Deutschland in Japan: Weihnachtsmarkt in Roppongi.

Am Montag war ich mit meinen Freundinnen Amanda und Sachie auf dem deutschen Weihnachtsmarkt im Roppongi Hills. In Japan sind Weihnachtsmärkte untrennlich mit Deutschland verbunden, es gibt also kaum welche, die ein anderes Land zum Thema haben. Und wenn, dann sind sie oft enttäuschend, wie der skandinavische Weihnachtsmarkt letztes Jahr. 🙁

IMG_0331Der Weihnachtsmarkt in 六本木(Roppongi) ist auch nicht besonders groß, gerade einmal elf Buden. An Essen gibt es hauptsächlich Würstchen, aber tatsächlich auch Eintopf, Gulasch und ähnliches. Am meisten hatte ich mich aber auf den Glühwein gefreut, den es an jedem Essenstand zu kaufen gibt. Glühwein ist etwas, was sich die Japaner gern mal abschauen können. 🙂

IMG_0333Auch Käthe Wohlfahrt hatte eine kleine Hütte, in der Weihnachtsbaumschmuck verkauft wurde, aber da ich noch immer nicht im Lotto gewonnen habe — über 2,000yen (13€) für ein kleines Anhängsel ist dann doch etwas viel.

Richtiges Weihnachtsmarktfeeling kam natürlich nicht auf, dafür war es nicht nur zu klein, es fehlte auch so viel – zum Beispiel echte Deutsche. 😉 Von anderen Besuchern schnappte ich zwar immer ein paar Fetzen Deutsch auf, aber in sämtlichen Buden arbeiteten ausschließlich Japaner.

Nun muss ich aber auch zugeben, dass mein Blick auf echte deutsche Weihnachtsmärkte etwas verklärt ist. Wenn ich mal drei Sekunden länger nachdenke, kommen wieder die Erinnerungen an matschigen Schnee, kalte Füße und 50 Stände mit demselben Krams hoch.

Mit Tokyo Tower im Hintergrund.

Mit Tokyo Tower im Hintergrund.

Wir verbrachten den Rest des Nachmittags damit, uns die Lichter anzuschauen! 😀 Die Weihnachtsbeleuchtungen in Tokyo sind wirklich immer wunderschön.

Für mich gehört das jetzt auch einfach zu Weihnachten, und ich freue mich immer wie ein kleines Kind, wenn ich es irgendwo sehe.

Leider ist es natürlich an den bekannten Illuminationen immer ziemlich voll, was bei meinem Mann den Fluchtreflex animiert. Aber er war ja diesmal nicht dabei. 😀

Nachdem es dann doch ziemlich kalt wurde, drehten wir den Lichtern den Rücken zu und setzten uns für eine Stunde in den nächsten Starbucks. Weil Amanda noch etwas für die Weihnachtsfeier am nächsten Tag einkaufen, und ich noch Rotkraut brauchte, fuhren wir noch eine Station weiter nach 広尾 (Hiroo) zum National Azabu. Vor dem sangen dann tatsächlich Leute Weihnachtslieder – und luden uns zu ihrem Weihnachtsgottesdienst ein. Darauf verzichte ich dann doch. 😉

Auf zur schwarzen Katze!

Gestern Abend nahmen mein Mann und ich an einer Führung durch das Chronogate von Kuroneko Yamato (クロネコヤマト) teil.

Yamato ist der erste und größte Kurierdienst Japans, und hält die Rechte an dem Begriff Takkyūbin (宅急便) oder Expresslieferservice, weswegen sämtliche anderen Kurierdienste des Landes sich Takuhaibin (宅配便) oder Lieferservice nennen. Ohne Express. Ghiblis “Kikis kleiner Lieferservice”, auf Japanisch 魔女の宅急便 (Majo no Takkyūbin) wurde übrigens von Yamato gesponsort.

kuroneko

Das Chronogate ist ein riesiger Gebäudekomplex in der Nähe des Flughafens Haneda. Fertiggestellt wurde es erst letztes Jahr. Es ist ein riesiges Logistikgebäude, in dem nicht nur Pakete und Briefe sortiert, sondern auch vielfältige andere Arbeiten verrichtet werden. Was ich nicht wusste: Yamato verleiht unter anderem medizinisches Gerät, welches im Chronogate gereinigt wird; bietet Direktversandservices an, bei dem sich das Lager eines Geschäfts einfach direkt im Chronogate befindet (FRAPS); und repariert Haushaltselektronik einiger Firmen direkt selbst, statt sie erst an den Hersteller zu senden.

Außerdem kann man inzwischen aus Hongkong frisches Essen in Japan bestellen, dass dann gekühlt am nächsten Tag in Hongkong ankommt.

Während der Führung, bei der man leider keine Fotos machen darf, werden einem aber nicht nur die Services erklärt, nein, man kann ins Verteilerzentrum schauen! Endlose Fließbänder, die schneller als man meinen könnte und mit großer Genauigkeit Pakete in Zielgebiete einordnen. Klingt nicht so spannend, ist aber absolut faszinierend. Ich hätte mir das stundenlang anschauen können.

Danach wurde einem erklärt, wie das Monitoring funktioniert und man konnte tatsächlich Leuten bei der Arbeit zuschauen (natürlich hinter Glas). Außerdem gab es eine Erläuterung zur Sicherheit des Gebäudes und damit der Pakete – insgesamt sehr beeindruckend.

Zum Schluss gab es einen Ausstellungsraum, der erst recht langweilig aussah – halt Sprüche und Slogans an der Wand. Was wir nicht bemerkt hatten – darunter konnte man Schubladen herausziehen, die den Lieferprozess genauer erläuterten (Was passiert, wenn ich mein Paket erneut zustellen lasse?). Schon interessant, wie gut durchdacht das alles ist. 🙂 Außerdem gab es für jeden drei von neun Mitbringseln, die man sich wie im FRAPS-System zusammensuchen musste.

Insgesamt dauert die kostenlose Führung etwa 90 Minuten, und war zwar komplett in Japanisch, es gibt aber Audio-Guides auf Englisch und Chinesisch. Reservieren kann man im Internet, und sogar recht zeitnah. Wir haben eine Woche im Vorfeld reserviert. 🙂

Es hat auf jeden Fall riesigen Spaß gemacht, ich würde die Führung jedem empfehlen!

羽田クロノゲート 東京都大田区羽田旭町11-1

Haneda Chronogate Tokyo, Ōta, Haneda Asahichō 11-1

Grundschulkanji.

Nachdem ich letzten Freitag mit Bibi von Japanisch studieren im Panda-Café war, haben wir noch einen Abstecher in den Buchladen gemacht, damit ich ihr Lehrmittel für Japanisch zeigen konnte. So viele Japanischlehrbücher wie in Japan findet ihr nirgends! Garantiert!

Bibi ging es hauptsächlich um Kanji, und irgendwie hat mich das ein wenig motiviert, selbst mal wieder etwas zu machen.

Ich kann zwar das meiste lesen*, mit der Hand zu schreiben ist aber nicht so meins. Das habe ich übrigens mit den meisten Japanern gemeinsam. 🙂 Wenn mein Mann einen meiner Texte korrigiert höre ich öfter mal “Wie schreibt man das doch gleich?”. Er ist natürlich trotzdem um Welten besser als ich – schließlich ist er durchs japanische Schulsystem gegangen.

* Nicht 100% immer mit der richtigen Lesung, aber ich erkenne den Sinn.

kanjiAls Grundschüler lernt man in Japan etwa 1000 Kanji. Wie werden denen Kanji eingepaukt? Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung! So oft mit der Hand schreiben, bis man nicht mehr drüber nachdenken muss. Was hasse ich wie die Pest? Stumpfes Wiederholen. Und ja, ich habe auch schon versucht das Problem anders anzugehen – es führt scheinbar nichts daran vorbei, wenn man schreiben können möchte.

Und so schreibe ich im Moment Kanji, die Viertklässler lernen. Dabei sind so einfache Sachen wie 愛 (ai; Liebe), 信 (shin; glauben), und 医 (i; Heilung/Arzt/Medizin), die ich aus dem Effeff beherrsche. Auf der anderen Seite ist da 腸 (chô; Eingeweide). An sich kein schweres Kanji, aber wie oft schreibe ich das denn mit der Hand?! Also heißt es schreiben, schreiben, schreiben, bis die Hand wehtut. Dauert gar nicht so lang. 😉

Schreibt ihr eigentlich viel mit der Hand? Privat tippe ich nämlich fast ausschließlich.

Kontoeröffnung.

Am Dienstag habe ich das erste Mal seit sechs Jahren ein neues Konto eröffnet. Banken in Japan sind teils etwas anders als in Deutschland, ein Konto zu eröffnen ist aber eigentlich ganz einfach. 🙂 Hier ein kurzer Eintrag für alle, die nach Japan kommen und ein Konto brauchen.

Zu welcher Bank sollte ich gehen?

Da es in Japan Geld kostet Geld von einer Bank zu einer anderen zu überweisen, wird euch wahrscheinlich euer Arbeitgeber versuchen vorzugeben, zu welcher Bank ihr gehen sollt. Mein erster Arbeitgeber wollte, dass ich zu 東京三菱UFJ (Tôkyô Mitsubishi UFJ) gehe, deswegen bin ich dort. Ansonsten: Schaut was in eurer Nähe oder in der Nähe eurer Arbeit ist. An den Geldautomaten anderer Banken Geld abzuheben kostet Gebühren!

Ich habe mich natürlich für's Quietschdesign entschieden

Ich habe mich natürlich für’s Quietschdesign entschieden

Was brauche ich, um ein Konto zu eröffnen?

① Irgendeine Art von Ausweis mit Namen und Adresse, bei den meisten 在留カード (Zairyû Card; Residence Card)

② はんこ (Hanko; Namensstempel), manchmal reicht auch die Unterschrift

Um meinen Namen mit Kanji nutzen zu können, musste ich außerdem ein Dokument mit ebendiesen Kanji vorzeigen, in meinem Fall meine Versicherungskarte.

Bei der ゆうちょ銀行 (Yûcho-Ginkô; Postsparbank) musste ich auf dem Antragsformular jediglich Namen, Adresse, Geburtsdatum und gewünschte Kontoform wählen. Außerdem darf man sich in Japan den PIN selbst aussuchen, er wird entweder im Antragsformular abgefragt oder man gibt ihn auf einem Pad ein. Der PIN kann oft im Nachhinein am Kontoautomaten geändert werden. Außerdem wollte man wissen, welcher Tätigkeit ich nachgehe, also ob ich Schülerin, Hausfrau, Angestellte, etc. bin.

Direkt in die Hand gedrückt bekommt man sein 通帳 (Tsûchô; Sparbuch), bis man die Cash Card zugesendet bekommt, dauert es ein wenig länger. Vorsicht: Mit Cash Cards kann man nicht im Laden bezahlen, sie sind nur zum Geldabheben gedacht. Debit-Karten gibt es auch, sie werden aber nicht automatisch ausgehändigt.

Und wie schaut’s mit einer Kreditkarte aus?

Das kommt leider ganz drauf an. Ich habe ohne Probleme eine Kreditkarte bekommen, aber die Anträge einiger Bekannter wurden immer und immer wieder abgelehnt. Man kann es natürlich immer versuchen.

An sich ist es wirklich nicht großartig kompliziert. Ich wurde übrigens damals erst mal damit abgekanzelt, dass man erst nach einem halben Jahr in Japan ein Konto eröffnen könnte – totaler Stuss. Dass ihr erst ein in Japan gültiges Ausweisdokument braucht, ist klar, aber das bekommt man inzwischen ja bei der Einreise nach Japan. 🙂

Alles ganz simpel, also keine Sorge! 😀