Japanisch kochen: Mit Lauch gegen den Sommer!

Nach dem Taifun der zumindest in Tokyo keiner war, hat der Sommer Einzug gehalten. Es ist entweder heiß oder schwül oder beides. Mich hat’s natürlich direkt umgehauen, weil ich genau gemacht habe, was man so falsch machen kann: Kalte alkoholische Getränke und kaltes Essen, außerdem habe ich ständig versucht mich vor der Hitze in Gebäuden zu verstecken, ist schließlich Sommer-Sale. 😉

Zwei Tage der Herumrenne- und Trinkerei, und am Sonntag hing ich nur noch herum und schlief. Mein Mann, der Held in der Kochmütze, hat natürlich alles daran gesetzt mich zu retten, und weil unser Abendessen auch in Deutschland recht einfach nachzukochen ist, hier das Rezept.

5fb32b777c56af203a0bffda0d3a2235

鶏もも肉のねぎ塩ダレ Hähnchenschenkel mit Lauch-Salz-Sauce

Zwei Hähnchenschenkel
★ 1EL Koch-Sake
★ 1TL Zucker
★ 1/4TL Salz
★ Ein wenig Sesam-Öl
Ein wenig Öl

Sauce

1 Lauch*
1EL Sesam-Öl
1EL Zitronensaft
1/2TL Salz
1/2TL Zucker
(ein wenig Pfeffer, wir sind ohne ausgekommen)
* Es ist 白ネギ (weißer Lauch), aber ich weiß nicht, ob es das in Deutschland gibt)

  1. Hähnchenschenkel in mundgerechte Stücke schneiden, und in einer Schüssel mit allen mit ★ gekennzeichneten Zutaten vermengen. Wenn man das für eine Weile (bei uns waren es zwei Stunden) in den Kühlschrank stellt, schmeckt’s noch besser.
  2. Den Lauch kleinschneiden und alle Saucen-Bestandteile (außer des Pfeffers) in einer Schale vermischen.
  3. Öl in einer Pfanne erhitzen und das Hähnchen in einer Pfanne von beiden Seiten braten. Immer drauf achten, dass Hänchen ordentlich durch ist, ich übernehme keine Verantwortung für Lebensmittelvergiftungen. 😉
  4. Hähnchen auf den Teller, Sauce drüber, fertig!

Schmeckt super mit Reis und Salat. 🙂

召し上がれ! Guten Appetit!

Letztens beim Frühstück.

Letztes Wochenende beschlossen wir, zur Solamachi zu fahren. Der Sommer-Sale hatte begonnen und außerdem war es Biergarten-Wetter. In der Solamachi gibt es ein Restaurant, das auf ausländische Biere spezialisiert ist und wo man auch draußen essen kann: 世界のビール博物館 (Sekai no Bîru Hakubutsukan; Welt-Bier-Museum).

Vorher ging es zum Frühstück und unser Gespräch kam darauf, dass wir vielleicht ein Auto kaufen wenn ich schwanger werde und dass ich einen Führerschein brauche.

Er: “Du solltest es mal ausprobieren.”

Ich: “Hmn?”

Er: “Lass uns doch irgendwo hinfahren, wo du gegen nichts fahren kannst, und dann fährst du Auto.”

Ich (halte mich an der Tischplatte fest): “Nein! Wir müssen doch zur Solamachi! Bier trinken! Bier! Ich geb’ dir eins aus!”

20140706_121516Und so geschah es.

Während ich an meinem Ginger Ale nippte* bestellte mein Mann sich durch Europa, fragte nach jedem Bier, warum die Japaner nicht so gutes Bier brauen können und ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen.

* Ich trinke recht wenig und gestern Abend stellten wir auch wieder fest, warum – nach drei Bier lief ich sehr angeheitert durch Tokyo.

Mit Alkohol im Blut kann man nicht mehr autofahren, und so verbrachten wir den Rest des Tages damit einzukaufen.**

Gerade noch einmal gut ausgegangen. 😉

** Würde es irgendjemanden interessieren, was ich so für Klamotten trage? Bei Interesse schreibe ich mal drüber. Mit Fotos. 🙂

Die etwas eigenartigen Dinge in Japan.

In Japan bin ich über die 国民健康保険 (Kokumin Kenkô-Hoken; Nationale Krankenversicherung) versichert. Über die Firma kann ich nicht versichert werden, weil ich dafür zu wenig arbeite und über meinen Mann und damit seine Firma kann ich nicht versichert werden, weil ich zu viel verdiene. Die Grenze liegt, wenn ich mich recht entsinne, bei 1,300,000Yen (ca. 9300€). Meine Krankenversicherung muss ich also komplett aus eigener Tasche bezahlen, aber ich nutze das System dermaßen, dass es sich absolut lohnt.

Übrigens zahlt man für gewöhnlich 30% der Arztkosten in Japan selbst. Das heißt, dass es schon mal empfindlich wehtun kann, wenn doch eine genauere Untersuchung ansteht.

20140623_160812#1Mehrmals im Jahr bekomme ich einen Brief*, in dem steht, bei welchem Arzt ich war und wie viel Geld das gekostet hat. Ich weiß nicht genau, warum ich diese Information benötige, vielleicht versucht man ja mir ein schlechtes Gewissen zu machen. 😉

* Eigentlich eine Postkarte. Wir haben hier Postkarten, die man auffalten kann. Ist wohl günstiger als Briefe zu verschicken.

20140623_160802#1

Nein, so heiße ich nicht.

Was aber eigentlich eigenartig ist, ist an wen diese Postkarten addressiert sind: An meinen Mann.

Mein Mann ist nicht über die gleiche Versicherung krankenversichert. Er bezahlt meine Krankenversicherung nicht. Er hat überhaupt nichts mit denen zu tun. Aber scheinbar reicht allein, dass er der Mann im Haus ist, aus um ihn dafür zu qualifizieren soetwas zugeschickt zu bekommen. (Er ist tatsächlich 世帯主 (Setai-Nushi; Kopf des Haushalts).)

Nicht dass ich Geheimnisse vor meinem Mann hätte, aber etwas nervt es mich schon. Geht ja schließlich um meine Gesundheit und meine Arztbesuche.

Die Beiträge errechnen sich übrigens aus dem Haushaltseinkommen… Und da mein Mann letztes Jahr noch mehr Überstunden gemacht hat als im Vorjahr steigen meine Beiträge plötzlich um 50%… 🙁

 

Buch: Durst ohne Ende.

Als wir letztens Mal im Kino waren, sahen wir die Vorschau für 渇き。 (Kawaki.; Durst.). Ich habe eigentlich durchaus einen Platz in meinem Herzen für solche verrückte Filme, und die Geschichte über ein Vorzeigemädchen, das verschwindet und sich als doch nicht ganz so engelsgleich entpuppt.

スクリーンショット 0026-07-07 7.57.18

©GAGA

Letzten Montag waren mein Mann und ich in Shibuya, er zum Arbeiten, ich um ein bisschen zu schlendern. Im Buchladen fand ich dann das Buch, auf dem der Film basiert, 果てしなき渇き。 (Hateshinaki Kawaki.; Unendlicher Durst.) von Fukamachi Akio (深町 秋生).

Dass Kanako verschwunden ist, hört der ehemalige Polizist Fujishima Akihiro zuerst von seiner Ex-Frau. Auch, dass es einen Grund gibt, es nicht der Polizei zu melden – in Kanakos Zimmer befinden sich über einhundert Päckchen Speed. Also macht Fujishima sich allein auf die Suche nach seiner Tochter.

Gleichzeitig erfährt man von Seoka Naoto, der vor drei Jahren in der Mittelschule aufs übelste drangsaliert wurde. Als er Kanako kennenlernt hört das Mobbing* plötzlich auf. Seoka verliebt sich in Kanako, und möchte unbedingt ihr Freund werden.

* Kein “Nein, du darfst nicht mit uns an einem Tisch sitzen”-Mobbing, er wird regelmäßig bedroht und zusammengeschlagen.

Und wer vorhat den Film zu sehen, oder das Buch zu lesen, Stopp! Ab hier ist Spoilerland. Auch wenn ihr etwas zarter besaitet seid – einfach nicht klicken.

Weiterlesen