Freiwillig schwitzen.

Für’s neue Jahr hatte ich mir ja unter anderem vorgenommen mehr Sport zu machen. “Mehr Sport” ist in meinem Fall nicht ganz so schwer, denn ich mache eigentlich überhaupt keinen. Aufgrund dessen habe ich einige körperliche Problemchen*, die ich eigentlich nicht haben sollte, und angeblich fühlt man sich mit Sport viel besser, also habe ich das mal ausprobiert.

* Nichts Ernstes. Wirklich.

Meine Wahl fiel auf Yoga. Yoga ist nicht nur gegen generell alles gut, sondern soll auch ausgleichend auf die Seele wirken – ein schöner Nebeneffekt, auf den sich sicher auch mein Mann sehr freut. Also habe ich nach Yoga-Studios in der Nähe gesucht und wurde tatsächlich fündig! Wer hätte das gedacht, auf dem Dorf im tokyoter Umland 😉 Flugs eine Probestunde gebucht, schnell noch eine sporttaugliche Hose gekauft, und zwei Wochen später (ich wollte mich ja nicht hetzen) ging es nach der Arbeit hin.

yoga

Während ich wusste, dass es sich bei dem Yoga-Studio um ein Hot Yoga-Studio handelt, ging ich wie selbstverständlich davon aus, dass “Basic Yoga” bei normaler Raumtemperatur abgehalten werden würde – weit gefehlt. 38°C, 65% Luftfeuchtigkeit und ich schon vorher halb vor der Verzweiflung. Würde ich das überhaupt überleben?

Wie ihr seht habe ich überlebt, und es war auch gar nicht schrecklich 🙂 Die Übungen gingen fast alle ganz gut, ich habe mal Muskeln benutzt, die sonst eher gering beansprucht wurden, und ich habe geschwitzt wie ein Wasserfall. Für’s Schwitzen muss man im japanischen Sommer eigentlich nicht zum Hot Yoga gehen, aber in einem kontrollierten Rahmen und mit genug Abstand zum nächsten Menschen ist das eigentlich sogar mal ganz angenehm.

Hauptsächlich geht es natürlich trotzdem ums Atmen, was mir geholfen hat ein wenig vom ganzen Alltag runterzukommen. Ganz entspannt und leicht wie eine Feder ging es also nach Hause.

Am nächsten Tag hatte ich Muskelkater. Bitte nicht rumfabulieren, warum und weshalb, ich bin mir ziemlich sicher, dass es daran liegt, dass ich in der Oberstufe zu oft meine Sportsachen zuhause “vergessen” habe.

Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen im August dann wirklich anzufangen. Der Juli ist dadurch, dass eine Freundin für eine Woche hier ist, schon recht verplant, und ich will nicht für etwas bezahlen, was ich nicht in Anspruch nehme. Wird auch so teuer genug, auch wenn es höchste Eisenbahn wurde, dass ich mir Hobbies anschaffe.

In Japan war was.

Sobald in Japan irgendetwas geschieht, was auch in deutschen Medien Beachtung geschenkt bekommt, bekomme ich besorgte Nachrichten, ob denn alles in Ordnung wäre. Nach starken Regenfällen gibt es Überschwemmungen in Ôita und Kumamoto im Süden Japans bekam ich diesmal von der Mutter einer Freundin die Frage, ob alles in Ordnung sei, sonst auch gerne mal von sämtlicher Verwandtschaft.

Das hängt damit zusammen, dass auf Nachrichtenseiten (und wahrscheinlich auch im Fernsehen) nicht darauf eingegangen wird, wo genau im Lande denn etwas passiert ist. Für den normalen Leser oder Zuschauer ist das auch nicht besonders relevant, für jemanden, der jemanden in Japan kennt, schon eher.

Japan ist flächenmäßig ein wenig größer als Deutschland, doch die Fläche ist ganz anders verteilt – in die Länge nämlich. So gibt es 北海道 (Hokkaidô), wo vor Jahren die olympischen Winterspiele stattfanden (soll heißen, es gibt Schnee. Viel davon.) und aber auch 沖縄 (Okinawa), dessen Ausläufer-Inseln näher an Taiwan als an Japan liegen, wo Palmen sich im Wind wiegen und die durchschnittliche Temperatur im kältesten Monat des Jahres 18°C beträgt.

Originalkarte von LASDEC

In 千葉 (Chiba) leben wir, 福島 (Fukushima; die mit dem Atomunfall) liegt über 200 Kilometer von uns entfernt. Das ist in etwa so weit wie die Strecke von Berlin zum Kernkraftwerk Krümmel. Weiterhin gibt es in 北海道 (Hokkaidô) bekanntermaßen Bären, aber die sind zum Glück über 800 Kilometer weit weg. Da ist Stockholm näher an Berlin dran. Im südlichsten Süden des Landes liegt 石垣島 (Ishigakijima), wo wir unsere Flitterwoche verbracht haben. Von Tokyo bis dorthin sind es fast 2000 Kilometer und damit mehr als von Berlin nach Valencia.

Das gesamte Land ist ca. 3000 Kilometer lang, das entspricht der Luftstrecke zwischen Helsinki und Madrid. Auf Berlin übertragen war die Überschwemmung östlich von Paris, wir haben also absolut nichts mitbekommen. 🙂 Ich glaube, Sorgen muss man sich um uns erst machen, wenn etwas ausdrücklich in Tokyo passiert ist, ansonsten geht es uns gut.

Ist eben ein großes kleines Land, dieses Japan.

Die erste Stunde Koreanischunterricht.

Letzten Samstag hatte ich übrigens meine erste Koreanisch-Stunde. Wie vorhergesehen habe ich mich natürlich wie ein absoluter Idiot angestellt…

Den Unterricht gibt die Freundin einer Freundin, pro Einzelstunde kostet das 3,000Yen (ca. 30€), was um einiges billiger ist als in einer Sprachschule Unterricht zu nehmen. Die Lehrerin ist nicht nur als Koreanischlehrerin sondern auch als Übersetzerin tätig, hat demzufolge also ein absolut tolles Japanisch. Die Stunden sind allerdings für Japaner mit großer Begeisterung für koreanische Serien, Filme und Musik, und daher einigem Vorwissen, konzipiert.

In der ersten Stunde wurde ich erstmal ziemlich erschlagen. 😉 Worte, die ich lerne, sollen sofort im Unterricht verwendet werden, weswegen Begrüßung, Verabschiedung, Fragen nach dem Befinden usw. einen zu lernenden A4-Zettel füllen. Bei ersten zaghaften Versuchen der Lehrerin, mich mit den Vokabeln zu konfrontieren, gab ich aber eine eher jämmerliche Figur ab.

Während das Lesen und Schreiben im Koreanischen leichter ist als im Japanischen und ich das eigentlich auch schon im Selbststudium gelernt habe, habe ich mich im Schnecktentempo durchs Lesen gequält. Ojee…

Fremdsprachenlernen ist zum Glück für alle ein Prozess von quasi Null, das muss ich mir immer mal wieder ins Gedächtnis rufen. Derzeit schaue ich mir die Vokabeln jeden Tag mal an, und inzwischen geht es auch ein wenig besser. Das Ziel ist natürlich irgendwann so gut Koreanisch zu sprechen wie Japanisch*, aber das dürfte ein langer Weg werden. Verdient die Lehrerin halt noch ein paar Jahre an mir. Gönne ich ihr 😉

* Und irgendwann so gut Japanisch wie Deutsch. Man kann ja noch träumen.

Er ist da.

Wenn hier Winter herrscht, vergesse ich immer wie schrecklich der Sommer davor war und wünsche ihn mir herbei.

Dann kommt der schöne Frühling. Dann kommt die Regenzeit. Und dann ist der Sommer da. Diese eklig heiße, schwüle, mir die Klamotten an den Körper kleisternde Jahreszeit. Wie eine Internetbekannte auf Facebook schrieb: “Warum Dusche ich morgens eigentlich?” Sobald ich mich abgetrocknet habe, klebt nämlich mein gesamter Körper und der Schweiß steht mir auf der Nasenspitze. Nachts läuft derzeit teilweise schon die Klimaanlage, damit wir überhaupt schlafen können. Demnächst schaffen wir uns wahrscheinlich Kühlmatten fürs Bett an.

Auf Arbeit läuft fast die ganze Zeit die Klimaanlage, damit die Kinder sich in der Hitze überhaupt auf den Unterricht konzentrieren können. Als Ausgleich für die ganze Plackerei waren wir heute im Pool! Meine Klasse und meine alte Klasse, zusammen heute 30 Kinder, plantschten vergnügt im Wasser, so sehr sogar, dass meine Klamotten von oben bis unten nass wurden. An sich gar nicht so schlecht 😉

Ich geh mir dann mal Eisreserven anlegen…