Ein Tag in Sendai

Vor einigen Wochen fuhr ich für ein Konzert nach Sendai. Die Stadt liegt etwa 370 km nördlich von Tokyo und ist mit dem Shinkansen innerhalb von eineinhalb Stunden zu erreichen.

Ich mag Sendai. Die Stadt ist relativ kompakt und es sind nicht so viele Leute unterwegs, wie in Toyko. Trotzdem hat man nicht das Gefühl, dass die Stadt demnächst aussterben wird.

Auch touristisch ist Sendai eher übersichtlich. Die bekanntesten Orte konnte ich innerhalb von wenigen Stunden abklappern – und hätte ich mich ein wenig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auseinandergesetzt, wäre es sogar noch schneller gegangen.

Wer Sendai besucht, kommt am Stadtvater nicht vorbei. Der Daimyō Date Masamune (伊達政宗) erkor den Ort wegen seiner guten Anbindung an Edo (heute Tokyo) zum neuen Mittelpunkt seines Handelns aus und ließ eine Burg errichten. Wie die meisten Burgen, ist diese heute nicht mehr erhalten. Auf dem ehemaligen Gelände kann man zwar noch teilweise nachvollziehen, wo sich die Burg befand, aber es gibt keine Gebäude zu sehen.

Stattdessen steht auf dem Burggelände, das die Stadt Sendai überblickt, eine Statue von Masamune hoch zu Pferde. Obwohl er dafür bekannt war, dass er nach einer Krankheit im Kindesalter auf einem Auge blind war, was ihm auch den Namen “Einäugiger Drachen” (独眼竜 Dokuganryū) einbrachte, ist es bei dieser Statue und auch anderen Bildnissen von ihm intakt. Er hatte wohl die Anweisung gegeben, dass er mit dem Körper, dem ihm seine Eltern geschenkt hatten, abgebildet werden sollte.

Direkt hinter dem Burggelände steht der Gokoku-Schrein (護國神社 Gokoku-Jinja), in dem Kriegsgefallenen aus der Präfektur Miyagi gedacht wird. Der rote Teppich war für ein Brautpaar ausgerollt worden, die dort ihre Hochzeitsfotos anfertigen ließen.

Am Fuß der Burg befindet sich das Stadtmuseum (仙台市博物館 Sendai-shi Hakubutsukan). Dort kann man mehr über die Entstehung der Stadt und natürlich Masamune erfahren. Insgesamt ist es hübsch gemacht, mit erstaunlich vielen Dingen, die man anfassen kann, aber wie so oft wurden leider nicht alle Begleittexte mit einer Übersetzung versehen.

Weil Sendai der Schauplatz des beliebten Volleyball-Manga und Anime “Haikyuu!!” (ハイキュー!!) ist, kann man im Museum sogar spezielle Postkarten kaufen. Ich habe den Anime nicht gesehen, aber in Sendai gibt es für Fans einige spannende Orte.

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Einen kurzen Fußmarsch entfernt steht ein prachtvolles Mausuleum, die letzte Raststätte von Masamune und seinen Nachfahren, der Zuihōden (瑞鳳殿). Leider handelt es sich hierbei nicht um das ursprüngliche Gebäude, sondern um eine Rekonstruktion. Der alte Zuihōden war im Krieg einem Bombenangriff und dem daraus resultierenden Feuer zum Opfer gefallen.

Der Zuihōden ist sehr farbenfroh und durch seine Motive – Drachen, Shishi (Löwenfiguren), Vögel und Schmetterlinge – wirkt er auf mich kein wenig bedrückend. Bei meinem Besuch war das zugehörige Museum leider wegen Umbauarbeiten geschlossen, aber viele Freiwillige erklärten einem gern den gesamten Gebäudekomplex – zumindest auf Japanisch. 😉

Wenn man diese ganze Tour rückwärts durchführt – also vom Zuihōden über das Stadtmuseum zum Burgpark – kann man übrigens den Bus nehmen. Der fährt in eine Richtung im Kreis durch die Stadt. Stattdessen lief ich viele Strecken, aber ich wollte dieses Jahr ja sowieso mehr Sport machen …

Auf meinem Rückweg zum Bahnhof lief ich noch durch die Einkaufsstraßen Sendais und aß in einem Café einen Pfannkuchen. Schließlich muss man für ein Konzert ja gut gesättigt sein. Letztendlich kaufte ich im Bahnhof noch ein paar Mitbringsel für meinen Mann und meine Schwiegereltern und dann war’s das auch schon mit dem touristischen Teil meines Tages.

Wahrscheinlich könnte man sich in Sendai noch mehr ansehen, aber ich fürchte, dass die Stadt wahrscheinlich besser zum Leben als zum Besuchen ist. Für Besucher lohnt sie sich möglicherweise nur, wenn man noch ein anderes Reiseziel in der Nähe, oder einen weiteren Grund, in der Stadt zu sein, hat.

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