Kōbe, Teil 4: Endlich Kobe-Rind!

Wie im letzten Eintrag schon angedeutet, hatten wir nach zwei Tagen fast alles gesehen, was wir sehen wollten. Es stellte sich also die Frage, was wir bis zum frühen Abend tun sollten.

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Zuerst machten wir einen kurzen Abstecher zum Ikuta-Schrein (生田神社). Der war in den ersten zwei Tagen dermaßen überfüllt, das wir uns nicht zugetraut hatten dort hineinzugehen. Dieser gehört wohl zu den ältesten Schreinen des Landes und war der Ausgangspunkt der Entstehung der Stadt Kôbe.

… Um ehrlich zu sein war es ein ziemlich normaler Schrein. Natürlich ganz hübsch, aber für mich von der Atmosphäre her bei weitem nicht so besonders wie die Schreine im Wald in Tochigi.

Die Zeit bis das Restaurant, das wir uns für das Mittagessen ausgesucht hatten, aufmachen würde, haben wir damit verbracht in Cafés zu sitzen und durch die Stadt zu laufen. Nicht besonders spannend und außerdem war es ziemlich kalt.

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Noch kein Kobe-Rind

Beim Restaurant Mouriya (モーリヤ) angekommen hatten wir eigentlich noch gar nicht vor Kôbe-Rind zu essen, denn es ist wirklich unglaublich teuer. Wir entschieden uns also für Mittags-Sets mit Rindfleisch*, Gemüse, Reis, Suppe und Getränk. Das alles wurde vor uns zubereitet und schmeckte durchaus gut. Danach war ich eigentlich recht satt, mein Mann war aber noch nicht fertig.

* Ausdrücklich kein Kobe-Rind, das wurde bei der Bestellung auch noch einmal erwähnt, aber ähnliches Fleisch.

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Kobe-Rind

Der 4. Januar war nämlich auch einer unserer Jahrestage, der Tag an dem wir zusammengekommen sind. 🙂 Fünf Jahre ist’s her. Und an so einem Jahrestag kann man auch mal ein wenig mehr ausgeben, und wenn wir schon in Kôbe sind… 😉 Es wurde also Kobe-Rind (神戸牛 Kōbegyū) bestellt. Für 130g Filet A5, BMS (Beef Marbling Standard) 8 bis 10 haben wir 7,500Yen (52€) bezahlt. Für ein komplettes Mittagessen mit Kobe-Rind zahlt man ab 8,500Yen (59€).

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War es das wert? Irgendwie schon, ja. Das Fleisch war unglaublich weich und zart, schmeckte sehr gut und war wirklich gut zu essen. Bei Rindfleisch habe ich sonst schnell ein gewisses Unwohlsein, bei diesem Fleisch war das aber gar nicht der Fall. Kôbe-Rind ist eben doch besonders. 🙂

Kôbe-Rind ist übrigens keine eigene Rasse, sondern bezeichnet Tajima-Rinder (但馬牛), die bestimme Vorraussetzungen erfüllen. Zuerst einmal müssen sie in der Präfektur Hyōgo geboren sein. Weibliche Tiere dürfen noch nie trächtig gewesen, männliche Tiere müssen kastriert sein. Die Mamorierung des Fleisches muss mindestens Level 6 auf der BMS (Beef Marbling Scale) erreichen. Von einem Tier dürfen höchstens 460kg Fleisch kommen.

Kôbe-Rind wird nur in fünf Gebiete exportiert: Macau, Hong Kong, Thailand, Singapur und die USA. Man kann in Deutschland also kein echtes Kôbe-Rind essen.

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Damals wurden die Tiere wohl übrigens tatsächlich massiert und mit Bier gefüttert, inzwischen läuft nur noch klassische Musik in den Ställen. Stress ist schlecht für die Qualität des Fleisches. 😉 Für die Tiere gibt es natürlich auch Stammbäume, so wie der auf der linken Seite. Weil Kühe keine Fingerabdrücke haben, werden Abdrücke der Schnauze genommen. Dieser Abdruck ist wohl bei jedem Tier anders.

Unser Koch hat uns darauf hingewiesen, dass viele Läden, die günstiges Kôbe-Rind anbieten, kein echtes Kôbe-Rind verkaufen. Es gilt also “Wenn es zu gut ist um wahr zu sein, ist es wahrscheinlich nicht wahr”.

Den Rest des Nachmittags liefen wir durch die Stadt, sahen uns noch einige Läden an und machten uns dann recht früh auf den Weg zum Flughafen, wo wir eineinhalb Stunden lang auf unseren Kindles lasen.

Und das war unser Neujahrsurlaub. 🙂 Schön war’s, nur ist’s im Winter ziemlich kalt. Wer hätte das Gedacht… 😉

Kōbe, Teil 3: Ijinkan!

An unserem zweiten Tag gingen wir morgens immer bergaufwärts zum Kōbe Kitano Ijinkan (神戸北野異人館) .

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Als damals über den Hafen von Kôbe Ausländer in die Stadt kamen, wurde der Platz schnell knapp, und so wurde diese Siedlung angelegt. Einige dieser schönen alten Häuser kann man besichtigen, wir waren bei fünf.

Das schönste sowohl von außen als auch von innen war das Kazamidori no Kan oder Wetterhahn-Haus (風見鶏の館).

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Es wurde um 1909 für die deutsche Familie Thomas erbaut und ist wirklich noch wunderschön erhalten. Es ist das einzige Haus mit einer Backsteinfassade im Ijinkan.

Im Inneren wurden die Räume mit Art Nouveau-Möbeln eingerichtet um den damaligen Wohnverhältnissen möglichst Nahe zu kommen. Es sind aber auch Fotos der Originalausstattung zu bestaunen und am interessantesten fand ich die Fotos der Tochter des Hauses, Else. Bis Else ca. 15 Jahre alt war, lebte sie in Kobe und besuchte die deutsche Schule. Fotos aus dieser Zeit kann man in der Veranda betrachten.

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Unser zweites Ziel ist mindestens genauso bekannt, es handelt sich um das Uruko no Ie oder Fischschuppenhaus (うろこの家). Es wurde damals als hochwertiges Mietshaus für die ausländische Bevölkerung gebaut.

Das Gebäude ist zweigeteilt, in einem Teil findet man eine Gallerie, in dem anderen erhaltene Räume mitsamt Ausstattung.

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Während das Gebäude wirklich hübsch ist, wurde innen leider die Atmosphäre mit kontemporären Blumengestecken und etwas unpassenden Ausstellungsstücken etwas zerstört.

Ich verstehe natürlich, dass die Gebäude innen interessante Dinge beherbergen müssen, damit die Besucher den Eintritt berappen, aber bei diesem und auch dem nächsten Haus hätte ich mir gewünscht, dass etwas mehr Wert auf die Geschichte hinter dem Haus gelegt werden würde.

Von den oberen Stockwerken aus hatte man einen schönen Blick auf die Stadt, Ijinkan ist etwas höhergelegen am Berghang. Der Weg nach oben ist teilweise durchaus steil und vor allem der Abstieg gestaltete sich schwierig.

Weil wir eigentlich vorhatten zum Österreichhaus (オーストリアの家), Dänemarkhaus (デンマーク館) und Niederlande-Haus (オランダ館) zu gehen und diese erst um elf Uhr die Pforten öffneten, wollten wir ein wenig Zeit totschlagen und besuchten das Yamatehachiban-Haus (山手八番館). Großer Fehler. Bis auf zwei alte Stühle und vier winzige bunte Kirchenfenster gab es dort nichts zu sehen. Beziehungsweise waren mehrere Räume mit afrikanischer Kunst und buddhistischen Figuren belegt, die aber tatsächlich nichts mit dem Haus an sich zu tun hatten.

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Nach dieser Enttäuschung machten wir uns auf zum England-Haus (英国館). Das hatte gleich am Eingang ein Schild das darauf hinwies, dass in diesem Haus nur relevante Dinge ausgestellt seien. Klang schonmal gut.

Im Erdgeschoss befinden sich alte Möbel und eine Bar, die wohl ab 17 Uhr geöffnet hat und wirklich gut aussieht.

Im Obergeschoss geht es dann um Sherlock Holmes, mit einer Tür zur 221B Baker Street, vor der man sich mit Umhang und Deer Stalker bewaffnet fotografieren lassen kann, und einer Nachbildung von Sherlock Holmes’ und Watsons Wohnung. Insgesamt ganz süß gemacht, aber ziemlich eng. Wir waren schließlich nicht die einzigen Touristen. 😉

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Im Garten gibt es ein paar Bänke, falls man eine Verschnaufpause braucht. Leider waren die alle von Rauchern besetzt, die wahrscheinlich nach den 15 Minuten, die sie im Haus nicht rauchen durften, dringend eine Zigarette brauchten.

Außerdem gab es ein Stück, dass dem Bahnsteig Baker Street nachempfunden war. Auf Instagram gibt es ein Bild auf dem es, wenn man man nicht so genau hinschaut, wirklich aussieht, als wären wir in London.

Direkt am Ein- und Ausgang steht dann noch ein Auto, das für die Queen gebaut worden ist, und auch dort konnte man natürlich Erinnerungsfotos schießen.

Wir machten uns erstmal wieder auf ins Hotel und verbrachten den Rest des Tages mit Einkaufen. Wir können doch nicht den Neujahrs-Sale einfach an uns vorübergehen lassen nur weil wir im Urlaub sind. 😉

Filmzeit: Der letzte TRICK.

In Japan ist es üblich, dass zu Ferseh-Serien (Dramas) Kinofilme erscheinen*, oftmals fürs Ende. Wer kriegt die Frau? Heiraten sie wirklich? Der letzte große Fall? Nur im Kino.

* Eine japanische Liste findet ihr hier.

TRICK lief regulär in den Jahren 2000 bis 2003, danach gab es nur noch Specials, die liefen bevor die dazugehörigen Filme ins Kino kamen. Insgesamt liefen vier Filme, der an diesem Samstag angelaufene letzte markiert das Ende.

Worum geht es bei TRICK? Der Physikprofessor Ueda Jirō (上田次郎) und die erfolglose Magierin Yamada Naoko (山田奈緒子) enttarnen Scharlatane, die mit Tricks andere Menschen glauben machen, sie könnten Magie verwenden, Geister beschwören oder verfügten über übermenschliche Kräfte.

Wie viele der Serien und Filme, die ich mag, lebt TRICK von seinen Charakteren, dermaßen überzeichnet und gleichzeitig mit ihren Ticks liebenswert, dass sie einem ans Herz wachsen.

 

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©東宝

トリック劇場版 ラストステージ Trick Gekijō-ban Last Stage (2014)

 

Regisseur: Tsutsumi Yukihiko

Darsteller: Abe Hiroshi, Nakama Yukie, Nogiwa Yōko

Eine japanische Firma will im Ausland* Rare Earth abbauen, die Dorfbewohner sagen aber, dass der Berg heilig sei und ihr Schamane belegt den Zuständigen mit einem Fluch und er stirbt. Daraufhin wird der Physikprofessor Ueda Jirô angeheuert und fliegt mit der Magierin Yamada Naoko ins Ausland, um den Schwindel aufzudecken.

* Im Film ist es ein Fantasieland, tatsächlich wurde aber in Malaysia gedreht.

Persönliche Meinung: Man sollte die Serie zumindest schon einmal gesehen haben, es ist nämlich zwar eine eigenständige Geschichte, aber viele Witze versteht man sonst nicht. Der Plot und die neuen Charaktere sind genauso überdreht wie auch schon in der Serie, und man hat viel zu lachen – bis endlich die Wahrheit herauskommt, Charaktere in anderem Licht erscheinen lässt und zu einer dramatischen Entscheidung führt. Ein schöner letzter Film für die Serie, eigentlich eher wie eine lange Folge, inklusive der teils absichtlich billigen Produktion. Ein neben mir sitzender älterer Herr hat geweint, ich auch. 🙂 Für Fans der Serie auf jeden Fall empfehlenswert.

Hier bleiben oder doch…?

Ich mag Japan. Ich wohne gerne hier. Tokyo ist so sicher, dass man auch nachts um zwei betrunken drei Stunden lang nach Hause laufen kann ohne nur einmal doof angemacht zu werden. Tische in Cafés reserviert man, indem man seine Tasche oder gleich sein Handy auf den Tisch legt. Normalerweise kommt hier nichts weg. Alles schon ausprobiert, ich will gar nicht mehr zählen, wie oft ich Sachen in der Bahn vergessen und wiederbekommen habe.

Jeden Tag im Jahr kann ich hier einkaufen, meist von elf Uhr vormittags bis zehn Uhr abends, wenn nicht gar länger. Conbini haben 24 Stunden am Tag geöffnet. Die Bahn ist meist pünktlich.

Wir haben keine finanziellen Sorgen. Wenn wir uns überlegen, dass wir in drei Wochen in den Urlaub fahren wollen, können wir das einfach so machen. Ich weiß, große Überraschung, aber die meisten Japaner in unserem Alter fahren nicht viermal im Jahr in den Urlaub. Natürlich, ein Auto können wir uns nicht leisten, aber das ist eh keine Priorität. Natürlich werfen wir kein Geld zum Fenster hinaus und wir schauen schon, dass wir nicht das teuerste Zeug kaufen, aber das macht so gut wie jeder, denke ich.

Ich habe ein recht einfaches Leben. Derzeit arbeite ich fünf Stunden am Tag, habe bis auf zwei oder drei Samstage im Jahr jedes Wochenende und jeden Feiertag frei. Natürlich, die Arbeit ist anstrengend und oft bin ich nach diesen fünf Stunden total geplättet, aber ich komme in eine schöne Wohnung nach Hause, kann mich mit Freunden treffen, habe Privatunterricht für Koreanisch* und trage ebenso hübsche wie teure Kleidung.

* Obwohl ich das dieses Jahr etwas herunterschrauben möchte. Zweimal im Monat sollte reichen.

Mein Mann hingegen hat nicht so ein einfaches Leben. Ich kann gar nicht zählen, wie oft er sagt, dass er den japanischen Arbeitsalltag nur durchhält, weil ich zuhause auf ihn warte. Er verlässt das Haus spätestens um sieben Uhr am Morgen und kommt frühstens um sechs Uhr abends wieder. Das ist wirklich wenn er wenig zu tun hat. Wenn es viel ist schlafe ich manchmal schon bevor er nach Hause kommt. Wenn es richtig viel ist, übernachtet er in einem Hotel in der Nähe seiner Arbeitsstelle. Sein Wochenende besteht wenn dann aus einem freien Tag. Fast jeder, der nicht im Service-Bereich arbeitet, hatte am Ende dieses Jahres neun Tage frei. Mein Mann hatte sechs.

Deswegen will mein Mann raus. Raus aus dem Job ist nicht ganz so einfach, zumal seine derzeitige Firma noch zu den Guten zählt. Schließlich bekommt er die meisten seiner Überstunden bezahlt. Er will also nach Europa. Für uns beide wäre das einfachste natürlich, nach Deutschland zu gehen. Idealerweise würde ich gern nach Schweden umziehen**, aber das ist unrealistisch. 😉 Er verspricht sich von dem Umzug, dass er weniger arbeiten muss. Dummerweise hat er aber noch nie im Ausland gelebt und kalkuliert nicht ein, dass so etwas auch komplett nach hinten losgehen kann.

** Grund: Vereinbarkeit von Arbeit und Familie.

Ich habe Angst, dass unser Lebensstil in Deutschland nicht haltbar wäre. Es ist für mich in Japan sehr bequem. Wenn ich nur an mich selbst denken würde und mein Mann mir egal wäre, würde ich auf jeden Fall in Japan bleiben. Nun bin ich aber nicht ganz herzlos, und ich sehe jeden Tag, wie sehr mein Mann unter der Arbeit leidet. Wir müssen uns also überlegen, was wir machen.

Nach Deutschland? Hier bleiben? Etwas ganz anderes? Das wird uns noch einiges Kopfzerbrechen bereiten.