Drei Manga mit Boys’ Love drin.

Eines von drei Büchern, das in Japan verkauft wird, ist ein Manga. Bei den digitalen Verkäufen sind es sogar fast 90%. Es gibt in Manga für alle Themen: Essen, Reisen, Liebe, Leben mit Haustieren, …

Und dann gibt es ein riesiges Angebot von Geschichten über schwule Männer. Nur stehen die nicht etwa bei den anderen Comics für Jungs und Männer und werden meist auch nicht von Männern gezeichnet. Boys’ Love Comics sind von Frauen für Frauen – und sie sind ein gewaltiger Markt.

Inklusive CDs, Anime usw. usf. setzt Boys’ Love (BL) pro Jahr über 170 Millionen Euro um.

Mangas für schwule Männer von schwulen Männern existieren, es handelt sich dabei aber um eine verschwindend geringe Zahl gegenüber der Masse an Content, den Frauen für Frauen schreiben und zeichnen.

Es gibt die verschiedensten Theorien, warum Frauen Boys’ Love lesen. Meine ganz persönliche ist diese: Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft und Japan ist in Sachen Gleichstellung ganz weit hinten. In Beziehungen zwischen Männern und Frauen, so wie sie auch in Manga (vor allem denen für Erwachsene mit Sex-Szenen) dargestellt sind, sind beide oft nicht ebenbürtig – zu Lasten der Frau. Wenn ich als Frau einen Manga lese, in dem eine Frau abgefüllt oder schlecht behandelt wird und das irgendwie vollkommen normalisiert dargestellt wird, möchte ich ihn nur noch reflexhaft in die Ecke knallen. Schließlich sollen Manga auch ein wenig Wunscherfüllung sein.

Wenn alle Charaktere aber Männer sind, bin ich persönlich nicht involviert. Es gibt bei Boys’ Love die eigenartigsten Szenarien und vieles würde ich, wäre eine Frau involviert, wahrscheinlich problematischer finden, aber so kann ich als Person komplett außen vor bleiben. Dass die Männer in Boys’ Love von Frauen geschrieben sind, spielt in Sachen Wunscherfüllung sicher keine zu vernachlässigende Rolle.

Überhaupt auf das Thema gekommen bin ich übrigens, weil ich im Verleih einen schönen Manga gefunden habe, bei dem es um Boys’ Love geht, ohne dass es Boys’ Love ist.

メタモルフォーゼの縁側

Metamorufōze no Engawa (BL Metamorphosen – Geheimnis einer Freundschaft)

Von Tsurutani Kaori

In Japan bei Kadokawa, in Deutschland bei Carlsen Manga erschienen

Die Reihe ist mit 5 Bänden abgeschlossen

Die 75-jährige Yuki nimmt in einem Buchladen einen Manga mit, weil sie das Cover so schön findet und stellt zuhause fest, dass es sich bei der Geschichte um eine Romanze zwischen zwei jungen Männern handelt. Auf der Suche nach dem zweiten Band trifft sie auf die Schülerin Urara, die in dem Buchladen jobbt und BL liebt, und freundet sich mit ihr an.

Der Manga erzählt auf sehr ruhige Art und Weise von dieser ungewöhnlichen Freundschaft. Ich fand ihn einfach schön. 🙂


Und daraufhin bin ich im Boys’ Love-Sumpf steckengeblieben. 😀

Die beiden Boys’ Love Manga, die mir im Sumpf am besten gefallen haben, haben leider noch keinen deutschen Verlag gefunden, aber vielleicht trudelt irgendwo im Internet eine Übersetzung herum oder ihr könnt Japanisch lesen, deswegen stelle ich sie trotzdem kurz vor.

のみ×しば

Nomi x Shiba

von Tagura Tōru

Erscheint bei Shueisha

Bisher 2 Bände

Nomiya und Mikoshiba teilen sich ein Zimmer in einem Jungeninternat und sind unglaublich einander verknallt – aber fest davon überzeugt, dass der jeweils andere kein Interesse an Männern hat. Gar nicht so einfach, wenn man mitten in der Pubertät mit dem Schwarm auf engstem Raum leben muss …

Die Autorin sagt, dass sie beim Zeichnen des Mangas unglaublich viel Spaß hat, was auch aus jedem Panel spricht. Die beiden Hauptcharaktere sind einfach absolut niedlich und gutes komödiantisches Timing sowie ein hervorragend ausgeflippter Supporting Cast tun ihr übriges.


Wer lieber Geschichten mit erwachsenen Protagonisten liest, für den ist vielleicht der nächste Manga etwas.

GAPS

von Sato Tsubame

Erscheint bei Taiyo Tosho

Bisher 5 Bände

Hasegawa ist 37 Jahre alt, unverheiratet, und spürt das Alter immer mehr – besonders, wenn er sich mit seinem Untergebenen Katagiri vergleicht: Der ist bei allen beliebt, sieht super aus, erledigt gute Arbeit und hat einen hervorragenden Charakter. Eines Tages stellt Hasegawa aber überraschend fest, dass letzteres offenbar nur für die Arbeitszeit gilt. Ansonsten ist der Typ die reinste Katastrophe – Und verguckt sich plötzlich in Hasegawa.

Ich liebe fast alles, was Sato Tsubame geschrieben und gezeichnet hat und GAPS ganz besonders (es soll bitte nie enden). Am Zeichenstil scheinen sich die Geister zu scheiden, ich persönlich mag ihn, aber selbst, wenn nicht – die Story wiegt das mit links wieder auf. Die Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren ist hervorragend und die verbalen Schlagabtausche sind herrlich.


Leider ist die Situation für Homosexuelle in Japan anders, als man bei so viel “Repräsentation” (Erinnerung: Von Frauen, für Frauen) erwarten würde. Zwar ist Homosexualität nicht illegal und man muss auch nicht damit rechnen, auf der Straße angefeindet zu werden, aber das Land ist in vielen Belangen einfach unglaublich konservativ. Viele outen sich erst gar nicht nicht, und die Ehe für alle wird zwar von der Allgemeinheit unterstützt, von der Politik aber nicht umgesetzt. Als einziges asiatisches Land können in Taiwan gleichgeschlechtliche Partner heiraten. Die Regierungs-Dinosaurier in Tokyo halten lieber an ihrer Meinung fest, dass eine Ehe für alle das Problem der geringen Geburtenrate noch verschärfen würde und generell und überhaupt. In einigen Gebieten Japans gibt es Partnerschaftsurkunden, aber die sind nicht rechtlich bindend.

Vielleicht brauchen wir weniger Manga über hübsche Männer und mehr über politischen Aktivismus.

Mehr: Drei Manga mit Katzen drin.

3 Gedanken zu „Drei Manga mit Boys’ Love drin.

  1. Kes sagt:

    Zum Thema, warum Frauen Boys Love lesen, kann ich meine eigene Meinung kundtun. Ich liebe diese Geschichten, weil ich festgestellt habe, dass ich mich mit weiblichen Figuren selten in Lovestorys identifiziere, ich konkurriere unbewusst. Das macht das Ganze nicht sehr genussvoll, wie man sich denken kann.
    Abgesehen davon kann ich zwischen 2 Boys wählen und auch switchen, was meine Zuneigung angeht. Ich komme sozusagen in eine voyeuristische Position, das gefällt mir gut.
    Des Weiteren sind es oftmals langsame Anbahnungen zwischen den Charakteren, es entsteht dabei ein Tanz, den die Jungs umeinander aufführen. Das ist einfach schön anzusehen.
    Und natürlich, in heterosexuellen Lovestorys gibt es meist entweder, oder. Entweder total fluffy, love-dovey, romantisch oder man kommt angemessen zur “Sache”. Im Großteil der Boys Love -Storys gibt es beides. Egal wie cute die Story ist, erotische Szenen bleiben nicht aus. Und das ist für mich realistischer, als eine aufgesetzte Romantikschnulze.
    Sorry. Just my two Cents. =O)

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