Planlos in Gunma

Mein Mann und ich sind seit letztem Wochenende seit 15 Jahren verheiratet. In diesen 15 Jahren sind wir viel gereist. Seit der Geburt unseres Sohnes können wir das natürlich nicht mehr so spontan machen, wie früher.

Weil solche spontanen Ausflüge aber besonders viel Spaß machen, haben wir zur Feier unseres Hochzeitstages eine unglaublich schlecht geplante Reise unternommen. 🙂

Eigentlich wäre der Bahnhof Doai (土合駅 Doai-Eki) in der Präfektur Gunma ein einfaches Ziel: Man fährt mit dem Shinkansen bis zum Bahnhof Echigo-Yuzawa in der Präfektur Niigata und steigt in eine lokale Bahn um, mit der man nach weiteren 25 Minuten Fahrt im Bahnhof Doai ankommt. Wir stiegen in die Bahn, die in die entgegengesetzte Richtung fuhr. Eigentlich kein Problem, einfach am nächsten Bahnof aussteigen und in die nächste Bahn in die richtige Richtung steigen – Wenn man denn in Tokyo wäre. Auf dem Land fährt aber nicht alle fünf Minuten eine Bahn, sondern manchmal nur alle drei Stunden. Letztendlich war es uns zu blöd, und wir bestellten ein Taxi für die teuerste Taxifahrt, die ich jemals unternommen habe. Unser Taxifahrer hat uns auch für komplett verrückt gehalten.

Wir wollten unbedingt nach Doai, weil die Bahnhofsanlage außergewöhnlich ist: Züge in Richtung Süden fahren von einem überirdischen Bahnsteig ab – Der andere Bahnsteig, für die Züge in nördliche Richtung, befindet sich im Berg und ist nur über einen längeren Fußmarsch und viele Treppenstufen zu erreichen.

Die Atmosphäre erinnert sehr an Videospiele oder Filme im postapokalyptischen Setting.

Im ehemaligen Bahnhofsbüro befindet sich heutzutage ein Café. Viele Elemente der Schalter sind erhalten geworden, was einen ganz besonderen Charme verleiht.

Diese ganze Gegend Japans ist Schneegebiet. Selbst Mitte März bedeckte noch eine dicke Schicht Schnee die Berge. Eine kurze Busfahrt vom Bahnhof Doai kann man mit einer Seilbahn auf den Berg hinauf- und ihn – mit dem richtigen Equipment ausgestattet – auch wieder herunterfahren. Wir hatten gar nichts dabei, aber allein über den Anblick von Schnee und den tollen Ausblick haben wir uns gefreut, wie kleine Kinder. Nächstes Jahr wollen wir unbedingt mit unserem Sohn für ein paar Tage in ein Ski-Resort fahren.

Mehr: Ein Tag im Schnee: Unser Familienausflug nach Yuzawa Nakazato

Eigentlich hätte unser Ausflug hier enden sollen. Aber wir wollten noch nicht nach Hause, unser Sohn war bei seinen Großeltern auch hervorragend untergebracht, und so buchten wir kurzerhand eine Übernachtung in einem Hotel mit heißen Quellen im nächsten Städtchen. Nicht vergessen: Wo es in Japan Berge gibt, gibt es auch heiße Quellen.

Das Hotel, Matsunoi (松乃井), ist riesig. Unser Zimmer war zwar eher klein und eng, aber bei drei Onsen-Bädern und Abendessen- und Frühstücksbuffet beschwere ich mich nicht. Außerdem konnten wir einen Karaoke-Raum für eine Stunde kostenlos nutzen. Karaoke gehört zu solchen Onsen-Hotels genau so, wie kleine Game Center und Tischtennisplatten.

Da die Übernachtung sehr spontan war, hatten wir natürlich keinerlei Wechselkleidung dabei. Glücklicherweise gibt es in der Nähe des Hotels einen Family Mart 24-Stunden-Laden, und im Family Mart kann man immer Unterbekleidung kaufen.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit der Bah diesmal in die richtige Richtung: Zurück zum Bahnhof Echigo-Yuzawa, um in den Shinkansen zurück nach Tokyo zu steigen.

Unser kleiner Ausflug ist sicher keiner, den irgendjemand 1:1 nachreisen möchte. Aber sich für eineinhalb Tage einfach treiben zu lassen und nur zu machen, worauf man selbst Lust hat, ist für Eltern von kleinen Kindern wahrscheinlich der größte Luxus. 🙂

2 Gedanken zu „Planlos in Gunma

  1. Sari sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zum 15. Hochzeitstag. Bei uns sind es dieses Jahr dann auch 18 Jahre… urgs…
    2024 sind wir das erste Mal seit es die Kinder gibt tatsächlich für ein paar Tage alleine verreist. Das hat sich so seltsam angefühlt *lach*

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