Meine neue Arbeit.

Nach einigen Bewerbungsgesprächen hat es letzte Woche endlich geklappt: Ich habe einen neuen Job. Der klingt an sich wenig spektakulär, ich bin Gruppen-Assistentin in der IT-Abteilung eines großen Unternehmens, aber es gibt viel zu lernen. Und lernen ist immer gut. 🙂

Aber noch einmal zurück. Vor einigen Monaten habe ich mich bei einer 派遣会社 (Hakengaisha; Zeitarbeitsfirma) angemeldet. “Zeitarbeit” klingt in Deutschland immer etwas nach Hilfsarbeiten auf Mindestlohnbasis, das ist hier etwas anders. Viele große Firmen setzen Zeitarbeiter zu einem anständigen Stundenlohn ein. Dennoch bin ich natürlich bei der Zeitarbeitsfirma angestellt und nicht direkt bei meinem neuen Job. Heißt, ich bin recht leicht ersetzbar.

Andererseits habe ich von meiner Zeitarbeitsfirma immer wieder Jobangebote bekommen, und wurde immer zu Bewerbungsgesprächen begleitet, was sehr geholfen hat. Außerdem gibt es viele Positionen in Unternehmen, die nicht öffentlich ausgeschrieben werden – meinen jetzigen Job hätte ich anders gar nicht gefunden. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass ich irgendwann übernommen werde. 😉

IMG_1719Mein neues Büro ist in 六本木 (Roppongi), einem Teil Tokyos, den ich eigentlich nicht so mag. In Roppongi leben die, die viel Geld haben oder ihre Wohnung von der Firma gestellt bekommen, und alles ist sehr international und teuer. Ich mag mein japanisches Japan sehr gern. 😉

In der Firma sprechen die meisten auch Englisch, die Anträge laufen auf Englisch, weil es eine internationale Firma ist, aber untereinander wird lieber Japanisch verwendet. Muttersprache eben.

Die Kleidungsrichtlinien sind nicht übermäßig straff. Keine kurzen Hosen oder Miniröcke, keine Schlappen, keine Kleidung mit großen Logos von Mitbewerbern, keine freien Schultern. Das ist für ein japanisches Büro regelrecht lax.

Meine Mitarbeiter sind allesamt sehr nett und vor allem verständnisvoll wenn es darum geht, dass ich eben noch nicht alles kann. Dafür habe ich dann einen recht vollen Schulungskalender. Zum Glück hat meine Vorgängerin recht umfangreiche Dokumentation zurückgelassen, mit Beispielanträgen und worauf man achten muss. Ich habe die Dame zwar nicht kennengelernt, aber ich bin sehr dankbar. 🙂

Die Arbeitszeiten sind natürlich etwas anders als im Kindergarten, mein täglicher Arbeitsweg ist auch viel länger. Wenn es im Blog also etwas ruhiger werden sollte, wisst ihr warum. 🙂 Aber dafür kann ich demnächst endlich einen qualifizierten Eintrag über die Hölle Tokyoter Rush Hour schreiben. Yay!

Japanische Eigenheiten in sozialen Netzwerken.

(Inspiriert von diesem Artikel von Sandra Häfelin, die auch ein Comic Essay über Halbjapaner geschrieben hat. Wenn ich von “die Japaner” rede, meine ich immer “die Japaner, die ich kenne”.)

Japaner lieben ihre sozialen Netzwerke (in Japan “SNS”, von Social Networking Service). Als ich zuerst nach Japan gekommen bin, 2008, waren viele ausschließlich auf rein japanischen Plattformen anzufinden, besonders: Mixi. Für die Registrierung brauchte man eine japanische Handynummer, was im Ausland lebende komplett ausschloss. Wie Japan selbst war auch Mixi eine kleine Insel. 😉

Inzwischen sieht es etwas anders aus. Mixi verliert seit Jahren stetig an Usern, aber nicht, weil die Japaner generell weniger Lust auf soziale Netzwerke haben: Sie gehen einfach zu Facebook. 😀 Wichtiger als Facebook ist eigentlich nur noch Line. Auch Twitter ist sehr beliebt und hat nach dem Erdbeben vom 11.3.2011 eine sehr große Rolle gespielt. Informationen über Stromausfälle gab es dort immer zuerst. Außerdem kann man auf Japanisch in 140 Zeichen einfach mehr sagen als auf Englisch oder Deutsch.

Zwischen Deutschen und Japanern gibt es einige Unterschiede in der Nutzung dieser Plattformen, durchaus auch Dinge, gegen die ich immer mal pralle. 😉

Persönliche Informationen machen dich angreifbar

Ich habe das Gefühl, dass in Japan viel mehr drauf geachtet wird, wie leicht man identifiziert werden kann. Auf Twitter hat kaum jemand ein Foto von sich als Profilbild. Selbst auf Facebook, wo Japaner eher Klarnamen verwenden, haben viele Fotos ihrer Haustiere oder Kinder eingesetzt, oder sind anders nicht eindeutig zu erkennen. Arbeitgeber werden auch eher selten angegeben. Bloß nicht zu viel preisgeben. Wenn man sieht, was im Internet immer mal an Shitstorms losgetreten wird, ist das vielleicht gar nicht blöd. 🙂

“Ich teile das!” “Ich folge dir!”

Manchmal lassen Japaner einen wissen, wenn sie dir auf Twitter oder Instagram folgen oder auf Facebook etwas teilen werden. Dabei sagen mir die Plattformen das doch selbst? Egal. 「シェアさせて下さい!」 (Share sasete kudasai!; Lass mich das bitte teilen!), 「フォローさせて頂きます!」 (Follow sasete itadakimasu!; Ich lasse mich dir folgen!*). Eine Antwort brauchen beide Kommentare übrigens nicht.

* Japanische Höflichkeitsformen sind blöd zu übersetzen.

Öffentliches Bedanken

Etwas, was mir vor Lesen des Artikels von Sandra Häfelin gar nicht so bewusst war, aber absolut stimmt: Wenn ich etwas von jemandem bekomme, poste ich meist entweder auf Facebook oder Instagram ein Foto und bedanke mich dort noch einmal. 🙂 Das freut den Beschenker noch einmal und ich kann ein bisschen angeben. 😉

Nicht einfach Fotos posten

Es geht Hand in Hand mit dem ersten Punkt, aber ich frage vor allem bei Japanern (und sonst aber auch) nach, bevor ich irgendjemandes Foto im Internet poste. Vielleicht macht ihr in Deutschland das alle auch, aber ich hatte das damals nicht immer im Hinterkopf – hatte aber auch keinen öffentlichen Blog. Bei meinen Schwiegereltern und der weiteren japanischen Familie habe ich noch nicht einmal angefragt, sie würden ablehnen. Meinen Mann darf ich posten, aber auch das hat Zeit gebraucht. 🙂

Schaut: Kein Make Up!

Japanerinnen haben oft sehr viel Make Up im Gesicht. Viele Japanerinnen sind auch viel besser mit Make Up als ich, und können sich sogar in der schaukelnden Bahn schminken. Ich habe Geschichten gehört von jungen Frauen, die eine Stunde vor ihrem Freund aufstehen, damit er sie bloß nie ohne Make Up sehen muss. Mein Mann hat einmal ein Mädchen aus seiner Unigruppe nicht erkannt, weil sie nicht geschminkt war. Sein Gesicht ohne Make Up (すっぴん suppin) zu zeigen und zu taggen, ist etwas, was wahrscheinlich in Japan viel öfter vorkommt als in Deutschland – einfach weil es viel ungewöhnlicher ist sein Gegenüber ungeschminkt zu sehen.

Verlinkung? Welche Verlinkung?

Das ist etwas, was mich persönlich etwas nervt, aber wahrscheinlich aus der Mixi-Zeit stammt: Wenn man bei Facebook den Namen eines Freundes eingibt, erscheint eine Liste. Wenn man den Freund dort auswählt, findet im Text eine Verlinkung auf sein Profil statt und er wird benachrichtigt. Japaner machen das ganz oft nicht, und dann muss man jeden Kommentar durchlesen um zu sehen, ob geantwortet wurde. Im japanischen Text muss man ein @ vor den Namen setzen, sonst erscheint die Liste nicht, aber ein Zeichen mehr oder weniger…

Cup Noodles Museum in Yokohama.

Wer kennt sie nicht – Fertignudeln. Das liebste Frühstück, Mittag und Abendessen aller Jugendlichen und Studenten. 😉

Fertignudeln wurden von Andō Momofuku (安藤百福) erfunden, als er nach dem zweiten Weltkrieg sah, wie lange Leute für einfache Ramen-Nudeln anstanden. Dass er auf der Suche nach einer neuen Geschäftsidee war, spielte sicher auch hinein. 😉 Bis 2005 war er Firmenpräsident der Firma Nissin, die der geneigte Leser vielleicht aus seinem heimischen Supermarkt kennt: Demae Ramen, Cup Noodles und Top Ramen sind Nissin-Produkte.

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In Yokohama gibt es seit einiger Zeit das Cup Noodles Museum, erbaut von ebendiesem Nissin-Konzern. Der Museumsteil war nicht unglaublich groß und für mich auch ein wenig zu lobhudelnd, aber um ehrlich zu sein, besucht auch niemand vordergründig das Cup Noodles Museum um etwas über Nudeln zu lernen.

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Für 300Yen (2,35€) kann man sich seine eigenen Cup Noodles zusammenstellen! 😀 Dafür bekommt man zuerst einen Becher, den man dekorieren kann. Die entstandenen Meisterwerke bringt man im Anschluss an einen Counter, wo erst die Nudeln hineingegeben werden. Oder andersherum: Der Becher wird über die Nudeln gestülpt und dann umgedreht, ansonsten klappt das nicht richtig. Die Nudeln würden schräg hineinfallen. Im nächsten Schritt kann man sich eine von vier Suppen und vier von zwölf Zutaten aussuchen.

Zum Schluss wird ein Deckel draufgesetzt, das ganze Paket versiegelt und in eine witzige, aufblasbare Tüte gepackt. Fertig!

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Aber man kann sich nicht nur Cup Noodles zusammenstellen sondern auch Chicken Ramen, Nissins erstes Produkt, selbst machen! Für alle über 16 kostet das 500yen und dauert etwa anderthalb Stunden. Dafür bekommt man eine Schürze und ein formschönes Hühnchen-Bandana, das man auch mitnehmen darf. Zuerst wird der Teig gemischt, dann geknetet und dann flachgedrückt.

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Danach wird der Teig etwa zehn Mal durch eine Maschine gegeben um einen gleichmäßige Masse zu ergeben.

Nach einer kleinen Pause wird der Teig immer dünner gerollt, bis er letztendlich nur noch etwa einen Millimeter dick ist. Im nächsten Schritt wird der Teig in der Maschine kleingeschnitten und man schneidet die Nudeln auf etwa 20 cm Länge ab.

Chicken Ramen wird nicht mit einer seperaten Suppenmischung geliefert, der Geschmack ist schon an den Nudeln selbst dran. Also mussten wir noch die Nudeln mit der Soßenmischung vermischen und in Förmchen geben.

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In die Nudeln in den Förmchen werden dann einige Freiräume gemacht, damit alles gleichmäßig frittiert werden kann. Ja, die Nudeln werden durch Frittieren getrocknet. 😀 In der Fabrik wird das übrigens scheinbar auch ähnlich gemacht.

Zum Schluss bekamen wir zwei Packungen Chicken Ramen, eine, die wir selbst gemacht hatten, und eine, die in der Fabrik hergestellt wurde.

An einem Tag mit schrecklichem Wetter war das wirklich ein nettes Programm, und sicher auf für Kinder total spannend. Während ich 2015 noch übersetzen musste, gibt es inzwischen scheinbar zumindest schriftliche Erläuterungen auf Englisch.

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Yokohama, Naka, Shinkō 2-3-4

Origami: Oktopus.

KrakenBevor ich im Kindergarten aufgehört habe, habe ich Fotos von allen Origami-Anleitungen gemacht. 😀

Für den Oktopus ist es vielleicht noch etwas früh, aber es ist mein Lieblings-Kinder-Origami. Leider war es für die kleineren Kinder immer viel zu schwer. Leider ist die Qualität des Bildes nicht so super, es handelt sich um die Kopie einer Kopie. In Schritt 4 wird das Dreieck auf die Hälfte gefaltet. Im siebten Schritt werden kleine Taschen gebildet, im elften nur das obere Papier heruntergefaltet. Da müsst ihr mal etwas rumknobeln. 😉