Deutschland in Japan: Knorr.

Wenn man sich also in Deutschland zumindest teilweise so ernährt hat, wie ich mich in der Schulzeit, und dann in Japan nicht weiß, wie man Fertignahrung zubereiten soll, Rettung naht! Knorr verkauft in Japan die gleichen Produkte wie in Deutschland, die Aufgusszeit sollte unverändert sein, ein deutscher Urlauber weniger verhungert! Juche!

(Knorr war zumindest mal Deutsch, inzwischen gehört’s zu Unilever.)

Nur noch… fast drei Monate!

Ich habe in einem anderen Eintrag schon über den JLPT geschrieben. Bisher habe ich den N2, der folgendes vorraussetzt: 1.000 Kanji, 6.000 Vokabeln und 600 Lernstunden. Ob ich wirklich 1.000 Kanji lesen kann oder 6.000 Vokabeln kenne, wage ich zu bezweifeln, aber irgendwie habe ich es damals geschafft. Das ist nun schon zwei Jahre her.

Mein Mann lernt jeden Abend für eine Architektenlizenz, die ich aufgrund vollkommenen Unwissens so nenne, und ich habe angefangen, mit ihm zusammen für den nächsten JLPT, den N1, zu lernen. Dafür habe ich mehrere Lehrbücher mit denen ich den Tisch vollmüllen kann, und wenn ich in etwa doppelt so viel lernen würde, hätte es sicher einen großen Effekt.

In Deutschland kann man den JLPT unter anderem in Berlin auf allen Stufen (N5 bis N1) ein Mal im Jahr am ersten Sonntag im Dezember ablegen. In Japan gibt es einen zweiten Prüfungstermin für die Stufen N3 bis N1, am ersten Sonntag im Juli. Diesen zweiten Prüfungstermin hatte ich angepeilt, wegen absoluter Unsicherheit in allem.

Abends sprach ich mit meinem Mann darüber, und er meinte, dass ich mich doch einfach für den Test im Dezember registrieren lassen sollte. Wer weiß, vielleicht würde ich es schaffen. Während man für die anderen Stufen nur 60% richtig beantworten muss, sind es beim N1 gleich 70%. Dafür hat der aber auch mehr Strahlkraft, und könnte es mir vielleicht ermöglichen, in andere Bereiche des japanischen Berufslebens vorzudringen. Generell geht in Japan viel über Lizenzen und Scheine, da werden wir Geld investieren, denn aus Deutschland habe ich nicht viel und mein TOEFL ist abgelaufen.

Auf jeden Fall habe ich mir heute im Bücherladen meines Vertrauens die Anmeldeformulare abgeholt. Nach ausführlichem Studium des Begleitheftchens (auf Japanisch, Englisch, Koreanisch und Chinesisch, wie auch viele Lernmaterialien) habe ich den Anmeldebogen ausgefüllt, und natürlich gleich mal meinen Namen falsch geschrieben. Also, eigentlich schon richtig, aber mit Nachnamen vorn, wie in Japan üblich. Soll nicht so geschrieben werden, soll aussehen wie im Pass. Große Klasse.

Ich hoffe, im Test läuft das besser.

Verzicht.

Während ich Japan sonst immer als das Land, in dem Milch und Honig (Calpis und Anko) fließen, beschreibe, gibt es hier natürlich auch einige Dinge nicht. Das sind meist lebenswichtige Nebensächlichkeiten, wie Kloßteig oder aber auch Taschentücher, in die man schnauben kann. In den letzten Monaten habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, alles zu fotografieren, was es an deutschen Produkten in Japan zu kaufen gibt. Dinge aus Importläden sind ausdrücklich ausgeklammert, das wäre ja zu einfach. Also fangen wir an:

Japaner* lieben ihre Badewannen. Die sind kürzer als unsere deutschen Versionen, aber sehr viel tiefer, so dass, wenn man sich hinhockt, nur noch der Kopf herausguckt. Für mich ist das ein wenig zu hardcore, mir wird schwindelig und ich will nur noch ganz schnell weg. Dafür kann ich kalt duschen, was bei meinem Mann Albträume auslöst – er hat Angst, dass ich einfach tot umfallen könnte. Auf jeden Fall gibt es auch in Japan viele Badezusätze, eher selten mit Schaum, aber oft unglaublich gesund. Also gibt es auch Kneipp. Übrigens scheint man es am japanischen Markt für exotisch zu halten, den deutschen Text einfach stehen zu lassen.

* = mein Mann.

Auf seine Süßigkeiten muss man auch nicht verzichten, vorausgesetzt, man hat vorher eine strenge Gummibärchen- und Pullmoll-Diät eingehalten. Die Verpackungen sehen auch hier aus wie in Deutschland, also ist keinerlei Umstellung nötig.

Ich muss zugeben, dass ich gar kein großer Haribo-Fan bin. Generell essen wir nur wenige Süßigkeiten, und leben somit quasi fast gesund, und außerdem gibt es einige japanische Süßigkeiten, die ich lieber, aber auch nur sehr selten esse.

In Deutschland habe ich unter anderem Shampoo von Sebamed verwendet, und finde das Zeug wirklich toll. Seit noch nicht allzu langer Zeit (wahrscheinlich weniger als einem Jahr) gibt es die Produkte auch in japanischen Drogerien. Während die auch in Deutschland nicht sonderlich günstig zu haben sind, sind sie in Japan sündhaft teuer. 15€ für etwas, dessen Auflösung so gering ist, dass ich nicht lesen kann, was drin ist? Niemals!

(Ich habe schon einige Fotos von deutschen Dingen in Japan gesammelt und werde sie immer mal, wenn ich zu faul bin um einen ordentlichen Eintrag zu schreiben, einstreuen.)

Meine schöne, weiße Haut.

Durch den Sommer bin ich dunkler geworden. Da ich für gewöhnlich bekleidet durch die Stadt laufe, beschränken sich die dunklen Stellen auf alles, was nicht vom Stoff bedeckt war. Meine Oberarme und Schultern sind hell, und ich habe dunkle Haut in T-Shirt-Ausschnitt-Größe. Bei meinem Mann ist das alles noch etwas heftiger, er arbeitet auf der Baustelle unter der Sonne.

In Japan gibt es das Ideal vom 美白, dem “schönen Weiß”. Der japanische Wikipedia-Artikel heißt in der übersetzten, englischen Version interessanterweise “Whiteness in Japanese culture“. Abgesehen von Männern, Kindern, Jugendlichen und einigen wenigen Modestilen, ist weiße Haut absolut erwünscht. Ich wurde in Läden oft für meine wunderschöne weiße Haut bewundert (meine Standardantworten: “Ich bin Mitteleuropäerin.” und “Ich gehe einfach nicht so viel raus.”).

In Drogerien gibt es haufenweise Cremes und Sprays, die die Haut aufhellen sollen. Sogar Nivea stellt solche Cremes her. Interessanterweise werden die oft mit Fotos von blonden Westlerinnen beworben, übrigens genau wie Zahnkosmetik.

Ich bin sehr versucht, mir eine Aufhellungscreme zuzulegen, obwohl ich mich sonst immer über die Frauen, die im Sommer mit langen Handschuhen, Gesichtsvermummung und Sonnenschirm herumlaufen, lustig gemacht habe. Aber eine Creme, das ist ja fast nichts, und damit sieht man auch nicht so bescheuert aus. Bisher hält mich aber der Preis ab. Der Preis der Schönheit, hach.

(Übrigens habe ich vor längerer Zeit eine Sendung gesehen, wo Frauen in Asien gezeigt wurden, die durch Bleichcremes extreme Hautschäden davongetragen hatten. In Japan ist das wohl alles geprüft, und bei der Masse der Frauen, die die Sachen kaufen, vertraue ich darauf, dass ich auch nach der Anwendung noch Augenbrauen habe.)