt hätte, ich glaube, dass Goldfische nicht besonders gut in Badewannen überleben. Was mich zu der Frage bringt – wo bringen alle anderen ihre Fische hin? Werden die einfach wieder freigelassen?

Ansonsten hat mich die Stimmung wirklich sehr an ein Volksfest erinnert. Zwei Männer, die als Frauen verkleidet auf der Bühne Witze erzählt haben gab es auch.

Auf dem Weg nach Hause liefen wir eine schöne alte Straße in der Gegend entlang, als zwei Jungs von der Oberschule auf einem Fahrrad an uns vorbeikamen. “Oh, schau, eine Ausländerin!” Ach wirklich?

Ich glaube bei solchen Kommentaren übrigens nicht, dass irgendjemand es böse meint. Man ist in Japan als Ausländerin* eine Ausnahme, und als Ausländerin mit Kimono und japanischem Mann eine ziemliche Seltenheit. Dass da geguckt wird ist klar. Ich werde den Yukata weiter tragen, und vielleicht bekomme ich ja für diese Neujahr sogar einen Kimono.

*In meiner Nachbarschaft gibt es an Ausländern nur schlecht gekleidete Männer über 30.

Mehr Filme.

Während der Abwesenheit des Göttergatten habe ich Filme ausgeliehen, denn Tsutaya hatte wieder eine “4 DVDs für 1000 Yen”-Aktion. Das sind pro Film 2,25€, für eine Woche.

Eigentlich wollte ich andere Filme leihen, aber dann waren die schon ausgeliehen. Die Filme, die ich für diesen Fall eingeplant hatte, übrigens auch. Großartig.

 

©松竹

Beck (2010) (Trailer)

 

Regisseur: Tsutsumi Yukihiko

Darsteller: Mizushima Hiro, Kiritani Kenta, Mukai Osamu, Sato Takeru, Nakamura Aoi, Kutsuna Shiori

Der Film begleitet, nach der Handlung des gleichnamigen Anime, den Weg der Band Beck, von der Gründung bis zum großen Konzert, mit Rückschlägen, Rivalität und anderen Problemen.

Persönliche Meinung: Ich mag Anime-Umsetzungen nicht. Beck hatte ich vor Jahren gesehen, und mochte den Anime ganz gern, aber manche Dinge kann man einfach nicht in 145 Minuten Laufzeit pressen, und man hätte einige Dinge herauskürzen können. Der Film war zwar ganz nett, aber nicht herausragend, und einige Dinge haben mich wirklich gestört: Der Sänger der Band, Yukio, hat angeblich eine unglaublich tolle Gesangsstimme. So toll, dass man sie im Film nicht ein einziges Mal zu hören bekommt. Natürlich hätte man sonst ein Problem, wenn der Schauspieler nicht singen kann, aber im Anime ging das auch ohne Probleme. Außerdem ist der Leader der Band ein dermaßener Arsch, dass ich absolut nicht mit ihm sympathisieren kann, und mir seine Geschichte eigentlich recht egal ist. Super!

©アスミック・エース

ソラニン Solanin (2010) (Trailer)

Regisseur: Miki Takahiro

Darsteller: Miyazaki Aoi, Kora Kengo, Kiritani Kenta, Kondo Yoichi

Auch die Geschichte von Solanin beruht auf einem Manga, und auch Solanin ist ein Musikfilm, aber etwas anders. Taneda und Meiko leben zusammen in Tokyo, sie haben die Universität abgeschlossen und arbeiten in Berufen, die sie nicht mögen. Taneda trifft sich zwei Mal im Monat mit seiner Band aus Studienzeiten, und möchte mit der Band groß herauskommen. Probeaufnahmen sind verschickt, und als sich endlich alles zum Besseren zu wenden scheint, geschieht eine Katastrophe.

Persönliche Meinung: Hier kannte ich das Ausgangsmaterial nicht, und ich fand den Film auch viel stärker. Statt sich auf viele verschiedene Charaktere mit ihren Problemen aufzuteilen, erzählt Solanin, wie man, obwohl man eigentlich im Erwachsenenleben stehen sollte, oft noch immer nicht weiß, was man eigentlich mit seinem Leben tun will. Im Film geht es gleichberechtigt um die Beziehung zwischen Meiko und Taneda und um die Musik, und vor allem das Geschehen nach der Katastrophe wird realistisch und unverklärt gezeigt.

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©ザナドゥー

アヒルと鴨のコインロッカー Ahiru to Kamo no Coinlocker (2007) (Trailer)

Regisseur: Nakamura Yoshihiro

Darsteller: Hamada Gaku, Eita, Seki Megumi, Tamura Kei

Shiina kommt zum Studieren nach Sendai, und trifft in seinem neuen Wohnungskomplex Kawasaki, der einen Bücherladen überfallen will, um ein Wörterbuch zu stehlen, mit dessen Hilfe ein weiterer Buthan lernen soll, Japanisch zu lesen. Wenn Shiina an der Universität auf Eiko trifft, bekommt er jedoch Zweifel an Kawasakis Geschichte.

Persönliche Meinung: Der Film hinterfragt, was Identität ist, und wie wir bestimmen, wer wir sind. Je mehr der Hauptcharakter, Shiina, über Kawasaki lernt, umso komplexer wird die Geschichte, und in Rückblenden wird die Hintergrundgeschichte Kawasakis ausgebreitet. Ich fand den Film sehr interessant, denn ich mag Filme, bei denen erst am Schluss alles zusammen kommt. Außerdem zeigt er, wie Japaner oft mit Ausländern umgehen, wenn sie sich überlegen fühlen…