Immer wieder “Auf Wiedersehen”.

Was einem keiner verrät, bevor man ins Ausland geht, ist dass man sich oft von Leuten verabschieden muss, zumindest wenn man mit anderen Ausländern zu tun hat. Leider verlassen immer wieder Freunde das Land, aus den verschiedensten Gründen.

Pictlink_20140902_170936Meine Freundin Lucie habe ich am Dienstag zum vorerst letzten Mal getroffen.

Zwei Jahre haben wir zusammen gearbeitet. Sie war die erste Kollegin, mit der ich auch außerhalb der Arbeit etwas unternehmen wollte. Zusammen ging es zum Karaoke, zum Trinken, zum Kochen und zum Host Club.

Außerhalb der Arbeit haben wir in Japan sehr unterschiedlich gelebt, was mir aber eher Gelegenheit gab, Dinge zumindest aus zweiter Hand zu erleben, die mir sonst ganz fremd sind. Host Clubs zum Beispiel. Ich mag Drama, mit dem ich nicht involviert bin. 😉

Pictlink_20140902_170834Weil Zurückwandern mit unglaublich viel Stress verbunden ist, hatte Lucie nicht viel Zeit, für Purikura und Kaffee hat es aber noch gereicht. 🙂 Gar nicht viel Zeit für einen emotionalen Abschied, weswegen ich auch erst so richtig traurig wurde, als ich schon wieder zuhause war.

Abschiede sind blöd. Ich hoffe nur, dass Lucie ihren großen Fehler bald einsieht und wieder nach Japan zurückkommt. 😉

(Come back, we have the Kawaii!)

Leider wird das wohl eine Konstante in meinem Leben in Japan bleiben. Meine kanadische Freundin Amanda ist mit Working Holiday, also nur für ein Jahr, hier und selbst meine beste Freundin in Japan wird nicht für immer hier bleiben. 🙁

Da kann man nur versuchen in Kontakt zu bleiben und neue Freundschaften zu knüpfen – idealerweise mit Leuten, die für immer hier bleiben.

Tokyo Café Tour: カヤバ喫茶.

Nachdem wir schon vor einiger Zeit im Internet darüber gestolpert waren, besuchten wir am Samstag das カヤバ喫茶 (Kayaba-Kissa; Kayaba-Café) in 谷中 (Yanaka).

IMGP1442Das Gebäude steht dort seit 1917, seit 1938 wurde darin das Café Kayaba geführt und in den folgenden Jahren wurde es zum Wahrzeichen der Nachbarschaft. Nach dem Tod der Inhaberin, 2006, wurde es vorübergehend geschlossen. Zwei Jahre später im Herbst wurde das Gebäude von der NPO たいとう歴史都市研究会 (Taitô Rekishi-Toshi Kenkyû-kai; Taito Cultural & Historical Society) und der Kunstgallerie SCAI THE BATHHOUSE gemietet, und in Zusammenarbeit mit den Anwohnern und der Familie der verstorbenen Geschäftsführerin renoviert. Im September 2009 wurde das Café wiedereröffnet.

Es ist also ein Café mit langer Geschichte, und so sieht es auch aus: Wie ein altes, schönes, japanisches Häuschen. Im Erdgeschoss stehen Tische und Stühle, das Obergeschoss ist mit 畳 (Tatami; Reisstrohmatten) ausgelegt und man sitzt auf 座布団 (Zabuton; Sitzkissen).

IMGP1446Wir sind natürlich nicht die Einzigen, die von dem Café wissen und so mussten wir etwa 20 Minuten anstehen um hinein zu können. Von 11:30 bis 14:00 gibt es Mittagessen, wir schafften es gerade noch rechtzeitig. 🙂 Ansonsten ist das Menü genau, was man von einem alten japanischen Café erwartet: Neben Café Mocha und Espresso gibt es heiße Limonade, heißes Ingwergetränk und natürlich Floats – also entweder Kaffee, Cola oder Melonensoda mit Vanilleeis.

IMGP1448Wir bestellten beide den ハヤシライス (Hayashi Rice), mit Getränk kosten alle Lunch Sets 900Yen (ca. 6,60€), ist also nicht schrecklich teuer.

Es schmeckte auch genau, wie wir es uns vorgestellt hatten – etwas süßlich aber herzhaft.

Obwohl wir nach dem Hayashi zwar schon ziemlich gesättigt waren, konnten wir uns die Desserts nicht entgehen lassen. Wir sind schließlich keine Unmenschen.

IMGP1463Mein Mann nahm das Kaffee-Parfait mit コーヒーゼリー (Coffee Jelly), Kaffee-Wackelpudding. Das klingt wahrscheinlich etwas eigenartig, ist in Japan aber ein ganz normales Dessert und eine Leibspeise meines Mannes. Im Parfait war außerdem viel Sahne und Nüsse, so dass er sich regelrecht zum Coffee Jelly vorkämpfen musste.

Ich hatte es da einfacher, ich bestellte mir 抹茶ガトーショコラ (Maccha Gateaux (au) Chocolat).

IMGP1473Der Besuch war auf jeden Fall ein voller Erfolg, wer im Urlaub vielleicht eh in 上野 (Ueno) oder 日暮里 (Nippori) unterwegs ist, sollte auf jeden Fall mal vorbeischauen. Die Karte ist auf Japanisch und Englisch, und niedlich illustriert.

Von acht bis elf Uhr morgens gibt es ein Frühstücksset, und Montags bis Samstags von 18 bis 23 Uhr gibt es ein besonderes Night Time Menu mit alkoholischen Getränken und einer stark erweiterten Speisekarte.

Dafür würden wir auch gern noch einmal hinfahren, auch wenn es etwas weiter von uns entfernt liegt.

Um ehrlich zu sein, waren wir bisher nämlich nicht die größten Fans von Ueno, von wo aus wir gelaufen sind – die Gegend um das Café und die 東京芸術大学 (Tôkyô-Geijutsu-Daigaku; Kunstuniversität Tokyo) hat unsere Meinung geändert. 🙂

Claudia wird zum Samurai.

Am Samstag ging es, von der Schifffahrt noch ganz erschöpft, nach 中目黒 (Nakameguro), um am Samurai Workshop von Field Trip+ teilzunehmen.

殺陣 (Tate; Bühnenkampf) ist die Kunst, einen Kampf im Fernsehen oder auf der Bühne gefährlich und tödlich aussehen zu lassen, ohne tatsächlich irgendjemanden zu verletzen. Wir haben uns angesehen, wie das beim 日本刀 (Nihon-tô; Katana) funktioniert.

Alle Fotos via Field Trip+

Alle Fotos via Field Trip+

Weder bei uns im Workshop noch in Filmen werden natürlich echte Schwerter verwendet. Erstens müssen die alle registriert werden, und zweitens wären die japanischen Zeitungen sonst um einige Schlagzeilen in Richtung “Berühmter Schauspieler aus Versehen enthauptet” reicher. Stattdessen verwendet man im Film Schwerter aus Holz, Aluminium oder ähnlichen Materialien. Wir hatten 木刀 (Bokutô; Holzschwerter).

Unsere Lehrer waren 米山勇樹 (Yoneyama Yûki) und 川渕かおり (Kawabuchi Kaori) vom Sword Performance Team 偉伝或〜IDEAL〜.

Nachdem wir uns aufgewärmt hatten, wurden uns Tate und die verschiedenen Teile des Schwerts erklärt, und wir lernten, wie so ein echter Samurai sich vorstellt: Immer mit der rechten Hand frei, damit er schnell sein Schwert schnappen und Angreifer abwehren kann. 😉

10632632_819971811367776_1358800609765919274_nDie Grundhaltung, rechtes Bein nach vorn, rechte Hand nach oben, Arm durchstrecken, und wie man zuschlägt wurde recht lange geübt, und mir wurde klar, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Schaukämpfen ist anstrengend! Den zweiten Teil der Workshops verbrachten wir dann damit in Gruppen eine kurze Choreographie zu erarbeiten: Einer greift an, die Schwerter treffen sich dreimal, beide drehen sich umeinander und vertauschen die Ausgangspositionen, der Angreifer versucht erneut anzugreifen, wird aber mit einem gezielten Schnitt in den Magen getötet. Klingt nicht nach viel, ist aber für jemanden, der so ungeübt ist wie ich, gar nicht so einfach. Vor allem das Sterben wollte einfach nicht richtig gelingen…

10610588_819971868034437_8558592296730560482_nIn der Pause quatschten alle ein wenig miteinander, und Kaori, die weibliche Lehrerin, erzählte uns, was sie sonst so macht – Zum Beispiel das Motion Capture für Serah Farron, und teils für Lightning’s Kampfszenen im Videospiel Final Fantasy XIII. Ziemlich cool! Außerdem ist sie wohl öfter mal im Ausland, auch in Deutschland, um Leuten den japanischen Schaukampf näherzubringen. Herr Yoneyama choreographiert unter anderem Kämpfe für Film und Fersehen. Beide waren wirklich nett und haben alles leicht verständlich erklärt.

Dreimal die Woche veranstalten sie Tate-Unterricht, je einmal in Meguro, Yokohama und Sagamihara. Leider ist das alles etwas weit weg, der Probeunterricht hat mir nämlich wirklich Spaß gemacht und wenn Sport mir Spaß macht, soll das schon was heißen. 🙂

Falls ich mal wieder die Möglichkeit haben sollte dran teilzunehmen, würde ich die Chance ergreifen. Auch wenn ich am Sonntag schrecklichen Muskelkalter überall hatte. 😉

Auf dem Boot.

Am Freitag waren mein Mann und ich mit einem befreundeten deutschen Ehepaar auf der 東京湾納涼船 (Tôkyô-wan Nôryô-sen; Tokyo-Bucht Abendkühle-Schiff). Anfang des Monats hatte ich im Internet reserviert und die Tickets im Conbini bezahlt, 2,600Yen (19€) pro Person, bekam aber vorerst nur 引換券 (Hikikaeken; Umtauschtickets).

10616240_708237719247809_6760387543779451778_n

Das Foto hat der Ehemann meiner Freundin geschossen. 🙂

Direkt nach der Arbeit machte ich mich mit einem Koffer bewaffnet zur Wohnung meiner Freundin auf, wo wir uns dann in Yukata umzogen, schminkten und die Haare hochsteckten. Mein Make-Up und meine Schuhe (!) habe ich natürlich gleich mal dort vergessen…

So fantastisch vorbereitet liefen wir dann, zusammen mit den Ehemännern, zum 竹芝客船ターミナル (Takeshiba Kyaku-sen-Terminal; Takeshiba-Passagierboot-Terminal), tauschten die Tickets, die ich im Conbini bekommen hatte, in echte um, kauften Essensmarken* und stellten uns an.

* Auf dem Schiff wird mit wahrscheinlich gutem Grund kein Bargeld angenommen.

20140829_192810

Foto mit Handy bei Nacht.

Im Durchschnitt sind wohl pro Tag um die 1500 Menschen auf dem Schiff, das einmal aus dem Hafen in die Bucht und wieder zurück fährt. Vom Schiff aus sehen kann man die Rainbow Bridge, die Tokyo Gate Bridge, den Tokyo Tower, Odaiba, Disney Land und ganz viele Hochhäuser. Tokyo bei Nacht liebe ich sowieso, das vom Schiff aus zu sehen war schön. 🙂

Nun ist es aber nicht einfach irgendein gemütliches Schiff, das durch die Gegend schippert, sondern ein Partyschiff mit 飲み放題 (Nomihôdai; All-You-Can-Drink). Japaner sind zum Glück selten agressive Betrunkene, aber einige Leute wankten gefährlich durch die Gegend und die Toilette auf den oberen Decks stank nach Erbrochenem. Wir hatten trotzdem viel Spaß, aber es war keine gediegene Veranstaltung.

20140829_192054Was meinem Mann am lustigsten fand, war das ständige ナンパ (Nanpa; Aufreisserei). Schon bevor das Schiff überhaupt abgelegt hatte, begaben sich unsere Männer auf das Abenteuer Essensbeschaffung, wir standen also zu zweit auf dem oberen Deck – und wurden gleich zweimal angemacht. Normalerweise bin ich vor Nanpa gefeit, mich hat in Tokyo seit Jahren niemand mehr angesprochen. Es steigen eben auch immer Gruppen von meist jüngeren Männern aufs Schiff, die nur mit dem Ziel eine Frau aufzureißen da sind. Als ich meinem Mann erzählte, dass jemand versucht hätte uns abzuschleppen, war er höchst amüsiert und beobachtete die verzweifelten Männer auf Beutefang.

20140829_210731Nach zwei Stunden war die Fahrt beendet und wir schauten noch bei einem nahen 夏祭り(Natsumatsuri; Sommerfest) vorbei. Dort bekam ich dann auch endlich mal einen 盆踊り (Bon-Odori; Bon-Tanz) zu sehen. 🙂

Was ich nicht wusste – mein Mann hat im Kindergarten und in der Grundschule Bon-Odori getanzt, und fing spontan an mitzutanzen**. Nach Brezeln in einem deutschen Restaurant und Gesprächen über die wirklich wichtigen Themen – welches Pokémon-Spiel kam wann, und ist es legitim Würstchen nach Japan zu schmuggeln – ging es dann langsam gen heim, wo wir erschöpft aber glücklich in die Betten fielen.

** Er war schon ziemlich betrunken.

Die Fahrt durch den Hafen kann man absolut mitmachen, für weniger als 20€ ist es fast geschenkt. Man muss sich nur vorher überlegen wie man zu angeheiterten Menschenmassen steht. 😉 Wir bedanken uns auf jeden Fall für den schönen Abend.