Tanabata – Sternfestival.

Heute ist in Japan 七夕 (Tanabata) angesagt.

20130705_105113Anlässlich dessen hatten wir am Freitag natürlich auch ein Event auf Arbeit. Wir haben den Kindern die Geschichte hinter dem Fest auf Englisch mit Figuren vorgespielt, vereinfacht (und für Kinder) geht sie so: 織り姫 (Orihime), Tochter des Himmelsgottest (天の神様; Ama no Kami-sama), trifft 彦星 (Hikoboshi), einen Hirten. Sie haben so viel Spaß miteinander, dass Orihime bei Hikoboshi einzieht. Doch jetzt haben sie zu viel Spaß um zu arbeiten, woraufhin der Himmelsgott sie anhält zu arbeiten. “Jaja, morgen. Vielleicht.” Daraufhin wird der Himmelsgott wütend und verbannt Orihime auf die eine und Hikoboshi auf die andere Seite der Milchstraße. Daraufhin weinen beide so bitterlich, dass der Himmelsgott sich erbarmt und die beiden sich an einem Tag im Jahr treffen lässt: Am 7.7.

Und das ist irgendwie das Happy End.

20130705_112307Auf jeden Fall hat diese ganze Sache irgendetwas mit Wünschen zu tun, weswegen man am 7.7. (oder auch davor) seine Wünsche auf ein Stück Papier schreibt und an Bambus hängt. Wir haben das natürlich auch gemacht, die größeren Kinder konnten schon selbst schreiben, bei den kleineren haben die Eltern “geholfen”. Wirklich total niedlich. 🙂

Ganz viele Mädchen haben geschrieben, dass sie Prinzessinen oder PreCure* werden möchten. Dann hatten wir natürlich “Ich will Eisverkäuferin werden!”, “Ich hoffe, dass ich mehr Freunde finde” und… “Ich will mehr Zeit mit Mama und Papa verbringen.” 🙁 Die arme Kleine. Papa arbeitet im Moment im Ausland und Mama arbeitet auch recht viel. Die meisten Wünsche waren aber positiver Natur!

* PreCure ist ein ganz schrecklicher Anime. Für kleine Mädchen.

Wir Lehrer haben natürlich auch unsere Wünsche aufgeschrieben, ich habe geschrieben, dass ich nach Vietnam, Korea, Taiwan, Finnland und Schweden verreisen möchte. 🙂 Jetzt muss nur noch ein Topf voll Gold vom Himmel fallen, damit das sich erfüllt.

Stifte und Klebeband.

Auf meinen Reisen habe ich einiges an Fotos geschossen und wollte irgendetwas damit machen. Auf dem PC sind die natürlich total hübsch anzusehen, aber wenn ich im Sommer nach Berlin fliege werde ich den PC bei meinem Mann lassen*. Trotzdem möchte ich natürlich meiner gesamten Familie sämtliche Reiseerinnerungen aufzwingen, also was tun? Ein Fotoalbum muss her!

* Damit er sich mit Top Gear über meine Abwesenheit hinwegtrösten kann.

Fotos aus Taipei

Fotos aus Taipei

Aber kein normales Fotoalbum, das wäre zu langweilig. Nein, Claudia bastelt sich ein Scrapbook. Das kann man sich wie ein verziertes und kommentiertes Fotoalbum vorstellen. Bei mir sieht das dann wie auf dem Foto links aus. Ich versichere euch, dass das in Wirklichkeit total lesbar ist. Übrigens komplett auf Japanisch, damit ich mal ein bisschen Schreiben übe. Außerdem habe ich so ein paar neue Worte gelernt: 参拝者 (Sanpaisha; Tempelgänger oder Pilger), お経 (o-Kyô; Sutra) und 唱える (tonaeru; rezitieren).

Das Album ist komplett ausklappbar und im Tokyu Hands gekauft. Für mich ist das größte Problem gewesen ein Album mit wenigen Seiten zu finden. Für alle Reisen dieses Jahres habe ich ein dickes Album in Korea gekauft, aber für nur eine viertägige Reise brauchte ich nicht über 100 Seiten. Dieses jetzt hat 20, was zwar eine Besinnung auf’s Wesentliche nötig machte, aber ausreichend war.

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Meine Materialien 🙂

Weil ich auf die Fotos malen wollte, und das mit gewöhnlichen Filzstiften nicht geht, habe ich mir POSCA angeschafft. Die schreiben auf so gut wie allem und sind wasserfest. Mein Pastellfarbenset ist auf der Seite zwar nicht gelistet, aber auf Amazon erhältlich. Außerdem: Masking Tape! Das ist Papierklebeband das, wenn nicht zum Abkleben bei Malerarbeiten, zum Verzieren eingesetzt wird. Außerdem waren meine POSCA gegen die Pappe des Albums machtlos, ich brauchte also einen Untergrund zum Schreiben. Wenn man in Japan nach Masking Tape sucht, findet man in den meisten Läden die Firma, die so heißt, wie was sie verkauft: mt – masking tape.

Stempel habe ich natürlich auch, die fanden beim Taiwan-Album aber keine Verwendung.

Mein Mann versteht weder pastellfarbene POSCA, noch Masking Tape, noch Stempel, noch Scrapbooks, aber für mich ist es eine schöne Art Erinnerungen noch einmal zu archivieren. Nur ein Problem habe ich: Ich brauche mehr. 😉

Als Ausländer in Japan. Oder so.

(Dies ist der beliebteste Eintrag auf meinem Blog, aber nicht der beste. Weitere Einträge von mir zum Thema “Als Ausländer in Japan” findet ihr hier.)

Als Ausländer in Japan zu leben, kann durchaus nervig sein. Einige Bekannte erzählen mir immer wieder über eine gewisse herablassende Haltung ihnen gegenüber. Sie werden dann nicht ernstgenommen und abgewimmelt, auch wenn sie zahlende Kunden sind. Eine Freundin erzählte mir, dass sie teilweise im Laden stehengelassen wird, unter dem Vorwand dass “gleich jemand anders kommt” um ihr zu helfen.

Das ist mir zum Glück schon echt lange nicht mehr passiert, deswegen war ich echt baff, als sich auf dem Flug von Seoul nach Japan im Mai ein Dialog mit einer Stewardess entspann. Diese hatte vorher mit meiner Schwiegermutter und deren Freundin geredet, ich hatte mich nicht für ihr Gespräch interessiert und derweil gelesen. Als ich meine Zeitung herunternahm, lächelte sie mich an und…

Stewardess: Sprechen Sie Japanisch?

Ich: Ja…?

Stewardess: Aber nicht so viel, oder?

Ich: Doch, schon.

Stewardess: Aber Fernsehsendungen verstehen Sie nicht, oder?

Ich: Doch, das bereitet mir eigentlich keine Probleme.

Wirklich so. Im Stil von “Du kannst doch bestimmt nicht…”. Was die Dame sich eingebildet hat, weiß ich nicht. In dem Moment war ich so baff und auch sauer, dass sie meine Sprachkenntnisse in Frage gestellt hat ohne auch nur ein Wort aus meinem Mund gehört zu haben, dass ich mich einfach wieder in meine Zeitung vertieft habe, um sie nicht anzublaffen*.

* Als könnte ich irgendjemanden vor vielen anderen Leuten anblaffen.

Dass mich jemand dermaßen dumm gefragt hat, war das erste Mal. Zumal es in der Situation gar nicht wichtig war, ob ich Japanisch spreche oder nicht, anders als im Krankenhaus, wo ich auch ständig gefragt werde. Dort lässt man mich aber auch nach der ersten Frage in Ruhe und versucht mich nicht doch als Dummchen zu “entlarven”.

Am komplett anderen Ende der Skala bekommt man in Japan übrigens immer wieder erzählt, dass man total tolles Japanisch spräche. Das ist leider auch nichts, worüber ich mich richtig freuen könnte. “Aber warum, es ist doch ein Lob?!” Es ist so sehr ein Lob, wie wenn mir jemand sagen würde, dass ich echt toll meine Schuhe zubinden kann. Als ich zuerst nach Japan kam, war mein Japanisch grausig, den JLPT N5 hatte ich damals nur ganz knapp bestanden. Trotzdem, aus allen Richtungen:

日本語お上手ですね!(Nihongo o-jôzu desu ne!)

Sie sprechen wirklich gut Japanisch!

Wenn mich nun aber jemand schon gelobt hat, als ich nicht gut war, und mich jetzt, wo ich um einiges besser bin, noch immer mit denselben Worten bedenkt, kann ich es nicht ernstnehmen. 🙁 Das ist wahrscheinlich total gemein, weil das Gegenüber ja nur nett zu mir sein möchte, aber so ist’s dann halt.

Ich möchte betonen, dass fast alle Leute komplett nett zu mir sind. Wenn sie es nicht wären, könnte ich mich auch mit Worten wehren. Dummerweise bin ich nicht ganz so schlagfertig, das übernimmt mein Mann dann im Nachhinein für mich. Als ich ihm von der oben beschriebenen Stewardess erzählte, meinte er, dass ich doch einfach mal hätte zurückfragen sollen.

Sie sprechen doch nur Japanisch, oder? Sprechen Sie Englisch? Aber sicherlich nicht so gut!

Er schlägt auch immer vor, dass ich mich an sämtlichen Touristeninformationen im Inland auf Englisch informieren solle. So gemein bin ich aber nicht. 😉

Es hat auch etwas Gutes für mich, Ausländerin zu sein: Die Leute erinnern sich an mich und meinen Namen. Vorm Yoga muss jeder seine Mitgliedskarte am Schalter abgeben, und während so gut wie alle anderen Damen vor der Zurückgabe nach dem Unterricht nach ihrem Namen gefragt werden, bekomme ich einfach meine Karte überreicht. Wenn ich vor ganz langer Zeit mal wo einkaufen war, erinnert man sich noch an mich und freut sich (scheinbar, ich kann ja keine Gedanken lesen) mich zu sehen. Dass das nur so ist, weil ich anders aussehe, ist mir durchaus klar, aber es ist nicht ganz unangenehm. 🙂

Insgesamt glaube ich, dass ich es als japanischsprechende Deutsche noch wirklich leicht habe. Hier hat so gut wie niemand eine schlechte Meinung von Deutschland, auch wenn das Bild im Kopf der meisten Leute aus vier Elementen besteht: Bier, Würstchen, Autos, Neuschwanstein. 😉 Damit kann ich aber hervorragend leben. Solang mich nicht jemand für blöd verkaufen will…

Und jetzt: Das Wetter.

Weil’s so schön war, noch ein Eintrag zum Thema “meine Arbeit ist gar nicht so schrecklich”:

Foto von meinem Instagram.

Foto von meinem Instagram.

In den letzten Wochen war es hier ein wenig regenzeitlich. Das wäre mir eigentlich egal gewesen, schließlich habe ich tolle Regenschuhe, aber Regenzeit ist für mich immer auch “Die Kinder spielen die ganze Zeit drinnen”-Zeit. Drinnen, wo nicht herumgerannt werden darf, weil Verletzungsgefahr* besteht. Wenn die Kinder aber nicht rennen können, haben sie unglaublich viel Energie über, um ihrer gesamten Umgebung auf die Nerven zu fallen.

* Ja, kleine Kinder laufen gerne gegen Wände oder fallen auch einfach mal um – am besten auf andere Kinder.

An einem solchen regenzeitlichen Regentag beschloss ich irgendwann einfach unsere große Schiebtür nach draußen aufzumachen, um für etwas Durchzug zu sorgen und den Kindern den Regen zu zeigen. Also rannten sofort alle hinaus auf die Veranda und kommentierten.

Yushirô: Claudia! Claudia! Rainy rain!

Auf Englisch! An sich komplett korrekt! Und natürlich: Niedlich ♥ Dass ich danach Kinder für kurze Sekunden aus Spaß (für beide Parteien) in den Regen gehalten habe, erwähne ich mal besser nicht

Die Regenzeit ist zum Glück scheinbar vorrüber, ab nächster Woche geht’s schon ab in den Pool! 😀 Baden mit Kleinkindern, Yay!