Filmzeit: Schwerkraft nicht nur für Clowns.

Diese Woche war mein Mann mit einem Studienkollegen trinken, und ich habe das einzige Vernünftige getan: Donuts gekauft und DVDs ausgeliehen. 😀

(c)「重力ピエロ」製作委員会

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重力ピエロ Jûryoku Piero (2009) (Trailer)

Regisseur: Mori Jun’ichi

Darsteller: Kase Ryô, Okada Masaki, Kohinata Fumiyo

Izumi und Haru sind ungleiche Brüder. Der eine studiert Biologie im Master, der andere reinigt von Graffiti verunstaltete Häuser. Auch charakterlich sind sie verschieden: Izumi ist zurückhaltend, Haru aufbrausend und voller Energie. Als in der Stadt (Sendai) immer wieder Feuer gelegt werden, stellen sie fest, dass Haru jedes Mal vor der Tat ein Graffiti in der Nähe entfernt hatte. Sie machen sich auf um das Rätsel zu lösen, und finden die Antwort in ihrer Vergangenheit.

Persönliche Meinung: Das Buch, auf dem der Film basiert, stammt von 伊坂幸太郎 (Isaka Kôtaro), der auch アヒルと鴨のコインロッカー (Ahiru to Kamo no Coinlocker) geschrieben hat. Die Geschichte um die beiden Brüder und die Frage, wie viel Charakter von unseren Genen kommt, ist durchaus spannend erzählt, auch wenn ich mich manchmal etwas sehr an die Hand genommen gefühlt habe. Ich mag Filme, bei denen ich mitdenken muss, der Plot Twist von Jûryoku Piero war nach dem ersten Akt eigentlich offensichtlich. Trotzdem sehenswert.

Die DVD hat englische Untertitel.

Über Schuluniformen.

Auch wenn ich außerhalb von Hardcore Harry-Potter-Fans kaum einmal jemanden gesehen habe, der britische (oder australische) Schuluniformen toll findet, hat die japanische Schuluniform viele Fans.

Manche Kinder beginnen Uniformen zu tragen, bevor sie ihren eigenen Namen schreiben können – im Kindergarten. Die Uniform ist dort vor allem ein Zeichen von Status: Fast ausschließlich private und damit teurere Kindergärten haben Uniformen. Dabei gibt es große Unterschiede: Mini-Schuluniformen mit Hose/Rock und Blazer, einfache Überjacken, Schürzen oder einfach nur besonders hübsche Hüte. Alle Kindergärten haben natürlich Mützen, nicht nur um vor der aggressiven japanischen Sonne zu schützen sondern auch weil es den Erzieherinnen das zählen der Rasselbande ungemein erleichtert. Die ganz hübschen Uniformen werden, sobald die Kinder im Kindergarten angekommen sind, meist gegen simple Sportuniformen ausgetauscht. In denen kann man sich besser bewegen und es ist nicht so schlimm, wenn sie dreckig werden.

Auch viele Grundschulkinder haben, abgesehen von einer Mütze und den recht einheitlichen japanischen Schulranzen, keine Uniform. Wie auch im Kindergarten geht hier die Trennung über die Frage, ob die Schule öffentlich oder privat ist.

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Sailor Fuku auf dem Skytree

Ab der Oberschule, also ab der siebten Klasse, tragen fast* alle Schüler in Japan jeden Tag Uniform. In der Universität dürfen dann die meisten wieder tragen was sie wollen – was Japaner auch schamlos ausnutzen. 😉 Vielleicht sind Japaner ja nur so stylisch, um den Uniformzwang auszugleichen? Wer weiß.

* Die großen Ausnahmen von denen ich weiß sind internationale Schulen.

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Schuluniformtypen, die weit verbreitet sind: Sailor Fuku (セーラー服)  für die Mädchen und Gakuran (学ラン) für die Jungen; und die Uniform mit Blazer. Sailor Fuku und Gakuran gibt es eigentlich nur im Set – außer bei meinem Mann, da durften die Mädchen ab der 10. Klasse Blazer tragen, die Jungs waren aber in ihren Gakuran gefangen. Mein Mann sieht im Gakuran schrecklich aus. 😛

Die Uniformen mit Blazer sind aus europäischer Sicht etwas langweilig, es sind halt Röcke oder Hosen mit Hemd und Blazer.

Schuluniformen bekommt man leider nicht einfach so im Paket mit den restlichen Schulkosten – die kosten noch einmal richtig Geld. Viele Schulen haben ihre ganz eigenen Uniformen, mit festgelegten Farben, Schnitten und vielleicht irgendwo einem Logo. Eine Schule in meiner Nähe hat die schönen Farben Grün und Braun. Schwarze Socken dürfen die Schülerinnen, es ist eine Mädchenschule, dort auch nicht tragen, die langen müssen Braun sein. Ich habe die Schülerinnen dieser Mädchenschule auch noch nie mit gekürzten Röcken gesehen, die Regeln sind scheinbar recht streng. Solche Schnarchnasen. 😉 Kommen aber wahrscheinlich auf eine gute Uni.

ビリギャル (Birigyaru) verkörpert, wie eine schlechte Schülerin aussieht. Wenn nur alle schlechte Schülerinnen 有村架純 (Arimura Kasumi) wären...

ビリギャル (Birigyaru) verkörpert, wie eine schlechte Schülerin aussieht. Wenn nur alle schlechte Schülerinnen 有村架純 (Arimura Kasumi) wären… ©東宝

Die “Qualität” der Schule erkennt man nämlich häufig daran, wie korrekt die Schüler angezogen sind. Kurze Röcke, gefärbte Haare**, tief im Schritt hängende Hosen? Wahrscheinlich Schule XYZ, auf die eh nur Idioten gehen. Gute Schüler tragen nämlich kein Make-Up, haben mindestens knielange Röcke und die Jungs tragen ihren Gürtel schön auf der Taille. Dem rebellischen Teenager in mir stellen sich die Nackenhaare auf.

** Was gefärbte Haare mit Lernfähigkeit zu tun haben, muss mir auch noch jemand erklären.

Zumindest während meiner Schulzeit wurde viel diskutiert, ob man auch in Deutschland Schuluniformen einführen sollte, um Mobbing vorzubeugen. Mobbing gibt es natürlich auch in Japan- Kinder und Jugendliche werden immer etwas finden, was ihnen am Gegenüber nicht passt, ob es nun die Klamotten sind oder der Haarschnitt. Schuluniformen helfen da nicht wirklich weiter.

Wenn ich Freunde frage, was sie an ihrer Uniform mochten, ist die Antwort meist: “Ich musste mir nicht jeden Morgen überlegen, was ich anziehen soll.”

Na immerhin etwas. Niedlich sind sie trotzdem. 🙂

Woher kommen die Erdbeben?

IMG_2095Überall im Land findet man Schilder wie das oben. Es bezeichnet eine 緊急交通路 (Kinkyû Kôtsû-ro; Notfallstraße), die im Fall einer Naturkatastrophe gesperrt wird, damit Rettungskräfte effektiv arbeiten können.

Aber was macht der glückliche Fisch mit dem lustigen Bart dort? Das ist ein ナマズ (Namazu; Amur-Wels).

Nach einer alten Legende leben unter Japan riesige Welse. Wenn die anfangen zu wüten, wackelt die Erde. Die Fische sind tatsächlich extrem empfindlich für Spannungsänderungen, sie wissen also, wenn ein Erdbeben kurz bevorsteht und bewegen sich panisch – damals hat man das einfach falsch herum gehabt.

Obwohl inzwischen natürlich jeder weiß, wie Erdbeben wirklich entstehen, kennt fast jeder die Geschichte von den Welsen. 🙂 Ist ja auch ein putzigeres Maskottchen für Notfallstraßen als — ich weiß nicht.

Wie würdet ihr Erdbeben grafisch darstellen?

Die liebsten Hunde der Japaner.

Prof. Dr. Dr. Mocha klärt auf!

Prof. Dr. Dr. Mocha klärt auf!

Trotz der kleinen Wohnungen der Japaner, 77,4% der alleinstehenden unter 30 leben auf unter 30qm*, gibt es erstaunlich viele Hunde. Bei uns am Fluss treffen wir immer wieder Hunde beim Herrchenausführen. 🙂 Dabei sind Rassehunde zumindest in der Stadt eindeutig in der Überzahl.

* Quelle

Die meisten davon wiederum sind eindeutig Schoßhunde. Von Platz eins bis zehn, aus einem Beliebtheitsranking: Zwergpudel, Chihuahuas, Zwergdackel, Shiba Inu, Spitze, Yorkshire Terrier, Shih Tzus, Zwergschnauzer, Malteser. Suchet den einzigen Nicht-Winz-Hund. 😉

IMGP9511In Deutschland sind 柴犬 (Shiba Inu oder Shiba-ken*) eher unbekannt, sie schaffen es nicht einmal auf die Top 50 der beliebtesten Hunderassen. Der Shiba gehört zu den urtümlichen Hunderassen (Ancient Dog Breeds), ist näher mit dem Wolf verwandt als z.B. syberische Huskys und hat sich in den letzten hundert Jahren nicht halb so sehr verändert wie beispielsweise der Mops, er ist nur etwas schlanker geworden. Ursprünglich wurden Shibas als Jagdhunde gezüchtet, heute sind sie wegen ihres Wesens gefragt. Und den süßen Ohren. Und dem putzigen Schwanz. Shibas

* 犬 hat, wie die meisten Kanji, verschiedene Lesungen. Eigentlich ist nur Shiba Inu richtig, aber Shiba-ken ist einfacher auszusprechen. 🙂

Der Shiba ist einfach der japanische Hund und hat als solcher schon irgendwie eine besondere Stellung, vielleicht auch weil er kein Modehund ist. Shibas gibt es schon immer, und mindestens so lange leben sie mit Japanern zusammen. 🙂 Und vielleicht ähneln sie ihren Herrchen ja auch etwas? 😉 Shibas bellen sehr selten, sind super reinlich** und freunden sich nicht sonderlich schnell mit Fremden an. Gegen solche Gemeinsamkeiten kommt kein Schoßhund an. 😉

** Der Hund meiner Schwiegereltern, auf den Fotos zu sehen, hat sich selbst stubenrein trainiert.

Der legendäre Hund ハチ公 (Hachikô) ist übrigens kein Shiba, sondern ein 秋田犬 (Akita-ken; Akita Inu).