Unsere Küche ist komplett!

In japanischen Küchen ist es nicht standard, einen Ofen zu haben. Die meisten Wohnungen sind für einen Gasherd (ガスコンロ) wie auf dem Foto ausgelegt. Für die japanische Küche braucht man höchstens den kleinen Fischofen, der in jedem dieser Gerärte zu finden ist.

Unserer ist wie neu, weil ich keinen Fisch zubereite.

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Wir wollten schon seit längerem einen Ofen kaufen, am besten als Kombigerät mit einer Mikrowellenfunktion, damit wir nicht zwei Geräte herumstehen haben. Unsere Küche ist sehr klein, wir mussten also auch darauf achten, dass der neue Ofen überhaupt hineinpasst.

IMG_20140119_152724Am Sonntag ging es also mit Mann im Schlepptau zu Yodobashi Camera in Akihabara. Es ist wahrscheinlich das größte Elektronikkaufhaus in der Stadt, wir rechneten uns also gute Chancen aus. Und siehe da, wir haben etwas gefunden. 😀 Für ca. 26,000Yen (ca. 185€) haben wir den Toshiba ER-LD7 gekauft. Er ist ziemlich massiv, passt aber problemlos auf unser dafür vorgesehenes Regal. Außerdem ist der Innenraum im Vergleich zu anderen Geräten recht groß. 🙂 Bis 250°C heiß wird er und hat einige voreingestellte Programme. Das praktischste ist eigentlich, dass er piepst wenn er fertig vorgeheizt ist und automatisch ausgeht sobald die angegebene Backzeit erreicht ist – keine verbrannten Pizzen mehr!

Eigentlich wollten wir gleich am ersten Abend Lasagne machen, haben es dann aber bei Muffins belassen. Unsere Küche ist komplett. ♥ Jetzt kann mein Mann auch endlich wieder Kuchen backen, darin ist er nämlich total gut! 😀

Meine Pop-Kultur.

(c)矢沢漫画制作所/集英社・VAP・マッドハウス・NTV

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Nana habe ich geliebt!

Etwas was ich immer wieder etwas schade finde ist, dass ich nicht mehr Interesse an der japanischen Popkultur habe. Früher war das natürlich anders. Früher, als ich noch in Deutschland und das alles doch irgendwie recht exotisch war. Seit ich das erste Mal nach Japan gezogen bin hat sich da einiges geändert.

Ich lese keine Manga. Wir haben keinen einzigen zuhause und dabei wimmelt es in den Buchläden nur so davon. Früher habe ich Manga verschlungen, ich weiß gar nicht mehr was ich alles gelesen habe, aber viel. Es gab auch nie einen Punkt an dem ich Manga irgendwie abgeschworen hätte. Ich habe nur einfach keine mehr. Bei Anime war das sehr ähnlich. Früher habe ich sehr viel gesehen, natürlich immer auf Japanisch mit Untertiteln, welcher Anime-Enthusiast mit Selbstrespekt würde es anders tun, jetzt gucke ich gar keine Serie.

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©東宝

Wir gucken nicht einmal viele Real-Serien (Dramas), zumindest nichts Aktuelles: 結婚できない男 (Kekkon dekinai Otoko), 鹿男あをによし (Shika-Otoko Awoniyoshi), タイガー&ドラゴン (Tiger & Dragon) und TRICK fallen mir nach etwas Nachdenken ein. Die leihen wir aus der Videothek aus oder sehen sie online. Einen Fernseher haben wir gar nicht erst, und auch deswegen kenne ich nur wenige der “Berühmtheiten”, vor denen es in Japan nur so strotzt. Wenn wir dann manchmal bei den Schwiegereltern fernsehen muss ich aber nur meine Schwiegermutter fragen, wer eine bestimmte Person ist. Sie kennt jeden!

Japanische Musik höre ich selbst eher wenig, wenn dann Asian Kung-Fu Generation, Radwimps, Art-School oder フジファブリック (Fuji Fabric). Mein Mann und ich, wir hören nicht unbedingt die neueste japanische Musik, einfach weil wir uns nicht mehr damit beschäftigen. Es gibt natürlich Lieder, die ich für Karaoke kenne, und über’s Radio bekomme ich auch noch immer ein wenig mit, aber letztendlich interessiert es mich nicht so sehr.

Das ist es nämlich: Das Interesse. Ich bin nicht interessiert. Ich denke, dass das etwas damit zu tun hat, dass diese Dinge, an denen ich in Deutschland ja durchaus interessiert war, nichts Besonderes mehr sind. Manga, Anime, Serien und Musik kann ich mir unglaublich günstig ausleihen. Kaufen ist in Japan wieder eine andere Sache, DVDs sind teuer, aber ich könnte mit einer einfachen Suche bei Amazon alles bestellen, wonach mein Herz vor fünf oder sechs Jahren begehrte.

Diesen Pudding à la Mode habe ich sicher auch nicht nur wegen des Geschmacks gekauft. 😉

Aus der Ferne sieht Europa jetzt wieder unglaublich attraktiv aus. Europa, vor allem Nordeuropa, hat für uns einen ganz besonderen Charme. Die Gebäude sind schöner*, das Leben entspannter und wenn man Glück hat und weit genug in den Norden kommt, kann man vielleicht sogar Polarlichter sehen. Polarlichter zu sehen steht auf der Liste der Dinge, die ich unbedingt machen möchte.

Außerdem sind die Menschen dort scheinbar glücklicher, Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland und Island sind alle in der Top Ten der glücklichsten Länder, laut dem World Happiness Report. Japan ist auf dem 43. Platz. Leute, die das verwundert: Hände hoch!

* Das klingt vielleicht doof, aber lauft doch mal durch Tokyo (außer Marunouichi und Ginza, die zählen nicht) und schaut, wie viele wirklich hübsche Bauwerke es gibt.

Mein Mann steht total auf England, er atmet “Top Gear“, lernt ausdrücklich British English und hat sein Portmonee hauptsächlich ausgewählt, weil es “Made in England” ist. Haut eine britische Flagge auf irgendetwas und mein Mann wird es kaufen. Wenn ihr mich haben wollt: Schwedische, norwegische und finnische Flaggen.

So wie es damals mit Japan war eben. 😉

Das Eulen-Café.

Nachtrag: Dieser Eintrag ist ziemlich alt, und inzwischen würde ich nicht mehr in ein solches Café gehen. Die Haltung ist einfach nicht artgerecht.

Über Katzen-Cafés habe ich schon mehrmals geschrieben, in letzter Zeit erfreut sich aber eine Art Tier-Café großer Beliebtheit: Eulen-Cafés. Kein Witz. 🙂

IMGP0109In Tokyo gibt es einige Cafés, wir waren in 月島 (Tsukishima) im フクロウのみせ (Fukurô no Mise; Eulen-Laden). Da der Laden sehr klein ist und nur eine bestimmte Anzahl Besucher zulässt (ich glaube neun), bietet es sich an, Plätze zu reservieren. Wäre auch einfach, wenn der Laden denn ein Telefon hätte, so muss man sich bei Ladenöffnung anstellen und schafft es entweder gleich hinein oder muss einen Platz zu einer späteren Zeit reservieren. Die Startzeiten sind jeweils zu vollen Stunde und man kann nur eine Stunde dort bleiben. Es ist also ganz anders als ein Katzencafé. Der Laden war nicht ganz so hübsch, aber das wurde durch die Tiere komplett ausgeglichen.

IMGP0137Nachdem man hineingelassen wird, werden einem erst einmal die Regeln erklärt: Nur die Mitarbeiter setzen die Vögel um, man kann sich also nicht einfach eine Eule von der Stange schnappen, sondern muss jedes Mal fragen. Auch darf man die Tiere nur am Kopf streicheln, und auch nur mit einem Finger. Was man immer im Hinterkopf behalten sollte: Die Tiere werden zwar von Menschen großgezogen und sind an sie gewöhnt, es sind aber letztendlich noch immer Raubvögel.

IMGP0187Aber unglaublich süße Raubvögel. So süß, dass man sich überlegen könnte eine zu halten: Im Laden werden auch Eulen an Halter vermittelt, das kleine Eulchen auf dem ersten Foto kostet schlappe 230,000Yen (1.617€). Allerdings sind Eulen nicht stubenrein, weswegen es natürlich auch im Laden sein kann, dass sie einem auf die Klamotten oder gleich die Haare koten. Alles auf eigene Verantwortung.

Es lohnt sich total meiner Meinung nach zumindest ein Mal hinzugehen. Für eine Stunde plus Getränk zahlt man 1,000Yen (7€), und die ging wirklich wie im Fluge vorbei.

Kōbe, Teil 4: Endlich Kobe-Rind!

Wie im letzten Eintrag schon angedeutet, hatten wir nach zwei Tagen fast alles gesehen, was wir sehen wollten. Es stellte sich also die Frage, was wir bis zum frühen Abend tun sollten.

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Zuerst machten wir einen kurzen Abstecher zum Ikuta-Schrein (生田神社). Der war in den ersten zwei Tagen dermaßen überfüllt, das wir uns nicht zugetraut hatten dort hineinzugehen. Dieser gehört wohl zu den ältesten Schreinen des Landes und war der Ausgangspunkt der Entstehung der Stadt Kôbe.

… Um ehrlich zu sein war es ein ziemlich normaler Schrein. Natürlich ganz hübsch, aber für mich von der Atmosphäre her bei weitem nicht so besonders wie die Schreine im Wald in Tochigi.

Die Zeit bis das Restaurant, das wir uns für das Mittagessen ausgesucht hatten, aufmachen würde, haben wir damit verbracht in Cafés zu sitzen und durch die Stadt zu laufen. Nicht besonders spannend und außerdem war es ziemlich kalt.

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Noch kein Kobe-Rind

Beim Restaurant Mouriya (モーリヤ) angekommen hatten wir eigentlich noch gar nicht vor Kôbe-Rind zu essen, denn es ist wirklich unglaublich teuer. Wir entschieden uns also für Mittags-Sets mit Rindfleisch*, Gemüse, Reis, Suppe und Getränk. Das alles wurde vor uns zubereitet und schmeckte durchaus gut. Danach war ich eigentlich recht satt, mein Mann war aber noch nicht fertig.

* Ausdrücklich kein Kobe-Rind, das wurde bei der Bestellung auch noch einmal erwähnt, aber ähnliches Fleisch.

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Kobe-Rind

Der 4. Januar war nämlich auch einer unserer Jahrestage, der Tag an dem wir zusammengekommen sind. 🙂 Fünf Jahre ist’s her. Und an so einem Jahrestag kann man auch mal ein wenig mehr ausgeben, und wenn wir schon in Kôbe sind… 😉 Es wurde also Kobe-Rind (神戸牛 Kōbegyū) bestellt. Für 130g Filet A5, BMS (Beef Marbling Standard) 8 bis 10 haben wir 7,500Yen (52€) bezahlt. Für ein komplettes Mittagessen mit Kobe-Rind zahlt man ab 8,500Yen (59€).

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War es das wert? Irgendwie schon, ja. Das Fleisch war unglaublich weich und zart, schmeckte sehr gut und war wirklich gut zu essen. Bei Rindfleisch habe ich sonst schnell ein gewisses Unwohlsein, bei diesem Fleisch war das aber gar nicht der Fall. Kôbe-Rind ist eben doch besonders. 🙂

Kôbe-Rind ist übrigens keine eigene Rasse, sondern bezeichnet Tajima-Rinder (但馬牛), die bestimme Vorraussetzungen erfüllen. Zuerst einmal müssen sie in der Präfektur Hyōgo geboren sein. Weibliche Tiere dürfen noch nie trächtig gewesen, männliche Tiere müssen kastriert sein. Die Mamorierung des Fleisches muss mindestens Level 6 auf der BMS (Beef Marbling Scale) erreichen. Von einem Tier dürfen höchstens 460kg Fleisch kommen.

Kôbe-Rind wird nur in fünf Gebiete exportiert: Macau, Hong Kong, Thailand, Singapur und die USA. Man kann in Deutschland also kein echtes Kôbe-Rind essen.

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Damals wurden die Tiere wohl übrigens tatsächlich massiert und mit Bier gefüttert, inzwischen läuft nur noch klassische Musik in den Ställen. Stress ist schlecht für die Qualität des Fleisches. 😉 Für die Tiere gibt es natürlich auch Stammbäume, so wie der auf der linken Seite. Weil Kühe keine Fingerabdrücke haben, werden Abdrücke der Schnauze genommen. Dieser Abdruck ist wohl bei jedem Tier anders.

Unser Koch hat uns darauf hingewiesen, dass viele Läden, die günstiges Kôbe-Rind anbieten, kein echtes Kôbe-Rind verkaufen. Es gilt also “Wenn es zu gut ist um wahr zu sein, ist es wahrscheinlich nicht wahr”.

Den Rest des Nachmittags liefen wir durch die Stadt, sahen uns noch einige Läden an und machten uns dann recht früh auf den Weg zum Flughafen, wo wir eineinhalb Stunden lang auf unseren Kindles lasen.

Und das war unser Neujahrsurlaub. 🙂 Schön war’s, nur ist’s im Winter ziemlich kalt. Wer hätte das Gedacht… 😉