Plitschplatsch.

Es regnet.

Die Regenzeit (梅雨 tsuyu) hat letzten Donnerstag begonnen und seitdem hört man beinahe ununterbrochen das Klopfen der Regentropfen auf den Asphalt und gegen Fenster. Im Süden Japans hat es angeblich innerhalb von wenigen Tagen soviel geregnet wie sonst in einem Monat. Der Wetterreport bei uns schwankt zwischen wolkig, schwachem Regen und starkem Regen, gern auch im Abstand von drei Minuten zueinander. Grau ist es eigentlich immer.

Für die Felder ist die Regenzeit wichtig, ohne sie würde alles verdorren und die Gemüse- und Reispreise würden ansteigen – das Gemüse und der Reis aus dem Supermarkt kommen fast ausschließlich aus dem Inland. Vor der Regenzeit hatten wir Temperaturen um die 29°C mit knallender Sonne, dank des Regens ist es abgekühlt. Ich kann sogar tagsüber eine leichte Jacke tragen.

Dennoch, so richtig freuen kann ich mich nicht. Die Felder sind zu weit weg, die Hitze hätten wir mit der Klimaanlage in Schach gehalten. Ich sehe nur den grauen Himmel und ärgere mich. Dabei ist klar, dass auf den Regen die schwüle Hitze des japanischen Sommers folgt.

Als ich das erste Mal in Japan war, für mein Working Holiday, kam ich Ende Juli an und konnte die ersten beiden Tage kaum etwas essen, weil mein Körper mit der Hitze nicht klarkam. Im Rückblick ist klar, dass ich wahrscheinlich sofort nachdem ich aus dem Flugzeug stieg 夏バテ (Natsu-bate) hatte.

Man sollte den Regen und die niedrigen Temperaturen genießen, solang sie andauern. Ich werde mich bemühen meine Einstellung zu ändern. Ob es klappt bleibt abzuwarten, denn zumindest ein klitzekleines bisschen Sonne brauche in zum Glücklichsein.

Abwarten und Teetrinken, das ist eh das einzige, was man bei diesem Wetter machen kann.

Was tun im Notfall?

Die Präfektur Chiba (千葉県 Chiba-ken) in der wir wohnen hat ein neues Handbuch zum Katastrophenschutz für Ausländer herausgebracht.

スクリーンショット 0026-06-07 9.37.00Hier kann man es sich anschauen, ist sicher für den einen oder anderen ganz interessant, womit wir hier zu kämpfen haben und wie vorbereitet und vorgegangen wird. 🙂

Ich persönlich finde solche Handbücher und das Lesen ebendiser vor allem für Ausländer absolut wichtig. In Deutschland kennt man große Erdbeben, Tsuanmis und Taifune einfach nicht aus dem täglichen Leben und kann deswegen weder die Lage abschätzen, noch weiß man für gewöhnlich, was zu tun ist. Japaner haben den Ernstfall zumindest bei Erdbeben in ihrer Schullaufbahn dermaßen oft durchgespielt, dass sie meist reflexartig wissen, wie sie sich verhalten müssen. Wir haben auf Arbeit jeden Monat einmal Katastrophen-Drill (Erdbeben, Brand oder auch das Szenario “ein Verrückter dringt in unseren Kindergarten ein und will Kinder abstechen”), es wird also wirklich von Kleinauf gelernt.

Was mich bei dieser Broschüre ganz besonders freut ist, dass sie neben Englisch, Chinesisch und Koreanisch auch im simplen Japanisch mit Furigana, die die Lesung von Kanji angeben, geschrieben ist. Außerdem befinden sich zwischen Worten Leerzeichen, was das Lesen für Ausländer erleichtern soll. Seit 2011 bin ich mit Vokabular für den Notfall ausgerüstet, und ich denke, dass es ziemlich schwer sein würde im Ernstfall ohne Japanischkenntnisse zu evakuieren, weil man einfach nicht an die Informationen kommt. Zumal ich nicht davon ausgehen kann, dass ein großes Erdbeben genau dann eintritt, wenn mein Mann und ich gemeinsam zuhause sind – im Notfall müsste ich es selbst irgendwie stemmen. Es lohnt sich also, sich das Vokabular zumindest einmal anzuschauen.

Und für alle, die bei ihrem Besuch in Japan ein Beben mitbekommen: Nur keine Panik. Außer die Japaner um euch herum fangen an in Panik zu verfallen. Dann vielleicht doch.

Manchmal ist Japan doof.

So, ich bin sonst immer so freundlich zu Japan, diesem Land des zuvorkommenden Services auch auf dem Bürgeramt und dem leckeren Essen auch um vier Uhr morgens, aber es gibt dann doch etwas, was mich stört. Was mich jedes Mal auf’s Neue aufregt. Etwas, das mir die wildesten Flüche entlockt. Immer und immer wieder, obwohl ich weiß, dass es sich nicht ändern wird, solang nicht ein Ruck durch’s Land geht.

Japan hat einen ganz fatalen Makel:

Die ewigen Wartezeiten bis ausländische Filme ins Kino kommen. Ihr habt doch jetzt keine Abhandlung über ein ernsthaftes Problem erwartet, oder?

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©Fox 2000 Pictures

Letztes Jahr habe ich die Seiten von John Greens “The Fault in Our Stars” (Deutsch: Das Schicksal ist ein mieser Verräter, Japanisch: さよならを待つふたりのために**) mit Tränen benetzt, und ich liebe dieses Buch mehr, als ich wahrscheinlich sollte. Außerdem folge ich John Green und seinem Bruder Hank Green auf YouTube. Von daher wusste ich, dass ein Film erst in Planung war, dann gedreht wurde, die Werbemaschinerie anlief und der Film heute in den USA regulär in die Kinos kam. In Deutschland wird es am 12. Juni soweit sein.

** Was sind das denn jeweils für Titel? Der Japanische, “Sayonara wo matsu futari no tame ni”, bedeutet in etwa “Für die beiden, die auf den Abschied warten”.

Währenddessen wirbelt in Japan ein Steppenläufer (Tumbleweed) durchs Bild, denn natürlich steht noch kein Datum für Japan fest. Warum denn auch? Ist doch egal, ob der Film schon in anderen Ländern rauskommt! Erstmal abwarten und Tee trinken.

Generell scheint darauf gewartet zu werden, wie gut Filme im Ausland laufen, bevor sie überhaupt eingekauft werden. Danach muss dann noch untertitelt und synchronisiert werden, wobei die japanische Synchronisation mir regelmäßig Schauer über den Rücken jagt. Diese Verzögerung bedeutet für die Filmverleihe sowieso kaum Einbußen, anders als viele Deutsche können die meisten Japaner nicht einfach englische Filme im Original ohne Untertitel sehen.

Mal schauen, vielleicht kann den Film bevor er hier anläuft auf einer importierten DVD sehen. Ist  vielleicht auch weniger peinlich als wenn ich mich im Kinosaal in eine Tränenpfütze verwandle.

Der heilige Gral japanischer Supermärkte.

Während man in Japan kulinarisch auf einige Dinge, wie Käse und Obst zu humanen Preisen, verzichten muss, gibt es eine andere Institution, die es auch in Deutschland geben sollte. Unterm 大丸 (Daimaru) gibt es sie, mein Supermarkt hat eine ganze Ecke voll damit und darauf spezialisierte Läden findet man an jeder Ecke: 惣菜 (Sôzai)!

20140603_145237Sôzai wird als “Beilage” übersetzt, es ist aber meist japanische (Hausmanns-)Kost, die man schon fertig kaufen kann – aber nicht fertig wie “Vorgestern zusammengeschustert und nur aufgewärmt” sondern zumindest am selben Tag gemacht, und zwar meist vor Ort. Supermärkte haben allein dafür Küchen, und man kann oft sehr günstig relativ gutes Essen kaufen. Es ist bestimmt immerhin ein klitzekleines bisschen besser als Conbini-Essen. 😉

20140603_145309Vor allem jetzt, wo mein Mann meist erst um zehn Uhr abends nach Hause kommt, sind Sôzai mein bester Freund. Habe Lust auf Sushi, will aber keins machen? Sôzai! Salat, aber nur für eine Person? Kann man alles kaufen! Es ist zwar teurer, als selbst zu kochen, aber mal ganz im Ernst – Faulheit gegen Geld? Faulheit siegt! Außerdem gibt es haufenweise frittiertes Zeug, wie Tempura, das ich nie zuhause machen könnte.

So greife ich auch wenn mein Mann früher nach Hause kommt manchmal auf Sôzai zurück. Keine Lust zu kochen? Kein Problem! Reis in den Reiskocher, Misosuppe auf den Herd, der Rest: Sôzai! 😀

Ein Hoch auf diese Erfindung, die mir immer wieder hilft den inneren Schweinehund nicht zu besiegen. 😉