Wenn TEPCO einmal klingelt.

Unser Haus ist ziemlich alt. Es wurde vor fast 30 Jahren neu gebaut, also in den späten 80er Jahren. Dementsprechend sind unsere Stromleitungen nicht sehr belastbar, sagen zumindest die Schwiegereltern. Sie sagen, dass die Sicherungen öfter mal rausfliegen, wenn man mehrere Geräte gleichzeitig verwendet. Deswegen möchten sie eine zweite Hauptleitung von dem Strommast an der Straße ins Haus kabeln lassen. Uns wurde mitgeteilt, dass eben diese Verkablung heute, also am Freitag, stattfinden würde.

Am Mittwoch wollte ich mich gerade auf den Weg zur Arbeit machen, als es plötzlich an der Tür klingelte. Dort standen zwei Herren von TEPCO, sie würden jetzt eigentlich gern mit der Verkablungsarbeit beginnen, ob das denn recht wäre, kurzzeitig würde der Strom ausfallen. Es war natürlich absolut nicht recht, denn während alle menschlichen Bewohner unseres Hauses tagsüber arbeiten, ist unser Schwiegerhund Mocha den ganzen Tag zuhause – weswegen auch den ganzen Tag über die Klimaanlage läuft.* Würde der Strom kurz ausfallen, müsste jemand die Klimaanlage wieder einschalten, aber ohne Daumen wäre das für Mocha selbst ziemlich schwer.

* Bitte diskutiert nicht mit mir über Sinn oder Unsinn des Beheizens trotz Fell, das liegt nicht in meiner Entscheidungsgewalt.

Also gab ich den Herren meine Telefonnummer und sie versprachen mir, sich zwecks einer erneuten Terminabsprache bei mir zu melden.

Meinem Mann kam das alles sehr verdächtig vor: Zwei TEPCO-Männer, die vor dem angekündigten Termin plötzlich auftauchen und nach der Telefonnummer fragen? Wahrscheinlich Kriminelle, die ausspionieren wollen, wann keiner zuhause ist. Es gibt leider tatsächlich Fälle, in denen als Polizisten, Paketzusteller oder eben Mitarbeiter der Strom- oder Gaskonzerne verkleidete Menschen sich Zutritt zu Wohnungen verschaffen. Mein Mann tat, was er immer tut, wenn er sich Sorgen macht: Meckern. Ich sei doch viel zu leichtgläubig, und blablablabla. Obwohl ich niemanden in die Wohnung gelassen habe, obwohl die Herren genau wussten, wie wir heißen** und was genau stattfinden müsse.

** Ja, das steht am Haus. Aber in Kanji, die keiner auf Anhieb richtig lesen kann.

Auf jeden Fall rief TEPCO dann tatsächlich bei meiner Schwiegermutter an, bestätigte, dass die beiden Herren wirklich von dort kamen, und machte dann mit ihr einen neuen Termin aus. Aber erst einmal Stress, weil wir nicht benachrichtigt wurden… 🙁

Langsam reicht’s aber auch mal mit Hausbau- und Umzugsstress.

Projekt Haus: Wir sind umgezogen!

kisten

Wir haben es geschafft! Wir sind in der neuen Wohnung. Oder dem neuen Haus. 🙂 Noch einmal zur Erinnerung: Wir wohnen in einem Haus mit meinen Schwiegereltern, aber in komplett getrennten Wohnungen. Bei solchen Arrangements wohnen eigentlich die Älteren unten und die Jüngeren oben, aber da wir nur 10m² anbauen konnten* und wir das zusätzliche Zimmer wirklich brauchen, wohnen wir jetzt unten. Hoffentlich bleiben die Schwiegereltern noch ein paar Jahrzehnte fit genug zum Treppesteigen. 🙂

* Die ursprüngliche Baufirma hat vor fast 30 Jahren nicht alle Dokumente bei der Verwaltung abgegeben. Kam damals wohl gar nicht so selten vor.

Am Freitag gingen wir mit der Hausumbaufirma beide Wohnungen ab und achteten darauf, ob es irgendwelche Probleme gibt und ob alles wie verlangt gemacht wurde. Es gab tatsächlich einige Kritikpunkte, aber nichts, was uns am Einzug gehindert hätte. Der Rest wird in den nächsten Tagen ausgebessert.

dog-content

Am Samstag ging es ans Eingemachte: Den Umzug. Da der bei uns viel schneller von Statten ging als bei den Schwiegereltern, bekamen wir für den Tag die Verantwortung für Mocha, unseren Schwiegerhund übertragen. Letztendlich dehnte sich das auf zwei Tage aus, aber interessanterweise hatte Mocha damit kein Problem. Vielleicht wusste sie einfach, dass sie zuhause ist, auch wenn es jetzt ganz anders aussieht. Wir mussten am Sonntag Abend auf jeden Fall feststellen, dass es ohne Hund ziemlich einsam ist. Vielleicht müssen wir uns die Sache mit den Haustieren noch einmal überlegen.

Aber zurück zum Samstag: Unsere Kisten und Möbel hatte die Umzugsfirma im Nullkommanix ins neue Haus gebracht, und am Abend waren wir bereits mit dem Auspacken fertig. Zwar war es ziemlich anstrengend, alles auf einmal abzuarbeiten, aber dafür haben wir nicht wochenlang ungeöffnete Kartons herumstehen.

vorschau

Am nächsten Tag warteten wir morgens auf verschiedene Lieferungen (Wasser, Tee, ein Buch und ein IKEA-Schrank), und fuhren am frühen Abend alle einschlägigen Einrichtungshäuser ab um Kleinkram zu besorgen. Allein bei Muji haben wir acht identische Behälter für unsere Küche gekauft… Sind aber auch einfach zu praktisch – obwohl sie eigentlich für Make-Up gedacht sind. 😉

Noch ist nicht alles so, wie es sein sollte, aber einen ersten Eindruck könnt ihr euch oben machen. 🙂 Der Pfeiler musste stehen bleiben, weil wir nicht beim ersten Erdbeben das Haus einstürzen sehen wollen. Übrigens, falls hier jemand denken sollte, dass wir ständig neues Zeug kaufen: Sowohl Reiskocher als auch das Regal auf dem er und der Ofen stehen haben wir, seit wir zusammen wohnen. Das Bücherregal links ist seit unserem letzten Umzug vor vier Jahren dabei. 🙂

Heute dürfen wir die alte Wohnung putzen und übergeben, bitte drückt uns die Daumen, dass wir die Kaution zurückbekommen. 130,000Yen (ca. 1075€, eine Monatsmiete), wären jetzt ganz nett.

Den Spiegel öffnen.

masu

Einmal im Jahr dürfen wir auf Arbeit am Morgen trinken. Wir werden sogar ausdrücklich darum gebeten, und zwar beim 鏡開き (Kagamibiraki; Spiegelöffnen). Wie man das halt nennt, wenn man den Deckel eines Sake-Fasses mit Holzhämmern durchschlägt. 😉

Spiegel sind in Japan von alther recht mystisch, in ihnen lebten Götter und Seelen. Der Deckel eines Fasses ist rund und flach, und wird deswegen in diesem Fall auch als Spiegel bezeichnet. Aber wenn der Deckel eigentlich zerschlagen wird, warum wird dann von “öffnen” geredet? Weil wir natürlich keine Spiegel, in denen schließlich Götter oder Seelen leben, zerschlagen wollen. Außerdem wird im Japanischen auch das Glück geöffnet (運を開く un wo hiraku), und darum geht es bei der ganzen morgendlichen Trinkerei eigentlich: Um Glück und Erfolg! Nicht umsonst kommt das Wort 酒 (Sake) einer Theorie nach von 栄える水 (sakaeru mizu; Erfolgswasser). 😉

Die Zeremonie an sich ist immer ganz witzig, und einen マス (Masu), den hölzernene Trinkbehälter, gibt es auch dazu. Letztes Jahr war er mit Piktogrammen olympischer Sportarten verziert, dieses Jahr mit Zeichnungen von Schuhen. Für unsere Abteilungsleiter gibt es jedes Jahr ein 法被 (Happi), eine traditionelle Baumwolljacke, im gleichen Muster wie die Masu.

Kagamibiraki ist zwar sehr japanisch, aber es wird längst nicht bei allen Firmen gemacht. Bei meinem Mann auf Arbeit passiert am Kagamibiraki-Tag nichts. Ach ja, der Tag ist festgelegt: In Tokyo ist es der 11. Januar jeden Jahres, in Osaka und Kyoto sind es andere Tage. Am selben Tag isst man auch die 鏡餅 (Kagamimochi; Spiegelreiskuchen), eine Neujahrsdekoration.

Damit wären jetzt all meine Neujahrsevents begangen. 🙂

Was habt ihr für Traditionen an Neujahr?

Unser Leben in Kartons.

kartons

In drei Tagen geht es los. Am Freitag ist die Übergabe des Hauses, die Umzugsfirma ist für Samstag bestellt. Inzwischen haben wir 14 volle Kartons in der Wohnung stehen.

Wir haben nicht so viele Dinge. Und die Dinge, von denen wir relativ viel haben, also Kleidung, müssen wir zum Glück nicht in Kisten packen. Die Plastikfächer, die in unseren japanischen Wandschränken (keine japanische Wohnung ohne Wandschränke) beheimatet sind, werden so transportiert. Für alles was hängt, bringt die Umzugsfirma eine Kleiderstange mit. Was ansonsten jetzt noch nicht eingepackt ist, kann innerhalb einer Stunde konzentrierten Arbeitens in Kisten befördert werden. Unsere Möbel werden alle so, wie sie sind, mitgenommen.

Einige Dinge passen einfach nicht in Kisten, gehen aber auch beim besten Willen nicht als Möbel durch – unsere Tennistaschen z.B. 😉 Also werden wir am Freitag, nachdem die Abnahme des Hauses überstanden ist, schon ein paar Sachen ins neue Haus bringen. Klopapier mitzunehmen ist sicher auch keine schlechte Idee. Gibt es noch etwas, was so schnell wie möglich mit muss?

Wenn alles glatt läuft, werden wir am Samstag Abend alles im neuen Haus haben, und am Sonntag nur noch auspacken müssen. Vielleicht bekommen wir dann auch endlich etwas Entspannung, bevor wir am Dienstag vor der Übergabe der alten Wohnung schrubben dürfen.

Leider werde ich euch die neue Wohnung nicht direkt im Blog zeigen können. Der Grund ist ein dummer: Ich habe es einfach total verplant, mich ums Internet zu kümmern. Dementsprechend kann die Verlegung der Leitung erst am 29.1. stattfinden. Zu dem Zeitpunkt werden wir schon seit zwei Wochen im neuen Haus wohnen. Wahrscheinlich werde ich in diesen zwei Wochen drei neue Sprachen lernen, einen Marathon laufen und das Bernsteinzimmer finden. Ach Quatsch, was erzähle ich euch – habe doch Internet auf dem Handy. 😉 Nur mit Fotos wird es etwas kompliziert, die kann ich auf dem Handy nicht anständig bearbeiten.