Glühwürmchen und Feuerwerk.

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via まちメモ, am Ort wo wir auch waren.

Jedes Jahr im Sommer kann man für etwa einen Monat Glühwürmchen (蛍 Hotaru) fliegen sehen. Glühwürmchen findet man nur an sauberen Gewässern und dann sieht man sie natürlich nur abends.

Mit zwei Freundinnen, Naomi mit der ich am Nachmittag bei der Lichtausstellung war und Sachie, mit der ich letztens in 浅草 (Asakusa) beim 七夕祭り (Tanabata Matsuri) war, und meinem Mann fuhren wir zum 市川市動植物園 (Ichikawa-shi Dô-Shoku-Butsu-en; Zoologischer und botanischer Garten Ichikawa). Dort befindet sich ein solches Gewässer und es gibt keine unnötige Beleuchtung.

Es war natürlich sehr dunkel, weswegen wir aufpassen mussten, wohin wir treten. Nach etwa sieben Minuten Fußmarsch kamen wir an und sobald sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnten wir die Glühwürmchen sehen. Ich hatte vorher noch nie welche gesehen und ging davon aus, dass sie durchgehend leuchten würden. In Wirklichkeit flackern sie, wie eine LED mit Wackelkontakt. 😉 Es war aber unglaublich cool, vor allem die Vorstellung was die ersten Menschen, die Glühwürmchen gesehen haben, wohl gedacht haben.

Glühwürmchen darf man auf keinen Fall mit der Taschenlampe oder ähnlichem anleuchten, einige Idioten haben es natürlich trotzdem gemacht. Das Problem ist nicht nur, dass die Leuchtkäfer aufhören zu leuchten, sondern auch, dass die Menschen ihre Nachtsichtigkeit recht schnell verlieren. 🙁 Ich würde ja gern noch einmal hin, wenn nicht so viele Leute unterwegs sind.

Weil wir mehr Zeit als gedacht bei den Glühwürmchen verbracht hatten, musste eine Freundin schon nach Hause, wir haben den nächsten Programmpunkt also nur zu dritt begangen.

IMG_2484Zum Sommer gehört Feuerwerk dazu, wir haben am Fluss unglaublich viel Handfeuerwerk angezündet und uns wieder wie Kinder gefühlt. 🙂

Der Tag des Meeres stand also irgendwie im Zeichen des Lichtes: Erst Licht-Ausstellung, dann Leuchtkäfer und zum Schluss Wunderkerzen.

Ausstellung mit 100 Stufen in Meguro.

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Pünktlich zum Tag des Meeres (海の日 Umi no Hi) wurde das Ende der Regenzeit verkündet. Es ist also Sommer und drückend heiß.

An eben diesem Tag des Meeres traf ich mich mit einer Freundin in Meguro um in eine Ausstellung zu gehen: 和のあかり×百段階段 (Wa no Akari x Hyaku-dan Kaidan; Das japanische Licht und die hundertstufige Treppe). Die hundertstufige Treppe befindet sich im Meguro Gajoen (目黒雅叙園) und ist ein japanischer Kulturschatz. Im Gajoen selbst werden Bankette und Hochzeiten abgehalten, es gibt eine Vielzahl von Restaurants und übernachten kann man dort auch.

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Die Tickets für die Ausstellung kosteten je 1,200yen (fast 9€), was ich etwas happig fand.

Der Teil des Gajoen, in dem sich die hundertstufige Treppe befindet, ist der einzige Teil des Gebäudes, der original aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erhalten ist.

Die Decken sind wunderschön bemalt, auch an den Wänden findet man verschiedene traditionelle Malereien. Von der Treppe aus gehen verschiedene Räume ab, die jeweils unter einem Thema stehen.

Im ersten Raum, auf dem Foto links zu sehen, wurde traditionelles japanisches Handwerk gezeigt: Edo Kiriko (江戸切子), Glas, das durch Schnitte verziert wird, Kanzashi (簪), traditioneller Haarschmuck, und mehr, dazu beleuchtete traditionelle Bilder.

Im zweiten Raum, Bild am Anfang des Eintrags, waren die Figuren, die sonst im Nebuta Matsuri (ねぶた祭) in der Präfektur Aomori verwendet werden, zu sehen. Das Nebuta Matsuri ist eines der drei großen Feste in Tōhoku, dem Nord-Osten des Landes, und für seine beleuchteten Festwagen bekannt. 🙂 Diese Figuren sind das eigentliche Highlight der Ausstellung.

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Im dritten Raum sind unzählige Fūrin (風鈴), Glaswindspiele, ausgestellt, lustigerweise von den Leuten, bei denen ich im Frühling selbst ein Glaswindspiel hergestellt habe. 🙂 Ich mag das Geräusch von Glaswindspielen total gern, es gehört zum Sommer dazu. 😀

Vom vierten Raum habe ich keine Fotos, weil ich die ausgestellten Objekte nicht nur nicht verstand, sondern auch irgendwie gruselig fand. Es gibt Kunst bei deren Betrachten man sich über den psychischen Zustand des Künstlers Sorgen macht…

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Im fünften Raum wurden getrocknete Blätter und Lampionblumen (鬼灯 Hōzuki*) mit LEDs von hinten beleuchtet. Ein sehr schöner Effekt, das würde ich mir auch in die Wohnung stellen. 🙂 Vor allem nach dem etwas gruseligen vierten Raum war das Balsam für die Seele.

* Laut Kanji heißt die Blume übrigens “Dämonenlaterne”.

Im sechsten und vorletzten Raum wurden verschiedene Lampen aus einem speziellen japanischen Papier, Minogami (美濃紙), gezeigt. Die Herstellung von Minogami wurde von der UNESCO als Kulturerbe anerkannt.

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Im letzten Raum befanden sich Laternen von zwei Festen in der Präfektur Yamaguchi: Goldfischlaternen vom Yanai Goldfischlaternenfest (柳井金魚ちょうちん祭り Yanai Kingyo Chôchin Matsuri) und runde Laternen vom Yamaguchi Tanabata-Laternenfest (山口七夕ちょうちん祭り Yamaguchi Tanabata Chōchin Matsuri). Der blaue Goldfisch ist übrigens ein Samurai Blue, so heißt die japanische Nationalmannschaft. 😉

Letztlich war die Ausstellung zwar, mit Ausnahme dieses eines Raums, schön, aber recht klein und recht teuer. Wer Traditionelles aus Japan sehen möchte, kann natürlich bis zum 9. August noch vorbeischauen, es ist aber absolut kein Muss.

Warum sind Japaner… ?

スクリーンショット 0027-07-19 8.36.24Die Google Auto-Vervollständigung weiß, was die Menschen bewegt. Also dachte ich mir, dass ich ein paar Fragen die die Nation nicht ruhig schlafen lassen, beantworte.

… so komisch?

Japaner sind “so komisch”, weil das alles ist, was im Ausland ankommt. Jeder kennt die Geschichte von den Automaten mit benutzter Unterwäsche. News Flash: Benutzte Unterwäsche wird auch in Deutschland verkauft. Japaner lieben einfach nur ihre Automaten. Ich selbst habe diese Maschinen übrigens noch nie gesehen und von Fotos kann man nur schlussfolgern, dass sie in Sex Shops stehen.

Nur wenige Filme, die es nach Deutschland schaffen, sind japanischer Mainstream – sie sind oft entweder komplett bizarr oder Horrorfilme. Das alles führt übrigens auch dazu, dass die japanischen Schauspielfähigkeiten manchmal etwas unterschätzt werden – die guten Filme laufen eben nicht in Deutschland.

Es gibt in Japan komische Dinge, aber der Großteil der Bevölkerung ist komplett normal und langweilig. Klar, es ist eine andere Kultur und manche Dinge wirken komisch. Aber irgendwie hält sich nur bei Japanern das Vorurteil, dass sie irgendwie total abgefahren sind.

… so dünn?

Irgendwie scheinen manche Leute davon auszugehen, dass alle Japaner und vor allem Japanerinnen einfach von Natur aus total schlank sind. Und ja, auf der Straße sieht man eher selten dicke Menschen. Aber erstens sind Japaner anders gebaut und zweitens legen vor allem Frauen oft viel Wert darauf dünn zu sein. Die Message, die man im Westen inzwischen oft hört: “Es ist ok, wenn du nicht schlank bist”, “Es gibt Wichtigeres als dein Aussehen”, ist in Japan so gut wie nichtexistent. Dünn zu sein ist hier wichtiger als in Deutschland, oft nicht für sondern durchaus auch gegen die eigene Gesundheit.

Man muss sich wirklich nur einmal am Zeitungsstand umschauen um zu merken, dass auch Japanerinnen Diät halten. 🙂

… so schlau?

Japaner sind nicht mehr oder minder intelligent als alle anderen Menschen. Es wirkt vielleicht so weil sie mehr lernen. Ich sehe in Japan viel mehr Leute mit Lehrbüchern in der Bahn und in Cafés als in Deutschland. Mein Mann kann fünf Stunden beinahe ohne Unterbrechung lernen. Das ist wahrscheinlich etwas, was man sich in der Kindheit entweder aneignet – oder eben nicht.

… so hübsch?

Weil man, wenn man nicht gerade in einer Gegend mit vielen Japanern lebt, in Deutschland nur die Bilder aus den Medien zu sehen bekommt. Es gibt hässliche Japaner, es gibt schöne Japaner, und es gibt natürlich auch das ganze Spektrum dazwischen. Große Überraschung: Schauspieler und Models representieren nicht den Durchschnitt der japanischen Bevölkerung. 🙂

… so verrückt?

Wenn “komisch” gemeint ist: Siehe oben. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass in Japan mehr “verrückte” Menschen leben weil erstens viele Leute unter einem enormen Druck stehen und zweitens psychische Erkrankungen von der Masse nicht wirklich anerkannt werden. Es gibt in Japan das Konzept von 建前 (tatemae) und 本音 (honne), dem Gesicht, dass du der Welt zeigst und dem, was du wirklich denkst. Natürlich gibt es diesen Unterschied auch in Deutschland, aber in Japan wird erwartet, dass man immer seine wahren Gefühle und die Gefühle, die für eine Situation angemessen sind, immer brav auseinanderhält und bloß nicht seine eigene Meinung durchscheinen lässt. Um des Friedens willen.

Dann besteht noch das Problem mit 我慢 (gaman; Aushalten). Wenn man sich die verlinkte Wikipedia-Seite durchliest, klingt Gaman total super. “Einschränkung des Egoismus zu Gunsten anderer”, toll, da können sich die Deutschen mal eine Scheibe von abschneiden! Letztendlich heißt es aber, dass man alles für sich behält, nicht um Hilfe bittet und, wenn jemand durch telepathische Superkräfte merkt, dass man Probleme hat und Hilfe anbietet, auch die nur zögerlich annimmt.

Für viele Leute mag Tatemae und Gaman total gut funktionieren, aber stellt euch vor jemand wächst mit diesen Werten auf und sein Leben geht, durch Schicksalsschläge oder psychische Probleme, den Bach herunter. Wo in Deutschland vielleicht jemand eingreifen könnte, merkt man hier oft erst, dass etwas schief läuft, nachdem etwas Schreckliches passiert ist. Vor kurzem hat ein Teenager einen alten Mann umgebracht, weil er gestresst war.

… so ruhig?

Gaman.

… so freundlich?

Tatemae.

Gaman und Tatemae haben durchaus ihre guten Seiten. Bei einer großen Katastrophe wie dem großen Beben 2011 hilft Gaman. Das tägliche Leben ist so angenehm, weil alle mit ihrem Tatemae durch die Gegend laufen.

Natürlich ist das nicht alles echt, was vor allem in Deutschland, wo Authentizität so wichtig ist, ein wenig Naserümpfen verursacht. Aber stellt euch mal vor, ihr würdet in euer Bürgeramt gehen, und alle wären nett und würden sich bemühen euch den besten Service zu geben, auch wenn ihr ihnen eigentlich egal seid. Wäre das so schlimm? Das Problem entsteht, wenn man sein Tatemae nicht mehr ablegen kann, wenn man jeden Tag nur Gaman… macht.* Das passiert, und manchmal endet es tragisch. Es deswegen komplett zu verteufeln finde ich aber auch problematisch. Ein gesunder Mittelweg muss her.

* “etwas aushalten” ist auf Japanisch 我慢する (Gaman suru; Aushalten machen).

Letztendlich bleibt nur zu sagen: Japaner sind total normal, nur anders. 🙂

Japanische Regeln: Der Tod ist gleich um die Ecke.

Viele japanische Regeln haben mit dem Tod zu tun.

Nie in Richtung Norden schlafen!

Um im besten Winkel zu unserer Klimaanlage zu schlafen ändern wir manchmal uns Schlafrichtung. Dabei muss man aber vorsichtig sein: Man darf nie mit dem Kopf in Richtung Norden schlafen, das bringt Unglück. Der Grund ist ganz einfach: Gräber sind nach Norden ausgerichtet, Tote schlafen also in der Richtung. Für immer.

Kaum jemand wird aber zu euch nach Hause kommen und die Ausrichtung eures Kopfkissens bemängeln. Ist also recht egal.

Nicht die Stäbchen in den Reis stecken!

Im Westen legt man recht oft sein Besteck im Essen ab. Es würde sich also anbieten, Stäbchen einfach in den Reis zu stecken, während man etwas anderes macht. Tut es nicht, denn so bietet man den Toten Essen an.

Es wird einen vielleicht jemand darauf hinweisen, aber es ist kein dramatischer Faux-Pas.

Essen nicht mit Stäbchen übergeben! Nicht mit nur einem Stäbchen etwas essen!

Beides erinnert an eine Tradition bei Beerdigungen. Dort werden Knochenstücke von den Gästen je zu zweit mit je einem Stäbchen in der Urne verstaut. Ja, japanische Beerdigungen sind ein wenig anders…

Wenn ihr versucht einem Japaner etwas mit Stäbchen zu übergeben, wird er wahrscheinlich abwinken, aber ansonsten ist es recht egal.

Beim Kimono ist immer die linke Seite oben!

Das ist eine wichtige Regel, wenn ihr sie nicht einhaltet ist es einfach super peinlich und statt der gewünschten bewundernden Blicke bekommt ihr mitleidige. Beim 着物 (Kimono) und auch bei 浴衣 (Yukata) ist immer die von euch gesehen linke Seite oben, so dass ihr die rechte Hand seitlich reinstecken könnt. Andersherum tragen es nur Tote.

Mehr fallen mir auf Anhieb nicht ein, vielleicht wisst ihr ja noch etwas? 🙂